boten, Landarbeiter und Landarbeiterinnen nach wie vor„ mäßig" gezüchtigt. Kein Wunder daher, wenn Prügel zu„ Besserungszwecken" auch in Strafanstalten zur Anwendung kommen. Von Zeit zu Zeit dringen Gerüchte in das Publikum von sinnreichen Prügelmaschinen, die sich in gewissen Zuchthäusern in Gebrauch befinden sollen. Man hört ferner von ledernen Beinkleidern, die inhaftirten Frauen bei Prügelerekutionen angelegt werden, damit das Schamgefühl nicht verletzt werde". Und wenn dergleichen Dinge am Ende des neunzehnten Jahrhunderts nicht nur möglich sind, sondern fast alltäglich geschehen, dann schreit man noch über falsche Humanität und fordert mehr Prügel!
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Die körperliche Züchtigung gehört, soweit sie überhaupt als Erziehungsmittel in Betracht kommt, ausschließlich in die Familie.* Was darüber hinaus ist, das ist vom Uebel. Trotzdem hat die Prügelpädagogik in erster Linie noch ihre Hauptfreistatt in der Schule. Da aber nach Ansicht der herrschenden Klasse nur das gemeine Volk geprügelt werden darf, so wird der Rohrstock meist nur in der Volksschule, d. h. in der Armenschule geschwungen. Wehe dem Lehrer, der es wagte, einen Gymnasiasten oder eine höhere Tochter zu züchtigen! Er würde sich die heftigste Entrüstung der Angehörigen zuziehen, wenn es deren Einfluß nicht gar gelingt, ihn in seinem Amt schwer zu schädigen. Im Gegensatz dazu fordern dieselben Leute, daß das gegen früher etwas eingeschränkte Züchtigungsrecht in der Volksschule nach Möglichkeit ausgedehnt werde. Es fümmert jene Herrschaften wenig, daß die Erziehung in der Schule damit auf das Niveau der Hundedressur herabgezogen wird, bei der Prügel bekanntlich die Hauptrolle spielen. Sie haben ja insofern den Vortheil davon, als Menschen, die von Jugend auf an Prügel gewöhnt sind, sich in der Regel am leichtesten und willigsten ausbeuten lassen. Das Jdeal dieser Leute ist heute noch immer der durch seine Prügelstatistik unsterblich ge= wordene Pädagoge" Jakob Häuberle, der in etwa 51jähriger Amts
* Unserer Ansicht nach sollte die körperliche Züchtigung überhaupt gar nicht als„ Erziehungsmittel" in Betracht kommen und dies aus schwerwiegenden pädagogischen Gründen nicht. Der Familie das Prügelrecht zuerkennen, heißt unseres Erachtens zugestehen, daß die Eltern selbst noch nicht so erzogen sind, daß sie sich ihrer Aufgabe als Kindererzieher gewachsen zeigen. Die Redaktion.
Der Handel wurde abgemacht. Die Gebieterin zählte noch einmal her, was sie von ihren Dienstboten verlangte, machte Einschränkungen und gab Wünsche kund, und als schließlich Alles fertig war, fügte sie noch in einem Ton, der keine Antwort erwartete oder Gegenrede duldete, hinzu:
" Ich hoffe, Ihr seid religiös. Hier geht Jedermann zur Kirche Sonntags, und Ostern zur Kommunion. Daran halte ich streng fest."
( Schluß folgt.)
Der moderne Tantalus. Ihr kennt sie wohl, die alte Sage Von jenem König Tantalus , Der seine grause Hungerplage In Ewigkeit bestehen muß.
Rings locken, mühlos zu erreichen, Jhn Früchte voller Herrlichkeit, Doch wie er darnach greift, so weichen Zurück sie unerreichbar weit.
O Volk, wie gleichst in deinen Nöthen Du des verdammten Königs Bild! Rings lacht die Erde wie ein Eden, Draus stets dir neue Qual entquillt. Du siehst der Sonne Strahlen glänzen Und reifen manche goldne Frucht. Und bist doch in des Elends Grenzen Hinein gebannt, hinein verflucht.
Getrost! Die alten Götter sanken, Die einst den Tantalus gebannt, Und neue leuchtende Gedanken Erobern dir dein eigen Land. Sie lassen neu die Welt erblühen Und bringen dir den ros'gen Tag, Da nicht mehr grausam dich zu fliehen Der eignen Arbeit Frucht vermag!
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zeit nicht weniger als 911 517 Stockschläge, 124 010 Ruthenhiebe, 20 989 Pfötchen und Klapse mit dem Lineal, 136 715 Handschmisse, 10 235 Maulschellen, 7905 Ohrfeigen, 1115 800 Kopfschmisse und 12 763 verschiedene andere Züchtigungen mittels Bibel, Katechismus, Gesangbuch und Grammatik austheilte.
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Wie sehr wir noch heute in den Zeiten Jakob Häuberle's stecken, geht unter Anderem daraus heraus, daß sich noch in den letzten beiden Jahrzehnten Lehrerkongresse für die praktische Anwendung der Prügelpädagogik ausgesprochen haben. In Sachsen verlangte noch in den siebziger Jahren eine Konferenz von 22 Schuldirektoren, jedem Volksschullehrer solle das Recht der körperlichen Züchtigung gestattet werden. Als die Schuldeputation daraufhin„ eine spezielle Darlegung" darüber verlangte, in welcher Art und Weise und unter welchen Bedingungen man sich die im Prinzip für nothwendig befundene körperliche Züchtigung denke, gingen die 22 Direktoren frohgemuth an das Werk und verbreiteten sich ausführlich über die verschiedenen Arten der bisher üblichen und der in Zukunft zu wählenden Züchtigung. Diese Darlegung ist im Programm der öffentlichen Volksschule der königlichen Residenz- und Hauptstadt Dresden 1874" zu finden. Wer noch einen Zweifel hegt an der verrohenden Wirkung der Prügelstrafe auf diejenigen, welche sie ausführen, der möge diese klassische Darlegung nachlesen. Sachsen scheint überhaupt das gelobte Land der Prügelpädagogik zu sein. Vor kaum drei Jahren ließ die konservative Partei im sächsischen Landtage durch den Abgeordneten Mehnert erklären, daß sie die Prügelstrafe nicht nur in der Schule für die Kinder als nothwendig erachte, sondern auch in allen öffentlichen Besserungsanstalten für Erwachsene. Diese Ansicht der privilegirten Stüßen von Thron und Altar war gewiß nicht neu. Gut aber war es, daß sie wieder einmal so unverblümt ausgesprochen wurde, denn dadurch ging manchem naiven Gemüth ein Licht auf über die Segnungen der„ Kultur", welche von der konservativen Sippe im Interesse des Geldsacks dem Volke erhalten bezw. zurückgegeben werden soll. Auf das Tiefste zu bedauern ist es nur, wenn an die alleinseligmachende Prügelpädagogik auch Männer glauben, die bei ihrer Einsicht in das Erziehungswesen und bei ihren vielfachen praktischen Erfahrungen dieselbe durchaus verwerfen sollten. Wir meinen damit die Lehrer. Sie sollten doch wissen, daß die Kinder des Proletariats im Durch schnitt weder zuchtloser noch dümmer sind als die der besitzenden Klassen, die in ihren Schulen nicht geprügelt werden dürfen. Sie sollten ferner wissen, daß eine Erziehung ohne körperliche Züchtigung in der Schule sehr wohl möglich ist. Ihre Bestrebungen müßten statt auf Erweiterung des Prügelrechtes auf eine gründliche Reform des gesammten Volksschulwesens gehen. Wenn die Proletarierkinder heute in fast jeder Schule geschlagen werden, so sollten indeß die Mütter der Gezüchtigten ihre oft nur zu berechtigte Entrüstung darüber nicht einseitig gegen den Lehrer kehren. Ein Lehrer mag noch so tüchtig in seinem Fache sein, noch so human denken und die Prügelpädagogik verabscheuen, die elenden Verhältnisse unserer Volksschulen erklären es, wenn auch er hin und wieder den Stock in die Hand nimmt. In den Unterrichtsanstalten, in denen neun Zehntel aller Kinder Deutsch lands ihr Quantum an Wissen erhalten, sind die Klassen in der Regel überfüllt. Eine Schülerzahl von 70, 80, 100 und mehr Köpfen in einer Klasse ist etwas sehr Häufiges. Unter solchen Verhältnissen ist es aber öfters äußerst schwierig, ohne Stock auszukommen. In den höheren Unterrichtsanstalten besteht dieser Uebelstand natürlich nicht. Dort findet man in jeder Klasse durchschnittlich nur 40 Schüler, denen auch Alles, was zur Veranschaulichung und Erleichterung des Unterrichtes dient, in reicher Fülle zu Gebot steht. Wie sehr erschwert dagegen das Fehlen der nöthigsten Unterrichtsmittel in den Volksschulen der kleinen Städte und Dörfer das Lehren und Lernen. Da wird denn das vorgeschriebene Pensum leider nur zu oft eingeprügelt. Die elende Knauserei, welche die herrschenden Klassen bei allen Zwecken belieben, die nichts mit dem Militarismus gemein haben, ist also die Nährmutter der Prügelpädagogik in der Schule, nicht aber die moralische Schlechtigkeit der Jugend.
In der bürgerlichen Gesellschaft wird der Volksunterricht stets das dürftig bedachte und mißhandelte Stieftind bleiben, und so wird lustig weiter geprügelt werden. Die bürgerliche Gesellschaft möchte das Proletariat überhaupt am liebsten zum Prügeljungen machen für alle Sünden, die sie selbst auf dem Gewissen hat. Doch zum Prügeln gehören bekanntlich zwei, einer, der prügelt und einer, der sich prügeln läßt. Das Volk will sich aber nicht länger züchtigen und schlagen lassen, es fündet der Bourgeoisie das nahende Ende der in ihrer Klassenherrschaft begründeten Prügelära an. Es erstrebt eine neue Gesellschaftsordnung, welche physischen und geistigen Zwang als Hemmschuh der Freiheit und des Fortschritts verabscheut und in welcher den Prügelfreunden für alle Zeiten das Handwerk gelegt wird.