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Die Gleichheit
An die Herren Vereinsmitglieder! Wir haben in Erfahrung gebracht, daß jedesmal beim Ausbruch eines Streits die Frauen und Töchter der Streifenden, welche bisher die Hausarbeit be sorgten, aber sonst ohne Beschäftigung waren, als Fabrikarbeiterinnen Beschäftigung suchen, um so auf diese Weise ihre Männer beim Streit zu unterstützen. Es dürfte sich daher empfehlen, die Arbeiterinnen bei der Einstellung nach dem Vor- und Zunamen des Vaters zu fragen, und diese in die letzte Rubrik unseres Formulars B., welches wir in der Anlage beifügen, einzutragen. Die Vereinsmitglieder werden dringend gebeten, die mit der Einstellung von Arbeiterinnen beauftragten Beamten darauf hinzuweisen, daß jede Einstellung einer Arbeiterin sofort dem Arbeitsnachweis mitzuteilen ist."
Die Maßregel der Ausbeuter beweist, daß die proletarischen Frauen und Mädchen Mannheims und Ludwigshafens ihre Pflicht tun. Ihr treffliches Beispiel ist der Nachahmung würdig!
Von den Arbeiterinnen, die selbst im Kampfe standen, waren 1907 nicht weniger als 5293 verheiratet. Die wirtschaftlich kämpfenden Ehemänner und Ehefrauen, welche die Statistik verzeichnet, hatten zusammen 262605 Kinder unter 14 Jahren zu ernähren, so daß auf jede streikende respektive ausgesperrte Person zwei Kinder entfallen. 1908 waren von den streikenden Arbeiterinnen 1509 verheiratet; die kämpfenden Verheirateten beider Geschlechter hatten für den Unterhalt von 101918 Kindern unter 14 Jahren zu sorgen. Es liegt auf der Hand, daß die Familienverhältnisse unter Umständen den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen erschweren. Als weitere Hindernisse für diesen müssen die teuren Lebensmittelpreise erwähnt werden, hervorgerufen durch die skrupellose Wirtschaftspolitik der herrschenden Klassen, und, wie schon mehrfach erwähnt, der wirtschaftliche Niedergang. Trotz alledem haben die Gewerkschaften gute Erfolge aufzuweisen! Sie er oberten 1907 insgesamt an Arbeitszeitverkürzung 912660 Stunden pro Woche für 248911 Personen und an Lohnerhöhung 992695 Mt. pro Woche für 513213 Personen. 1908 betrug die errungene Arbeitszeitverkürzung 183751 Stunden pro Woche für 59324 Personen; an Lohnerhöhungen wurden 365 923 Mt. pro Woche für 236641 Personen erkämpft.
Diese Tatsachen legen Zeugnis ab von der Kraft der or ganisierten Arbeiterschaft, einer Kraft, die zukünftig sich immer gewaltiger, erfolgreicher betätigen muß. Die festgestellte rege Kampfesfreude und zähe Ausdauer des weiblichen Proletariats muß mit besonderer Genugtuung begrüßt werden, denn die steigende Teilnahme der Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen am Kampfe ihrer Klasse vermag diesem den mächtigsten Anstoß zu geben. R. S., Berlin .
Der Kampf
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Ein Kampf größter Ausdehnung gegenwärtig werden 27000 bis 30 000 Arbeiter von ihm betroffen sein ist auf den deutschen Seeschiffswerften entbrannt. Er spielt sich zunächst ab in den Orten Bremen , Bremerhaven , Vegesack , Einswarden, Hamburg , Lübeck , Kiel , Flensburg , Rostock und Stettin . Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß auch Danzig und einige weitere Orte in Mitleidenschaft gezogen werden. Auf den Werften der oben genannten Orte waren 33000 Arbeiter vor Ausbruch des Kampfes beschäftigt; gegen das Vorjahr bedeutet diese Ziffer eine Zunahme von 13 000 Arbeitskräften. Direkt am Kampfe beteiligt sind die Verbände der Metall, Holz, Fabrikarbeiter, Schmiede, Kupferschmiede, Heizer und Maschinisten, Schiffszimmerer und Maler, und noch weitere Organisationen dürften mit in die Bewegung hineingezogen werden. Die Unternehmer sind organisiert im Verein der Seeschiffswerften, welcher dem Verband der Metallindustriellen korporativ angeschlossen ist. Dieser ist als die brutalste Arbeitgeberorganisa tion Deutschlands bekannt, und der Verein der Seeschiffswerften gibt ihm als brutale Scharfmacherorganisation nichts nach. Von einer Anerkennung der Arbeitergewerkschaften haben diese Verbände noch nie etwas wissen wollen, stets haben sie es abgelehnt, mit den Organisationsleitungen zu unterhandeln. Bei allen Differenzen setzten sie sich bisher nur mit den eigenen Arbeitern" auseinander, die Organisationsvertreter wurden nur gehört". Wenn die Organisationsvertreter gehört" worden waren, wurden ihnen
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später die Beschlüsse der Werftbesitzer mitgeteilt, und dann hieß es diese Beschlüsse entweder annehmen oder ablehnen. Eine Abände rung lehnten die Werftgewaltigen in jedem Falle ab, damit unter keinen Umständen der Anschein erweckt werden könne, als ob sie den Wünschen der Arbeiter auch nur im geringsten Rechnung ge= tragen hätten. Die in Frage kommenden Organisationen waren früher gegen dieses herrische Auftreten machtlos, da eine große Anzahl Arbeiter ihnen noch fern stand. Die Erbitterung der Arbeiterschaft ob der Ausbeutung und des Protenhochmuts wuchs aber mit jedem Tage und machte sich in unüberlegten Arbeitseinstellungen einzelner Branchen Luft. In jedem einzelnen Falle drohte der Verein der Seeschi3werften mit der Aussperrung auf der ganzen Linie, wenn nicht die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit erfolgen würde. Den Leitungen der Arbeiterorganisationen blieb dann nichts anderes übrig, als die Arbeiter zur Aufnahme der Arbeit zu veranlassen, um größeres Unglück zu verhüten. Die Werftgewaltigen hatten ohne allen Zweifel die Absicht, durch eine allgemeine Aussperrung die Organisationen bis zu dauernder Machtlosigkeit zu schwächen. Um die Existenz der Organisationen selbst durch eine allgemeine Aussperrung nicht aufs Spiel zu setzen, mußte die Arbeit wieder aufgenommen werden. Viele Arbeiter, welche die Sachlage nicht übersehen konnten, glaubten häufig, daß ihre Interessen durch die Organisationen nicht genügend gewahrt würden, und so entstand eine gewiffe gereizte Stimmung gegen die Organisationsleitungen, welche der Agitation sehr hinderlich war. In manchen Fällen wurde es sogar so hingestellt, als ob den Leitungen der Verbände der Wille fehle, die Arbeitsbedingungen der Werftarbeiter zu bessern. Eine große Anzahl von Arbeitern machte also nicht die besonderen Verhältnisse, sondern die Organi sationen dafür verantwortlich, daß den Werstbesitzern nicht mit der nötigen Energie entgegengetreten werden konnte. Die Organisas tionsleitungen anerkannten ohne weiteres, daß die Werftarbeiter durchaus mit Recht über ungünstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen flagten als ihre Berufsgenossen im Binnenland sie hatten, daß insbesondere die von den Unternehmern beliebte Behandlung der Arbeiter eine unwürdige ist. So haben zum Beispiel die Arbeiter bisher bei der Festsetzung der Löhne und Affordpreise nicht mitreden dürfen. Die„ Einstellungslöhne" wurden von den einzelnen Werften festgesetzt, die auch die Affordpreise bestimmten. Zwar hatten die einzelnen Arbeiterkategorien die Berechtigung, sich über deren Höhe beim Ingenieur oder der Leitung beschweren" zu dürfen. Was bei derartigen Beschwerden herauskommt, kann man sich an den Fingern abzählen: es läuft darauf hinaus,„ den Teufel bei seiner Großmutter zu verklagen". Der Erfolg von Beschwerden war in vielen Fällen die Entlassung der Beschwerdeführer! Bei der Verteilung der Arbeiten durch die einzelnen Meister, Vorarbeiter, Ingenieure usw. herrschte eine schändliche Günstlingswirtschaft. Den Arbeitern, welche den Organisationen angehören, wurden die größten Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Dafür versuchte man die gelben Organisationen groß zu päppeln. Nichtsdestoweniger gelang es, durch energische Agitation die Organisas tionen vor allem in den letzten Jahren erheblich zu stärken. 1907 wagten die Arbeiter einen Vorstoß, und es gelang, die bis dahin bestehende 60 stündige Arbeitszeit auf 56 und in den anderen Orten auf 57 Stunden pro Woche zu verkürzen und einige weitere ge= ringe Zugeständnisse in bezug auf überstundenzuschläge usw. zu erreichen. Die Hamburg- Amerika- Linie allerdings, die sich in der Presse gern als Wunderwerk deutschen Talentes und deutscher Energie preisen läßt, bewilligte ihren Arbeitern gar nichts; bei ihr wurde bis jetzt 60 Stunden gearbeitet. Da seither die Krise auch auf den Werften mit aller Schärfe einsetzte, so war es ſeit dem Jahre 1907 nicht möglich, eine weitere dringend notwendige Verbesserung der Lebenslage der Werftarbeiter durchzusetzen; im Gegenteil, diese haben sich in vielen Orten noch mit Lohnreduktionen abfinden müssen. Eingaben der Arbeiter auf einzelnen Werften um Lohnaufbesserungen wegen der Lebensmittelteuerung wurden einfach in den Papierkorb geworfen, teilweise mit Hohn abgewiesen.
Während der großen Bauarbeiterbewegung trat eine Konferenz der Werftarbeiter in Hamburg zusammen. Sie nahm zu einer allgemeinen Lohnbewegung Stellung, die aber vertagt wurde bis nach Abschluß des Kampfes der Bauarbeiter. Am 10. Juli fand eine neue Konferenz statt; diese beschloß, den sämtlichen Seeschiffswerften sofort folgende Forderungen zu unterbreiten: Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 53 Stunden, Erhöhung der Wochenverdienste um 10 Prozent, Festlegung von Einstellungslöhnen, Garantie eines bestimmten Lohnsates bei Akkordarbeit, Festsetzung der Abschlagszahlungen und der Zahlungstermine, Festsetzung der Aufschläge für Überstunden, Nacht- und Sonntagsarbeit. Endlich wurde gefordert, Arbeiter sollten nicht gezwungen werden können,