von den Behörden verboten bezw. aufgelöst. In Meerane verbot der Herr Bürgermeister die Versammlung, weil die Referentin unbekannt sei. In Glauchau ergriff der Stadtrath die gleiche Maßregel, jedoch mit der Begründung, daß die Referentin zu sehr wegen ihrer aufreizenden Reden bekannt sei". Das Verbot erfolgte auf Grund des § 5 des sächsischen Vereins- und Versammlungsrechts,„ da nach den über die Referentin, Frau Greifenberg aus Berlin , eingezogenen Erfundigungen der Verdacht hinreichend gerechtfertigt ist, daß auch diese Versammlung bezwecken soll, Gesezesübertretungen zu begehen und dazu aufzufordern, ebenso wie diejenige am 28. Juni 1893 in Neuwathau in Schlesien anläßlich der aufreizenden Reden derselben Referentin hat aufgelöst werden müssen".( Uff! welches Beamtendeutsch!) In Großröhrsdorf wurde die Versammlung aufgelöst, als der Vorsitzende der Referentin das Wort zu ihrem Vortrage ertheilte. Die Versammlungen in Zeulenroda , Dresden , Potschappel und Bischofs werda waren sehr gut besucht, zumal auch seitens der Frauen, und verliefen durchaus ruhig und ungestört. Die Ausführungen der Refe rentin fanden überall die Zustimmung und den Beifall der Anwesenden. Die Agitationstour hat ihren Zweck erfüllt, sie hat zumal viele Frauen über die Nothwendigkeit der Organisation aufgeklärt, sie hat dem Verband der Textilarbeiter neue Mitglieder gewonnen, sie hat damit dem im Kampfe für sein Recht stehenden klassenbewußten Proletariat M. G. neue Mitstreiter und Mitstreiterinnen zugeführt.
Düsseldorf . In letzter Zeit wurde von hier aus in Hilden eine Verwaltungsstelle des deutschen Metallarbeiter Verbands gegründet, dann eine Filiale des Verbands der Textilarbeiter und Arbeiterinnen. Beide Organisationen ließen sich angelegen sein, auch die Frauen über ihre Klassenlage und ihre Pflichten als Proletarierinnen aufzuklären. Das war nicht nach dem Geschmacke des Wirths, in dessen Lokal die Vereinssizungen stattfanden. Am 17. März sollte Genossin Gotthusen in einer Versammlung der Metallarbeiter über ,, die Thätigkeit der Frau in der Industrie" sprechen. Als Genossin Gotthusen etwas vor der Eröffnung der Versammlung in das Vereinslokal kam, erklärte ihr der Wirth, daß er sie auf keinen Fall in seiner Wirthschaft dulde, die Männer könnten sich bei ihm besprechen, aber Frauensleut' wolle er nicht dabei haben". Genossin Gotthusen mußte seiner Aufforderung Folge leisten. Ehe sie das Lokal verließ, fragte sie, ob sie sich vielleicht unanständig betragen hätte.„ Nein", gegeben seiner Einbildungskraft und Träumerei, einer jener quer köpfigen Grübler, die etwas vom Philosophen und Dichter an sich haben. Durch das Ansehen seines Künstlerrufes in der hohen Gesellschaft zugelassen, ein Aristokrat von Natur, aber ohne Eitelkeit, aus dem Volfe hervorgegangen und es nicht vergessend, sog er wollüſtig an dieser Blume der Zivilisation, welche die gute Gesellschaft heißt. Er fühlte mehr und besser als irgend ein Anderer, wie viel Alles in dieser Umgebung: der Neiz der Frauen, der Geist der Männer, das glänzende Tafelgeschirr, die Einrichtung des Saales, bis auf den sammetartig schimmernden Weißwein, mit dem er eben seine Lippen neßte, wie all' dieses selten und gewählt war, und er freute sich, daß ein Zusammentreffen so liebenswürdiger und harmonischer Dinge eristirte. Er fand es schön, daß es wenigstens irgendwo, wenigstens einigemal in dieser traurigen Welt einigermaßen glückliche Wesen gab.
Wofern sie dem Mitgefühl zugänglich waren, mildthätig und sie waren es ja sehr wahrscheinlich, diese Befriedigten wen störten sie, welchen Schaden richteten sie an?
Owelch' schöner tröstlicher Wahn, zu glauben, daß diesen das Leben Gnade widerfahren lasse, daß sie immer oder fast immer diesen sanften, heiteren Ausdruck im Blick, dieses halb erschlossene Lächeln auf ihren Lippen behalten werden, daß sie so viel wie möglich die dringenden und entehrenden Nothdürftigkeiten, die verächtlichen Gebrechen aus ihrer Eristenz verdrängen würden.
Derjenige, welchen wir den Träumer nennen wollen, war eben hier bei seinen Betrachtungen angelangt, als der Diener, der großartige Diener feierlich vom Buffet kam; er trug eine große filberne Schüssel, worauf eine Butte von fabelhafter Größe lag, eine jener phänomenalen Fische, wie man deren auf alten Bildern sieht, welche die Fischerei darstellen, oder noch in der Auslage von Chevet, vor der eine Reihe erstaunter Gassenjungen ihre Nasenspitzen gegen die Auslagefenster drücken.
Man fervirte.
Als aber der Träumer vor sich, auf seinem Teller ein Stück dieser riesigen Butte liegen sah, da rief der leichte Seegeruch in
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antwortete der Wirth,„ aber Sie gehen ganz raffinirt vor, um die Leute hier aufzuhezzen." Als die Metallarbeiter Kenntniß von dem Vorgang erhielten, verließen sie geschlossen das Lokal. Die Arbeiter und Arbeiterinnen Hildens werden nun jedenfalls den betreffenden Wirth recht fleißig besuchen, zum Dank dafür, daß er ihre gerechten Bestrebungen in ganz ungerechtfertigter Weise zu hintertreiben suchte. Wenn aber der Herr und seine Hintermänner sich einbilden, durch solche kleinliche Nücken und Tücken verhindern zu können, daß sich auch in Hilden die proletarischen Frauen und Mädchen der Sozialdemokratie anschließen, so sind sie gar sehr auf dem Holzwege! Die Frauen des arbeitenden Volks werden durch ihre Interessen auf die Sozialdemokratie hingewiesen, denn bei allen Gelegenheiten zeigt es sich, daß diese allein voll und ganz die Interessen der werkthätigen Masse vertritt. Allen Chifanen der Gegner zum Troß wird deshalb die Aufklärungsarbeit der zielbewußten Genossen und Genossinnen B. G. auch unter der Frauenwelt von Erfolg begleitet sein.
Hausindustrielle Höllen.
II.
M. K. Die Hausindustrie ist allerorten zu einer Hochburg der kapitalistischen Ausbeutung proletarischer Arbeitskraft geworden. Keine noch so schwächlichen gesetzlichen Bestimmungen, keine Rücksichten auf den technischen Betrieb eines Unternehmens ziehen hier der Profitmacherei der ausbeutenden Kapitalisten Schranken. Vereinzelt, ohne den Rückhalt einer Organisation stehen die Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen dem Unternehmer gegenüber, auf Gnade und Ungnade seiner wirthschaftlichen Uebermacht preisgegeben. Ueberall, wo sich die Heimarbeit eingebürgert hat, wo sie einen Industriezweig ergriff, finden wir die längste Arbeitszeit, die schmachvollste, zügelloseste Ausbeutung der Frauen- und Kinderarbeit, die schlechtesten Löhne und in der Folge die denkbar traurigsten Lebensverhältnisse der Arbeiterschaft. In manchen Zentren der Hausindustrie trug ein Umstand zur Verschlechterung der Lage der im eigenen Heim Frohndenden bei: die Hausindustriellen waren im Besitz eines Häuschens, im Besitz eines Brockens Grund und Boden. Sie suchten in der Heimarbeit anfäng= lich nur einen Nebenerwerb und gaben sich deshalb von vornherein mit den niedrigsten Löhnen zufrieden. Sie waren außerdem durch seiner Vorstellung, welche zu raschen Ideenassociationen leicht genug war, einen Winkel der Bretagner Küste in die Erinnerung, ein mehr als armseliges Fischerdorf, wo er sich im vergangenen Herbste bis zur Zeit der Tag und Nachtgleiche verspätete, und wo er dem furchtbaren Wellenschlag des Meeres gelauscht hatte. Er erinnerte sich plötzlich jener fürchterlichen Nacht, wo die Barke nicht landen fonnte, jener Nacht, die er am Molo bei einer Gruppe von be stürzten Weibern verbrachte. Aufrecht stand er dort, der Sprühregen floß ihm über das Gesicht, der Wind schien ihm die Kleider vom Leibe reißen zu wollen. Welches Leben führen diese armen Leute! Wie viele Witwen gab es dort unten, alte und junge, welche für immer das schwarze Umschlagetuch trugen.
Schon beim Morgengrauen machten sie sich mit einem Haufen Kinder auf den Weg, um ihr Brot zu verdienen. Oh! Nichts als Brot! Sie arbeiteten in dem efelerregenden Geruch von warment Del, in der Sardinerie.
In seiner Erinnerung tauchte wieder die Kirche auf, die das Dorf beherrschte, in der Mitte der Felsenküste; ihr Stirchthurm war weiß angestrichen, um den Schiffen, welche aus offener See kamen, den Durchgang zwischen den Sandbänken zu bezeichnen; dann sah er auch wieder im niedrigen, von mageren Schafen abgeweideten Grase des Friedhofes die Grabsteine, auf welchen sich so oft die düstere Inschrift wiederholte: Auf dem Meere ge= storben.
Diese riesige Butte hatte den feinsten, köstlichsten Geschmack, und die Krabbensauce, mit der sie gewürzt war, bewies, daß der Koch des Herrn Grafen im Café Anglais in die Lehre gegangen war und von diesen Studien Nußen gezogen hatte. Denn bei diesem Punkte ist unsere verfeinerte Zivilisation angelangt, man erwirbt seine Grade der Kochkunst; es giebt Doktoren für das Braten- und Abiturienten für das Saucenfach.
Alle Gäste aßen lebhaft mit zarten Bewegungen, aber der gute Ton und die Gewohnheit erquisiter Soft ließ sie nichts zu Gunsten des außergewöhnlichen Gerichtes offenbaren.
( Schluß folgt.)