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Dienstag, 21. September 1920
Nummer 395
Abend- Ausgabe
Ste echtgespaltene Ronpareillezetle oder beren Raum koftet 5,-. einschließli Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen; Das fettgedruckte Wort 2- M., jebes weitere Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien Anzeigen und Stellen- Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen Gefuche in Wort- Anzeigen: das fettgedruckte Wort 1,50 Q., jebes weitere Wort 1.-M. Serafprecher: Bestrum 2030, 2645, 4516 4603, 4635, 4048, 4821,
greiheit
Joffe über die Lage
S.N. London , 21. September. Joffe hat sich dem Korrespondenten des„ United Telegraph" gegenüber über die Lage Rußlands ausgesprochen. Er bedauert besonders den Mangel an Verkehrsmitteln, aber auch dieser Zustand habe sich etwas gebessert. Rußland ist nicht nur be reit, sondern auch in der Lage, anderen Ländern Getreide zu liefern, aber nur, wenn die Staaten zu Gegenlieferungen bereit sind. Bon Deutschland z. B. tommen Maschinen und Eisenbahnmaterial in Betracht.
Auf die Frage, wie Rußland sich seinen Nachbarn und den Großmächten gegenüber stellt, sagte Joffe, Rußland habe bereits mit Lettland und Litauen Frieben geschlossen und sei bereit, dies auch mit Polen zu tun. Die Lage bezüglich Deutsch = lands jei unklar. Rußland sei dort zwar wirtschaftlich, aber nicht diplomatisch vertreten und seit der Annullierung des Brest - Litowsker Vertrages bestehe fein Abkommen zwischen den beiden Ländern. Die Beziehungen zwischen Rußland und der Ukraine seien vertragsmäßig geregelt worden. Alle inneren Angelegenheiten regelt die Ukraine selbst, nur in der auswärtigen Politit arbeiteten die beiden Länder zujammen. Rußland jei be reit, mit jedem Staat Frieden zu schließen, wenn Rußland selbst im Frieden leben könne. Rußland bereite teine bolschewistische Propaganda in den Ländern, mit denen es Frieden schließe, vor.
Abbruch der polnisch- litauischen Friedensverhandlungen
TU. Warschau, den 21. September. ( Halbamtlich.) Die polnisch- litauischen Verhandlungen in Ralvarja wurden borgestern formell abgebrochen. Die litanischen Delegierten hatten folgende Bedingungen zur friedlichen Beilegung des Konfliktes geftellt: Die litanische Armee zieht sich bis zur Foch- Linie zurüc. Die polnischen Truppen gehen auf die gleiche Entfernung wie die litauischen von der heutigen Frontlinie zurück. Dadurch würde einneutrale Zone unter gemeinsamer polnisch- litauischer Verwaltung entstehen. Die polnische Delegation fonnte diese Ittauischen Ver handlungsbedingungen gemäß ihren Instruktionen nicht annehmen und reiste deshalb am Sonntag aus Kalvarja ab.
Paris , 21. September. Der Bölferbundsrat hielt gestern seine öffentliche Schlußigung ab. Der Rat wies die beutschen Proteste wegen der Volts: abstimmung in Eupen und Malmedy zurüd und erkannte ben Uebergang dieser Bezirke an Belgien endgültig an.
Millerand französischer Präsidentschaftskandidat
Paris , 20. September. ( Savas.) Millerand hat, dem Wunsche der Nation nachgebend, sich entschlossen, die Kandidatur für die Präsidentschaft anzunehmen.
Baris, 20. September. Millerand machte der Agentur Havas folgende Er=
flärung:
Ich habe in meiner Rede vom 7. November 1919 die Politit des fozialen Fortschritts, der Ordnung, der Arbeit und Einigkeit umschrieben, die sich nach außen hin tennzeichnet durch die un= eingeschränkte Durchführung
des Bersailler Vertrages und die Verteidigung seiner Grundlagen in Uebereinstimmung mit unseren Verbündeten, nach innen durch die Aufrechterhaltung der Staatsgesetze, die Wiederherstellung aller wirtschaftlichen Kräfte, die Dezentralisation und im gegebenen Zeitpunkt die auf Grund der Erfahrungen notwendig werdende Berbesserung unserer Staatsgefeze. Seit sechs Monaten habe ich, unterstützt vom Vertrauen des Parlaments, diese Politit metho= disch und nachhaltig durchgeführt. Ich glaube, und ich habe die Gründe dafür angeführt, daß ich dieser Bolitit nirgends besser dienen tann, als in der Eigenschaft als Ministerpräsident. Wenn aber die Mehrheit der beiden Kammern meine Anwesenheit im Elysee als nüglicher für die Einhaltung und Fortsetzung dieser nationalen Bolitit erachtet, wenn diese Mehr. heit gleich wie ich glaubt, daß der Präsident der Republit, wenn er auch nie der Vertreter einer Partei, so doch der Vertreter einer Bolitit sein tann und muß, die in enger Zusammenarbeit mit feinen Ministern festgesetzt und durchgeführt wurde, so werde ich mich dem Rufe der Voltsvertretung nicht entziehen.
Die Brüffeler Finanzkonferenz
TU. Frankfurt a. M., 21. September. Die Internationale Finanzkonferenz in Brüssel , die bekanntlich am 24. September eröffnet wird, findet im Akademiepalaft statt, wo auch das technische Personal untergebracht werden wird. Vertreten sind 35 Staaten mit ungefähr 150 Delegierten, die
Polnischer Heeresbericht
TU. Warschau, den 21. September. Amtlicher Heeresbericht vom 20. September: Unsere den Feind zurüddrängenden Abteilungen nähern sich dem 3 brusz, überall von der gesamten Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession und Nationalität mit Begeisterung begrüßt.
In Wolhynien besetzte unsere Kavallerie bei der Verfolgung des fliehenden Feindes Row no. Ein Regiment der Reiterarmee Budiennys ergab sich unseren Truppen bei Kleman. Im Norden des Pripiet eroberte unsere Armee in schweren Kämpfen, bei denen sich besonders unser Infanterieregiment 32 hervortat, Roczany und die Bahnstation Linowta, machte 1000 Gefangene und erbeutete 13 Maschinengewehre und große Munitionswagen. Im Abschnitt Roczary- Nowy Dwor machte der Feind mehrere Gegenangriffe, wurde aber mit blutigen Verluften für ihn zurückgeschlagen.
Die Litauer sammeln frische Kräfte an der Linie Maryca. Die Ankunft frischer Sowjetdivisionen der sibirischen Armee wurde an der Njemen- Front festgestellt.
Vom Kongreß der Ostvölker
Mostan, 19. September. Der Kongreß der Oftvölker hat einstimmig beschlossen, einen „ Rat für Propaganda im Osten" zu bilden.
Polnische Rechtfertigung.
TU. Warschau, 21. September.
Zu der Auflösung der jüdischen sozialistischen Arbeiter- Organi sation Der Bund " wird halbamtlich gemeldet: Wie auf Grund der vorhandenen Unterlagen einwandfrei feststeht, hat der Bund" durch bolschewistische Agenten 10 Millionen Rubel in Gold für die revolutionäre Agitation in Polen erhalten. Die Organisation steht in enger Verbindung mit den Bolschewisten und verfügt über ein gut organisiertes Agentenneg in ganz Polen . Außer einer Anzahl belastender Aften fonnte auch ein großer Teil des Goldes beschlagnahmt werden.
TU. Warschau, den 21. September.
Das Präsidium des Ministerrats teilt mit: Infolge der Kriegsereignisse ist in den Konferenzen im Präsidium des Ministerrats über die jüdische Frage etne längere Unterbrechung eingetreten. Jezt werden diese Besprechungen auf Anregung des Bizeministerpräsidenten Dazzin sty wieder aufgenommen. Die nächste Ronferenz findet noch im Laufe dieser Woche statt.
den Sigungen beiwohnen und etwa 100 Beamte mitbringen. Die Vereinigten Staaten werden sich allem Anscheine nach darauf be= schränken, lediglich als Zuhörer an den Beratungen teilzunehmen. Nach der einleitenden Rede des Vorsitzenden Ador- Schweiz wird die Konferenz einen Organisationsausschuß ernennen. Die wirtschaftliche und finanzielle Lage eines jeden Landes soll auf der Konferenz einzeln geprüft werden, wofür die Berichte der einzelnen Länder als Grundlage dienen. Die behandelten Angelegenheiten dagegen an eine Kommission, die die auf der Konferenz zutage getretenen Ansichten in einer Entschließung zusammenzufassen hat.
Aus dem christlichen Musterlande
TU. Budapest, 21. September.
Der Verein der erwachenden Ungarn entwidelt seit einiger Zeit wieder eine sehr rege Tätigkeit, um die Vorstöße der Anhänger des Liberalismus, die sich gegen den Kultus und Unterrichtsminister Haller richten, zu paralysieren. So hatte der Verein für den gestrigen Sonntag eine Massenversammlung einberufen, in der der Vorsitzende den Unterrichtsminister Haller darauf aufmerksam machte, daß die Regierung 36 Eisenbahner, die Mitglieder des Vereins der erwachenden Ungarn waren, ihrer Stellung enthoben habe. Er bekämpfte die Fehde eines Teiles der Budapester Presse gegen die Schulpolitik der Regierung und forderte die Einführung einer Journalistenfammer, in der die Mitglieder- Aufnahme nur nach einer gewissen 3ensur erfolgen könnte.
Sierauf ergriff der Kultus- und Unterrichtsminister Saller das Wort, der ein start antisemitisches Programm entwidelte, und die Erklärung abgab, daß er bewußt mit dem Liberalismus, der das Land in den Abgrund stürze, gebrochen habe. Hierauf wurde eine Abordnung gewählt, die der Regierung eine aus 25 Punkten bestehende Dentschrift der„ erwachenden Ungarn " überreichen soll.
Zur Anschlußfrage
Bon Alfred Berger.
Eine der umstrittensten Bedingungen, die unserer Partei von der 3. Internationale gestellt werden, ist der Punkt der diretten Leitung der Aktionen des deutschen Proletariats durch das Exekutivkomitee der 3. Internationale, also von Mostau aus. Die Befürworter der Annahme der Bedingun gen weisen darauf hin, daß in Punkt 16 der Aufnahmebedins gungen ausdrücklich bemerkt ist, daß das Exekutivkomitee der 3. Internationale bei seinen Beschlüssen, die unbedingte Geltung bei allen angeschlossenen Parteien haben sollen, vers pflichtet ist, den verschiedenartigen Verhältnissen der einzelnen Parteien Rechnung zu tragen, und daß keine Rede davon sein könne, von Moskau aus die Geschicke und die Tätigkeit der einzelnen Parteien, insbesondere bei ihren At. tionen, zu lenten. Es ist mir vollkommen unverständlich, warumman sich von dieser Seite ausbemüht, den ganz eindeutigen Sachverhalt zu ver. dunkeln.
Wir haben einen flaren Beweis, wie sich das Erekutivfomitee der 3. Internationale die direkte Einmischung in die Leitung der Aktionen der einzelnen Parteien vorstellt. In dem Bericht des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale, der dem 2. Kongreß der 3. Internationale vom Genossen Sinowiew erstattet wurde und der nunmehr in deutscher Sprache gedrudt vorliegt, ist die Frage der Unmittelbaren Einmischung des Exekutivkomitees in die Angelegenheiten der verschiedenen angeschlossenen Parteien" ausführlich erörtert. Uns interessiert da besonders die Stellungnahme zur Aftion der deutschen Arbeiterschaft wäh rend des Kapp- Putsches. Das Exekutivkomitee rüffelt zunächst die Leitung der K. P. D. wegen ihrer schweren Fehler in dieser Aktion, insbesondere wegen ihrer bekannten Erflärung über die ,, loyale Opposition", die sie der„, reinen Arbeiterregierung" der S. P. D. und U. S. P. gegenüber treiben wollte. Das Exekutivkomitee berichtet, daß sie selbst in Moskau einen Aufruf an das deutsche Proletariat verfaßt hatten, den sie aber nicht absandten, da sie„ fürchteten, nicht alle Umstände zu fennen und am Ende Fehler zu begehen." Das Eretutivfomitee sagt dann weiter wörtlich folgendes:
,, Die folgenden Ereignisse haben gezeigt, daß diese Befürchtun gen unbegründet waren. Wenn wir unsere Direttiven rechtzeitig übermittelt hätten, so hätte das Zentralfomitee der K. P. D. mög licherweise viele Fehler vermieden."
Wie lauteten nun die weisen Losungen, die dem deutschen Proletariat den Sieg sichern sollten? Fünf Punkte find es. Der 3. Punkt lautet:„ Saltet den Generalstreit mit allen Kräften aufrecht!"( Eine Losung, der man nur zustimmen fonnte.) Der 4. Punkt heißt: ,, Stoßt die Unabhängigen nac links!" Umrahmt sind diese beiden Punkte von folgenden entscheidenden Aufrufen: 1. Bewaffnet Euch! 2. Be waffnet die Räte! 5. Ruft die Massen zum Kampfauf!" Zunächst ist festzustellen, daß diese Losun. gen nicht nur eine schwere Verurteilung der Politik der K. P. D., sondern erst recht der U. S. P. D. enthalten, eine schwere Verurteilung auch der Ansichten, die Däumig da mals vertreten und verteidigt hat. Däumig fuhrte damals in der 1. Vollversammlung der neugewählten Räte unter Zu stimmung des weitaus größten Teiles der Versammelten aus, daß im Augenblid ein allgemeiner Aufstand nicht nur aus sichtslos, sondern ein Verbrechen am deutschen Proletariai sei, das in diesem Kampfe von vornherein zu einer Nieder lage bis zum Weißbluten verurteilt sei. Er fand die schärfsten Worte gegen die sinnlose Politik der K. A. P. D. die zum Kampf aufgerufen hatte.
Die gleiche Politit der K. A. P. D. aber wurde von Moskau als die einzig richtige angesehen; und nicht nur das auch jezt noch steht Mostau aut demselben Standpunkt! Sinowjem bemerkt aus drücklich:„ Die Losungen waren absolut richtig."
Es hat feinen Sinn, diese Dinge zu verschleiern. Wenn die Anschlußbedingungen in der vorliegenden Form angeommen werden, hat sich in Zukunft die Leitung unserer Partei, mag fie Däumig, Stöder oder Levi heißen, den Anweisungen Mostaus zu fügen. Richt mehr die flare Einsicht in die Machtverhältnisse Deutschlands entscheidet, nicht mehr wir haben abzuwägen, welche Kampftaftit wir im Augenblid ein schlagen können und müssen Mostau befiehlt, obwohl das vorliegende Beispiel flar zeigt, wie wenig das Exekutiv komitee der 3. Internationale in der Lage war, die deutschen Verhältnisse zu beurteilen, wie erschreckend groß seine Un fenntnis der deutschen Zustände auch jetzt noch ist. Hier ist
Die schwedischen Reichstagswahlen der Buntt, in dem die Frage ber zentralen Leitung weit
Die Ergebnisse der schwedischen Wahlen zur zweiten Kammer, die bis jetzt vorliegen, weisen bedeutende Verluste der Linksparteien auf. Die Konservativen bekommen 48 sige( gegen bie letzten Wahlen ein Gewinn von 11), der Agrarreichsbund 4 Size( diefelbe Zahl wie zulegt); der Bauernbund 11 Size ( ein Gewinn von 6); dies sind die Rechtsparteien.
Die linken Parteien schließen mit bedeutenden BerIusten ab. Die Liberalen bekommen 29 Mandate, ein Ver Iust von 13; die Sozialdemotraten 61, ein Verlust von 5, die Lintssozialisten 1, ein Verlust von drei Sigen.
mehr wird als ein Punkt der Anschlußbedingungen. Hier entscheidet sich die Möglichkeit der Fortent widlung der deutschen Revolution. Wichtig ist daß wir einer Internationale beitreten, mit deren prin: zipiellen Grundsägen wir einverstanden sind. Sinnlos und dumm ist es, den taktischen Kampf der einzelnen Landesparteien von einem Bunft der Welt aus leiten zu wollen, von Menschen, die nicht genügend vertraut sind mit dem Proletariat, mit den Machtverhältnissen und der Kampf lage des einzelnen Landes. Wenn diese Taktik eingeschlagen wird, müssen die Aktionen des Proletariats einen unglüc