welche sich mit der Frage des Wahlrechts der Frauen zu den Ge­werbegerichten befaßte, wurden die Genossinnen Haase und Mesch als Delegirte zum Stuttgarter Parteitag gewählt. In Hamburg wählte eine öffentliche Parteiversammlung Genossin Zieß als Delegirte; Genossin Kähler wurde ebenfalls in öffentlicher Versamm­lung mit einem Mandat betraut.

Das aktive und passive Wahlrecht der Arbeiterinnen zu den Gewerbegerichten forderten die Berliner Genossinnen in mehreren Versammlungen, welche am 14. und 15. September stattfanden. Leider erwies sich, daß das Verständniß der Arbeiterinnenmassen für den Schaden ihrer gegenwärtigen Rechtlosigkeit noch nicht genügend geweckt ist, daß viele Proletarierinnen noch nicht klar die Nothwendig keit erkennen, ihr Recht zu fordern. Von den geplanten drei Ver­sammlungen war eine so schlecht besucht, daß sie nicht stattfinden konnte. Recht zahlreichen Zuspruchs erfreute sich dagegen die Ver­sammlung, welche im großen Saal von Keller in der Koppenstraße tagte. Referentinnen waren die Genossinnen Braun und Greifenberg , welche für ihre ausgezeichneten Ausführungen reichen Beifall ernteten. Nach kurzen Debatten wurde in den Versammlungen einstimmig eine Resolution angenommen, welche energisch gegen den jetzigen Stand der Dinge protestirt und für die Frauen das aktive und passive Wahlrecht zu den Gewerbegerichten fordert.

Den Gegnern der Frauenrechte.

Euch stört es, wenn des Wissens Bronnen Sich auch der Frau erschließen will, Denn nur in eurer Weisheit sonnen Darf sie sich demuthsvoll und still. Ihr ärgert euch, wenn Frauen lesen, Und wagen sie zu schreiben gar, Dann ist dahin ihr züchtig Wesen", Und ihre Würde in Gefahr".

" Das sind die Ueberspannten", heißt es, Wenn Wissenschaft ihr Haupt beschwert. Ihr haßt die Bildung ihres Geistes, Denn nur der Leib ist euch von Werth Nun sagt mir doch, mit welchem Rechte Ihr euch so grausig überhebt Und stets dem schwächeren Geschlechte" So strenge Lebensregeln gebt?

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Ihr habt ja oft in Hymens Banden Erprobt der Frauen Energie, Wie stark sie euch gerüstet fanden Euch Helden doch beherrschten sie. Ja, Helden! doch Pantoffelhelden! Daraus erklärt sich euer Wahn. Den Frauen laßt ihr es entgelten, Was euch die Frau hat angethan.

Notizentheil.

( Von Lily Braun und Klara Betkin.)

Weibliche Fabrikinspektoren.

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Max Regel.

Zwei Assistentinnen der Fabrikinspektion in Bayern sind von der Regierung aus ernannt worden und werden ihr Amt am 1. Oktober antreten. Frl. Karoline Bernat in München wurde als Assistentin für den ersten Bezirk der bayerischen Fabritinspektion mit. dem Size München angestellt. Ihre Thätigkeit erstreckt sich auf die Regierungsbezirke Oberbayern , Niederbayern , Oberpfalz und Regensburg , Schwaben und Neuburg. Als Assistentin für den zweiten Bezirk der Fabrikinspektion mit dem Site Nürnberg wurde Frau Anna Gundelfinger ernannt. Ihr Amtsbereich umfaßt die Re­gierungsbezirke Mittelfranken , Pfalz , Oberfranken , Unterfranken und Aschaffenburg . Frau Gundelfinger ist Buchhalterin und Fabrik­aufseherin in Allersberg . Den Assistentinnen sind im Allgemeinen die Befugnisse der Assistenten der Fabrikinspektoren zuerkannt worden. Prenßen und Sachsen sind jederzeit allen anderen Bundesstaaten voraus, wenn es sich um neue reaktionäre Maßregeln handelt. Was da­gegen die so wichtige Reform der Anstellung von Fabrikinspektorinnen anbelangt wie andere Reformen so marschiren Sachsen und Preußen wieder einmal mit dem österreichischen Landsturm immer langsam voran". Und doch sind gerade in der hochentwickelten In­dustrie dieser Länder viele Tausende von Arbeiterinnen beschäftigt, deren Interessen dringend die betreffende Reform fordern.

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Der Vorbildungskursus für Gewerbeaufsichtsbeamtinnen in Berlin hatte folgenden Lehrplan:

1) Gewerbehygiene. Dieser Kursus umfaßte zwölf Vor­träge und fand im Hygienischen Institut der Universität statt. Vor­tragender war Privatdozent Dr. Wolpert. Behandelt wurden beson­ders die Materien: Luft und Lüftung; Anatomisches und Physio­logisches über die Athmung, Luftverderbniß, Rohlensäure, Kohlensäure­messungen, Kohlenoxyd, Kohlenoxydmessungen, Durchlässigkeit der Bau­materialien für Luft, Pettenkofers Stein, Hausschwamm, Lüftungsein­richtungen, Luftkubus und Ventilationseinrichtungen in besonderen Gewerbebetrieben, Wasserventilatoren, Lockfeuer, Lockfamine, Kamin­auffezer( Luftsauger), Anemometer. Gewerbliche Gase: Jod, Chlor, Brom , Schwefelige Säure, Salzsäuredämpfe, Schwefelwasserstoff, Am­moniat, Kohlenoxyd, Schwefelfohlenstoff. Gewerbliche Staubarten: Staubkrankheiten, Respiratoren, Schutzbrillen, Luftaspiration. Trink wasser und Fabrikbäder. Beleuchtung: Beleuchtungseinrich­tungen, Sonnenscheindauer, Sonnenschein- Stundenmesser. Heizung: Heizungseinrichtungen, Thermometer, Wärmeeinheit, Wärmeproduktion des Menschen, Luftfeuchtigkeit, Hygrometer, Hygroskope, Luftbefeuch­tung, Lufttrocknung. Im Laufe des Unterrichts wurden viele größere Modelle demonstrirt von Beleuchtungs-, Ventilationsapparaten, Be­heizungsanlagen 2c. Es fanden ferner praktische Uebungen statt betreffend Kohlensäuremessungen, Prüfung der Luft, des Trinkwassers 2c. Die Theilnehmerinnen des Kursus arbeiteten außerdem verschiedene Aufgaben und Berechnungen aus, die sich auf die Ventilation im Gewerbebetrieb bezogen und zum Theil nicht ganz einfach waren.

2) Gewerbeordnung. Privatdozent Dr. Jastrow leitete einen zehnstündigen Kursus über Titel VII der Gewerbeordnung. Er begann mit§139b der Gewerbeordnung, der für die Gewerbeaufsicht grundlegend ist, besprach eingehend die formellen Befugnisse der= selben und erörterte dann besonders gründlich die Schutzbestimmungen betreffend: Sonntagsruhe, Minderjährige und Jugendliche, Kinder und jugendliche Arbeiter in Fabriken, weibliche und jugendliche Arbeiter in Fabriken. In jeder Unterrichts­stunde wurde ein bestimmtes Pensum häuslicher Lektüre aufgegeben, darauf bezügliche Fragen und Bemerkungen, wie auch eigene Erfah­rungen aus dem gewerblichen Leben wurden in der Stunde semina­ristisch erörtert.

3) Verfassungskunde, Organisation der Behörden, amtlicher Geschäftsverkehr. Der Unterricht wurde von Herrn Milisch, Bureauvorsteher im Berliner Gewerbegericht, ertheilt und fand zum Theil in den Bureauräumen des Gewerbegerichts statt. Die Vorträge wurden durch Vorführung praktischer Beispiele an der Hand des amtlichen Aktenmaterials besonders anschaulich gestaltet. Die Erlaubniß zur Benutzung dieses Materials hatte Oberbürgermeister Zelle ertheilt. Der Kursus umfaßte zwölf Stunden und behandelte: Die Verfassung des Deutschen Reichs. Die Verfassung des preußischen Staates. Die Organisation der Reichs- und Staatsbehörden. Der schriftliche Geschäftsverkehr zwischen Behörden. Der amtliche Ge­schäftsgang.

Sozialistische Frauenbewegung im Auslande.

Unsere tapfere Genossin Kulischoff konnte wegen ihres Ge­sundheitszustandes nicht nach dem Zuchthaus übergeführt werden, sondern mußte noch in Mailand verbleiben. Wie sie Prampolini mittheilt, einem der besten Führer der italienischen Sozialisten, hat sie als Arzt die Symptome einer sehr ernsten Blutkrankheit an sich beobachtet. Sie knüpft an diese Mittheilung folgende Aeußerungen an, die für die Seelengröße und Charakterstärke der edlen Frau bezeichnend sind: Sollte mein Zustand noch schlimmer werden, so beauftrage ich Sie und Bissolati, meine Würde zu wahren. Ich flehe Sie an, sich jedem Schritte zu widersetzen, der von irgend einer Seite unternommen werden könnte, um einen Gnadenakt für mich herbeizuführen. Verbieten sie Jedem, auch meiner Tochter, mir eine solche moralische Beleidigung zuzufügen. Eine Freiheit, die ich auf diesem Wege erlangen sollte, würde für mich eine solche Qual sein, daß ich sie nicht ertragen könnte; ich würde mich nicht über ein Wiedersehen mit meinen Theueren und meinen Freunden zu freuen vermögen, das unter solchen Umständen erfolgen sollte. Dies, mein lieber Prampolini, ist die einzige Bitte, die ich an meine Freunde richte, bevor das Grab uns vereinigt."

In einem früheren Briefe an Prampolini heißt es: ,,... Lieber Freund, der Sie selbst wieder leidend sind, Sie können sich denken, was unser Philipp( Turati) gelitten hat, leidet und noch leiden wird. Zum Glück ist sein Organismus selbst noch nicht gebrochen, aber in der Gefängnißzelle bei derselben Behandlung wie andere Verur­theilte... ich denke mit Schaudern an seine Zukunft. Das ist mein einziger Schmerz. Ninina( Andreina, Genossin Kulischoffs Tochter)