keit, den Grad der Ausbeutung bei der Verwendung der weiblichen Arbeitskraft steigern, den Profit erhöhen zu können, ist die Ursache der fortgesetzt sich vergrößernden Nachfrage nach weiblichen Arbeitern. Auch hierbei tritt der Wahnsinn und die Gemeingefährlichkeit unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung klar in die Erscheinung. Die Frau, die der Gesellschaft gegenüber die hohe Aufgabe zu erfüllen hat, für die Erhaltung der Art, für die kommende Generation zu sorgen, die deshalb eines besonderen Schutzes, einer besonderen Berücksichtigung benötigte, die mehr Ruhe und Pflege bedarf, sie muß als Arbeiterin oft länger, fast immer aber billiger arbeiten als ihr Kollege. Wird daneben ihre Tagesfron noch verlängert durch die Pflichten, die ihr obliegen als Mutter und Hausfrau, so wird ihre Pflege und Er­nährung verschlechtert durch die niedrigere Entlohnung. Der Schutz gegen die kapitalistische Ausbeutung durch das Gesetz ist leider nur sehr minimal. Da heißt es denn: Hilf dir selber" durch den Zu­sammenschluß mit deinen Leidensschwestern. Da aber steht das Gesetz, das eigentlich berufen sein sollte, die wirtschaftlich Schwächsten in besonderem Maße zu schüßen, und rust an allen Ecken und Enden der Frau ein Halt! Bis hierher und nicht weiter!" entgegen.

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In dem einen Bundesstaat ist es den Frauen untersagt, Mit­glied eines politischen" Vereins zu werden. Und was versteht unsere hochlöbliche Behörde nicht alles unter Politik". Hat eine Gewerk­schaft in ihrem Statut den Passus, daß sie eintreten will für Ab­schaffung der Akkordarbeit, so heißt das nach polizeilicher Weisheit Politik treiben. Ein anderer Bundesstaat verbietet den Frauen die Teilnahme an einer öffentlichen Versammlung, in der öffentliche An­gelegenheiten erörtert werden. Wird über den Lohn, die Arbeitszeit und die Notwendigkeit der Organisation gesprochen, so löst die heilige Hermandad auf, denn ,, öffentliche" Angelegenheiten zu er örtern ist nicht Sache der Frauen. Im gelobten Lande der Obotriten darf keine politische Versammlung stattfinden ohne ministerielle Ge­nehmigung. Zuwiderhandlungen werden mit Auflösung der Ver­sammlung und Bestrafung des Leiters geahndet. Redet man in einer Versammlung vom Sinken des Lohnes und von der Steigerung der Lebensmittelpreise, so erfolgt flugs die Auflösung, denn die tiefe sozialpolitische Einsicht des Ueberwachenden wittert darin Politik, die­selbe verdirbt jedoch den Charakter, ergo müssen unsere lieben" Frauen davor bewahrt bleiben.

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Reaktionäre Fassung, sowie Auslegung und Handhabung der buntscheckigen Vereinsgesetze unseres einigen" deutschen Vaterlandes gehen also Hand in Hand, um den Frauen ihr Koalitionsrecht zu rauben. Um die Dreieinigkeit voll zu machen, darf Unternehmer­willkür und Brutalität nicht fehlen. Der Beispiele sind Legion, die uns das beweisen. Statt vieler Fälle sei hier nur auf Iserlohn und Pirmasens verwiesen, wo tausende Frauen und Männer ausgesperrt wurden, um die Organisationen der Arbeiter und Arbeiterinnen zu zertrümmern. Nicht laut, nicht oft genug kann deshalb die Arbeiterin den Ruf erheben: Fort mit allen Bestimmungen, die uns hindern, im Zusammenschluß mit unseren Kolleginnen und Kollegen einen Rückhalt gegen Unterdrückung und Ausbeutung zu suchen! Her mit einem freien, uneingeschränkten Koalitionsrecht! Strengste Bestrafung der Arbeitgeber und ihrer Helfershelfer, uns in der Ausübung unseres Rechtes zu hindern! Bedeutet doch die Möglichkeit, sich ungehindert organisatorischen Anschluß mit ihresgleichen suchen zu können, für die Arbeiterin die Gewißheit, sich durch eigene Kraft ein besseres Stück Brot, ein besseres Kleid, eine bessere Wohnung, mehr Zeit zur Ruhe, zur Erholung( und damit die Erhaltung der Gesundheit), mehr Zeit zum Familienleben, zur Bildung, kurzum mehr Lebensgenuß, mehr Lebensfreude erringen zu können. Mit der Verbesserung ihrer Lage wächst aber auch die Kraft und Fähigkeit der Proletarierin, mit­zuarbeiten an dem Werke der Befreiung aus den Sklavenketten des Kapitalismus .

Auch die Frage des Koalitionsrechtes ist also ein Beweis dafür, welch lebhaftes Interesse die Frauen am Ausfall der Reichstagswahl haben. Bringt uns doch jede Stärkung der Sozialdemokratie der Er­füllung unserer diesbezüglichen Forderung näher. Deshalb Genossinnen, auf zur Reichstagswahl! Agitiert, arbeitet, wo ihr könnt für die Sozialdemokratie. Es gilt für Freiheit und Brot! Luise Ziez.

Aus der Bewegung.

Von der Agitation. Im Auftrag des Agitationskomitees für das östliche Westfalen sprach Genossin Ziez- Hamburg daselbst im April in 12 Versammlungen. Dieselben fanden statt in Biele­ feld ( 5 Versammlungen), Minden , Lübbecke , Todtenhausen, Bölhorst, Hausberge und Brack wede. Sämtliche Versammlungen waren glänzend besucht, zum Teil überfüllt. Eine besondere Freude bereitete uns die Tatsache, daß überall die Beteiligung der Frauen eine große war. In Todtenhausen war es wohl das erstemal,

daß ganz alte Mütterchen und junge Mädchen eine Versammlung besuchten. Besonders die alten Mütterchen schienen sich über sich selbst zu wundern, daß sie den Mut gefunden, in die Versammlungen zu gehen. Einmal da, folgten sie mit ungeteilter Aufmerksamkeit dem Vortrag und gaben wiederholt ihrer Zustimmung lebhaften Ausdruck. Eine stattliche Anzahl Abonnenten wurden der Gleichheit" und der " Volkswacht" gewonnen. Am 1. Mai sprach Genossin Ziet in Bielefeld in dem neueröffneten Saale der Zentralhalle" über die Bedeutung des Tages und am Abend in einem Vororte Bielefelds. In beiden Versammlungen war die Beteiligung der Frauen eine L. Z. sehr gute.

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Die Behörden im Kampfe gegen die proletarischen Frauen. In Rackwitz in Preußen fand kürzlich eine Volksversammlung statt, die sich mit den bevorstehenden Reichstagswahlen beschäftigte. Die Frau des Leipziger Genossen, der das Referat hatte, wollte der Versammlung beiwohnen, mehrere Frauen des Ortes erschienen in der gleichen Absicht. Der Überwachende forderte jedoch nachdrück­lichst die Entfernung der Frauen. Unser Protest, daß sein Verlangen ungesetzlich sei, da es sich um eine öffentliche Versammlung handle, blieb erfolglos. Der Vorgang erweist wieder einmal, wie nötig es ist, daß die Frauen ihren Einfluß für den Sieg der Sozialdemokratie am 16. Juni aufbieten müssen, damit energische Vorkämpfer für ihre Gleichberechtigung in den Reichstag gelangen. Die von den klassen­bewußten Proletarierinnen schwer empfundene politische Entmündigung A. F. muß endlich fallen.

Notizenteil.

Weibliche Fabrikinspektoren.

Ein selbständiger Bericht über die Tätigkeit der württem­bergischen Gewerbeinspektionsassistentin im letzten Jahre ist dem allgemeinen Berichte der Gewerbeaufsichtsbeamten beigegeben. Der äußere Dienst der Assistentin hat sich auf die Revision von 442 Anlagen mit 20700 Arbeiterinnen und auf 45 Besprechungen mit Arbeitern und Behörden erstreckt. Über den Verkehr mit den Arbeiterinnen bei den Revisionen kann die Beamtin nur Günstiges berichten. Das Vertrauen zu ihr ist im Wachsen begriffen. Das zeigte sich namentlich, wo sie allein, ohne Begleitung des Arbeitgebers oder eines Meisters 2c. die Betriebe inspizierte. Im allgemeinen ziehen es die Arbeiterinnen vor, ihre Beschwerden mündlich bei der Assi­stentin vorzubringen. Es gingen jedoch auch 17 schriftliche Beschwerden bei ihr ein, von denen 10 ganz und 3 teilweise begründet waren, 4 sich als unbegründet erwiesen. Die von der Assistentin eingerichteten Sprechstunden wurden von den Arbeiterinnen nicht benützt. Die Assistentin konstatiert, daß die Arbeitgeber sich mit den Lohnzahlungs­büchern für Minderjährige nicht befreunden können, und daß die Arbeiterinnen und Arbeiter erklärlich genug feine Sympathie für sie haben. Was die Durchführung der gesetzlichen Vorschriften zu gunsten der Arbeiterinnen anbelangt, so wird es mit der Ein­haltung der gesetzlich zulässigen Arbeitszeit an den Sonnabenden weniger genau" genommen. Die Unternehmer halten vielfach noch immer an der Ansicht fest, daß die zur Reinigung der Maschinen und Arbeitsräume notwendige Zeit nicht zur Betriebsarbeitszeit zu rechnen sei. Sie verlangen deshalb, daß die einschlägigen Arbeiten von den Arbeiterinnen nach Schluß der gesetzlich festgelegten Arbeits­zeit verrichtet werden. Die Gewerkschaftsorganisationen werden sich sicher angelegen sein lassen, die Herren ,, Arbeitgeber" zur Respektierung der gesetzlichen Vorschrift zu erziehen, die so klar und unzweideutig ist, daß nur die schnöde Profitsucht über ihren Sinn im Zweifel sein kann. Jede Verlängerung der Arbeitszeit am Sonnabend bedeutet für die Arbeiterinnen eine Durchlöcherung der Sonntagsruhe, weil sie den Zwang in sich schließt, im Laufe der Woche liegen gebliebene häusliche Verrichtungen auf den Sonntag zu verschieben. Je schmerz­licher es die Frauen und Mädchen empfinden, wenn sie den Sonntag zum Scheuer-, Wasch- und Flicktag machen müssen, um so klarer und fester sollten sie die Notwendigkeit erkennen, sich der gewerkschaftlichen Organisation ihres Berufes anzuschließen und für die gesetzliche Frei­gabe des Sonnabendnachmittag zusammen mit der Sozialdemokratie zu kämpfen

Soziale Gesetzgebung.

Gegen die Erweiterung des gesetzlichen Arbeiterinnen­schutzes hat sich das profitsüchtige Unternehmertum erklärt. Durch die Zeitungen ging folgende Nachricht:

Die vom Reichskanzler veranlaßten Erhebungen über die etwaige Herabsetzung der Arbeitszeit gewerblicher Arbeiterinnen sind nunmehr abgeschlossen. Die Arbeitgeber haben sich nahezu ausnahmslos, dar­unter auch diejenigen, die bereits von ihren Arbeiterinnen nur eine