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Die Gleichheit

Arbeitszeit um eine Stunde, die zum Beispiel in Berlin von 52 auf 51 Stunden herabgesetzt worden ist. In manchen Orten mußte die Organisation dem Versuch der Arbeitgeber entgegen­treten, von den Arbeitern nicht gewollte Vesperpausen als Ver­fürzung der Arbeitszeit anzurechnen. So wurde wieder einmal beleuchtet, daß in den Kreisen der Unternehmer stets die Neigung lebendig ist, geschlossene Verträge nicht zu respektieren, wenn nicht die Macht der Arbeitergewerkschaft Respekt dafür erzwingt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Malergewerbe wählten eine Tarifüberwachungs- und Schlichtungskommission, die über Einhaltung des im April vorigen Jahres abgeschlossenen Normaltarifs zu wachen und eventuell entstehende Streitigkeiten zu schlichten hat. Der Bergarbeiterverband wird auf seiner nächsten Generalversammlung in Eisenach die in letzter Zeit viel­umstrittene Frage nach der Möglichkeit und den Wert von Tarifs verträgen im Bergbau verhandeln.

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Den Textilarbeitern und arbeiterinnen in Langen­ bielau ist von zwei großen Firmen eine Lohnreduktion zuges mutet worden, die bis zu 30 Prozent betragen sollte. Fast sämt­liche Beschäftigten legten zur Antwort auf das Ansinnen die Arbeit nieder. Auch in Gaustadt bei Bamberg soll in einer Weberei und Spinnerei eine größere Differenz bestehen, die eventuell zum Ausstand führen könnte.

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Der Glasarbeiterverband wird auf seiner bevorstehenden Generalversammlung in Hannover die Schaffung eines teras mischen Industrieverbandes und die Einführung einer Krantenunterstützung erörtern. Die Handschuhmacher beschlossen durch Urabstimmung, sich dem zu gründenden Leder­arbeiterverband anzuschließen. Eine wichtige Tagung hat der Fabrikarbeiterverband vorbereitet. In Frankfurt a. M. soll eine Konferenz der in der chemischen Industrie beschäftigten Arbeiter stattfinden, die sich besonders mit den Unfall- und Ver­giftungsgefahren beschäftigten wird, die in diesem Wirtschaftsgebiet in außerordentlich hohem Grade vorhanden sind. Zweck der Be­ratungen iſt, ausreichenden Schuh dagegen von der Gefeßgebung zu verlangen. #

Aus dem niederrheinischen Textilgebiet. Die Attienweberei R. Schwarz& Co. in Gräfrath bei Krefeld sperrte ihre sämtlichen Weber und Weberinnen sowie einen Teil der Hilfs. arbeiterinnen( Spulerinnen und Schererinnen) aus, im ganzen zirka 300 Personen. Die Aussperrung erfolgte, weil 56 Weber der Moginetteteppichbranche zur Abwehr einer 25 bis 30 prozentigen Lohnreduzierung die Kündigung eingereicht hatten. Die Firma versuchte es seit Jahrestrist schon zum viertenmal, den Lohn herab­zusetzen. Auch sonst herrschen bei ihr in bezug auf Heizung, Be­leuchtung sowie Sicherheit gegen Betriebsgefahren unerträgliche Zustände. Die Ausgesperrten sind ziemlich vollzählig organisiert, teils im Deutschen , teils im Christlichen Textilarbeiterverband. Die Firma lehnt Verhandlungen mit den Verbandsleitern ab, versucht jedoch die Öffentlichkeit über den wahren Sachverhalt zu täuschen, indem sie in gedruckten Zirkularen die Löhne von zwei Parade­arbeitern bekannt gibt und die unwahre Behauptung aufstellt, die Arbeiter verlangten 50 Prozent Lohnerhöhung. Diese Machenschaft sei hiermit besonders tiefer gehängt.

W. K.

Aus dem Verband der Buch- und Steindruckereihilfs. arbeiter. Wie die Wirkungen der Krise sich fühlbar machen und welche Opfer die organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen bringen, um ihre durch die Schuld des tapitalistischen Regimes brotlos ge wordenen Brüder und Schwestern über Wasser zu halten, illustriert deutlich der Kassenbericht des Verbandes der Buch- und Stein­bruckereihilfsarbeiter über das dritte Quartal 1908. Nach ihm waren in dem genannten Zeitraum bei einer Mitgliedschaft von 6075 männlichen und 7382 weiblichen Personen 1300 Mitglieder 238 276 Tage arbeitslos. Im gleichen Quartal des Jahres 1907 waren nur 688 Mitglieder mit 10288 Tagen als Arbeitslose ge= zählt worden, thre Ziffer ist also von 4,9 auf 10 Prozent gestiegen. Die Arbeitslosenunterstüßung, welche für das dritte Quartal 1907 4674 Mt. betragen hatte, belief sich im dritten Quartal 1908 auf 9831 Mt. Es bedeutet dies eine Steigerung um 112 Prozent. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit des einzelnen Mitglieds ging von 15 auf 18 Tage in die Höhe. Und noch immer ist kein Ende der Krise abzusehen.

Notizenteil. Dienstbotenfrage.

gt.

Die beiden letzten öffentlichen Versammlungen des Vereins für weibliche Handangestellte zu Frankfurt a. M., die am

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Nr. 11

22. November 1908 beziehungsweise 31. Januar d. J. im großen Saale des Gewerkschaftshauses stattfanden, waren sehr gut besucht und brachten der Organisation einen erfreulichen Mitgliederzuwachs. Am 22. November sprach Genossin Mirus- Berlin in ausführlicher Weise über die Gesindesklaverei und Rechtlosigkeit der Dienſt mädchen. Mit besonderer Bewegung wurden ihre Ausführungen über die Beschäftigung von Kindern in Haushaltungen entgegen genommen, die von dem Kinderschutzgesez vom Jahre 1904 nicht berührt wird. Jm zarten Alter von sieben Jahren schon dürfen Kinder in fremden Haushaltungen beschäftigt werden. Im Jahre 1895 befanden sich 7800 Kinder unter zwölf Jahren, 25689 im Alter von zwölf bis vierzehn Jahren im Dienst, die ihren Kontrakt ein­halten mußten. Das sind sehr betrübende Zahlen, die nach Abhilfe schreien. Am 31. Januar sprach, Genosse Rudolph über Die Dienstboten im Wandel der Zeiten". An der Hand geschichtlicher Dokumente wies er nach, daß die Dienstboten seit Jahrhunderten vom Standpunkt des Arbeitgebers aus beurteilt wurden. In einem Flugblatt vom Jahre 1652 zum Beispiel, das in Nürnberg erschien, ist von allen möglichen Lastern der Mädchen die Rede, von Lügen­haftigkeit, Faulheit, Putzsucht usw., von der großen Plage, die die armen Hausfrauen mit den bösen Mägden auszustehen haben. Die Dienstboten blieben gedrückt und gefnechtet, bis die organisierte Arbeiterschaft sich ihrer annahm. Der Referent tam noch auf die am 25. Januar d. J. in Regensburg gegründete christliche Dienst­botenorganisation zu sprechen, über die die Gleichheit" in der vorigen Nummer berichtet hat. Er kritisierte deren Statuten und stellte diesen die Vorteile gegenüber, die die Mitglieder des am 17. Januar d. J. in Berlin ins Leben gerufenen Zentralverbandes der Hausungestellten genießen. Jeder müsse im eigenen Interesse der Organisation immer neue Mitglieder zuführen. Nachdem ein Mädchen in der Diskussion ausgesprochen hatte, daß die Herr­schaften fürchten, in den Versammlungen der Organisation genannt zu werden, spornte Genoffin Rudolph die Mitglieder an, aus dieser Furcht Nutzen zu ziehen und mutig vor der Herrschaft die Zuge­hörigkeit zum Verein zu bekennen. Ferner forderte sie zu regerer Benutzung der Zentral- Arbeiterbibliothek auf, damit die teuren Schundromane immer mehr aus den Mädchenkammern ver­schwinden.

Am Sonntag den 24. Januar hielt der Verein im kleinen Saal des Gewerkschaftshauses seine dritte Generalversammlung ab. Mit dem Verlauf des zweiten Geschäftsjahres kann die Organisation ebenso zufrieden sein wie mit dem des ersten, wenn auch die Krise und das dadurch erfolgte Zuströmen von weiblichen Arbeitskräften in die Hauswirtschaft in den Monaten Oktober und November nicht ganz ohne Einfluß auf den Stand des Vereins geblieben ist. Im Jahre 1908 hielt die Organisation zwölf Versammlungen ab, davon drei öffentliche zur Agitation, acht Mitgliederversammlungen, die sich mit Vereins angelegenheiten und allgememen Bildungsfragen bes schäftigten, und eine Generalversammlung. Zur Pflege der Geselligkeit fanden zwei Sommerfeste, ein Ausflug und ein Maskenball statt. Der Mitgliederbestand hat sich ungefähr auf gleicher Höhe ge= halten trotz 350 Neuaufnahmen, da die Fluktuation unter den Mädchen ständig sehr groß ist. Die meisten Aufnahmen entfielen auf das Bureau, nämlich 163, in den Versammlungen und auf den Festen gewann die Organisation 141 Mitglieder und durch Haus­agitation 46. Dem Zuwachs stehen 280 Austritte gegenüber, wo­von die meisten, und zwar 71 wegen Fortzug in eine andere Stadt erfolgten. 57 Mitglieder verheirateten sich, 48 gingen nach Hause, 6 ergriffen einen anderen Beruf, 6 weitere traten mit Rücksicht auf die Herrschaft oder die Verwandtschaft aus dem Verein aus, 3 wegen zu großer Frömmigkeit die sich anscheinend nicht mit dem Streben nach einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage verträgt-, 3 wegen unheilbarer Krankheit, und 36 mußten teils ausge schlossen werden, teils traten sie selbst zurück, da sie absolut der Solidarität die 30 Pf. Monatsbeitrag nicht opfern wollten. Bei dem Rest konnte der Grund nicht festgestellt werden. Immer noch muß darüber geflagt werden, daß die Mädchen häufig ver­säumen, bei Wohnungswechsel dem Vorstand die neue Adresse so­fort mitzuteilen; so kommt es, daß immer eine sehr große Zahl von Mitgliedern( zurzeit 308) in den Listen geführt werden, bie dem Verein angehören, deren Beiträge aber nicht tassiert werden können. Nur durch Zufall und oft nach langer Zeit werden die Adressen dieser Mitglieder wieder bekannt. Die Stellenvermittlung wurde auch im Berichtsjahre troß der beschränkten Verhältnisse ziemlich stark benüßt, und zwar wurden 604 offene Stellen gemeldet und 424 Stellensuchende. Nach den Büchern sind 99 Vermittlungen perfekt geworden, vermutlich aber ist die Zahl mindestens doppelt so hoch, da es leider sowohl die Herrschaften wie die Mädchen oft versäumen, das Bureau von der erfolgten Einstellung in Kenntnis

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