voltserzieher Pestalozzi . N. Das Wort Volkserziehung hat für uns Sozialisten einen Übeln Klang. Demütigende Herablassung zu denunteren Volksschichten"', die in gottgewollter Armut ihr Leben fristen müssen, und eine hochwohllöbliche Wohltätigkeit derer, die in ebenso gottgewolltem Reichtum sichs wohl sein lassen, sprechen sich darin aus. Häufig genug berufen sich solcheVolks- erzieher" auf Pestalozzi . Mt Unrecht. Denn, wie schon Fichte nachwies, verstand Pestalozzi unter dem Begriff Volkserziehung die Erfassung aller Glieder einer Nation zum Zweck einer n a t u r g e- mäßen Erziehung. Gerade er war es, der in dem treffenden Bilde vom Haus des Un- rechts die Volksbildung seiner Zeit als eine Klassen- oder Standesbildung geißelt. Er sagt: So weit als ich den Schul- Unterricht kannte, kam er mir wie ein großes Haus vor, dessen oberstes Stockwerk zwar in hoher, vollendeter Kunst strahlt, aber nur von wenigen Menschen de- wohnt ist; in dem mittleren wohnen dann schon mehrere, aber es mangelt ihnen an Trep» pen, auf denen sie auf eine menschliche Weise in das obere hinaufsteigen könnten, und wenn etwa einige Gelüste zeigen, in ihrem Notzustand etwas tierisch in dieses obere Stockwerk hinaufzuklettern, so schlägt man ihnen, wo man das sieht, ziemlich allgemein auf die Finger und hie und da wohl gar einen Arm oder ein Bein, das sie bei diesem hinaus- klettern anstrengten, entzwei; im dritten, unten, wohnt dann endlich eine zahllose Menschenherde, die für Sonnen» schein und gesunde Luft vollends mit den obern das gleiche Recht haben; aber sie wird nicht nur im ekelhaften Dunkel fensterloser Löcher sich selbst über- lasten, sondern man macht ihnen durch Binden und Blend- werke die Augen sogar zum Hinaufgucken in dieses obere Stockwerk untauglich." Noch heute haben wir diese drei Stockwerke, noch immer ist Bildung nicht das Gemeingut aller. Der einzelne glaubt, er habe ein besonderes Anrecht an sie und weiß nicht, daß ihn gerade diese Isolierung als einen Ungebildeten kennzeichnet. Pestalozzi war es, der uns die sozialpädagogische Begründung von der Entstehung geistigen Lebens gab: in jedem Bewußt- fein ist eine Tendenz nach Vereinheitlichung vorhanden, die m Tätigkeit tritt, sobald ein zweites Bewußtsein mit dem ersten zusammenklingt. Ohne den Zusammenstoß zweier Bewußtseinswelten kein geistiges Leben! So ist es wahr, daß nur Genreinschaft bildet, und weil dem so ist, ist auch alle Bildung Gemeinschaftsgut, und jeder Mensch hat das gleiche Anrecht ihr gegenüber. Auch der Bewußtseinsinhalt ist für alle der gleiche, nur wird dem einzelnen, kraft Anlage und Milieu, ein verschieden großer Ausschnitt sichtbar. So hat Pestalozzi recht, wenn er betont: der Mensch D i e Not! wird zum Menschen nur in menschlicher Ge» meinschaft und durch sie. Jede Erziehung ist in erster Linie m e n sch l i ch bestimmt. Dennalle Menschheit ist in ihrem Wesen sich gleich und hat zu ihrer Befrieoigung nur eine Bahn". Au» diesem Gedanken der Wesensgleichheit aller Men» ichen, den man in bürgerlichen Kreisen ablehnt, folgt da» Recht aller Menschen aus Ausbildung ihrer Kräfte in dem Maße, wie ihre Anlagen, nicht Vermögen oder Stand, sie be- dingen.Des Menschen Anspruch auf Nahrung und Decke, das heißt, an ein die Menschennatur in ihrem ganzen Um» fange befriedigende» Dasein i st von Gottes und des Christentums wegen höher als alles Eigentums- und alles Herrschafts» recht." Mit Ironie und Schärf« geißelt Pestalozzi die Art hoch- stehender Personen, das Recht des Menschen in der ,.M i st» grübe der Gnade zu ver» scharren." Sein Herz ist immer auf Seiten der Schwachen und Unterdrückten.Ich denun» ziere mich selbst als p a r t e i i s ch s ü r s V o l k... Mein ganzes Herz hängt an der Hoffnung, daß die Welt nicht endlich dahin komme, zu fragen: Was ist das Recht des Volkes? und zu behaupten, es sei keines unter der Sonne." So bejaht er nicht nur die französische R e» v o l u t i o n, sondern verteidigt sie und die angegriffene Freiheit, für die das Volk gekämpft hatte. Er sieht in ihr die gesunde Volkskraft, die sich gegen Unterdrückung und Ausbeutung wehrt. Er betont, daß unter der Freiheit die Menschheit besser geworden ist, daß sich aberdie absoluten Regierungen, so lange die Welt steht, immer Rechte angemaßt haben, die mit einem wahrhaft guten Zustande der gesell- schaftlichen Menschheit unverträglich sind". Er erhofft von der Revolution einen Aufschwung der Volkserziehungsarbeit und geht als Deputierter nach Paris , um Napoleon für sie zu interessieren:Ich beschäftige mich nicht mit dem ABC", war Napoleons geringschätzige Antwort. Soziale und staatliche Verhältnisse, Ge- setzgebung und Verwaltung beeinflussen und bedingen den Auf- und Ab st leg der Menschen. Eine schlechte Gesetzgebung, ungerechte Ver- walttmgsmaßnahmen und der Schutz, den der Staat den Reichen und Mächtigen gewährt, aber den Armen versagt, treiben förmlich zum Verbrechen. So wird die uneheliche Mutter zur Kinoesmörderin, denn sie fürchtet Schande, Stellenlasiakeit, entehrende und grausame Strafen. Und anstatt daß sich der Staat der unehelichen Kinder annimmt. versagt er der Mutter sogar das Recht, den Vater des Kinde» zur Hilfe heranzuziehen. Wer aber wohlhabend ist,findet in der Erleuchtung des Zeitalters Hilfe, bleibt die Ehre der Familie und wird nicht schwanger". ot ift'S die mit mir geht Die zwischen mir und dem Leben steht, Mich grausam verfolgt schon überlang Von jedem Morgen bis Sonn'untergang! Die Freude mir raubt und Zuversicht Und mir verdunkelt mein Lebenslicht, So daß ich immer im Schatten gehalten Nicht kann vollen Werl entfalten! Und dieser Unfruchtbarkeit Wunden Zerquälen mich Stunden um Stunden, X Ohne Lachen die Lippen dumpfe Leere im Muß ich nutzlos verharren sBlick t Im trüben Geschick! pawnrsg«