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Preis 10 Pfennig.

Morgen- Ausgabe.

Die Freiheit

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Rebattion: Berlin R 6, Schiffbanerbamm 19 III. Fernsprecher Amt Norben 2895 und 2896.

Die Freiheit erscheint zweimal täglich, morgens und nachmittags, an Sonn- und Festtagen nur morgens. Der Bezugspreis beträgt bei freter 3uftellung ins Haus für Groß- Berlin monatlich 2 Mark, nach außerhalb( 3ufendung unter Streifband) 4 Mark. Bestellungen find bis auf weiteres ausschließlich an die Expedition zu richten. Für die ist ber Bezugsgebühr erforderlich.

Cgpedition: Berlin NW6, diffbanerbamm 19 IV. Fernsprecher: Amt Norden 11007 und 110 08.

Inferate kosten bie fiebengespaltene Millimeterzeile oder deren Raum 30 Pf. Kleine Anzeigen" bas fettgebruckte Bort 30 Bf., jedes weitere Wort 15 Pf. Teuerungszuschlag 30 Prozent. Bei Familienanzeigen und Bersammlungsankündigungen von Gewerkschaften und politischen Or ganisationen fällt der Teuerungszuschlag fort. Inserate für die Morgens ausgabe müssen bis 5 Uhr abends am Tage zuvor, Inserate für die Uhr bei der Expedition aufgegeben fein.

Btlebigung auswärtiger Bellellungen sorberige Cinfendung er prungsausgabe ble norm. 11

der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Jahrgang 1

Tonnerstag, den 21. November 1918

Die Lebenden an die Toten.

Nummer 11

Hunderttausende von Menschen sind gestern hinaus- zu denken. Es muß arbeiten, raftlos, unermüdlich ar- Jacht Särge der Gefallenen ftanden, je vier nach Often und Westen, gezogen, um den Opfern der Revolutionskämpfe die letzte beiten, um die Fundamente seiner Macht den wirtschaft. auf dem Untergestell, deffen Frontlänge 14 Meter und beffen Ehrung zu erweisen. Die Arbeiter und Soldaten, die in lichen und staatlichen Aufbau zu sichern, von dessen Eristens Seitenlänge 12 Meter betrug. Die Rednertribüne, die rot aus den ersten Reihen der Revolutionsfämpfer gestanden, bil- auch seine eigene Bufunft abhängt.

Vor dem Rednerpult hatten die näheren Angehörigen der Gefallenen ihre Blake angewiesen erhalten. Dahinter standen in weitem halbkreis die zahlreichen Aranzabordnungen der Fraktio nen und Verbände, Gewerkschaften, Fabriken usw. Es war Punkt 11 Uhr, als 50 Posaunenbläser, die in dem roten Aufbau ber­stedt waren, in drei langegezogenen Tönen den Beginn der Feier perkündeten.

Als erster Redner sprach Richard Müller im Namen des Vollzugsausschusses der Arbeiter und Soldatenräte. Er führte etwa aus: 3ch sende den Gefallenen die letzten Grüße. Am 9. November zogen wir aus und fehrten nach wenigen Tagen fieg. reich zurüd. Es ziemt sich heute nicht, ga flagen. Mit Stola ge denken wir des Todes dieser Proletarierfinder, deren Namen mit goldenen Lettern für ewig in das Buch der Geschichte eingetragen

geschlagen war, richtete sich gegen Tempelhofs ungeheure Menschen maffen. Ununterbrochen rüdten von allen Seiten die Abord­deten auch die große Mehrheit derer, die ihre gefallenen Aber darüber fann es seine Klaffengegner feinen nungen der Groß- Berliner Truppenteile, der Gewerkschaftsbez Kameraden zu Grabe geleiteten. Herzliche, tief empfun Augenblid in Bweifel laffen, daß es nicht daran denkt, bände und fast sämtlicher großer und mittlerer Fabrikunter dene Worte wurden gesprochen, erhebend und impofant diese gewaltige Arbeit in ihrem Interesse, im Intereffe nehmungen Groß- Berlins heran. Ueberall webten die roten, um­war das äußere Bild der Feier die an Größe wohl alles des Stapitals zu vollbringen. Wenn das deutsche Brole- florten Fabrikbanner und Fahnen. übertraf, was wir sonst bier gesehen. Aber der Hauptinhalt tariat jezt an die Forträumung des Trümmerhaufens der gestrigen Revolutionsfeier bestand nicht in Worten. Herangeht, die der Krieg ihm hinterlassen, so bergißt es nicht in den Huldigungen, die wir den gefallenen Stämpfern feinen Augenblid die unauslöschliche Schuld der besitzenden darbrachten. Er bestand darin, daß das arbeitende Volf Klassen, die den Strieg angezettelt und geführt, die das Berlins und feine Brüder im Waffenrod zum ersten Male Blut der Gefallenen in Milliardenverdienste umgemünzt geiioiiene tasse sich zusammengefunden hatten, und den Frieden hinausgezögert haben, weil fie noch nicht um gemeinsam den Willen zu befunden, den Kampf genug am Kriege verdient, noch zu wenig Beute aus den beiter zu führen, an deffen Anfang unsere toten eroberten Provinzen heimgeholt hatten. Jetzt sind diese Namecaden fielen. Schichten von der Bildfläche verschwunden. Jetzt halten sie Bisher mar uns das Andenken gefallener Freiheits- fich im Hintergrund und warten, bis das Proletariat' das fämpfer ein steter Antrieb zum Stampf gegen Snechtschaft Sdaverste vollbracht, das Land über die furchtbarste Serise, die und Ausbeutung, gegen Ungerechtigkeit und Tyrannei. es je erlebt, bimveggeholfen. Sie warten und hoffen. Sie Die Toten riefen die Lebender! Sie pornten fie an zur wühlen im geheimen und harren der Stunde, wo sie wieder unermüdlichen Arbeit, sie schärften ihr Gewiffen fie feuer- als Herren, als Befehlshaber des Volfes hervortreten fön. Der nächste Redner war Brutus Mollenbuhr, der ten ihren Opfermut an. Dieser Antrieb bleibt auch heute nen. Sie täuschen sich, wenn sie glauben, diese Stunde werde darauf hinwies, daß die Soldaten, die länger als vier Jahre die beftehen, denn wir sind noch nicht so weit, daß wir auf fommen. Mit der alten Herrlichkeit der Bevor- Werkzeuge der Reaktion waren, sich nun an die Spiße des deut. Lorbeeren ausruhen und den Kampf, der erst in den Anzugten und Besizenden ist es endgültig ichen Boltes stellten. So tapfer wie sie gegen den äußeren Feind fängen steht, abbrechen dürfen. Aber wir haben jetzt schon borbei. Das deutsche Proletariat wird sich nicht wieder gekämpft haben, mit den gleichem Heldenmut werden sie sich gegen das Necht, auch zu den Toten zu sprechen. Wir Rebenden unter das alte Joch beugen lassen. Es wird nicht revoltieren, den inneren Feind wenden. Die Republik wird stets auf sie zählen fönnen." bürfen nun an unfere gefallenen Kameraden, an alle, die es wird keine Butsche versuchen, es wird der Gegenrevolu Sierauf betrat für die Renierung Genoffe Haase das Po früher für uns gefämpft und gelitten, an alle die, wo es tion feinen Anlaß geben, es wieder an die Gurgel zu dium und sagte mit weithinschaftender Stimme: 70 Jahre find auch sei, für den Sozialismus wirften und fielen, Worte paden. Es wird in rubiger, zielbewußter Arbeit, geftüßt auf vergangen, 70 Jahre der Enttäuschungen, der Unterdrückung und freubigen Dankes, Worte der Zuversicht richten. Wir feine Straft, auf seine Disziplieniertheit auf seine politische der Knechtschaft. Alljährlich plgerten am 18. Mära die Arbeiter­tönnen ihmen jagen, daß wir endlich die Schmach unseres und wirtschaftliche Schulung, an den Aufbau seines ei ge- maffen nach dem fleinen Friedhof hinaus, um das Gedächtnis Suchthausdaseins ausgeiilgt, daß wir die Sklavenfetten, nen Reiches, des Reiches des Sozialismus und der Gerechiener Revolutionshelden, der Märzgefallenen zu ehren. Manch die uns feffelten, aerriffen, daß wir den Hort der Welt­reaktion, den preußisch deutschen Militärstaat fortgefegt und daß wir nun voll einheitlichen Willens und eiserner Euverficht daran schreiten, die Fundamente herzustellen für die endliche Befreiung der leidenden Menschheit vom Joche des Kapitalismus .

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mal schien es, als ob die revolutionäre Energie gelähmt sei; aber immer wieder erhob sich in der Arbeiterschaft der Gobanfe nach Freiheit. Der Rebner erinnerte an die flammenden Worte Freiliggraths, stets gerüstet und bereit sein, daß die Erde fre werde! Nun sind die Massen endlich frei geworden und haber die netten der Sllaverei abgestreift. Noch nie ist eine Revolu fion mit so geringen Opfern erkämpft worden. Feierlich ver spreche ich an dieser Stelle, daß wir nie die Toten und ihre An gehörigen vergessen werden. Wir geloben diefen Toten all un fere Straft für die fiegreiche Fortführung des fiegreich begonnenen Werkes einzusehen. Neben der politischen Freiheit muß die so­aiale Freiheit erstritten werden. Mit Fug und Recht können das diefe Toten von uns fordern. Sie haben das erreicht, wonach Millionen gestrebt haben.

tigkeit schreiten. Es wird feinen von dieser Arbeit aus­ichließen, es wird niemandem verwehren, an der Neugestal tung des Staates und der Wirtschaft mitzuarbeiten, es wird niemanden vergewaltigen und niemand seiner Freiheit be­rauben. Es wird aber auch andererseits nicht zulassen, daß die organisierte Bergewaltigung und Freiheitsberaubung, Wir sind uns dessen bewußt, welch ungeheure Schmie- die organisierte Ungerechtigkeit und organisierte Ungleich rigkeiten wir zu überwinden haben. Wir wissen auch, daß beit die den Sinn des kapitalistischen Systems ausmachen, wir nur die ersten Schritte getan, daß die Feinde zahlreich, weiter bestehen bleiben sollen. In welchen Formen und in daß unsere eigenen Kräfte noch zersplittert und nicht ge- welchem Tempo sich dies vollziehen wird, hängt von Fafto­nügend organisiert sind. Aber weil wir das wissen, werden ren ab, über die erst die nächsten Wochen und Monate ent­wir das Leyte aus uns herauszuholen suchen, um an unse- scheiden werden. Maßgebend aber ist vor allem die Tatsache, rem Berfe weiter zu bauen, werden wir unseren Willen daß die Umgestaltung im sozialistischen Nach ihn ergriff im Auftrage der preußischen Regierung der stählen, unser Auge schärfen, unsere Sträfte sammeln, um Sinne fommt, daß das Proletariat mit allen Fibern Minister des Innern Kirsch das Wort und sagte: Tiefer nicht auf halbem Wege stehen bleiben zu müssen. seiner Seele daran hängt, ja daß es keine andere Rettung Schmerz erfüllt uns, daß diese Freiheitshelden nicht mehr den In seinem Bericht, den Genosse Stich. Müller im aus dem Kriegselend gibt, als die Verwirklichung seiner Aufstieg des Volles erleben fönnen. Als Proletarier sind sie ge­storben. Durch Taten aber werden wir ihnen beweisen, daß sie Namen des Bellzugsausschusses vorgestern dem Berliner sozialistischen Endziele. Arbeiterrat erstattete, stellte er fest, daß wir ein furchtbares Deshalb fonnten die Lebenden, die gestern zu den Toten des Opfers wert find. Das Bolt hat seine Stetten abgeschüttelt. Erbteil von der alten Regierung übenommen haben. Das Sprachen, ruhig verkünden, daß die Ziele, für die unsere Ge- Preußen, ehedem das festeste Bolliver der Reaktion, wird fortan die sicherste Stüße der Freiheit sein. Ms Vertreter der Männer, deutsche Proletariat hat die Herrschaft angetreten in einem nossen fielen, der Verwirklichung nahe sind. Der Sozialismus ist auf dem Marsche! und die Freiheit so fest zu verankern haben, daß sie feine Macht die als Beauftragte des Volkes die vielen Jdeale zu verwirklichen Augenblick, wo das ganze Reich einem Trümmerhaufen gleicht. Noch sieht das Volk die ungeheure Tragik der Lage& risch auf, ans Wert, Kameraden! der Welt mehr nehmen kann, nehme ich Abschied von den Opfern. nicht, in die es durch die verbrecherische Politif der Regie­Die letten Grüße der Berliner Arbeiterschaft und der Stadt Berlin überbrachte der Stadtverordnete Rechtsanwalt Dr. Kurt rung und der besigenden Klassen gestürzt worden ist. Aber Rosenfeld . 1848 machte die Beerdigung vor den Hohenzollern mit dem Zurückfluten unserer Truppen, mit dem Fortschrei­ten der Demobilisierung, mit der Durchführung der raussichtlich der letzte in Preußen wie ihn die deutsche Reichs. Salt. Heute wird kein Preußenfönig fich vor den Leichen der Ne drückenden Waffenstillstandsbedingungen werben die bauptstadt noch nie, erlebt hat. Schon am frühen Morgen strem- volution verneigen. Heute weht auf dem Schlosse die rote Fahne. Schwierigkeiten der Arbeitsbeschaffung und der Volkser- en Taufenbe und Abertausende auf allen Bugangsstraßen Wir werden der Opfer stets gedenten und folange fämpfen, bis die sozialistische Gemeinschaft erreicht sein wird. nährung sich steigern, werden die Ansprüche wachsen, die Ein leichter Regen geht hernieder, als sich das Bolf an den wirtschaftlichen und staatlichen Apparat richten wird. Muf dem östlichen Teile des historischen Paradefeldes, nicht weit der Zug in Bewegung von der Stätte, die so oft der Schauplaß eines militärischen Ge- feßt. Eine Ehrenkompagnie des Megander Regiments mit der Für das siegreiche Proletariat ergeben sich hierans pränges war, fand um 11 Uhr vormittags die Trauerfeier für die Stapelle, dasselbe Regiment, das einft aufgefordert wurde, auf Aufgaben von ungeheuerlichem Ausmaß. Es hat feinen Opfer der Berliner Nevolutionstage statt.$ ier war ein großes Mütter und Brüber zu schießen, eröffnete ihn. Die Strang Angentlid Beit, um sich der Freude über den erkämpften ameieinhalb Meter hohes Golapodium in der Nacht zum Mittwoch deputationen bien ch an, ein unabsehbarer Bug der Ver­Bieg hinzugeben. Es bat nicht die Möglichket bloß an errichtet worden. Auf dem schwarz gehaltenen Unterbau erheb treter aller Jabriten nit mächtigen Gewinden, mit Fahnen, die Fortführung des Stumpfes gegen feine Klaff. gegner fich in 5 Meter Höhe ein wuchtiger rotflommender Aufbau. Die! Standarten und Tafeln. Not, zat überall. Not die Bahnen, rot

Das Begräbnis der Opfer der Revolution.

Fin trüber grauer Novembertag brach an, ein Bußtag

nach dem

Tempelhofer Felde.