Wurfes, er möchte glauben, daß die deutsche Gesamtdelegation der Resolution in dieser Fassung ihre Zustimung nicht geben würde. Von sich aus erhob er ferner Einspruch dagegen, datz die Resolution einzelne Sätze aus der Denkschrift herausgriff, dagegen andere ebenso wichtige Sätze unter den Tisch fallen ließ. Ebenso empört ist derVorwärts", dah die Genfer Resolution mit dürren 2ßorten erklärt, die Schuld der deut- schen Sozialdemokratie liege darin, nicht schon früher der Revolution den Weg geebnet zu haben. Der Vorwärts" hat schon Recht, wenn er besonders gegen diesen Satz protestiert. Enthält er doch die schärfste Verurteilung nicht nur der Kriegspolitik der deutschen Rechtssozialisten. sondern auch jener von ihnen betriebenen Politik, die auf die Lähmung des revolutionären Geistes der deutschen Arbeiter- klasse während des Krieges hinauslief und die ihre folge- richtige Fortsetzung in der Preisgabe der proletarischen In- teressen nach Ausbruch der Revolution fand. Wie aus den inzwischen eingegangenen Genfer Meldungen hervorgeht, ist der Kommissionsentwurf insofern gemildert worden, als die Haltung der deutschen Sozialdemokratie vor dem Kriege weniger scharf getadelt wird. Danach hat der Kongreß seine Verurteilung der K r i e g s p o l i t i k der deutschen Rcchtssozialisten auch nach dem Einsvruch der Herren Scheidcmann, Wels und Konsorten nicht zurück- genommen, und die deutsche Delegation hat, um sich nicht außerhalb einer jeden Internationale zu stellen, der Resolu- tion zugestimmt, die das Todesurteil gegen ihre gesamte im Kriege begonnene und in der Revolution fortgesetzte Politik bedeutet. Daß diese Zustimmung zur Genfer Resolution keine Wesensänderung der rechtssozialistischen Partei be- deutet, ergibt sich selbst aus dem Inhalt der deutschen Denk- schrift, die ausdrücklich die Grundlinien der rechtssozialistischen Politik billigt. Roch deutlicher zeigt sich diese Wesensart, wenn man sich an die Debatten über die Schuldfrage auf dem Weimarer Parteitag der Rechtssozialisten im vorigen Jahre erinnert, wo Eduard Bernstein wegen seines Wahrheitsfimmels" den heftigsten Angriffen und Be- schimpfungen ausgesetzt war. Die ihn damals beschimpften und verunglimpften, sitzen jetzt mit ihm gemeinsam in der deutschen Delegation in Genf und stimmen zähneknirschend für eine Resolution, die sich in den Gedankengängen Bern- steins des Bernsteins aus der Kriegszeit bewegt. Daß eine solche Zustimmung nicht nur eine Bankrott- erklärung, sondern auch ein Schein Manöver ist, kann für niemand, der die Rechtssozialisten kennt, zweifel» Haft sein. Daraus ergibt sich der Wert der ganzen Einigung", die sich in Genf vollzog, und die innere Schwäche einer internationalen Organisation, die sich auf so schwankender, trügerischer Grundlage erhebt. Vom Genfer Kongreß Se»f, 2. August. Internationaler Sozialistenkongreß. In der um 2� Uhr beginnenden Nachmittagssttzung wurde die Diskus- ston über die Zulassung einzelner Delegationen fortgesetzt. Von der russischen Gruppe der Sozialrevolutionäre wohnen 12 dem Kongreg nur in der Eigenschaft als Gäste bei. Rubanowitsch er- klärte namens der fozialrevolutionären Gruppe, dah seine Partei einzig nach Gens gekommen sei, um sich zu informieren. Die Sozial- revolutionäre Rußlands könnten in Rußland legal nicht arbeiten infolge der Verfolgungen durch die Bolschewijten und darum könnte ihre Partei eine endgültig« Stellungnahme zur zweiten Iüternationale nicht bestimmen. Die Russen sind der Auffassung. daß sie bei den deutschen und den englischen Unabbänaigen wieder Fühlung erhalten müßten. D i e P a r t e i s p r i ch t si ch g- g e n jede Unter st ützung einer militärischen Inter­vention des Auslandes in Rußland aus. Nach Erledigung der Mandatsfrage gab der Präsident folgende Stimmenzuteilung an die im Kongreß vertretenen Parteien be- kanntd England 30, Australien 17, Reu-Seeland S, Frankreich 3, Asserbeidschan 4, Holland 10, Litauen 4, Georgien 4, Schweden 15, Dänemark 10, Schweiz 7, Rüttlianer 3, Rußland 5 (die Russen ver­zichten aber ausdrücklich auf ihr Etimmrechtj, Belgien 15, Italien (sozialistische Union ) 4, Deutschland 20. Polen 10, Ungarn 10. Die Verbandlungen wurden hier abgebrochen, um der K o M m i s- sion für die Schuldfrage Gelegenheit zu geben zu einer vollen Einigung zu gelangen. Nach Wiederausnahme der Verhandlungen teilte der Kommis- sionsberichterstatter La Fontaine mit. daß in der Kommission Einstimmigkeit erzielt worden sei über den Text einer von den Deutschen ausgearbeiteten Resolution über die Schuldfrage. Mit Rücksicht auf diese Einstimmigkeit empfahl er, sich jeder Dis- kussion zu enthalten, und unter Beifall wurde hieraus die vorge- schlagene Resolution einstimmig vom Kongreß angenommen. Der Wortlaut dieser Resolution weicht insofern von dem be- reits veröffentlichten Text der Kommission ab, als die Haltung der deutschen Sozialdemokraten vor dem Kriege weniger scharf getadelt wird, außerdem wird im neuen Tert festgestellt, daß es nicht bloß für die deutsche Sozialdemokratie, sondern für Deutsch - land keine elsaß -lothringische Frage mehr gibt. Zur Behandlung kam hierauf die von der Kommission ausge- arbeitete, bereits mitgeteilte Resolution über die Stellung der Sozialdemo kr a'tie zum Völkerbund. Der Be­richterstatter La Fontaine stellte fest, daß leider nach dem Kriege der Militarismus noch nicht abgeschafft ist und Anlaß zu neuen Konflikten gibt. Der Vertrag von Versailles habe in seinem ersten Teile nicht nur in sozialistischen, sondern auch in den Krei- sen der Juristen und bürgerlichen Pazifisten wenig Befriedigung erzeugt. Die Sozialdemokratie stehe nunmehr vor den zwei Mög- lichkeiten, entweder darauf hinzuwirken, daß ein neuer Völker- bund geschaffen werde, oder aber, sie müsse oersuchen, den bestehen- den Völkerbund mit ihrem Geiste zu durchdringen und ihn zu einem wirklichen demokratischen Instrument des allgemeinen Frie- dens zu machen. Warschau im Verteidigungszustand TU. London 3. August. DieMorsiingpost" meldet aus Warschau : Der Widerstand der Polen nimmt zu. Di« Stadt ist mit Stacheldrahtvcr- hauen und Barrikaden umgeben. Die Bevölkerung wird von den Zeitungen auf den Einmarsch der Bolschewiki vorbereitet. Die polnische Waffenstillstandsdelegation passierte die polnische Front, worauf die Brücken hinter der Linie zerstört wurden. Wie weiter gemeldet wird, ist die Delegation in Baranowitschi einge- troffen und von den Delegierten der Sowjetregieruna freudig be- grüßt worden. Pilsudsli hat die Leitung der Verteidigung Lem- ocrgs übernommen. In Warschauer parlamentarischen Kreisen verlautet, daß, wenn bis zum 4. August nachmittags die Waffenstillsiandsoedingungen nicht unterzeichnet sind, die polnischen Delegierten z u- rück kehren. Der Kamps wird dann mit allen Mitteln fort- gesetzt. Die Presseabteilung des Ministeriums des Aeußern teilt mit: Die polnische Regierung hat. sich an die Sowjetregierung gewandt und um die Zulassung von Zeitungskorrespondenten bei den Frie- densverhandlungen ersucht. Di« Sowjetregierung hat dieses Er- suchen ahlehnend beantwortet. Der russische Heeresbericht Stockholm , 2. August. In der Richtung Lomza überschritten wir die Flüsse Bobr und Narew. Westlich von Vialqstok wird unser Vormarsch mit Erfolg fortgesetzt. Südlich davon nahmen wir Belsk ein. Im Abschnitt des Walde» von Belowiez nahmen wir die Station B e l o w i e z ei», wobei wir 4 Geschütze eroberte«. Im Nordosten brachen unsere Truppen de» starken feindlichen Widerstand, besetzte» eine Reihe vo» Ortschaften und erbeutete» eine Batterie mit voller Bespannung. I» Richtung Kowel erreichten unsere Truppen den Stochod-Fluh und gehen längs der Eisenbahn vor. Wir besetzten Hornel. Am Fluß Etyr, im Abschnitt Lust, versuchte der Feind die Flußübergänge zu besetzen, jedoch ohne Erfolg. Vor Tarnopol dauert der Kampf an und entwickelt sich zu unseren Gunsten. Im«rimabschuitt dauert der hartnäckige Kampf an der ganzen Frontltnie an. Polnischer Frontbericht. Warschau , 3. August. 'Gencrasstabsbericht vom 2. August. An der deutschen Grenze, nördlich von Ostrolenla ist die Lage unverändert. Im Bereich von Rowogrod und L o m s h a haben die Angriffe des Feindes nachgelassen. Unsere regulären und fteiwilligen Truppen greisen hier die feindliche Infanterie und Kavallerie an. Zwischen Narew und Bug verläuft unsere Frontlinie östlich von Kos- sali Mazowice Wyszonki Kosc, eine Cie- ch a n o w i c e. Am Bug finden im Abschnitt Mielnik Kämpfe statt. Bei Brest -Litowsi hat der Feiud bedeutende Kräfte Zur rusfisch-polnifchen Lage alla, drei Waffengattungen t. er greift die ftl und die Stadt heftig an. Die Kampfe um B r o d y, die" beidüseits große Kräfte in Anspruch nehmen, entwickeln sich auch weiterhin für uns günstig. Am Sereth örtliche Kämpfe, die heftigen Charak- ter annehmen. Es wurde hier die Ankunft neuer feindlicher Ab- teilungen festgestellt. HR Haag, 8. August. Der russische drahtlose Dienst verbreitet einen längeren Berichtz aus dem hervorgeht, daß der Franzose Ernest Lafont über Warschau nach Moskau kam. Er gehört angeblich der unifizierten Sozialisteue Partei an und tritt als deren Abgeordneter auf. Bekauntlich ist die Partei grundsätzliche Gegnerin der Sowjetrepublik. Lafont gab eine ausführliche Schilderung über seine Erlebnisse in Warschau unb erklärte, daß die französische Militärmission dort der Ausgangspunkt einer imperial! st ische« und gegen- revolutionären Aktion sei. die sich gegen Sowjetrußlanb richte. In Warschauer Kreisen sei man davon überzeugt, daß der Waffenstillstand Polen die Geleoevheil geben werde, seine Kräfte s» zu konzentrieren, daß eine Gegenoffensive gegen Rutzlan» siegreich fein würde. Krasfin und Kamenew in London HR. London, 3. August. Krassin ist in London eingetroffen, ebenso Kamenew , der in Begleitung Miljutews kam. Er erklärte einem Mitarbeiter des Ev-ning Standard gegenüber, er habe von feiner Regierung den Auftrag erhalten, die vollkommene Rückkehr normaler Friede nsbeziehungcn zwischen Rußland und England zu veranlassen. Das sei aber nicht nur seine Aufgabe, sondern auch sein Wunsch. Pari», 3. August. .Echo de Paris" meldet aus London , daß Lloyd George sich geweigert hat. die Sowjetvertreter Krassin und Kamenew zu empfangen, und daß der WaffenstMstand mit Polen abgefchlof« sen und die Bedingungen dafür in Kraft getreten sein müßten, be« vor er mit den deidea Bevollmächtigten der Sowjetrepublik»tx» handle. Stefan Friedrich unter Anklage TU. Budapest . 3. August. Der Korrespondent derTelegraphen-Union" meldet: Bor dem Budapester Divisionsgericht hat gestern der Prozeß gegen jene Teilnehmer an der Ermordung des Grafen Stefan T i j z a begonnen, die der Militärgerichtsbarkeit unterstehen. Die in der Anklageschrift enthaltenen Erhebungen sowie die Zeugen- aussagen belasten den ehemaligen Ministerpräsidenten und jetzigen Anführer des radikalen nationalistischen Terrorismu» Stefan Friedrich sehr schwer. Danach wäre Stefan Fried- rich einer der Hanpturheber an der Ermordung Stefan Tiszas. Es sind Nachrichten verbreitet, daß die Verhaftung Stefan Friedrichs unmittelbar bevorstehe. Forderungen der Hamburger Hafenarbeiter. Die organisierten Hafenarbeiter haben beschlossen, den mit dem Hafenbetriebsoerein abgeschlossenen Tarifvertrag zum 15. August zu t 2 n d i g e n. Es wird eine tägliche Lohnzulage von 12 M. gefordert. Die organl- fierten Heizer und Maschinisten haben sich dieser Forderung ange- schlössen. Kein« Amnestie für die französischen Marinementerer. Man er» innert sich wohl noch der Vorgänge aus französischen Kriegsschiffen, die sich im April 1019 im Schwarzen Meer abspielten. Da- mals weigerte sich ein Teil der ftanzösifchen Marinemannschaften, die Geschütz« gegen die Bolschewisten in Odessa zu richten und er- klärte sich unter Hochrufen auf Sowjetrußland mit die- fem solidarisch. Mehrfach versuchten die französischen Sozialisten. eine Amnestie für diese Matrosen durchzusetzen. Die Kammer har jetzt die Amnestie für die Marinemeuterer mit 303 gegen 234 Stimmen abgelehnt. Schlechte Konjunktur für die Klerikalen. Vor einigen Tagen machte der Generaldirektor der klerikalen Agitations-Zentrale in M.-Eladbach bei einem Besuche des Kölner Erzbifchofs die Mit- teilung, daß die religiös-politifche Organisation der deutschen Katholiken, der Volksverein für das katholische Deutschland , während des Krieges von seinen 800 000 Mit- gliedern etwa 300 000 verlor und seit Kriegsende erst die Hälft« des Verlustes wieder einbringen konnte. 4 Verurteilung durch die Engländer. In Köln wurde ein Wob- nungsinhaber vom englischen Kriegsgericht zu 500 M. Geldstrafe verurteilt, weil fein Dienstmädchen einem englischen Offizier, der die Wohnung besichtigen wollte, den Eintritt verweiaert hat. Das Mädchen hatte lediglich den Weisungen ihrer Herrschaft gehorcht. während deren achttägiger Abwesenheit keinen Fremden in die Wohnung einzulassen, und wurde deshalb von der Verantwortuni fteigesprochen. Rausch, Suff und Katzenjammer Von Ignaz Wrobel . Eine Woge von Betrunkenheit raste vor sechs Iahren über dieses Land, durch die Bureaustuben. die Kasernenhüze. die Rinn- steine, durch össentliche Haujer. Borfensale Schulllassen und Redaktionszimmer. Niemand mag heute daran zurückdenken. Wenn man am 1. August d.efes Jahres d.e bllrgerluhe Presse las. so fühlte man sich genötigt(mit einer einzlgen Ausnahme: der.Berliner Volkszeitung"), den Herren Redakteuren f- em Eilenkreuzchen aus Blech zum Andenken an die große Zeit zu schenken. Sie haben sie alle vergessen. Man muß ab« an sie Tage vor Eröffnung der großen Zeit, so um den 20. M herum ahnte noch kein Mensch, daß Deutschland vom lieben Gatt ausersehen sei, den Völkern der Erde, ein leuchtendes Beisp�» werden für und für. Amen Die Burger lagen im Seesand«u Meer oder krabbelten°uf den Bergen umher, der Wcka&x schuftete oder begoß seine Laubenkolonie, die Börse macht» t« gewohnter Ruhe ihre Geschäfte alles war still. Und nur ganz kleine Schar von Bienschen in Europa wußte, daß d ganze Kontinent eine Minute vor dem Untergang tand und_ zwei Zeiten anbrechen würden: eine kleine für die Proletarier ui eine große für die Verdiener.__________. x.... Der seit langem geschürte Mllltarwahnnnn des Keimschen Flottenvereins und der zahllosen militärischen Gruppen und Grüppchen. die sich bis in die Schulen hinein erstreckten, trug seine Früchte: der Mob stand auf. der stürm brach los. der Wilhelm winkt« und alle, alle kamen. Kamen, um zu verdienen. um befördert zu werden, um eine Rolle zu spielen... und kamen aber auch, im Suff ihres Patriotismus, wahrend der allerersten Wochen das muß gesagt werden: um zu steroen. Was der General Ilse...der Kindermorder von Vpern". bei Langemarck in den Tod jagte, waren gutgläubige, fr.»che deutsche Jungen, die, fanatisiert, nicht wußten, für welch eine schlechte Sache fie rufend und singend in den Tod gingen. Der Sohn Heinrich Brauns . Otto Braun , ist so ein Veilpiel davon. Der Rest war fürchterlich. Ich kannte aus dem Frieden den Sohn eines Generals von Werder , der so dumm war, daß ihm aus Betreiben des Vaters das Einjährige ohne Prüfung geschenkt wurde. Ich sehe den Jungen noch wie heute in einem Auto den Kurfurstendamm her- unterfahren: in voller Kriegsbemalung, auf ein großes Schlacht­schwert gestützt, strahlend, eitel und in der ganzen Gloriole seiner königlich preußischen Dämlichkeit. Er war ein Sinnbtld seiner Epoche. Denn was so unbeschreiblich an diesen ersten Wochen mar, er- kannten damals nur wenige und weil heute die Zeit des Rausches fast vergessen ist, wissens auch heute nicht Allzuoiele: das Schlimme m Deutschland war da» völlige Fehlen jeder Ethik. Für alles, aber auch für alles, auch noch für die letzten Schweinereien war der Rock des Kaisers und das Wortdienst- lich eine Deckung. Mißbrauch von Gefangenen zu na» TOHhA-n mZ v Feuerzone. Unterschlagung. «!M W an Zivilisten, die man zu d.esem M« a-tauft hatte, ekelhafteste Schlächterei der .inmiiti»!» Unb viel mehr vollzog sich unter ? v0n Deutschland . Deutschland über 1», w in. wie er an die Pickelhaube und damit an OA«Tm.M» Cs gafi eine Kommißfrömmigkeit, von der vor allem die Pfaffen *Än ifKb unseren, guten alten Dogma ��0 vn Privatsache ist, muß doch gesagt werden, daß es kaum etwas Widerwärtigeres gab. als die maßlose Dummbeit k,ur Verlogenheit langte es kaum), mit der die Priest« aller dr-i Konfessionen ihre Bibeln so lange drehten und wendeten bis unten der Spruch herausfiel:Du sollst tüten".' Man log sich gegenseitig einen Landsknecktskrieg vor indes hinten die gerissenen Kapitalisten bei den schneidigen aber dum­men Militärs in Lederlieferungen und Pferden mogelten und gaunerten. Man tat so, als sei der ganze Krieg von Josef von Laufs oder von Ganghofer: frumb und mit der Knrtaun gerüstet zog ein Fähnlein Landsknecht ' mutig und mit frischen deutschen Liedlein ins Feld, nicht wahr? Und die operettcnhasten Arran- geure eines blutigen Karnevals wollten nicht sehen, daß geknech- tete und ohnmächtige Proletarier und Kleinbürger zitternd klagend oder stumpf in der Massensuggestion befangen vor die Maschinengewehre torkelten. Der Kaiser spielte: historisches Ausstattungsstück. Die Wirklichkeit spielte: Tobsuchtsanfall Ä»o- pas bis zum Weißbluten. Llber was wußte Berlin , was wußte Deutschland damals davon? Vorläufig zogen die Abonnenten desBerliner Lokalanzeigers" (und leider auch andere) von Cafö zu CafS, verlangten mit Stentorstimme mutig, tapfer und deutsch die Entfernung des welschen Akzents, der Feldwebel auf dem Bezirkskommando sagte nicht mehr 2ldieu, sondern auf Wiedersehen, und es zeigte sich nach kurzer Zeit, daß man alle Gemeinheiten auch ganz gut ohne 'Fremdwort« in seiner Muttersprache ausüben konnte. Es war wirklich eine Große Zeit. Eine Pressemache bis zur Marneschlacht war garnicht nötig. So tobsüchtig und militärfromm benahmen sich sväterhin die reklamiertesteir Redakteure nicht, wie das Schreiberoolk zu Kriegs- beginn. Wenn Ihr nur zurückblättern wolltet! Hat sich denn die Presse seitdem gewandelt? Wie könnt Ihr einer Gilde Vertrauen schenken, die solch einen Bockmist prophezeit, zu- sammengestellt und' aufgeschrieben hat? Kaum an irgend einer Stelle haben die Redakteure und Zeitungsleser gewechselt(ge- fallen sind von den Kriegsbegeisterten nur wenig«: man war reklamiert), und heute noch prangen dieselben Namen an denselben Stellen, wo im Jahre 1914 unwiderleglich bewiesen wurde, daß es mit England nun aber endgültig zu Ende ginge. Es war wirklich eine Große Zeit! Schämen sich die Deutschen der Erinnerung? Schämen nicht! Sie denken nur nicht daran, weil man ja unangenehme Lagen seines Lebens leichter zu vergessen geneigt ist. als die schönen Tage. Sie schämen sich nicht. Die braven Kriegervereinler denken nu» nicht immer an die Zeit, wo st« es war im September 1914 Balkonplätze für den Einzug Kaiser Wilhelms des Zweiten Unter den Linden durch Zeitungsinserat suchten und ausboten..... Lehre? Nie wieder Krieg. Mittel? Den Heeres« dienst auch dann zu verweigern, wenn ihn ein Gesetz vorschreibt. Beginn des Kampfes gegen den Kampf? Heute. Der Mann mit den fchwarz-weiß-roten Abzeichen, mit der fchwarz-weiß roten Blt.de um den Arm hatte unter heftigem Gejohle so viel Schnaps aus der jchw-rrz-wciß-roten Flasche zu sich genommen, daß er endlich, leise glucksend, umsank. Da lag er im Rinnstein und schnarchte, beschmutzt, bespntzt die Hunde schnup­perten an ihm herum und hoben ein Bein da lag er. der Preuße, in allen Gassen, da lag er. Und als er aufwachte und sich schwankend erhob, stieß er tief auf, zog die Luft ein. riß die verklebten Aeuglein auf und murmelte:Es war hup eine Große Zeit!" Wir andern aber wollen uns ihrer erinnern, den Burschen nicht vergessen und sorgsam daraus achten, daß beide nicht wieder- kommen. Sommerope» in der Volksbühne. Eine organisatorisch« Kraft ist da am Werk: Heinrich Neft, der trotz der größten wirt« schaftlichen Schwierigkeiten das gewagte Experiment unternimmt, den Sommcrbefuchern der Volksbühne allem Operetten- und seichten Luftspielkram zum Trotz eine saubere Overnausführung von KieuzlsKuhreigen" zu bieten. Ist auch der musikalische Reingewinn nur aus den übernommenen und geschickt verarbeite« ten Volksliedmelodien zu ziehen, so baut sich um so packender und bewegter die Handlung auf und enthält Momente, die ins Herz der Masse tress-n. Gespielt wurde über und unter der RamM erstaunlich anständig. Rettoratswahl an der Berliner Universität. Gestern abend hat der Senat der Berliner Hochschule den neuen Rektor gewählt. Dt« Wahl siel auf Geheimrat Professor Dr. Emil Seckel. Musik. Der Komponist Boris Großmann ist an einem schweren Leiden im Alte von 37 Jahren gestorben. Er hat mehrere Lieder. Chöre und Kammermustkwerke geschrieben. Ein erst kürz- lich vollendetes Quartett von ihm gelangt in der kommenden Sai« son in Berlin zur Uraufführung. Ferrucio Bufoni. der zurzeit in Zürich weilt, soll als Leiter einer Meisterklasse, anstell« Humperdincks, an die Berliner Musikhochschule berufen werden,.