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mehr. 1889 fehrten 1,97 Prozent der Bevölkerung Deutschland den Rücken, 1892 dagegen 2,31 Prozent. Als aber die Sozial­demokratie im Reichstag den Nothstand der arbeitenden Bevölkerung zur Sprache brachte, was antworteten die Vertreter des Kapitalis­mus, was antwortete die kapitalistische Regierung? Es giebt keinen Nothstand!" Wenn aber dagegen die lieutenantsmäßig schnarrende Stimme eines schnapsbrennenden Junkers sich erhebt: eine Liebes­gabe für den nothleidenden Agrarier, oder....!" da macht die Regierung eine tiefe Verbeugung: Sie entschuldigen, gnädiger Herr! Ihr Leid geht uns sehr zu Herzen, aber Sie müssen sich gedulden, bis wir aus der Kanaille, aus dem Böbel noch mehr Steuern aus­gepreßt haben, so daß wir Ihre billigen Wünsche befriedigen können." In Sekt und Austern schlemmende Großgrundbesißer einerseits und an dem Nothwendigsten Mangel leidende Zwergbauern und Arbeiter andererseits, dies zwei Arten Nothleidender, welche die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und Liebesgaben den Einen, Mehr­belastung mit Steuern den Anderen, dies die Haltung der Re­gierung ihnen gegenüber. Das Traurigste und zugleich das Lächer­liche an der Sache aber ist, daß die Agrarier gar nicht im Stande wären, ihre Interessen im Reichstage zu vertreten, wenn sie nicht Reichstagsmandate erhalten hätten von den Bauern und Land­arbeitern, von denselben Bauern und Landarbeitern, die sie durch ihre Konkurrenz zu Grunde richten, auf das Schlimmste aus­beuten und im Reichstage seit Jahrzehnten auf Schritt und Tritt verrathen. Das werkthätige Volk, auf dem Land und in der Stadt, das Kapitalisten Fabrikanten, Jobber oder Großgrund besitzer zu seinen parlamentarischen Vertretern wählt, wird da durch zu seinem eigenen Henker.

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Die Regierung aber schmeichelt den Kapitalisten, den agrari­schen, wie denen anderer Art, weil sie ihrer bedarf. Sie appellirt an sie als an die Stüßen der Gesellschaft. Sie zeigt dadurch, daß sie nicht durch das Volk, sondern nur gegen das Volk regieren kann. Deshalb muß sie auch die wirthschaftliche Unterdrückung des Volkes aufrecht erhalten. Diese Unterdrückung zusammen mit dem Militarismus macht ihre Stärke aus. Doch von dem Augenblick an, wo das Proletariat organisirt auftritt und seine eigenen politischen Vertreter wählt, da schwindet allmälig unter dem Drucke dieser Bewegung die politische Macht des Kapi­talismus und mit ihr die Gewalt der Regierung. Und schon be= thätigt sich das Proletariat als diese organisirte politische Macht, schon klopft es an die Thore des Klassenstaates und fordert für alle Ausgebeuteten, Unterdrückten und Nothleidenden ihr Recht. Die Zeit wird kommen, wo es der darbenden werkthätigen Be­völkerung des platten Landes zu ihrem Recht verhilft und den Herren Agrariern zu dem ihrigen. Freilich dürfte dieses Recht nicht nach den Herzen der Herren von Jßenpliz, Köferit und ihrer Er­werbsgenossen" sein.

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Arbeiterinnen- Bewegung.

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In der Zeit vom 18. Dezember 1893 bis 15. Januar a. c. fanden öffentliche Versammlungen statt in: Berlin , öffentliche Ver­sammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen, sowie des Komptoir- Per­sonals und der Direktion der deutschen Gasglühlicht- Aktiengesellschaft: ,, Rapitaleinkommen und Arbeitslöhne der Gasglühlicht- Aktiengesell­schaft"( Genosse Näther); Gunersdorf, öffentliche Versammlung für Frauen und Männer: Die wirthschaftliche Lage der Besitzenden gegen­über den Besitzlosen"( Genossin Eichhorn); Dresden , öffentliche Ver­sammlung für Frauen und Männer:" Bericht vom Kölner Parteitag" ( Genossin Eichhorn, Genosse Lenninger); Groß- Okrilla, öffentliche Versammlung für Frauen und Männer: Die Frau in der Vergangen­heit und Gegenwart"( Genossin Eichhorn); Leipzig , öffentliche Ver­jammlung, einberufen vom Bildungsverein für Frauen und Mädchen: " Direkte und indirekte Steuern"( Genosse Rauh); Löbtau , öffent liche Versammlung für Frauen und Männer: Die wirthschaftliche und soziale Lage der Frau"( Genossin Zink); Mannheim , öffent­liche Versammlung, einberufen vom Verein sozialistischer Frauen und Mädchen: Das Christenthum ist nicht aus dem Judenthum, sondern aus dem Buddhismus entstanden"( Genosse Dr. Rüdt); Nürnberg , öffentliche Arbeiterinnen- Versammlung: Die Bestrebungen der bürger­lichen Frauen und die Interessen der Arbeiterinnen"( Genossin Rohr­lack). Die Vorstandschaft des Vereins der bürgerlichen Frauen­rechtlerinnen Frauenwohl" war zu dieser Versammlung eingeladen

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worden, theilte aber mit, daß in einer Ausschußsizung beschlossen wurde, der Aufforderung nicht Folge zu leisten. Gründe dieses Beschlusses waren nicht angegeben. Reinickendorf , Volksversamm­lung: Die kapitalistische Zivilisation in Deutschland "( Genossin Baader); Treptow , öffentliche Volksversammlung: Die Grundsätze und Forderungen der Sozialdemokratie( Reichstagsabgeordneter Zu­beil); Ulm , öffentliche Versammlung für Männer und Frauen: Die Frau in der Industrie und die Folgen ihrer Thätigkeit daselbst"( Ge­nossin Zetkin).

Vereinsversammlungen fanden in der nämlichen Zeit statt in: Barmbeck, Mitgliederversammlung des Verbandes der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen:" Frauenunterdrückung, Frauen­fultus und Frauenrecht"( Genossin Kähler); Berlin , Mitglieder­versammlung des Verbandes der in Holzbearbeitungsfabriken oder auf Holzplägen beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen: Kassenbericht, bildungsvereins: Geistige Knechtschaft"( Genosse Dr. Pinn); Ham­Thätigkeitsbericht; Mitgliederversammlung des Frauen und Mädchen­burg, Mitgliederversammlung der in der Kürschnerbranche beschäf= tigten Arbeiter und Arbeiterinnen: Die Arbeitslosigkeit und ihre Ursachen"( Genosse Lorenz); Harburg , Mitgliederversammlung des Verbandes der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen: Der Rampf ums Dasein"( Genosse Lorenz); Mainz , Mitgliederversamm­lung des Frauen und Mädchenvereins: Die Entwicklung der Erde und des Menschengeschlechts"( Genosse Kurz); München , zwei Mit­gliederversammlungen des Bildungsvereins für Frauen und Mädchen: nismus"( Genosse Heiselmeyer); Striesen , Mitgliederversammlung 1. Die Emanzipation der Frau"( Genosse Krause), 2. Der Darwi der Gewerkschaft der Gärtner: ,, Die wirthschaftliche Lage der Be­sitzenden gegenüber den Besitzlosen"( Genossin Eichhorn).

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Mannheim . Seit dem Sommer 1893 besteht hier am Orte außer dem Verein sozialistischer Frauen und Mädchen noch der prole­tarische Frauenverein Einigkeit". Die erstgenannte Organisation hatte in der Schwetzinger Vorstadt etwa 53 Mitglieder, d. h. etwa ein Drittel ihres gesammten Mitgliederbestandes. Die Genossinnen der Schwetzinger Vorstadt stellten den Antrag, daselbst eine Zahlstelle des Vereins zu gründen, und zwar 1. um die Agitation besser be­treiben und mehr Mitglieder gewinnen zu können, und 2. um den Mitgliedern den sehr weiten Weg nach der Stadt zu ersparen. Dieser Antrag ward angenommen. In Folge verschiedener Umstände zogen es jedoch die Schwetzinger Genossinnen später vor, aus dem Verein der sozialistischen Frauen und Mädchen auszutreten und eine eigene Organisation zu begründen, die Einigkeit". Der Verein Einigkeit" schloß sich der Zentralisation der Gewerkschaften an, weil er überzeugt ist, dadurch eine größere Betheiligung der Mannheimer Prole­tarierinnen an der allgemeinen Arbeiterbewegung herbeiführen zu können. Der Verein verfolgt jedoch keineswegs die Ziele der Nichts­als- Gewerkschaftler, er steht voll und ganz auf dem Boden des sozial­demokratischen Programms und sucht seine Mitglieder ebensowohl aufzuklären über wirthschaftliche, als über sozialpolitische Fragen und alle Vorgänge des öffentlichen Lebens. Der Verein erkennt keinen Gegensatz zwischen der politischen und gewerkschaftlichen Bewegung an und ist überzeugt, daß beide einander ergänzen und in die Hände arbeiten müssen zum Zwecke der endgiltigen Befreiung des Prole­tariats vom Joche des Kapitalismus . Die Mitglieder der jungen Organisation sind vom besten Geiste beseelt und eifrig bemüht, durch persönliche Agitation und durch die Thätigkeit des Vereins immer mehr von den Lohnsklavinnen Mannheims für die Ideen des Sozia­lismus zu gewinnen. Bis jetzt dürfen sie mit Befriedigung auf den Erfolg ihrer Bestrebungen zurückblicken.

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München . In der letzten Generalversammlung des Bildungs­vereins für die Frauen und Mädchen Münchens erhellten aus dem erstatteten Kassen- und Vorstandsbericht die guten Fortschritte, welche die Organisation gemacht hat. Dem Verein verblieb ein Kassenbestand von ca. 150 Mart, was als ein sehr günstiges Resultat bezeichnet werden muß, da für das Zustandekommen einer Bibliothek, für auf­klärende Vorträge und zu Agitationszwecken verhältnißmäßig bedeutende Mittel aufgewendet worden sind. Die Mitgliederzahl betrug 168( sie ist seitdem auf 176 gestiegen). In dem Vorstandsbericht wurde her­vorgehoben, daß der Verein eine sehr umfangreiche Thätigkeit entfaltet hat und daß die Mitglieder eine große Opferwilligkeit, Ueberzeugungs­treue und Rührigkeit an den Tag legten. Die Generalversammlung beschloß, die Gleichheit" obligatorisch einzuführen. Bei der erfolgen den Vorstandswahl lehnte die bisherige Vorsitzende aus verschiedenen Gründen ihre Wiederwahl entschieden ab und empfahl, den Vorstand durchweg mit neuen Mitgliedern zu besetzen, weil dadurch weitere Genosfinnen mit der Führung der Organisationsgeschäfte vertraut würden. Aus der Wahl gingen als Mitglieder des Ausschusses hervor die Genossinnen Geiseler und Weber als erste und zweite Vorsitzende,