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Beferinnen, das fann uns nicht so sehr aufregen, zu sehr umfangreicher Briefschreiberei haben wir doch weder Zeit noch Geld. Welch ein Irrtum! Für die kleine Privat­forrespondenz bedeutet die Portoerhöhung gewiß nicht viel- aber für alle Geschäftsleute ist sie eine sehr erhebliche Unkosten. vermehrung . Glaubt man etwa, daß diese erhöhten Unfosten von den Geschäftsleuten aufgebracht würden? Weit gefehlt! Die Unternehmer werden diese Erhöhung der Untoften nach oben abgerundet, auf den Preis ihrer Waren, das heißt also, auf den letzten Konsumenten abwälzen und der Haupt­leidtragende für diese erhöhten Ausgaben ist wiederum der Arbeiterhaushalt. Und man schäßt, daß durch diese Porto­erhöhung rund 200 Millionen Mart auf die Verbraucher abgewälzt werden. Der Zwed? Steuererleichterungen für die Besitzenden!

Zu diesen beiden Fronten gefellt sich eine dritte, nicht minder wichtige: In Berlin tagte vor einigen Tagen der Verein deutscher Eisen- und Stahlindustrieller und profla­mierte neben der Verweigerung des Achtstundentages das Programm, daß die Rationalisierung nicht zu einer Lohn­verbesserung führen dürfe. Ihr Wortführer war Dr. Reichert, feines Zeichens deutschnationaler Reichstagsabgeordneter, folglich Teilhaber des Befitbürgerblocks, unserer derzeitigen deutschen Regierung.

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Begreift man nun, warum auf dem Wege über die gewerkschaftlichen Kämpfe allein dauernde Erfolge nicht erreicht werden können? Auch der Lohn, die Preise, die die Frau alltäglich beim Einkauf bezahlen muß, sind eine hochpolitische Angelegenheit! Und unser größter Feind ist die politische Gleichgültigkeit des weiblichen Proletariats. Diefe Besitz bürgerblockregierung wird nur solange ungestört ihre Vor­stöße gegen das Lebensintereffe des arbeitenden Volkes vor­nehmen können, als die breiten Massen des Proletariats und Insbesondere unserer Arbeiterhausfrauen nicht begreifen wollen, daß Löhne und Preise politische Angelegenheiten sind. Und daß sie die Möglichkeit haben, ihre politischen Rechte zu gebrauchen, um gegen die Ausbeutungpolitik dieser Regierung durch Niedrighaltung der Löhne, Bollwucher und Steueraus beutung der Massen wirksam anzufämpfen. Erst wenn das weibliche Proletariat an sich selbst, an seine Fähigkeit, poli­tische Zusammenhänge zu begreifen, glaubt erst dann werden die Opfer und die Kämpfe der Arbeiterorganisationen nicht vergebens sein! Toni Sender .

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Fünf Millionen neue Wählerinnen!

Das Kabinett Baldwin hat eine Vorlage angenommen, nach der das Wahlalter der Frauen auf 21 Jahre herabgefeht und alle fonftigen Hemmungen beseitigt werden sollen. Damit tritt die englische Frau in politischer Beziehung in die gleichen Rechte wie der Mann.

Man muß den mehr als hundertjährigen Kampf um diese Rechte tennen, um die volle Genugtuung über diesen Erfolg der englischen Frauen zu empfinden. Am Anfang dieses Kampfes

bürgerliche Frauenbewegung hatte in dem 1875 auerft er­schienenen English Woman's Journal"( Englische Frauenzeitung) einen Mittelpunkt für ihre Bestrebungen gefunden und konzentrierte ihre Energie auf die Erschließung neuer Frauenberufe. Der proletarischen Frauenbewegung dagegen lag alles daran, zu­in den ihr allein offenstehenden industriellen Betrieben vorfand, nächst die äußerst schweren Arbeitsverhältnisse, die sie zu verbessern. Der Zugang zu den öffentlichen Berufen wurde den Engländerinnen nicht allzu schwer gemacht. Wir finden sie heute als Schul, Sanitäts- und Handelsinspektor, als Polizeichef, als Standesbeamte, als Armenpflegerin, als Steuererheberin, als Land­schaftsgärtnerin in öffentlichen Anlagen und am stärksten im Lehrer­beruf tätig. Eine Frau ist fürzlich zur ersten Vorsitzenden des Institute of Directors, einer Vereinigung englischer Handelsgesell Gebiete zeigt sich darin, daß in London allein 140 Frauen im fchaften, gewählt worden. Der starte Einfluß auf fommunalem Stadtrat und 6 Frauen in fleinen Städten Bürgermeister sind. Die Tätigkeit in den Ministerien, ja, fogar Ministersize find englischen Frauen eingeräumt worden. Der erste weibliche Minister war die Sozialistin Margarete Bondfield. Während diese Tatsachen augenfälliger in Erscheinung traten, vollzog sich daneben in aller Stille und noch viel umfassender eine ungeheure Zunahme der weib­

lichen Fabritarbeit.

hat auch der Kampf um das Stimmrecht frühzeitig be­Dieser frühzeitigen Emanzipation der englischen Frau zufolge gonnen. In den städtischen Distritten hatte die Frau das aktive Wahlrecht schon seit 1822 63m. 1888, feit 1894 auch ein beschränktes passives Wahlrecht, und 1907 erhielt sie das aktive und passive Wahlrecht für die Stadtverordnetenversammlungen. Aber bezeich menderweise wurde die Wahlbeteiligung an die Vorauslegung eines bestimmten Besiges, an einen bestimmten Mietwert der Woh­nung gefnüpft, und zuletzt fogar auf Haus- und Ehefrauen be­das aktive Wahlrecht für das Parlament. Das Wahlalter wurde schränkt. Gerade diese Frauen erhielten wiederum allein 1918 für die Frauen auf 30. Jahre festgefekt, während der Mann schon mit 21 Jahren wählen fonnte. Die Arbeiterpartei brachte 1922/23 eine Gesetzesvorlage über das allgemeine gleiche Wahlrecht für beide Geschlechter ein, die in zweiter Lesung angenommen wurde. Die Auflösung des Parlaments nach Macdonalds Sturze ver­hinderte die Verkündigung. Baldwin, der bei den darauf fol­Stimmenfang getrieben hatte, muß jetzt wohl oder übel fein Ber­genden Wahlen mit dem gleichen Wahlrechte für die Frauen sprechen einlösen. Die endgültige Erlangung der lange umlämpften Forderung scheint damit sichergestellt zu sein.

Ueber die Wirkungen vermag man sich gegenwärtig noch fein flares Bild zu verschaffen. Den Parteien werden etwa 5 Mil­lionen neuer Wähler zugeführt. An eine annähernde Bor­ausberechnung des Zuwachses der einzelnen Parteien ist bei der Kompliziertheit des englischen Wahlmodus, der schon bei den letzten Wahlen das Bild des wirklichen Wählerwillens bis zur Untennt­lichkeit verzerrt hatte, nicht zu denken. Es ist ein merkwürdiges Zu­fammentreffen, daß der mehr als ein Jahrhundert dauernde poli­tische Kampf der Frauen in einem Augenblick feinen Abschluß findet, in dem eine konservative Regierung die Rechte, die die Arbeiterschaft fich in einem ebenjo langen heroischen Kampfe errungen hat, durch das Gewerkschaftsgesetz beseitigen will. Hoffen wir, daß es durch den Zuftrom enalischer Proletarierinnen gelingen möge, Selte an Seite mit dem Manne die Arbeiterrechte wieder zurückzugewinnen! Margarete Starrmann- Hunger.

ſteht die unter dem Sturme der französischen Revolution entstandene Gesundheitsfürsorge der Stadt Berlin .

Schrift Die Rechtfertigung der Menschenrechte" von Mary Wo11­stonecraft, die schon damals die bis heute unerfüllten Forde rungen mit dem Höchstziele der wirtschaftlichen Selbständigkeit der Frau aufstellte. Mary Wollstonecraft war ein Kind der Zeit des beginnenden Frühkapitalismus, der die Frauen in Scharen aus dem Hause ins Erwerbsleben trieb. In ihrem Heimatlande kon­zentrierte sich deshalb auch schon weit eher als in anderen Staaten eine Frauenbewegung, selbstverständlich nicht im heutigen Sinne tonkreter Organisationen, sondern in der Entwicklung bewußter, aber doch noch wenig zusammenhängender Strömungen. Die an fängliche Unsicherheit in der Wahl des Weges offenbart sich deutlich in der lange Zeit bestehenden unklaren Scheidung von bürgerlichen und proletarischen Frauenzielen, bis dana erft die profetarische Frauenbewegung im Vorbilde der Trade Unions , der englischen Gewerkschaften, den Weg zur Befreiung gefunden zu haben glaubte. Hier wurde nun zunächst der der englischen Frauenbewegung eigen tümliche Wege der selbständigen Frauengewerkschaf ten eingeschlagen. Eine englische Sezerin, Miß Emma Smith, später Mrs. Paterson, rief 1874 bie erste Frauengewerkschaft ins Leben. In dieser Gründung machen sich noch die überlieferten Ideen insofern deutlich bemerkbar, als die profetarische Frauen­bewegung sich noch nicht als Bestandteil der gesamten Arbeiter­bewegung fühlte und sich ihr demgemäß eingliederte, sondern als Jelbständige Organisation in Erscheinung trat und damit in Gefahr geriet, ihre Kräfte auch zeitweilig gegen den Mann als solchen zu richten. Ein Grund dafür lag freilich auch in der eigentümlichen Haltung der männlichen Organisationen, die selbst nicht flaffen­fämpferisch organisiert waren und noch viel weniger die profe­tarische Frauenbewegung in ihrer wahren Bedeutung erkannten.

Von der Gewerkschaftsgründung ab läßt sich eine Trennung von bürgerlicher und proletarischer Frauenbewegung feststellen. Die

Seit dem Jahre 1920 haben die Standesämter die Berpflichtung, Jedem, der sein Aufgebot bestellt, ein Gesundheitsmert. blatt auszuhändigen. Unter der Aegide des Ministeriums für Boltswohlfahrt hat sich aus diesem Merkblatt ein Merkheft ent­wickelt. Diefes Heft enthält neben recht guten Auffäßen bekannter Autoren die unwürdigste Reklame, die dem Sinn dieser Artikel geradezu ins Gesicht schlägt. So finden sich zwischen einem Auffah über den Wert der natürlichen Ernährung des Säuglings Anpreisungen von Ruhställen, Kindermehl und sogar von alkohol armem" Malzbier! Reklamen für Nähmaschinen, Rinderwagen und allerlei Mittelchen gegen Hautausschläge und Schwangerschaftsunterbrechungen machen das Buch nicht wertvoller, wenn sie sich auch allem Anschein nach der Billigung der Medizinal­abteilung des Minifteriums für Bolts wohlfahrt erfreuen. Der Umschlag trägt wie zum Hohn die patriotische Aufschrift: Deutscher , dent an deine und deiner Kinder Gesundheit!" Trotzdem ist das Büchlein wieder ein Beweis dafür, daß in Deutschland wohl Mittel für militärische Zwecke, aber nicht einmal fo fleine Beträge, wie sie für den Druck einer solchen Schrift erforderlich sind, zur Bolks­belehrung zur Verfügung stehen.

Der rührige Privatverlag, der diese Hefte jetzt herausgibt, beabsichtigt mit ihnen in erweitertem Umfang fürs Erste außer Berlin noch Hamburg und Dresden zu beliefern. Gegen diese Ver­quickung von Boltsaufklärung und kapitalistischer Reklame muß protestiert werden. F. R.

Wandernde Leihbibliotheken. In Amerika gibt es wandernde Leilbibliotheken, die auf meist von Frauen geführten großen Last. autos nach entlegenen, von jeder Bahnverbindung entfernten Farmen, Bergwerksbetrieben oder sonstigen Siedlungen gebracht werden.

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