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Nr. 620.

Die Sanwirtschaft in den Reichswerten.

Zweite Beilage zur Freiheil"

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Sonntag, 21. Dezember 1919

Ich stimme völlig den Ausführungen Aufhäusers sh Auch ich bin der Auffassung und spreche damit auch im Namen der 11. S. P.- Fraktion der Nationalbersammlung, daß das Be­triebsrätegefeß in der Fassung, wie es jest nach ben Beschlüffen dea Siebener Ausschusses vorliegt, für die flaffenbewußte Arbeiterschaft unannehmbar ist. Die Arbeiterschaft wird den Feinden und Unterdrüdern des Bolles durch ihre Organi sationen den Beweis erbringen, daß sie gelernt hat, nach dem 9. November erst recht ihre Menschenrechte zu erlämpfen." Die Konferenz beschloß in der Frage des Betriebsrätegejekes folgendes:

Schlusse aus, daß nur energisches Auftreten der Arbeiterschaft die was dem roten Bollzugsrat durch Noste verboten worden fel Reichswerte für das Reich und für die Arbeiterschaft retten fönne. Dr. Boldt fonnte nur entgegnen, daß er hierauf nicht sin Anschließend gaben einzelne Vertreter der andern Werle gehen könne. furge Berichte. Ueberall dieselben ftandalösen 8u. Genoffe rhI gab folgende Erklärung ab: stände wie in Spandau . In Erfurt werden rich. Ws im Mai dieses Jalyres die Heereserfstätten in büchsen für 120 M. angefertigt, der Herstellungspreis ist 180 M. Spandau vorübergehend geschloffen und viele tausend Ar- Gewehrschäfte, die sehr gut in Erfurt berarbeitet werben beiter mit einem Schlage brotlos gemacht wurden, erregte fonnten, wurden an einen Herrn, der dem Reichsverwertungsamt bies großes Aufsehen und unter den beteiligten Arbeitern nahesteht, für 58 Pf. das Stud verlauft. 17 000 Iühlampen begreiflicherweise helle Empörung. Die Aufregung pflanzte wurden der A. E. G. zu 200-300 Prozent unter bem fich fort bis in die Nationalverjammlung, und die Regierung Engrospreis überlassen. wurde nach den Gründen dieser Maßnahme befragt. Noske, der Mann mit den starken Nerven und der eisernen Stirn, stellte sich hin und verteidigte die Maßnahme mit der Faulheit der Arbeiter und der Rodderwirtschaft der Arbeiter. räte, die damals noch Einfluß in den Betrieben hatten. Wenn das so weiter ginge, dann wäre der Reichsbanberott bald da usw. Die Betriebe müßten von den radikalen Ele­menten befreit werden, eine straffe Hand müsse die Be- beitern bes Reichswerts 75 M. triebsleitung in die Finger bekommen und was dergleichen Worte mehr dem Wunde des Herrn Reichswehrministers ständig ist, forberte in längeren Ausführungen in der Frage der

entflohen.

Ueberflüssig zu bemerken ist, daß die Nationalversamm. Tung Herrn Noste zustimmte. Die radifalen Glemente" berichymanben, mit ihnen die alten Arbeiterräte, und an ihre Stelle wurden unter dem Schuße und mit Genehmigung eines preußischen Generals neue Arbeiterräte ernannt. bie ganz nach der Pfeife des Herrn Noste und seiner Ge­trenen in Spandau au tangen bereit waren. Bu gleicher Beit trat auch die neue Betriebsleitung ihr Amt on. An Der Spitze stebt Herr Generaldirektor o dh, ber mit einem ganzen Stab von Beamten, die mit ihm zusammen früher Bei der A. E. G. waren, onrüdte. Wie diese Herren dort braußen im Spandauer Reichswert wirtschaften, das geht aus dem folgenden Bericht hervor. Wenn nur ein Bruchteil davon zutreffend ist, dann genügt das vollkommen, am die Wirtschaft, wie sie dort besteht, zu fennzeiden. Dogu beziehen die Herren dort riesenhafte Gehälter, um in völli Der Unfähigkeit- wenn man nicht gerade annehmen nia, in bewußter Weise die Werfe so weit zu bringen, daß der Beichstag später einmal mur allau leidt geneigt sein wird, fie dem Privatfapital zu überantworten. In diesem Bestreben werden die leitenden Direktoren tatlıötty unterstützt von dem Reichsschatministerium, das von der Sochyfinanz stark beeinflußt wird.

Aarf einer Konferenz der Obleute sämtlicher Arbeiter­und Angestelltenausschüsse der deutschen Reichswerke, über bie wir nadyftebend berichten, wurden schwere Anlagen ge­gen alle diese Reichsstellen erhoben. Es ist notwendig, daß fich die Oeffentlichkeit um diese Angelegenheit fümmert und bag eine Unterfudung eingeleitet wird, die die vorgebrach­ten Anschuldigungen prüft. Vor allen Dingen muß dem feinerzeit gewählten parlamentarischen Beirat für die Steichswerte eine weitaus größere Machtbefugnis einge­räumt werden. Jetzt ist dieser Beirat nur als ein eigen­blatt zu betrachten, hinter dem fich die Mißwirtschaft ver­fteden fann. Die Mitglieder des Beirats haben auch thre Ohnmacht bereits eingesehen und tragen fich mit dem Ge­banken, ihr Amt niederzulegen.

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Die vom 18. bis 20. b. M. in Berlin tagende Reichskonferens Ser Obleute der Arbeiter und Angestelltenausschüsse der Reichs­werke Deutschlands , die von 55 Delegierten sämtlicher Reichswerte befchidt war, beschäftigte sich mit der Neuorganisation der Reichsbetriebe, fosialpolitischen Fragen, dem Betriebsrätegeleb und der Kriegsbeschädigten frage. Im Laufe der Verhandlungen wurden schwere Anttagen gegen die Hauptleitung der Reichswerte, gegen bas Reichsschatministerium und gegen die einzelnen Wertsleitungen erhoben, die eine strenge Untersuchung notwendig machen.

Den Reigen der Antiäger eröffnete Herr Dittmar, der als Sachverständiger auf eigenen Antrag vom Reichsschahminifte rium mit der Kontrolle der Spandaner Werke beauftragt worden war. Der ehemalige Reichsschahminister Gothein, der mit beiden Füßen im privatfapitalistischen Lager steht, hat nur Leate aus seinen Kreisen an die Epiße der Reichswerte gestellt. Dr. Weinlig, dem die Reichswerte unterstellt sind und dafür ein Jahresgehalt von 240 000 Mart bezicht, wurde den gestellten Forderungen in leiner Weise gerecht. Der Tirektor des Span­bauer Werles, Dr. Koch, jei trok seiner beiden Doktortitel tein Staufmann. Ehemals Leiter des A. E. G.- Verfaufes in England, hat er sich mit einem ganzen Stabe von A. E. G.- Leuten umgeben, die ihrerseits die Bettern und Basenwirtschaft weiter ausbauten. as Herrn och an faufmännischen Fähigkeiten abgeht, ersett er durch rücksichtsloses und autolratisches Auftreten. fo daß die lebten und befähigtesten Leute das Feld geräumt hätten bzw. im Begriffe stünden, es zu tun. Bezeichnend ist, daß die rechte Hand des Dr. Koch und sein. Assistent, ein Dr. Scherbel, derselbe, ber den Kriegs. beschädigten mit dem Revolver unter der Nafe herumfuchteite, aus der Konfettionsbranche gekommen ist. Nia Ber­sonalchef fezte Dr. Roch seinen ehemaligen Hauptmann( tod) ein, unter dem er als Offiziersstellvertreter diente.( Eine Hand wäscht die andere!) Die Verschleuderungen von Staatsgeldern steigen in viele Millionen, nicht durch die Schuld der Arbeiter, fondern durch die Unfähig. feit der Instanzen bis zum Reichsschaßministerium, oder durch bewußte, groß angelegte Sabotage der Groß­industrieilen und deren Helfer.

In Spandau werden zur Zeit für eine Brivatfirma 50 000 Separatoren, das Stück für 150 M., angefertigt, während der Herstellungspreis mindestens 200 m. beträgt. Ein Herr aus

Ein Spandauer Delegierter ergänzte die Ausführungen Ditt mars. Es werden Jagdgewehre für eine Firma für 180 M: hergestellt, die diese Firma für 600 M. an einhändler weitergibt. Teschings werden für 26. angefertigt und für 60 M. bertauft, Stähle werben für 42 m. abgegeben, bei Wertheim tosten biefelben Stühle 103 M. Während die Stühle an die Be fteller für 42 M. geliefert werben, verlangt man von den Ar

Dr. Becht, der in Spandau beschäftigt war, nun aber selb­Umstellung der Reichswerte Zentralisation nach Fabrikations­zweigen, laufmännische Selbständigkeit der einzelnen Merle, zen­ralisierten Einlauf allgemein benötigter Materialien usw., fonft örtlichen Einkauf, zentralisierten Berkauf nach Branchen mit Spezialisten an der Spike, für jedes Werk einen Aufsichtsrat, in dem Arbeiter und Angestellte einschneidenden Einfluß erhalten müßten.

In der Frage der Umstellung ber Reichswerte legte bie Konferenz folgende Forderungen fest:

Solange das bisherige Syftem in Verwaltung und Be­trieb besteht, ist es unmöglich, den bestehenden, das National­bermögen shiver schädigenden Berhältnissen beizukommen. 13 Monate besteht nun schon ein Zustand zum Schaben des Volksgangen, der dringend der Abstellung bedarf. Folgende Forderungen find unverzüglich durchzuführen:

1. Entmilitarisierung der Betriebe. II. Beitung der Verwaltung nach laufmännisch- industriellen Gesichtswinkel.

III. Abschaffung der fameralistischen Buchführung und an deren Stelle Einführung einer der industriellen Bedeutung der Werte entsprechenden laufmännischen Buchführung.

IV. Umstellung der Betriebe auf industriel- technischer Grundlage.

V. tbestimmung und Mitwirkung der Belegschaft bzw. deren Interessenvertretung bei der Ber­waltung sowohl als auch im Betriebe zur Gebung der Arbeits­freudigkeit und Steigerung der Produktion.

Es ist endlich flarzustellen, welche Betriebe in teichsregie weiterbetrieben werden sollen, damit nicht, wie bisher, die Abteilungen I, II und III des Reichsschahamtes fich gegen­feitig bekämpfen aum Schaden der Betriebe.

Die Obleute find bereit, auch in Bukunft alle erbentlichen Mittel anzuwenden, um das gestedte Biel zu erreichen. Sie betrachten es deshalb als ihre heiligste Aufgabe, an der Um­tellung mitzuwirken und die maßgebenden Stellen bei den zu treffenden Maßnahmen zu unterstüben.

Das aber tann nur geschehen, wenn der Belegschaft das Mitbestimmungsrecht in vollstem Maße gewährt wird. Nur dadurch wird die Umstellung gefördert, die Arbeitsfreudigkeit gehoben und die Produktion gesteigert werden können.

In der Frage des Bohnes usw. wurden folgende Be­lüffe gefaßt:

Die Konferenz wünscht, daß durch eine viergliedrige Stom miffion, möglichst aus Spandauer Vertretern, ein Entwurf für eine Arbeitsordnung fertigauftellen ist. Borschläge follen bon feiten der Vertretungen der einzelnen Neidswerfe der Nommission unterbreitet werden.

Die vorgenannte Stommission wird ebenfalls damit beauf­tragt, alle bestehenden Tarije der Reichewerbe einzufordern und an der Hand dieses Materials einen Rah mentarif für die Reichswerte auszuarbeiten.

Die Teilnehmer der Konferens der Reichswerte aus den Angestelltenfreisen protestieren gegen die Verschleppung des vom Zentralverband der Angestellten und des Bundes der techn. Beamten und Angestellten eingereichten Reichs. tarifentwurfes. Nachdem sich das Reichsfabinett be­reits im Mai 1919 mit dem Abschluß von Tarifverträgen für behördliche Angestellte und Arbeiter einverstanden erklärt hat, müßte der Tarif längst abgeschlossen sein.

Die Bersammelten verlangen bom Reichsarbeitsministe rium ungefäumten Tarifabschluß und fordern die Interstellung unter diesen Bertrag. Die Versammelten for­dern weiter, daß an den Berhandlungen nur die Organisationen teilnehmen, die den Entwurf eingereicht haben.

Tritt eine Verschlechterung der wirtschaftliche Bage burd Verteuerung der Lebensbedarfsartikel ein, dann treten die Bertragsparteien zur Neuregelung der Gehaltsjähe zusammen.

Dadurch werden die Bestimmungen über die Bertrags­bauer nicht berlebt.

Die Reichskonferenz beschließt, ben zuständigen Stellen zu unterbreiten, es möglich zu machen, allen Arbeitern der Reichswerte Deutschlands die Beschaf­fungsbeibiffe autommen zu laffen, um das Unrecht zu beseitigen, das bei der Verteilung der Beschaffungsbeihilfe augenscheinlich ist. Ebenso werden die parlamentarischen Ver. treter ersucht, nochmals ihren Einfluß in diefer Angelegen­beit geltend zu machen.

Diese Forderung sieht der Kongreß nur als Forberung bes Nechtes an.

Ueber das

Betriebsrätegefe

Die Konferenz richtet an die Parteien der Nationalbev fammlung die Aufforderung, dem Betriebsrälegesek in der vou 7. Ausschuß beschlossenen Fassung die Bustimmung 81 bersagen. Die Delegierten verlangen erneut für die Be triebsräte Einfluß und Kontrolle der Produktion fowie das volle Mitbestimmungsrecht in allen Fragen der Lohn- und Arbeitsa bethältniffe, insbesondere bei allen Sinfiellungen, Kündigungen und Entlassungen. Die Angestellten und Arbeiter aller Reich betriebe werden aufgefordert, im Kampf um die Betriebs demokratie nicht zu erlahmen, bis der heutige Betriebsabsolu tismus restlos beseitigt ist.

Die Konferenz der Obleute der Angestellten- und Arbeiter ausschüsse der Reichsbetriebe hält es nicht nur im allgemeinen für notwendig, daß in den der Hauptverwaltung unterstehenden Reichsbetrieben bie Betriebsdemokratie in vollem Ausmaße ge währt wird, sondern fie fordert, daß dies schon jetzt beim Aufs bau, der Umstellung der Betriebe geschieht. Die Obleute finb entschlossen, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu be hindern, daß in den zur Friedenswirtschaft umzustellenden Reichsbetrieben der Betriebsabsolutismus sich festfest. Da An zeichen dafür vorhanden sind, daß in der Hauptverwaltung Neigung für den Betriebsabsolutismus besteht, wird gefordert 1. In die Hauptverwaltung ist eine Vertretung der An gestellten und Arbeiter zu delegieren. Die Delegierung erfolgt nicht durch Ernennung der Hauptverwaltung, fon dern durch die Belegschaft selbst.

2. Bis zum Inkrafttreten der gesetzlichen Bestimmungen üben bie vorhandenen Bertretungen der Belegschaft in den einzelnen Betrieben das Mitbestimmungs - und Mitwin fungsrecht aus.

In den Betrieben, wo noch Arbeiterräte bestehen, gelten biefe als die gemeinfame Jntereffenbertretung Bo dies nicht der Fall ist, gilt dies von den Angestellten- und Arbeiteraus schüssen. Der Beirat der Nationalversammlung und die Frak tionen der politischen Parteien werden aufgefordert, fich fit die Durchführung der aufgestellten Forderungen beim Acichs schahministerium und evtl. in der Nationalversammlung cin zusehen.

Wird so das Mitbestimmungsrecht der Belegschaft gesicherl und auch sonst alle Maßnahmen zur Beseitigung des jebigen Systems, dürfte eine Rentabilität der Betriebe gesichert sein.

Die Gewerkschaften werden aufgefordert, unverzüg fich Betriebsräteschulen zu errichten, um den Betriebsräten das notwendige Wissen zu übermitteln. Nachdem je ein Bertreter des Internationalen Bundes und bes Reichebundes über die

Kriegsbeschädigtenfrage

referiert hatten, wurden nachstehende Forderungen aufgestellt: Die vom 18.- 20. Dezember 1919 im Herrenhaus tagend Konferenz der Ob- und Bertrauensleute der Neichsbetrieb Deutschlands fordert, daß bei allen Fragen, die die Kriegsbeschä bigten und Kriegshinterbliebenen betreffen, die rieg 3x beschädigten Bertreter in den Betrieben him zugezogen werden. Es kann nicht angehen, daß die R. B. und A. H. von Leuten vertreten werden, die nicht die Psyche der K. B. und K. H. kennen. Die Staatsbetriebe haben in erster Linie die Berpflichtung, die Kriegsopfer unterzubringen Es muß dafür gesorgt werden, daß die Betriebe schnellstens in Friedensbetriebe umgestellt werden und den Striegsopfern meit gehendste Fürsorge zuteil wird. Die Kriegsbeschädigten haben ein Recht auf Arbeit durch Schaffung eines wirksamen Ar beitseinstellungsawanges, Freimachung aller geeigneten Ar beitsplähe in Betrieben und Bureaus unter Beaufsichtigung von Betriebskommissionen der Kriegsbeschädigten. Die Machen schaften einzelner N. B., welche durch passive Resistenz Sabotage an der Allgemeinheit fiben, find zu berwerfen und ist darauf au achten, daß solche Elemente ferngehalten werden. Die Kon ferenz hat mit Entrüstung von den Vorkommnissen in den Spendauer Werten Kenntnis genommen und for bert streng fte beiberseitige Bestrafung

Die Konferens fordert, daß denjenigen Kriegsbeschädigten welche infolge ihrer Beschädigung gezwungen find, ihren früheren Beruf aufzugeben, solange aus Reichsmitteln eine Beihilfe zu gewähren, bis sie in der Lage find, den neuerlernien Beruf genau wie ein gelernter Fachmann auszuüben und demzufolge auch bezahlt werden. Es handelt sich vorwiegend um Kriegs beschädigte, welche früher Handwerksmäßig ausgebildet wared und nun den Beruf eines Angestellten ausüben.

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