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Groß- Berlin

Bezirksverband Berlin- Brandenburg Freitag, den 30. Juli, abends 6 Uhr, Zentralvorstandsägung in Den Brachtjälen Alt- Berlin, Blumenstraße 10. Tagesord nung: 1. Geschäftliches. 2. Fortjegung der Debatte über Spaa. Die Geschäftsleitung.

Beilage zur Freiheit"

Bersammlungen der Arbeitslosen

Die Arbeitslosenräte hatten für Mittwoch fünf Versammlungen der Arbeitslosen einberufen, unt über die Verhandlungen mit den Regierungsstellen Bericht zu erstatten. Folgende Forderungen waren den in Betracht kommenden Instanzen unterbreitet worden: Schaffung von Arbeitsgelegenheit, Wiederaufnahme stillgelegter Betriebe zu wirtschaftlich notwendiger Produktion; diese, sowie alle anderen Maßnahmen, die den Produktionsprozeß beeinflussen, unterliegen der Kontrolle der Betriebs- und Arbeitslosenräte somie den Gewerkschaften. Aufhebung der Einschränkung der Erwerbs= losenfürsorge auf 26 Wochen, Erhöhung der Unterstützungssätze, Gleichstellung der weiblichen mit den männlichen Erwerbslosen, Zahlung des Berdienstentganges an die Kurzarbeiter, Aufnahme wirtschaftlicher Beziehungen mit dem Ausiande, insbesondere mit Sowjetrußland.

Wie gewöhnlich, wurden diese Forderungen zum Teil abgelehnt, überwiesen. Nur in der Frage der Verfürzung der Erwerbs zum Teil verschiedenen Instanzen zur wohlwollenden Prüfung losenfürsorge auf 26 Wochen ist vom Magistrat Berlin ein teil­weises Zugeständnis erreicht worden.

Die Referenten brachten zum Ausdrud, daß es notwendig ist, den noch Arbeitenden die Pflicht farzumachen, für die Arbeitslosen in Aftion zu treten. Wo Betriebe geschlossen werden, müssen diese unter Kontrolle der Betriebsräte weiter geführt werden. Nur so wird es möglich sein, die Wirtschaft wieder auf gesunde Grundlage zu stellen. In den sehr start besuchten Versammlungen wurde eine Refolution einstimmig angenommen, durch die sich die Arbeits­lofen verpflichten, Kontrolle über die Kriegstransporte auszu­Auch wurde überall ein Antrag angenommen, der die sofortige Einberufung des Reichsrätekongresses fordert. Nur diesen Kongres wollen die Arbeitslosen als das Parlament der revolutionären Arbeiter Deutschlands anerkennen. In einzelnen Versammlungen wurden auch Anträge angenommen, die eine Verbilligung der

Wohnungsnot und Mietssteigerung Der Wohnungsverband Groß- Berlin soll Wohnungen fdjaffen. Sicdelungen und Kleinwohnungen liegen zum Teil unfertig da, und fönnen wegen Mangel an Mitteln nicht fortgeführt werden. Im Wohnungsverband würde über den Stand der Dinge folgende Uebersicht gegeben: Während im abgelaufenen Rechnungsjahr der Wohnungsverband Groß­Berlin insgesamt 160 Millionen Mark Bauzuschüsse zur Ver­teilung bringen und damit 16 500 Wohnungen in Not- und Dauerbauten finanzieren konnte, stehen in diesem Jahre in­folge des Berjagens des Reiches insgesamt nur 36 Millionen für Zuschüsse zur Verfügung. Nach dem Verteilungsplan fönnen damit nur 1200 Wohnungen in Dauerbauten finan­ziert werden, von denen 94 Prozent auf die neue Stadtführen und den zuständigen Organisationen Bericht zu erstatten. gemeinde Berlin und 6 Prozent auf die zum Wohnungsver­band gehörigen beiden Restfreise Teltom und Niederbarnim lommen. Auf drei- und viergeschossige Bauten entfallen etwa ein Zehntel der Zuschüsse, neun Zehntel auf Kleinhäuser mit Garten. Zu den Dauerbauten treten noch Holzhausbauten und 200 Laubenhäuschen, so daß mit der Errichtung von 1600 neuen Wohnungen in diesem Jahre gerechnet werden kann, das ist ein Zehntel der im Vorjahre vom Wohnungsverband hergestellten Wohnungen. Von den zahlreichen beim Woh nungsverband eingegangenen Anträgen auf finanzielle Unterstügung von Siedlungsbauten konnten bei den ges ringen Reichszuschüssen nur wenige in dem Verteilungsplan berücksichtigt werden. Da die diesjährigen Mittel nunmehr verteilt sind, so ist es zwedlos, neue Anträge an den Woh nungsverband zu richten.

Diese Uebersicht eröffnet sehr ungünstige Aussichten. Diese Wohnungsfnappheit wird von den Hausbesitzern benutzt, um für sich Vorteile herauszuschlagen. Ihr Bestreben, die Höchst mietenverordnung zu durchbrechen, ist gelungen, aber das ge­nügt ihnen noch nicht. In einer vom Bund der Berliner Grundbesitzervereine einberufenen Bersammlung erklärte Stadtverordneter Ladendorff, daß die Höchstmietenverord­nung sich als undurchführbar erwiesen hätte.

Wenn der

Wohnungsverband nicht über 30 Prozent Mindesterhöhung hinausgegangen wäre, so wäre daran lediglich der Wohl­fahrtsminister schuld, der ausdrücklich erklärt hätte, er würde mit Rüdicht auf die Stimmung der Straße nicht mehr als 30 Prozent Höchstmieten genehmigen. Im Wohnungswesen herrscht größte Korruption. Auf anständige Weise, ohne Bestechung fönnte niemand mehr eine Wohnung bekommen. Generalsekretär Dr. Seyfart suchte die juristische Unhaltbarkeit der Höchstmietenverordnung nachzuweisen und beschuldigt den Wohlfahrtsminister der Rechtsbeugung und des Verfassungs­bruches. Sollte sich das Wohlfahrtsministerium nicht binnen weniger Tage dazu bereit erklären, mit dem Bund in Ver handlungen zu treten, so beauftragt die Versammlung den Bundesvorstand, an sämtliche Groß- Berliner Hausbesitzer die Aufforderung ergehen zu lassen, die Zahlung der öffentlich rechtlichen Abgaben einzustellen und die Weiterverteilung der Lebensmittel und Kohlenfarten abzulehnen.

Die Hausbesitzer werden rabiat. Sie fönnen sich diese Sprache erlauben, weil man ihnen nicht zu weit entgegen­gefommen ist. Der Appetit kommt mit dem Essen. Leider find die Mieter nicht so auf dem Posten, wie die Hausbesitzer. Unsere politischen Vertreter in den Parlamenten werden hoffentlich dem Bestreben der Hausagrarier mit Entschieden­heit entgegentreten.

Ueber Einstellungen in der Freiheit" laufen täglich der= art viele Bewerbungen ein, daß es unmöglich ist, alle zu be antworten. Wir teilen hierdurch mit, daß zur Zeit keinerlei Einstellungen erfolgen tönnen.

Geschäftsleitung und Betriebsrat der Verlagsgenossenschaft " Freiheit" und" Freiheit"-Druckerei.

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Die schwere Stunde

Roman

BON

Bictor Panin

Pade dia, ich will gar nicht mit dir reden, wenn du solch ein Dummfopf bift! Gibt denn die Trauung jemandem ein Recht? Das ist ja eine Sflaverei. Die gegenwärtige Che ift eine offene Prostitution und die sogenannte Familie ein Bordellhaus im Stile hübscher Villen. Oder wagst du es, nein zu sagen? Run, so sich zu. Nach unserer Trauung hat fie, diese meine Frau, mir, einem armen Studenten, mehr als hunderttausend Rubel Mitgift ins Saus gebracht, fie hat mich also gelauft. Später, als ich ein berühmter Schrift­teller wurde, ernährte, fleidete ia sie nur, damit sie die Nächte mit mir schläft. Damit zahlte ich ihr für ihre Lieb fofungen, und je länger ich ihr zahlte, um so widerwärtiger erschienen mit ihre Liebfosungen, weil es bloß ein Kauf und ein Verlauf war, weil ich fühlte, daß fie meine Sache war, mein Pantoffel, mein Schlafzod, meine Nachtbequemlic feit Alles Menschliche, alles Reine, Erhabene ist aus unserem Verhältnis von dem Augenblicke an geschwun­den, als der Handel sich einzumischen begann."

..

Mein Doppelgänger will trogdem nicht nachgeben. Er lacht mir zynisch ins Gesicht:

Salt, mein Lieber, du gehst schon allzu radifal vor! Wäre es nicht besser, wenn du deine Werke durchblättern würdest, um dich selbst davon zu überzeugen, was du darüber geschrieben hast. Wieviele deiner Helden vergiften sich, oder töten ihre Frau oder deren Geliebten, wegen physischen, Ver­rats? Nun, was wirst du darauf erwidern? Wann warst du denn schließlich aufrichtig, wann hattest du recht, damals oder jett? Sa- ha- ha! Bielleicht ist dir mit deinen acht­undvierzig Jahren die Frau schon gleichgültig geworden? Se- he- he? Das vorgerüdte Alter bringt eine andere Moral mit sich,... vielleicht spielt auch hier der Vorteil

eine Rolle?

Ich fürchte mich, mein Zimmer zu verlassen, ich fürchte, hinter der Türe meine Frau anzutreffen. Was soll ich ihr benn sagen, was soll ich tun? Im Laufe dieser zwei Tage

Lebensmittel und Gaspreise für die Arbeitslosen fordern.

Notstandsarbeiter und Erwerbslosigkeit in Neukölln

Zu den Entlassungen von ledigen Rotstandsarbeitern in Neu­fölln, die in beteiligten Kreisen Unruhe und Erregung auslöften, schreibt der Magistrat Neukölln:

Von der von Tag zu Tag wieder größer werdenden Arbeits­losigkeit werden insbesondere Gemeinden und die Mitglieder der Gemeinden, die starke Arbeiterbevölkerung haben, schwer betroffen; fo insbesondere Neukölln. Um die allergrößte Not zu lindern, hat Neukölln bereits seit langer Zeit großzügige Rotstandsarbeiten eingeleitet. Die Notstandsarbeiten, die daneben viel fulturellen Wert schaffen, werden in eigener Regie ausgeführt und dienen hauptsächlich dem Zweck, Arbeitern, die durch längere Erwerbs lofigteit in Not geraten sind, vorübergehend einige Erleichterung zu verschaffen. Da in der letzten Zeit nun immer mehr Familien­väter lange Zeit arbeitslos werden und hierdurch Frauen und Kinder großen Entbehrungen ausgesetzt sind, die umfangreichen Noistandsarbeiten aber nicht mehr erweitert werden können, hat der Magistrat beschlossen, daß unverheiratete Rotstandsarbeiter, die für niemanden zu sorgen haben und die bereits längere Zeit Arbeit gehabt haben, derartigen bedürftigen Familienvätern Plaz machen sollen. Im einzelnen bestimmt der Beschluß: Bei den Rotstandsarbeiten sind alle unverheirateten Arbeiter, die über zwei Jahr beschäftigt sind, beginnend mit denen, die eine 14monat­liche Arbeitsdauer hinter sich haben, in bestimmten Zeitabschnitten zu entlassen. Für jeden entlassenen unverheirateten Arbeiter soll fofort ein verheirateter Arbeiter, der längere Zeit arbeitslos ist, eingestellt werden. Zum Ausgleich von Unbilligkeiten soll eine Kommission, bestehend aus Magistratsmitgliedern, Stadtverord­neten, Bertretern der Rotstandsarbeiter und Arbeitslosen gebildet werden, die jede Beschwerde, insbesondere ob ein lediger Arbeiter als Versorger von Angehörigen in Betracht kommt, nachprüft. Nachdem der Magistrat sich schlüssig geworden war, wurde sofort mit Bertretern der Rotstandsarbeiter über diese Maßnahme Nüd­sprache genommen.

Eine Bollversammlung sämtlicher Betriebsräte Neuköllns hat nun gegen den Beschluß des Magistrats Stellung genommen und dagegen protestiert, weil es sich um Intriguen des Magistrats handele.

Dieser Vorwurf muß zurüdgewiesen werden, denn nur die drin­gende Not pon Familienvätern war diesem Beschluß Veran

fassung gewesen und die Erkenntnis, daß das Solidaritätsgefühl der Arbeiter verlangt, daß junge ledige Arbeiter, die für nie manden zu sorgen haben, besonders, wenn sie viele Monate be= fchäftigt gewesen sind, auch einmal den schwerleidenden verheirates ten Arbeitskollegen Play machen. Wenn in vielen Privatbetrieben die Arbeitszeit sogar wesentlich verkürzt wird, weil sich ein großer Teil der Arbeiterschaft aus Golidarität auf den Standpunkt stellt, selbst Enthehrungen auf sich zu nehmen, um die Zahl der Arbeits­lofen nicht noch zu vermehren, so muß der Gemeinde die Freiheit bleiben, bei Noistandsarbeiten, d. h. bei Arbeiten, die nur zur Behebung der allergrößten Not in Angriff genommen sind, zu­

wiederhole ich mir zum hundertsten Male diese Frage und fann trotzdem zu feiner Lösung gelangen.

Was die Tatsachen betrifft, so ist mir alles flar: unsere Ehe war eine schmuzige, widerwärtige Prostitution, es war ein­fache Handelsaffäre. Jetzt fällt sie auseinander. Sie hat sich einem anderen hingegeben, vielleicht wäre es besser gewesen, ohne Lügen auszukommen, es wäre besser gewesen, wenn sie mich gewarnt hätte. Uebrigens ist dies eine unbedeutende Kleinigkeit, eine Game der Korrektheit, die Hauptsache aber ist, daß sie regt hat, daß sie ein unbestrittenes Recht hat, über ihren Körper zu verfügen. Und doch läßt mir gleichzeitig das alte, atacistische, durch Jahrhunderte eingeflößte Gefühl des Eigentums über die Frau, feine Ruhe und treibt mich irgend wohin,... ich bin ja ein Mann, ich darf es nicht so auf sich beruhen lassen.

Es ist merkwürdig, daß die einfachsten Probleme, die dem Menschen vom Leben gestellt werden, ihm als die allers tragischsten und unlösbarsten erscheinen tragischsten und unlösbarsten erscheinen... Ich fühle, baß die alten Wege vor mir unwiederbringlich verschlossen sind, auf ihnen werde ich niemals mehr wandeln können, aber auch einen anderen, neuen Weg sehe ich nicht vor mir. Häufig sage ich zu mir selbst:

Wozu brauchst du einen neuen Weg? Du stehst ja nicht mehr am Anfang des Lebens, du brauchst die Frau nicht mehr, du bedarfst feiner neuen Anhänglichkeit, feiner neuen Liebe, wie die Menschen diese Abscheulichkeit zu nennen pflegen. Deine Rechnung mit dem Leben ist ja abgeschloffen, du hast vom Leben alles genommen, was du nehmen konntest. Wenn es dir zum Schluß einige Berdrießlichkeiten und Ent­täuschungen bereitet, so ist ja nichts Besonderes dabei, ver söhne dich!"

Oder glaubst du gar in deinen ewigen Illusionen, in deinem Dünkel, die Frage für die anderen zu lösen, und ihnen, wie ein Prophet, Neues zu verkünden? Laß das! Es gibt höhere, unabänderliche Gesetze des Schicksals, und jedes Ein­greifen des Menschen in das Leben des anderen ruft immer neues Elend, immer neues Unglüd hervor. Laß das Leben ruhig und hemmungslos dahinfließen, es wird seinen Weg fyon finden."

Jch aber, was soll ich tun?" frage ich mich.

Du? Du sollst gar nichts tun! Weshalb sollst du etwas tun, wenn dir niemand etwas entrissen hat, wenn man dich

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Donnerstag, 29. Juli 1920

nächst die Arbeiter zu berüdsichtigen, die mit ihren Frauen und lediger Arbeiter leichter den Arbeitsort wechseln kann, als ein Kindern am meisten leiden und entbehren. Fest steht, daß ein verheirateter; fest steht, daß auch ein lediger unter der Arbeits­losigkeit nicht so qualvoll leidet, wie ein Familienvater, dessen Frau und hungrige Kinder täglich verlangend an ihn herantreten. Der Magisizat, ber einmütig beschlossen hat, den einmal gefaßten Beschluß zur Durchführung zu bringen, hat die Ueberzeugung, daß die übergroße Mehrzahl der Bewohner Neuköllns, insbesondere der arbeitenden Bevölkerung, den Entschluß verstehen, ihn gerecht beurteilen und billigen wird. Wer die Verhältnisse in Reutälln tennt, wird wissen, dah hinter dem Beschluß; feine Machtgelüffe stehen, sondern nur der Wille und der Wunsch, die allergrößte Not zu beseitigen.

Die Leiche des Genossen Silbig ist gestern morgen gefunden wors den. Der Termin der Einäscherung wird noch bekanntgegeben.

Ferienbilder. Die neue Nummer der Freien Welt" ist eine Sondernummer Ferien". Hunderte Kinder und Erwachsene tum­mein sich auf den Bade-, Strand, Wald- und Wiesenbildern, die die Rummer bringt. Bezaubernd Schöne deutsche Landschaftsbilder, Kunst- und photographische Aufnahmen, hygienische Artikel, fairs rische und ernste Gedichte, in und ausländische Karikaturen ers Freiheit der Ferien hinausführt. Breis des Heftes 60 Pig. gänzen die Nummer, die lebendig und frisch den Leser in die schöne

Die Berordnung über Beschlagnahme der zur Ablieferung an die Entente in Aussicht genommenen Pferde( Sengste, Stuten) und der Ausgleichpferde( Wallache) wird nach einer am 24. Juli 1920 er­lassenen Berordnung aufgehoben. Die Bekanntmachung des Ober­präsidenten non Berlin vom 10. Januar 1920 betreffend Ausfuhr­und Kastrationsverbot für Pferde sowie Vorführungspflicht der Pferdebesizer bleibt dagegen bis auf weiteres in Kraft.

Billiges Schuhwert für Neuköllner Kriegshinterbliebene und Schwertriegsbeschädigte. Bon der Reichsstelle für Schuhversorgung ist dem Kriegsfürforgeamt ein größerer Posten Stiefel( Herren-, Damen- und Kinderstiefel) zum Durchschnittspreise von 70. für das Paar zur Berücksichtigung von Schwerkriegs: beschädigten und Kriegshinterbliebenen überwiesen worden. Die Ausgabe der Bezugsscheine erfolgt vormittags von 9-12 Uhr in der Wirtschaftsstelle bes Kriegsfürsorgeamts, Rathaus, Zimmer Nr. 249a, gegen Voriage des Rentenbescheides bzw. Rentenbuches und der Steuertarte.

Friedrichshagen . Die Sängergruppe der U. S. B. D. Friedrichss hagen veranstaltet am Sonnabend ihre Gründungsfeier. Da es gelungen ist, namhafte Kräfte, unter anderem das Blüthner­Orchester, für die Mitwirkung zu gewinnen, dürfen sich die Teil­nehmer einen reichen fünstlerischen Genuß versprechen. Die Felcr findet in den Gesamträumen des Restaurants Seeschloß", See­straße, statt. Beginn des Konzerts 7% Uhr. Eintrittskarten zu 2. find in der Sängerhalle sowie beim Genossen Nawrodi, Friedrichstr. 99, zu haben.

Eine Gesellschaftsfahrt in den Overspreewald veranstaltet der Ar­beiterwanderbund Naturfreunde" am Sonntag, den 1. August. Ab­fahrt der Teilnehmer Sonnabend nachmittag 2.35 Uhr bzw. 8 Uhr abends ab Görliger Bahnhof. Besuch des Kirchganges der Wenden in Burg, Kahnfahrt durch die Burger Kaupen über Forsthaus Eiche, Kannomühle, Wotschossta, Lehde nach Lübbenau . Rückfahrt Sonn tag abend 9 Uhr. Preis der Teilnehmerfarte für Bahnfahrt. Kahnfahrt, Logis und Kaffee 35 bzw. 42 m. Teilnehmertarten find zu haben bei Horsch, Engelufer 15, Maßphul, Brüsseler Str. Nr. 14, 3intel, Neukölln, Bergstraße 112 und in der Bundesge schäftsstelle F. Kruse, Mariannenstraße 11. Am Donnerstag, de 29. Juli, findet bei Feyjara, Melchiorstraße 15, für die Teilnehmer ein unentgeltlicher Lichtbildervortrag über den Spreewald stati. Die Fahrten führen durch den schönsten Teil des Spreewaldes, der in seiner Eigenart nicht nur eine Berle der Mart Brandenburg ist, sondern der zu den schönsten deutschen Landschaften überhaupt gehört.

Bei Sportfest der Arbeitersportler im Lichtenberger Stadion am vergangenen Sonntag siegte beim Fußballspiel Neukölln über Lichtenberg mit 2: 1.

Selbstmord eines Ehepaares. Der 70 Jahre alte Kohlenhändler Hermann Franzte und seine 72 Jahre alte Ehefrau Emilie, aus der Friedrichsberger Straße, wurden gestern vormittag in ihrer ge= meinschaftlichen Wohnung tot aufgefunden. Das greise Ehepaar hatte sich mit Leuchtgas vergiftet. Nahrungssorgen hat es zu diesem Berzweiflungsschritt getrieben. Durch einen Sprung aus diesem Berzweiflungsschritt getrieben. bem vierten Stod, nahm sich die 68 Jahre alte Drechslerehefrau Anna Heßler, aus der Mariannenstr. 39, das Leben. Sie blieb mit zerschmetterten Gliedern tot auf dem Hofe liegen. Was sie zum Selbstmord getrieben, ist noch nicht aufgeklärt. Die Leichen wurden beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht.

Der Nanbmord an der Witwe Thielemann. Die umfangreichen Streifen nach dem noch flüchtigen britten Beteiligten an dem Ver­brechen in der Cöpenider Str. 102, dem Schlosser Otto Riedel , die auch in der vergangenen Nacht angesetzt worden waren, sind ohne Erfolg geblieben.

nicht angerührt hat? Vergiß dies, ertenne an, daß es das Leben ist, daß neben dir ein Mensch ist, gib der Frau das Recht zu leben und zu handeln, wie es ihr gefällt, nach ihrem freien Gewissen; sage dich von der Seelenverfassung eines Eflavenbefizers los, vergiß, daß du ein Mann bist und daß du ewig herrschen sollst! Begreife, daß im Leben alles ein Ende hat. Es geschieht ab und zu das Wunder, daß Blinde einmal sehend werden. Sollte ihnen wirklich das Licht so unangenehm sein, ihre Pupillen so stechend blenden, daß a immer und immer zur Blindheit zurückkehren müssen?

Den 10. Oftober.

Ueber eine Stunde saß er in meinem Kabinett. Und was wollte er eigentlich von mir? Ein Mensch ist gekommen, um mich zu beschuldigen. Ich kenne ihn nur sehr oberflächlia), einige Mele traf ich ihn vor dem Kriege in Versammlungen und bei verschiedenen Bekannten.

,, Aber sie fonnten doch unmöglich diesen Herrschaften die Hand reichen? Was sind denn das für Sozialisten? Räuber, Mörder, nichts anderes! Wenn Sie ihre Reihen nur nähei betrachten wollten, so würden Sie sehen, daß mehr ale 90 Prozent dieser Leute Zuchthäusler, Berbrecher, Mördei sind und sie, sie sollen das Schicksal Rußlands bauen?"

Lange zieht er den Rauch seiner effig riechenden Zigarette ein, verschludt sich, hustet, so daß auf seinem abgemagerten schwindsüchtigen Gesichte rote Fleden zum Vorschein kommen Ich denke: Lange hat er nicht mehr zu leben!

Man muß doch verstehen", sagt er schon in ruhigerem Tone ,,, mich können sie ja nicht wegen reattionärer Absichter verdächtigen. Sie wissen, wie viele Jahre ich in Gefäng niffen gefessen habe, an meinen Füßen sind die Spuren dei Geffeln noch deutlich zu sehen, sechs Jahre lang habe ich fit in Sibirien getragen. Während der qualvollen, langen Jahri in den Einzelfammern der Gefängnisse lebte ich nur von dem einen einzigen Wunsch, daß unser dunkles, leidendes, uner glüc meßliches Rußland glücklich werde. Verstehen Sie, lich! Es fommt mir vor, als hätte ich ohne diese chimäre Jdee alle die Leiden nicht ertragen fönnen, ich wäre schon längst unter der Erde.

( Fortsetzung folgt.)