adjftffung besonderer Organisationen in den Fällen, wo„außerordentliche Nergewaltigungsakte seitens der Eewerkschaftsbureaukratie(Auflösung einzelner revolutionärer Ortsgruppen der Gewerkschaften durch die opportunistischen Zentralen)" zur Loslösung nötigen, und an anderer Stelle, im fünften Absatz, der Leitsätze wird gesagt: .„'>2ndem sie Ziel und Wesen der Gewerkjchaftsarganisation hoher stellen als ihre Form, dürfen die Kommunisten in der iSewerlschaftsbewrgung nicht von ein« Spaltung der Sewer!- schaftsorganisationen zurückschrecken, wenn der Verzicht auf die Spaltung gleichbedeutend sein wurde mit dem Verzicht auf die reoolntwnäre Arbeit in den Gewerkschaften und mit dem La- ■jicht auf den Versuch, aus ihnen ein Werkzeug des revolutio- naren Kampfes zu machen: mit dem Verzicht auf die Orgeni- sation der am meisten ausgebeuteten Teile des Proletariats." Diese Aufforderung zur Spaltung der Organisa- tionen wird abgeschwächt durch einige Nachsätze, die fordern, daß die Spaltung nicht die Isolierung der Kommunisten von den Arbeitermassen zur Folge haben darf. D a s h e i h t, den Willen zur Spaltung zum Prinzip er- heben und nur die Frage über Gelegenheit und Zeitpunkt zur Sprengung der Einheit der Or- ganisationen offen lassen. Ferner werden die Kommunisten verpflichtet, in den Ländern, in denen r e o o- lutionäre Eegenorganisationen von Be- deutung bereits bestehen, diesen beizutreten. Als Exempel wird Amerika genannt., Aber schon morgen werden unsere Unionen, die in Rheinland-Westfalen immer- hin ganz stattliche Mitgliederzahlen aufzuweisen haben, diesen Nuf. revolutionäre Organisationen zu sein, auf die diese Voraussetzungen zutreffen, für s i ch in Anspruch nehmen— eine herrliche Konfusion, die Vergnügen be- reiten könnte, wenn sie mcht so todernste und tiestraurige Folgen nach sich ziehen mühte. Die Gewerkschaften werden solchem Spiel weder mit Vergnügen, noch mit allzu großer Geduld und Toleranz zu- schauen können. Wer den ehrlichen Willen hat, der Arbeiterbewegung zu dienen und ihre geschlossensten und zugleich mächtigsten Organisationen, deren Kraft die Arbeiter im Ringen mit dem straff organisierten Unternehmertum keinen Augenblick entbehren können, vor mutwilliger Zerstörung zu bewayren, der hat d i e Pflicht, offen gegen diese Tendenzen auf- zutreten. Wir dürfen diese gefährlichen Formeln nicht nur ablehnen, sondern müssen ihre Umsetzung in die Tat mit allen Mitteln und rechtzeitig verhindern. Gewiß bekämpfen auch wir die in der deutschen Gewerk- schaftsbewegung vorherrschenden Tendenzen. Aber wir führen diesen Kampf allein im Vertrauen auf die Kraft unserer Ideen. Als Personen, als vollberechtigte Mit- glieder der Bewegung verfechten wir unsere Auffassung und trachten danach, das Gros der Mitglieder im freien Mei- nungskampfe, nicht mit Hilfe der Organisation des Putsche? gegen die Organisation, für uns zu gewinnen. Diese Methode braucht uns nicht zu hindern, bei passender Ge- legenheit, so auf Kongressen von entscheidender Bedeutung, Beratungen mit Gesinnungsgenossen zu pflegen. Aber eine Organisation der Opposition von jener Straffheit und mit jener bindenden Verpflichtung, die das Kennzeichen der Moskauer Organisationsmethodcn find, haben wir stets mit Strenge vermieden und abgelehnt. Was wir an unseren Gewerkschaften— unter anderem— «rurteilen, das ist die Vorherrschaft der Bureautratie. de: geringe Einfluß der Organisierten auf das Geschick der Organisation. Wie oft haben wir über eine„Diktatur der Bureaukratie" Klage führen hören. Wir erstreben ein System der Wahlen und der Besetzung der leitenden Posten, das elastisch genug ist. um allen Willensströmungen in der Masse der Organisierten Geltung zu geben und einen ungebührlichen Einfluß der besoldeten Führerschaft zu verhindern. Stattdessen sollen wir uns nun gefallen lassen, daß die Gewerkschaftsbewegung emgepreßt wird in ein System äußerster Starrhett, das— w.ch dem letzten Sinn und Zweck der Moskauer „militärischen Disziplin"—alle entscheidende Gewalt in die Hand einer internationalen und interberuflichen Spitze von dok- trinärer Götzengläubigkeit legt. Unsere Oppositionsbewegung hat unverkennbare Erfolge gehabt. Sie würden gehemmt, ja vernichtet werden durch das Spiel ungeschickter Finger mit der Spaltung der Organisation. Und dann die„gelbe" Amsterdamer Jnter- nationale! Sie ist. heißt es in den Leitsätzen, ein Stell- Vertreter der bankerotten zweiten Internationale und fomtt aller Sünde teilhaftig, die diese allerdings in gerütteltem Maße auf ihr schuldvolles Gewissen geladen hat. Als der Krieg ausbrach, da war die gewerkschaftliche Internationale eine recht lose Verbindung der Landes- zentralen. Die internationalen Verufsverbmdungen standen ebensowohl auf recht schwachen Füßen. Weder sie noch die Amsterdamer internationale Zentrale waren als Kampfverbindungen gedacht. Dazu war die Be- weauna in den einzelnen Ländern viel zu weniggleicharkig in bezug auf ihre Au s d e h n u n g wie auf ihre Willens- richtung. Sab es doch internationale Verbindungen. deren Praxis sich noch auf die gegenseitige Aufrechnung der an die von Land zu Land wandernden Mitglieder gezahlten Unterstützung beschränken mußte. Kein Mensch, der die Arbeiterbewegung kannte, dachte auch nur einen Augen- blick daran, daß die Eewerkschaftsinternationale ein In- itrument zur Verhinderung des Krieges würde fein können. Der Ausbruch des Krieges zerstörte alsdann die internatio- nale gewerkschaftliche Verbindung vollends und ließ die internationale Solidarität des Proletariats dahinschwinden. Die einzelnen Landeszentralen verfielen den burgfriedlichen, ja nationalistischen Dummhelten der Parteun. mit denen sie mehr oder minder eng liiert waren. Diese grausige Ver- Wüstung hätte auch die beste und gefinnungstuchtlgste Jnter- nationale der Gewerkschaften Nicht aufhalten können, weil sie nicht vom Proletariat zu dieser Aufgabe bestimmtwar. �......... Daraus erklärt sich, daß die Gegensätze innerhalb der Ge- Merkschaftsinternationale nicht so einschneidend zutage traten, wie im politischen Zweig der internationalen Ar- beiterbeweaung. und daß ihre Ueberbruckung Verhältnis- , nähig leicht möglich war, so daß die Amsterdamer Jnter- nationale schnell aktiv werden konnte. Und nunmehr aktiv auf dem weiten Gebietedesproletari- s ch e n Klassenkampfes, wie die Bewegung gegen die ungarische Reaktion und da« Eingreifen gegen die Kriegs- gefahr zeigen. Das Manifest der Moskauer über die Es- werftchaftsbewegung erklärt, daß die Halbheit der Arbeiter- maffen und ihre Zugänglichkeit für die Argumente der oppor- tnnistifchcn Führer nur im Prozeß des sich verschärfenden Kampfes überwunden werden kann. Aus dieser Einwirkung find die jüngsten Handlungen der Amsterdamer Jnter- nationale zu erklären. Sie haben den engen Kreis des ur- sprünglichen Betätigungsfeldes der Gewerkschaften und ihr« Internationale bereits gesprengt.' Bei der völligen Zer- rüttung des politischen Zweiges der Internationale ist die Amsterdamer Internationale die letzte Stütze des inter - nationalen Klassenkampfes. Taten gingen nur von ihrer Initiative aus, nicht von Moskau . Nun soll auch sie nach dem Moskauer Diktat der Zer- st ö r u n g anheimfallen. Ihre unter dem Einfluß der revo- lutionären Situation schnell wachsende Tatkraft, deren Stärkung allein die Aufgabe der Arbeiterklasse sein sollte, soll gebrochen werden. Statt die Amsterdamer im „Prozeß des sich verschärfenden Kampfes" weiter voran- zutreiben durch eine Taktik, wie wir sie bisher befolgt haben, werden sie als Verräter verpönt und der Ver- a ch t u n g der Arbeiterklasse empfohlen. Welch ein Wahn- sinn? Es gibt demgegenüber nur eine V f l i ch t: Kampf, äußerster Widerstand gegen diese blinde Wut? Die Unterbrwgung der russischen und polnischen Gesangenen w Deutschland DA. Berlin» 4. September. Für die llnterbri»gu»s der auf deutschem Bode« internterteu Russen und Polen mußte die Reichsreflierung in erster Linie auf die Kriet-Sgefangeuenlagor des Weste»« zurückgreifen, da nach der Haager LandkiiegSordnur.g die Berpflichtuug besteht, die zu intermcrenden Truppen möglichst entfernt vom Kriegsschauplatz unterzubringen. ES sind folgende Lager als JnterniernugSlager für die Rusien auS- ersehen woroen: Soltau . Hameln . Parchim , Springhilsch und Salkeuberger Moor. Die Polen kommen sämtlich»ach Minden . u« verschiedenen Ortschaften, in deren Nähe die JnternierungS- lager belegen sind, kommen Einsprüche der Bevölkerung gegen die Unterbringung der bolschewistischen Truppe». Die Befürchtungen der Bevölkerung sind unbegründet, da bis auf de» heutigen Tag unter den russische» Gefangeneu noch kein etnziger Fall von Insubordination vorgekommen ist. Die Unterbringung auf den großen Truppenübungsplätzen ist technisch unmöglich, weil dafür ausreichende Bewachungsmannschaften fehlen. - Es verdient hervorgehoben zu werden, daß nach Aussagen der russischen intelnierten Truppen sie von Moskau Anweisung erhalten habe», sich nach Möglichkeit der Gefangennahme oder Jntcc- ui-ilmg durch die Polen zu entziehen und lieber auf deutsche» G»- biet üd erzutreten. In diesem Fall sollten sie sich ruhig entwaffne« lassen und nichts unternehmen, wa» irgendwie die bestehenden korrekte« Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland ,n störe» geeignet wäre. WaS die Zahl der bisher eingetroffenen Polen und Ruflcck anbelangt, so beziffern die amtlichen Angabe» diese folgendermaßen: 2800 Polen . 44671 Russin, von denen das Gros noch im Lag-r von Arys, 5000 Mann«och in de« Lagern HetlSberg«nd Preuß.- Holland befinden. Hauptmann von Arnim Berlin, 4. September. Eine heutige Mittagszeitung bringt die Nachricht, die Ber- setzung des Hauptmann» von Arnim fei ans steinen Antrag erfolgt. Diese Nachricht ist nicht zutreffend. Die Ber- setzung erfolgte auf Beschlutz de» Reichsiabinett«. Ein Antrag de» Hauptmanns von Arnim auf Versetzung liegt nicht vor. G Hauptmann von Arnim ist der Führ« d« Truppen die sein« Zeit vor der französischen Botschaft in Berlin Ehrenbezeugungen machen mußte, um» der schmunzelnd geschehen ließ, daß die Eol- baten beim Abmarsch„Dcutichlaub über alles" anstimmten. Er klebt« also und die Reichsreaierung hat fich nun endlich entschlossen, das zu tun. wa, sie sofort hätte tnn müssen: den Schädling unschädlich machen. Aber das Selbstoerständliche tut man bei uns stets erst unter äußerstem Druck, und dann jammert man über.Repressalien", die man durch«ine so hirnlos« Politik selbst heraufbeschwürt. Selbstmord politischer Gesangener Die Führer d« K. Ä P. D. in Ostpreußen , Gebrüder Harry und Fritz Dyck, haben fich in Goldap . nach Verhaftung, durch Kopfschutz getötet. Sie sollen in Gemeinschaft mit einem Dritten versucht haben, die Grenze zu überschreiten. Hierbei wur- den sie von der Landespolizei bemerkt und verhaftet. Der Selbst- motb d« Gebrüder Dyck soll«folgt sein, nachdem der Dritte einen Ausseher im Eerichtsgefängnis bei d« Durchsuchung d« Kleider«schössen hatte. Die Angelegenheit erscheint uns noch d« Aufklärung bedürftig. Fürchtet man, daß das Erfchießenauf der Flucht nicht mehr glaubwürdig erscheint und sucht man darum andere Märchen zu dichten? Bluttat eines Einwohnerwehrmannes TU. Stuttgart, 4. September. Unmittelbar vor feinem Abschluß hat der achttägige Generalstreik, der ohne blutige Zwischenfälle verlaufen ist, noch ein Todes- opfer gefordert. Zn Reckarsulm wurde ein Arbeiter, der ein Mitglied der Einwohnerwehr mit einem Prügel bedrohte, von dem Eimvohneiwehrmann durch einen Revolverschnß getötet. Wilhelm wünscht fich ein Tannenberg Der Nationalverband Deutscher Offiziere hatte anläßlich der Tannenbergfeier im Stadion an Wilhelm den Verflossenen ein Telegramm gesandt, auf da» nunmehr aus Amerongen folgende Antwort eingelaufen ist: „Dem„Nationalverband Deutscher Offiziere" danke Ich herzlich für das treue Gedenken am 27. August. Möchte dem Vaterland einst wieder«in Tannenberg werden.— gez. Wilhelm I. R." Man sollte mehr an die Marne denken, das ist lehrreicher. Freimachung von Arbeitsstellen Der Demobilmachunasausfchnß Eroß-Berlin hat jüngst eine Verordnung erlassen, die die Entlassung aller Ar- beitnehmer anordnet, welche auf Erwerb aus ihrer Beschäftigung nicht angewiesen find. Ein Teil der bürgerlichen Presse war darüber sehr aufgeregt, was wir darauf zurückführen können, daß zahlreiche kleinbürgerliche Eristenren sich«ine sehr nette..Nebeneinnahme" dadurch vaschafsen, indem ihre Frauen den Arbeitslosen das Brot wegnehmen. Der Vorsitzende des Demobilmachungsausschusses sah sich genötigt, eine Rechtserti- gung der Verordnung zu veröffentlichen, worin er z. B. darauf hinweist, daß die Ehefrau'eines begüterten Haus- b e f i tz e r s in einem Bureau als Stenotypistin tätig ist, und daß ihre bei dem Vater wohnenden drei Töchter als Geschäfts- leiterinnen in Stellung sind. Er fetzt fernerhin auseinander, daß in jedem einzelnen Falle erst nach eingehendenRecherchen eingegriffen werden soll. Die bürgerliche Presse, die sonst gegen ein zahlreiche« Drohnen- tum. das von der Arbeit des Volles lebt, nicht allzu viel«mzu- wenden hat, legt sich plötzlich ins Zeug für alle die, die a r b e» t e n wollen und arbeiten können. Man dürfe sie nicht an ihrer Betätigungslust hindern, den» in unserer Wirtschaftslage fei jede Arbeltskraft unentbehrlich. Das ist schon richtig. Trotzdem ist jetzt der Gesichtspunkt in den Vordergrund zu stellen, unter dem die Verfügung des Demobilmachuiigsausschusses«- lassen worden ist. nämlich d«, daß die verfügbaren Ar- beitsftellen denen»orbehalten bleiben müssen, die durch ihre soziale Lage auf den Erwerb ans Lohnarbeit angewiesen sind. Aber auch in d« Arbeiterschaft hat die Verorbiuing eint gewisse Beunruhigung hervorgerufen. In eine: vonr Buch- binderoerband veranstalteten FrauenversammlunS- die am Freitag stattfand, wurde die Verfügung recht heftig be- kämpft. Es wurde die Ansicht vertreten, daß die Löhne d et Männer in den meisten Fällen für den Unterhalt der Familie nicht ausreichen und daß die Frauen daher auf Erwerbs» arbeit nicht verzichten könnten. Die Frauen könnten sich da« Recht auf Arbeit nicht nehmen lassen. Nun wird die Verfügung gewiß gegen erwerbstätige Arbeitet frauen zu allerletzt angewandt werden dürfen. Aber es darf auch nicht übersehen werden, daß die Unterstützung der Erwerbs» losen für die Erhaltung einer Familie«st recht nicht ausreicht. Die Familien der Erwerbslosen befinden sich zweifellos in einer weit schlimmeren Lage, als die Familien jener Arbeiter, die noch Verdienst haben, selbst wenn er gering ist. Die einfachste gewerkschaftlich« Disziplin v«langt z. V. von den Arbeitslosen, daß sie sich nicht in Massen auf die Betriebe stürzen, um dort ngch Arbeit Umschau zu halten, sondern daß sie Zurück- Haltung üben und den Arbeitsnachweis benutzen, damit der An- drang zum Arbeitsmartt die Löhne der Arbeitenden nicht allzv stark drückt. Wenn die Arbeitenden von den Arbeitslosen diese Rücksicht verlangen, dann können die Arbeitslosen auch umge- kehrt fordern, daßdie in Arbeit Stehenden ähnliche Opfer für die Arbeitslosen bringen. Selbstverftänd« lich ist es natürlich, daß der Demodilmachungsausschuß in solchen Fällefi seine Recherchen noch weit sorgfältiger betreibt. bevor er eingreift, und daß das Eingreifen der Behörde in rück- sichtsvollster Weise geschieht. Der Vorschlag des VranchenleiterS Marknse in der erwähnten Buchbinderversammlung, Frauen, die einige Zeit ohne Erwerbsarbeit auskommen können, möchten freiwillig aussetzen, bewegt sich also durchaus im Rabmen der üblichen Gepflogenheiten entfachst« gewerkschaftlicher Solidarität. Neue Entscheidungen zur Ertverdslosensürsorge Das Reichsarbeiteministerlum hat neuerdings einige bemerkens- werte Entscheidungen auf dem Gebiet du Erwerbslosen- fursorge getroffen. Im Einvernehmen mit dem ReichsnnanZ- Ministerium hat es festgestellt, daß die Erweröslosenunterstützung rt den nach ß 12 des Reichseinkommensteuergesetzes steuer- r e i e n Bezügen aus öffentlichen Mitteln zu rechnen ist. Ferner hat die Reichsregierung beschlossen, Anträge, die die beteiligten Stellen in letzter Zeit mehrfach an sie gerichtet haben, stattzn- geben und die Unterstützung, die die Gewerkschaften im Falle der Arbeitslosigkeit vielfach an ihre Mitglieder zahlen, künftig nicht mehr auf die öffentliche Erwerbslosenuntersiusiung anzurechnen- — Avsnahmen von der Befristung der Erwerbslosenunter- stützung auf 25 Wochen dürfen auch für gewisse Gruppen von Er- werbslosen erteill werden. Zur Bewilligung solcher Ausnahmen ist für Eroß-Berlin der Odctpräsident ermächtigt worden. Dagegen hat fich der Reichsarbeitsminister nicht damit einverstanden er- klärt, daß die Bewilligung von Ausnahmen lediglich von den Fürsorgeausschüssen ausgeübt wird. Sondern diese haben für die- jenigen Einzel- und Gruppenfälle, in denen sie eine Fottgewäb- rung der Erwerbslosenunterstützung für angebracht halten, alsbald die Genehmigung des Oberpräsidenten einzuholen. Die Bewegung der englischen Bergarbeiter Ursache» des Kampfes Wir entnehme» Ausführungen der„Daily SRows" folgende Mitteilungen: Enve de? Jahres lSlS wurde der englische» Regieruug die Forderung auf Herabsetzung deS Kohlenpreises um 6 Shilling pro Tonne überreicht. Die Regierung erklärte sich be« reit, dieser Forderung entgegen zu kommen, indem sie vorschlug, de» Preis der Hausbrandkohle um 10 Shilling pro Tonne herabzusetzen und die Preise d« Sxportkohl« nicht zu verändern. Ende des fahre? IvlO zeigt sich also die englische Regieruug geneigt, einen eil der durch den Expott gemachten Gewinne zur Reduktion der LebenSkosten d« Bevölkerung zu verwenden. Im Mai des Jahres 1920 hat die Regieruug ihre Haltung vollständig geändert. Sie hat mit einem Schlage die Preise der Kohlen um 14 Shilling 2 Pence pro Tonne erhöht. Als Erkläruug hat die Regierung nur angegeben, daß die gegenwärtige wirtschaftliche Lage Englands die allmählich« Be'eitiguug der Kontrolle möglich mache, die durch die anormale» Bedingungen de? Kriege? nolwendig gewesen war. Worauf Sir Robert Horn, der Vorfitzende der Handelskammer hinzugefügt hat, daß der Ueberschuß der Kohlen- erportgewinne genau so betrachtet werden mußte, wie der Heber- schuß aus den Gewinnen ber anderen Pcodukrionszweige und che* dazu dienen müsse, die Einkünfte der Nation zu erhöhen, als die LebenSkosten zu verringern. Er fügte hinzu, daß eine derartige Maßregel nur für den Mint« 1919/20 vorgesebeu war. Die Be�g- arbeit«, die seit langem eine Erhöhung ihrer Lebensunterhalts« koste» üb« diejenigen, die vor dem Kriege bestanden, verlange«, haben fich entfchlofleu, die Forderung»ach«n« Lohnerhöhung mit einer folcheu da Herabsetzung des Preises für HauSbrandtvhle zu verbinden. Diese letztere Forderung kompliziert die Frage und hat die besondere Wut der englische« Bourgeoisie entfacht. Der Profit der Sxportkohle wird von ber Bergarbeiter«, Gewerffchaft auf 66 Millivnen englische Pfund jährlich veranschlagt. Die von den Bergarbeitern gefordene Erhöhung der Löhne belauft fich auf 27 Millionen Pfund jährlich«nd die Herab- setzung deS Preises für HauSbraudkohle würde öS Millionen erfordern, fo daß ungefähr die Ziffer deS Profus herauskäme, mit d.r der Schatzkanzler rechnete. Indem die englischen Bergarbeiter über die Verwendung dieser Summe bestimmen wollen, unternehmen ste den Versuch, in Reaterungsangelegenhelte» drein ,u reden, Idas natürlich der gesamten Bourgeoisie mißfällt. Tie ganze bürgerliche Presse hat«inen Feldzug gegen die Berg« arbeiter-Gewerlschaft unternommen, indem sie behaupten, daß der Konflikt nicht ausgebrochen ist zwischen den Bergarbeiterl und den Bergwerk? best Hern, sondern zwischen Führern der Berg- � arbeiter-Gewerkschast und dem Staate. Der„Manchester Guardian- macht«och die weitere Bemerkung. daß nach all« Boraussicht der große wirtschaftlich« Kampf, den mau iell langem erwarte und der während de?: letzten Streiks der Eisenbahner vergangenes Jahr schon hätte aus-• brechen sollen, in die Nähe rückt und das viel ernstere Er«! e t g« t s s e als der Generalstreik der Bergarbeiter vorauZzusehe» j sind.— Bekanntlich habe» die Bergerbetter für ihre Forderungen die Unterstützung der ausschlaggebenden englischen Gewerlschafteu gefunden, so daß, wenn die Regierung nicht nachgibt, der General- streik der Bergarbeiter, für den sich mehr alS zwei Drittel der Be- legschafteu bei der Urabstimmung ausgesprochen Hab««, unvermeidlich «scheint. Ei« friedlicher Ausgleich möglich? HR. London, L September. Sowohl die Regiernng wie auch die Bergarbeiter haben durch die Presse ihren Standpunkt bezüglich des drohende» Streiks im Sternkohlenwesen mitgeteilt. Der Mmifter für Handel «nd Industrie, Sir Robert Herne« erklärte, die Regier» ng habe sich bereits festen t s ch l o ff e n, doch machte er die»«söhnliche Be- merkuna, daß die Tür für Verhandlungen noch immer offenstehe. Er machte einen grundsätzlichen Unterschied zwischen de« beiden Fordernngeu der Bergarbeiter«nd meinte, daß die Forderung nach Lohnerhöhung einem unabhängige« Schied»- richte» vorgelegt«erden solle, daß aber die Forderung über die Herabsetzung der Preise für den Hauskohlenbedarf eine politische Frage sei, r« der die Regierung nicht nachgeben könne. Di« Arbeiter ihrerseits vertrete» den Standpunkt, daß beide Forderungen nicht z» trenne« feie«. Trotzdem ist un- »erkennbar, daß beide Parteien eine Mäßigung zergeu und die Hoffnung scheint fich zu bestätigen, daß ei» Bermittlnugse Vorschlag durch de» Gewerkschaftskongreß in Portsmontlfc, der am Montag eröffnet»«eben wird, gefordert»erden wird, j j
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