erklärt die zweite sozialdemokratische Frauenkonferenz, daß es ein Verbrechen an Leben und Gesundheit vieler Tausende Frauen und Mädchen bedeutet, wenn der Stillstand der Arbeiterschutzgesetzgebung noch länger anhält.
Die sozialdemokratische Frauenkonferenz steht hiermit auf dem Boden jener Minimalforderungen, welche unser Parteiprogramm in bezug auf Frauen- und Jugendschutz enthält, und fordert insbesondere von jeder Regierung, welche nicht den Schimpf einseitiger Unternehmerfürsorge auf sich laden will, die Einbringung eines Gesetzentwurfes im Parlament zur Einführung des Achtstundentags für alle Arbeiterinnen, die durch stufenweise Herabsetzung auf zehn, respektive neun Stunden zu verwirklichen ist. In gesundheitsschädlichen Betrieben und für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen ist eine weitere Herabsetzung der Arbeitszeit auf längstens sechs Stunden anzusetzen. Die Erhöhung der Altersgrenze jugendlicher Arbeiter auf achtzehn Jahre wird gleichfalls gefordert. Indem die Frauenkonferenz auf die im sozialdemokratischen Programm erhobene Forderung nach dem ausnahmslosen Verbot der Nachtarbeit von Frauen und jugend lichen Arbeitern besonderen Nachdruck legt, fordert sie, daß es allen Unternehmern bei Arreststrafe verboten werde, Arbeiterinnen, welche tagsüber in der Fabrik oder Werkstätte beschäftigt sind, Arbeit mit nach Hause zu geben. Der Samstagnachmittag ist den Arbeiterinnen freizugeben, da erst durch diese Einführung die Sonntagsruhe für die verheirateten Arbeiterinnen verwirklicht werden kann.
Zur wirksamen Kontrolle dieser Bestimmungen ist die Ausdehnung der Gewerbeinspektion auf den Kleinbetrieb eine notwendige Bedingung, ebenso die Einführung weiblicher Gewerbeinspektoren und die Zuziehung von Arbeiterinnen als Kontrollorgane.
Da es sowohl durch ärztliche Gutachten als auch durch die prak tische Erfahrung längst festgestellt ist, daß die vierwöchige Schutzfrist für Wöchnerinnen nicht genügt, fordert die Frauenkonferenz die Ausdehnung des Wöchnerinnenschutzes auf acht Wochen nach der Niederfunft, wenn das Kind lebt, sechs Wochen bei Tot- und Fehlgeburten oder im Falle des Ablebens des Kindes, weiter fündigungslose Einstellung der Arbeit im letzten Stadium der Schwangerschaft.
Schwangeren im letzten Stadium und Wöchnerinnen ist von den Krankenkassen für die ganze Dauer der Schutzfrist der Verdienstentgang in der vollen Höhe des durchschnittlichen Taglohns zu gewähren. Um den Kassen das zu ermöglichen, sind vom Staate Zuschüsse zu leisten.
Im Interesse der Gesundheit der Arbeiterinnen fordert die Frauenkonferenz weiter die Errichtung von Entbindungsanstalten, Wöchnerinnenheimen und Wöchnerinnenhauspflege durch die Gemeinden, die Länder und den Staat.
Mumu, das Hündchen des Taubskummen. Erzählung von J. S. Turgenjew .
Aus dem Russischen überfekt von L. N. Hauff. ( Fortsetzung.)
Ljubow Ljubimowna ging nach Gawrilas Zimmer. Es ist unbekannt geblieben, was sie dort sprachen, aber nach einiger Zeit bewegte sich ein ganzer Haufen Leute über den Hof nach Gerassims Kammer zu. Voraus ging Gawrila, indem er die Müße mit der Hand festhielt, obgleich gar kein Wind ging, mit ihm gingen Diener und Köche, aus einem Fenster sah Onkel Zopf heraus und gab Befehle, das heißt, er winkte nur mit den Händen. Hinter diesen allen kam ein Haufen Straßenjungen, wovon die Hälfte hergelaufene fremde waren, Mutwillen treibend und Grimassen schneidend. Auf der engen Treppe zu Gerassims Kammer saß ein Wachtposten, zwei andere standen an der Türe mit Knüppeln in den Händen. Der Trupp drängte sich die Treppe hinauf und nahm sie ihrer ganzen Länge nach ein. Gawrila trat an die Türe, schlug mit der Faust daran und schrie: Öffne!"
Man hörte halbersticktes Bellen, sonst aber keine Antwort. „ Ich sage dir, öffne!" wiederholte er.
und
" Aber, Gawrila Andrejitsch", rief von unten Stepan herauf,
,, er ist ja taub und kann nicht hören".
Alle lachten.
"
Was nun machen?" sagte oben Gawrila.
In der Türe ist ein Loch", erwiderte Stepan,„ dort muß
man mit einem Knüppel hineinfahren."
Gawrila bückte sich.
,, Er hat das Loch mit einem Kittel verstopft."
,, Dann stoßen Sie den Kittel hinein."
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Da die Arbeiterinnen auch dem Gewerbegericht unterstellt sind, für dieses Gericht derzeit nur das passive Wahlrecht besigen, so fordert die Frauenkonferenz im Interesse aller Arbeiterinnen, im Interesse der Gleichberechtigung das aktive Wahlrecht für das Gewerbegericht.
Das treffliche Referat der Genossin Popp über den Arbeiterinnenschutz soll als Agitationsbroschüre herausgegeben werden.
Zur Frage der politischen Betätigung der Frauen nahm die Konferenz eine Resolution an, der diejenige der deutschen Genossinnen zum Dresdener Parteitag beigefügt wurde. Sie lautet:
„ Die Vertreterinnen der deutschen Sozialdemokratinnen Österreichs erklären, mit besten Kräften dahin wirken zu wollen, daß das Klassenbewußtsein immer weiterer Kreise von Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen erweckt und ihnen Verständnis für die Vorgänge des öffentlichen Lebens vermittelt werde. Sie wollen die Frauen wie bisher und wo dies möglich ist in höherem Maße als bisher aneifern, an allen politischen Tagesfragen Anteil zu nehmen und insbesondere die männlichen Genossen in ihren Wahlkämpfen wirksam und opferfreudig zu unterstützen.
Zugleich aber erklären sie es für dringend notwendig, daß die proletarischen Frauen ihre eigenen politischen Rechte in Anspruch zu nehmen lernen und bereit seien, bei jeder Gelegenheit für die Forderung nach der rechtlichen Gleichstellung beider Geschlechter und insbesondere nach dem Wahlrecht der Frauen einzutreten. Die Konferenz spricht zugleich die Erwartung aus, daß die sozialdemokratischen Männer in höherem Maße als bisher die Frauen in dieser Aufgabe unterstützen und bei jeder Gelegenheit für die rechtliche und politische Gleichstellung der Geschlechter eintreten werden, wie das Programm der sozialdemokratischen Partei in Österreich es von ihnen verlangt und wie sie es wiederholt auf unseren Parteitagen beschlossen haben. Bei den Kämpfen, welche das Proletariat für die Eroberung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechtes in Staat und Gemeinde führt, muß das Frauenwahlrecht gefordert, in der Agitation grundsäßlich festgehalten und mit allem Nachdruck vertreten werden."
Die Genossinnen beschlossen zum Punkt Presse:
" In Erwägung, daß die Parteipresse eine der wichtigsten Waffen im politischen und wirtschaftlichen Kampfe ist, in weiterer Erwägung, daß insbesondere für die Frauen die Zeitung oft den einzigen Zusammenhang mit der Öffentlichkeit bildet und für die meisten die einzige oder hauptsächliche Quelle der Aufklärung und des Wissens darstellt, in endlicher Erwägung, daß diese Waffe von unseren Gegnern, insbesondere den Klerikalen, gegen uns gewendet wird, be
Wieder hörte man ein dumpfes Bellen.
, Aha, aha! Sie meldet sich selbst", bemerkte einer in dem Haufen, und wieder lachten sie.
Gawrila fragte sich hinter dem Ohr.
„ Nein, Bruder", sagte er endlich,„ den Kittel kannst du selbst hineinstoßen, wenn du willst."
"
, Nun, warum nicht?"
Stepan drängte sich hinauf, nahm einen Knüppel, stieß den Kittel hinein, klopfte und klapperte mit demselben in der Öffnung und rief:„ Komm heraus! Komm heraus!"
Während er noch so lärmte, ging plößlich die Kammertüre auf die ganze Menge stürzte sich über Hals und Kopf die Treppe hinab, Gawrila allen voran. Onkel Zopf schloß das Fenster.
"
Nu, nu, nu, nu", rief Gawrila vom Hof herauf, nimm dich in acht!"
Gerassim stand unbeweglich auf der Schwelle, während der Haufen sich unten an der Treppe sammelte. Gerassim blickte auf alle diese Leutchen in deutschen Kaftanen von oben herab, die Arme in die Seiten gestemmt. Mit seinem roten Bauernhemd erschien er ihnen gegenüber wie ein Riese. Gawrila machte einen Schritt vorwärts.
"
Nimm dich in acht! Sei nicht frech", sagte er.
Er erklärte dem Taubstummen durch Zeichen, die Herrin wolle durchaus sein Hündchen haben.
"
Gib es gleich heraus, oder es wird schlimm!"
Gerassim sah ihn an, deutete auf Mumu, machte eine Gebärde mit der Hand um seinen Hals, als ob er eine Schlinge umlegen wollte und sah den Haushofmeister fragend an.
„ Ja, ja", sagte dieser, mit dem Kopf nickend, versteht sich." Gerassim senkte die Augen, dann richtete er sich plötzlich auf,