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Die Gleichheit
Arbeiten handelt, die eine äußerste Fingerfertigkeit erfordern. Ez war daher auch möglich, bereits mit vier Firmen darunter die große Fabrik von Kurz auf dieser Grundlage neue Tarifverträge auf drei Jahre abzuschließen. Dagegen zeitigten die Verhandlungen mit den übrigen Firmen seisher kein befriedigendes Ergebnis, so daß am 6. Juli bei der Weltfirma Johann Faber etwa 300 Arbeiter und 600 Arbeiterinnen geschlossen die Arbeit einstellten. Einige andere Fabriken glaubten der bestreiften Firma durch die Aussperrung ihrer Arbeiter beispringen zu müssen, so daß nun 1000 Arbeiterinnen und 800 Arbeiter der Bleistiftindustrie um bessere Existenzbedingungen ringen. Wir erwarten, daß auch diese AusSperrungsgelüfte an der Solidarität und Ausdauer der Kämpfenden fläglich scheitern werden.
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f. k.
Endlich nach langen Jahren regt es sich wieder in den Reihen der Arbeiter und Arbeiterinnen der Hamburger Wäschereien. Diese haben in noch höherem Grade als viele andere unter der unverschämtesten Ausbeutung zu leiden. Und doch bedurfte es unermüdlicher agitatorischer Kleinarbeit von seiten ihrer Berufsgenossen und der übrigen organisierten Arbeiterschaft, um sie zum Bewußt sein ihrer Klassenlage zu bringen. Zwar hatten die sogenannten Bleicherknechte und die Plätterinnen in Hamburg und Umgegend schon im Jahre 1890 versucht, sich zu einem Verband zusammenzuschließen. Allein ihr Organisationsbestreben scheiterte an dem mangelnden Klassenbewußtsein und Solidaritätsgefühl ihrer Berufsfollegen und kolleginnen. Im Jahre 1890 gründeten die BleicherInechte in Winterhude Hamburg einen Verein zur Wahrung ihrer Interessen. Genossin Steinbach wurde von dem Verein be auftragt, den Anschluß der Plätterinnen zu vermitteln. Diese versprachen sich aber von einer gesonderten Organisation der Plätte rinnen mehr Erfolg und schlossen sich deshalb kurz darauf zum Zentralverband der Plätterinnen" zusammen. Der Verein der Bleicherknechte konnte sich allein nicht halten und ging bald ein. Die neugegründete Organisation der Plätterinnen zählte binnen einigen Monaten zirka 500 Mitglieder. Ihre erste und letzte Tat war der Ausstand der Plätterinnen in den Zweigvereinen Wandsbeck, Langenfelde, Barmbeck , Winterhude - Eppendorf . Die wankelmütige, schlaffe Haltung des Winterhuder Zweigvereins war vor allem schuld daran, daß der Streit nach achtwöchiger Dauer fast erfolglos ausging. Infolge dieses Mißerfolges schmolz die Mitgliederzahl der Organisation in den nächsten Jahren immer mehr zusammen. Trotz des energischen Mühens der Vereinsleitung konnte der Verband nicht lebensfähig erhalten werden. Anfangs des Jahres 1896 wurde er aufgelöst. Das Vermögen wurde der Generalfommission der Gewerkschaften überwiesen unter der Bedingung, daß es zur Unterstüßung späterer Vereine mit ähn lichen Tendenzen verwendet werde. Die Wäschereien, früher nur Handbetriebe, sind in den letzten Jahren infolge der rasch fortschreitenden Technik immer mehr zu großen Maschinenbetrieben ausgestaltet worden, in denen viel Arbeitskraft gespart wird. Trotz dieser Umgestaltung hat sich vielfach in den Bleichereien ein Überbleibsel patriarchalischer Verhältnisse erhalten: das Kost- und Logiswesen der Arbeiter und Arbeiterinnen. Dieses zieht neben anderen Mißständen häufig die Umgehung der gefeßlichen Vorschriften über die Arbeitszeit nach sich. Früher betrug die Arbeitszeit in den Wäschebetrieben 15 bis 21 Stunden täglich, ja sogar 36 bis 48 Stunden an den letzten Tagen der Woche. Dieser schrankenlosen Ausbeutung wurde zwar durch die Gewerbeordnungsnovelle eine Grenze gezogen, doch ist eine wirkliche Durchführung der gesetzlichen Bestimmungen nur bei Aufhebung des Kost- und Logiszwanges möglich. Wie sehr die Arbeiter in den Bleichereien und die Plätterinnen unter Mißständen leiden, kam in einer Versamm lung zum Ausdruck, die der Fabritarbeiterverband für die Angestellten der Wäschereibetriebe in Wandsbeck, Winterhude und Barmbeck einberufen hatte. Die übel sind so groß, daß selbst die Mehrzahl der Bleichereiunternehmer in einem Beschluß der Ortsgruppe die Aufhebung des Kost- und Logiswesens fordern, das un haltbar geworden ist. Eine Anzahl Unternehmer ist bereit, die Forde rungen des Fabritarbeiterverbandes zu bewilligen, wenn mit seiner Hilfe die Schmußkonkurrenz unter den Bleichern beseitigt wird. Die momentane Lage in den Wäschereibetrieben ist außerordentlich günstig für die Eroberung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist so groß, daß der Arbeitsnachweis in Winterhude entfernt nicht in der Lage ist, ihr zu genügen. Einer festgeschlossenen Organisation der Wäschearbeiterschaft wäre es jetzt ein leichtes, ihre Forderungen durchzusehen. Darum das Eisen geschmiedet, solange es heiß ist! Hinein in den Fabritarbeiterverband!
e. g.
Notizenteil. Dienstbotenfrage.
Nr. 21
Die Sittlichkeit des patriarchalischen Dienstverhältnisses, wie es vielen Hausangestellten durch die Not aufgezwungen wird, erfährt eine eigentümliche Beleuchtung durch die nachstehenden Briefe eines pommerischen Brauereibesitzers, die wir dem„ Stet tiner Volksboten" entnehmen. Ein junges Mädchen suchte durch ein Inserat Stellung. Bald nach dem Erscheinen ihrer Annonce erhielt es diese Antwort:
" Liebes Fräulein!
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Habe Ihre w. Anonce gelesen. Bitte kommen Sie doch sofort zu: mir, ich bin ganz alleinstehend und werden wir uns schon gut ver stehen. Reisen Sie bitte sofort nach Empfang dieses ab. Es foftet mit der Bahn 1,60 Mr. Ich habe hier eine fl. Brauerei mit Ausschant. Alles Näher mündlich. Herzlichen Gruß Franz Sommer.
Bitte um Discretion."
Das Mädchen war zwar durch die übergroße Liebenswürdigkeit und Vertraulichkeit des Briefes etwas stutig geworden, sandte aber dem ungeachtet seine Photographie ein. Kurz darauf erhielt es einen zweiten Brief, der also lautete:
,, Liebes Fräulein!
Ihren lieben Brief nebst Bild habe ich dankend empfangen, Daßelbe sagt mir zu und sende ich Ihnen 2 rohabzüge von mir, dieselben habe ich selbst angefertigt. Bitte sehen Sie doch zu das Sie recht bald tommen fönnen, doch möglichst spätestens zum 1. Februar. Ich gebe 12-15 Mt. Lohn. Speisebetrieb ist hier gar nicht, auch keine Landwirtschaft. Wier leben hier recht ruhig. Auch haben Sie hier eine gute Stube Kammer und noch 2 Stuben d. h. die benutzen wir gemeinschaftlich. Also vollen Familienanschluß.
Im Vertrauen u. unter strenster Verschwiegenheit teile Ihnen noch ergebenst mit, daß da ich keine Frau habe, wier auch zusammen schlafen und müßten Sie hierzu einverstanden sein. Auch gefund sein. Komen Sie Abends, wen Sie also 7 Uhr od. 9 Uhr abends in Stettin abfahren hohle ich Sie an der Bahn ab am Tage jedoch komen Sie bitte selbst zu mir ich wohne Unterstr. 21. Sie können ja erst Handgebäck mit bringen u. lassen sich die großen Sachen nachsenden wie es Ihnen gefällt. Also, liebes Schätzchen, nun sehen Sie zu das Sie möglicht bald tommen fönnen und erbitte sofortige Antwort. Inzwischen die herzlichsten Grüße und Küsse
Ihr
Franz Sommer. N. B. Bin ganz allein und muß mir das Essen selbst kochen. Also bitte bald kommen. Zum Reinemachen habe eine Aufwärterin. D. Fz." Die Selbstverständlichkeit, mit welcher Herr Franz Sommer an nahm, mit der Arbeitskraft einer Haushälterin zusammen auch deren Leib kaufen zu können, läßt einen Rückschluß darauf zu, wie das Dienstverhältnis oft genug dort aufgefaßt wird, wo es noch im Zeichen des„ guten alten patriarchalischen Geistes" steht. Der Briefschreiber hat nicht bloß die Vorhänge seines Alkovens zur Seite geschoben, er hat einen Blick in die Auffassung der gesell schaftlichen Schichten tun lassen, unter deren Botmäßigkeit die mittelalterliche Gesindeordnung die Dienenden beugt. Die Briefe gehören zu den vielen Dokumenten, die den Anhängern und Lobrednern der Gesindeordnung an den Spiegel gesteckt werden sollten.
Wie ein Hüter des Gesetzes das Dienstbotenrecht im eigenen Hause achtet. Fräulein N. stand seit Februar dieses Jahres bei dem Polizeihauptmann Huber in Nürnberg im Dienste für den Monatslohn von 15 Mt. Am 7. Mai wurde Fräulein N. plötzlich frank und mußte ins Krankenhaus überführt werden. Als sie am 18. Mai ihren Dienst wieder antreten wollte, wurde ihr von ber Dienstherrschaft erklärt, sie sei entlassen. Der Lohn wurde ihr nur bis zum 7. Mai ausbezahlt. Das Mädchen ging deshalb aufs Rathaus, um sich über die Zulässigkeit dieses Vorgehens zu erkundigen. Der Sekretär Albrecht gab Fräulein N. jedoch keine Auskunft und schnauzte sie dazu noch an. Nun griff der Hausangestelltenverband ein. Der Rechtsanwalt der Organisation ver faßte eine Anklagefchrift. Dies genügte, um den Herrn Polizei hauptmann zur Anerkennung der rechtlichen Forderungen von Fräulein N. zu bewegen. Er bezahlte den Lohn bis zum 1. Juni sowie ein Roftgeld von 1,50 Mt. täglich für 13 Tage. Wie wäre es dem Herrn Polizeihauptmann im gleichen Falle wohl ergangen? Die Stadtverwaltung hätte ihn sicher nicht aufs Straßenpflaster geworfen, sondern ihm höchstwahrscheinlich einen Erholungsurlaub gewährt. Allein in den Augen eines Polizeihauptmanns gelten für die Behandlung eines Dienstmädchens offenbar ganz andere Grundsätze, als der Herr sie für einen Gewaltigen der hohen Löblichen in Praris sehen möchte. Ein Dienstmädchen ist ein Ausbeutungsobjekt, das im Falle der Krankheit ruhig auf die Straße gesetzt wird, sogar mit Mißachtung des wirklichen Rechts, dessen Durch führung die Polizei als das Auge des Gesetzes" überwachen soll. Helene Grünberg