Mr. 24
Die Gleichheit
dem Jahre 1907 flar erkennen. Die hier in bezug auf die Arbeiterschaft der Textilindustrie aufgeführten Zahlen sind charakteristisch für jene Tendenz der gesamten fapitalistischen Großproduktion, die auf steigende Verwendung der willigeren Frauenarbeit hinzielt, wo immer es die Umstände erlauben. Die Berichte geben die Zahl der in der Textilindustrie beschäftigten Arbeiter an, nach Geschlecht und Alter getrennt, wie folgt:
Männliche Arbeiter über 16 Jahre.. Arbeiterinnen von 16 bis 21 Jahren 140871) über 21= 266570
Jugendliche Arbeiter von 14 bis 16 Jahren:
männlich
weiblich.
männlich
376720
407 441
79749
•
30542 49207 f
Kinder unter 14 Jahren:
•
13791 2368
3747
weiblich.
In den einzelnen Branchen der Textilindustrie waren beschäftigt:
Seidentrocknungs- und Konditionieranstalten.
•
Wollbereitung.
Flachsröstanstalten, Flachsröstereien
Seidenhaspelanstalten
Seiden- und Seidenshoddyspinnerei
Wollspinnerei
Mungo- und Shoddyherstellung und-spinnerei
Flachs- und Hanshechelei und spinnerei
Jute und Zellstoffspinnerei
Baumwollspinnerei
Bigognespinnerei.
Spinnerei anderer Stoffe.
Seidenweberei.
Wollweberei
Teppichfabrikation
Leinenweberei.
.
Jute und Zellstoffweberei
Baumwollweberei
Weberei von gemischten Waren
Gummiflechterei und-weberei Haarflechterei und-weberei. Strickerei und Wirkerei Häfelei, Stickerei.
Spizenverfertigung
Seidenfärberei,-druckerei usw.
Wollfärberei,-druckerei usw. Leinenbleicherei,-färberei usw.
·
Baumwollbleicherei, färberei usw.
.
•
•
männl. 20 10909 506 33
weibl. 22 10703
1964
638 285 5449
24167
34331 233 277 7252 11334 4468 8400 41237 57509 1963 4530 1394 2199 34 876 32316 66 400 56369 6319 3399
25 706 26 634 3696 5371 78526 80535
34195 32114
1905 1018
744
39 280
•
"
1464
.
.
.
•
480
22115
795 64716 4219 15652 21980 37378 7395 1761 16930 8321 4001 1558 30086 9243 3968 2711 8052
.
15216 20099
•
Appretur für Strumpf- und Strickwaren
Wäscherei, Bleicherei für Spitzen usw.
Sonstige Färberei, Bleicherei usw.
Posamentenfabrikation.
Seilerei, Reepschlägerei
Verfertigung von Negen
Herstellung von Filz und Filzwaren. Berfertigung von Spielwaren aus Filz und Webstoffen.
.
12053 4109 8829 3625 4010 1998
328
962
Die große, stetig wachsende Zahl der Textilarbeiterinnen be deutet für die männliche Arbeiterschaft in der Textilindustrie eine Drohung schwerer wirtschaftlicher Schädigung, solange die Frauen unorganisiert sind und durch Schmutzkonkurrenz die Löhne der Männer herabdrücken. Sie werden zum schwerwiegenden Faktor im Kampfe gegen die kapitalistische Ausbeutung, sobald sie als Glieder der Organisation Seite an Seite mit ihren männlichen Berufsgenossen für bessere Arbeitsbedingungen und darüber hinaus für die Aufhebung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung fämpfen. Deshalb liegt es im ureigensten Interesse der Textilarbeiter wie der Arbeiterschaft überhaupt, auf die Organisierung aller ihrer weiblichen Berufsgenossinnen hinzuarbeiten. Jedoch noch eine andere Notwendigkeit ergibt sich aus der Tatsache, daß große Scharen Frauen gleich dem Manne selbständig am gesellschaftlichen Produktionsprozeß teilnehmen. Den Frauen muß die Möglichkeit gegeben werden, ihre Interessen selbständig im politischen Leben zu vertreten. Diese Möglichkeit gibt ihnen das politische Wahlrecht, das die Frauen auf Grund ihrer gesellschaftlichen Arbeit früher oder später erringen werden.
Fürsorge für Mutter und Kind.
g. b.
Private Mutterschaftsversicherung. Soll das Verbot der Arbeit der Schwangeren und Wöchnerinnen segensreich wirken,
=
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383
soll es Aussicht auf volle Durchführung haben, so muß der Arbeiterin ein sicheres Einkommen für die Zeit gewährt werden, während der sie aus gesundheitlicher Notwendigkeit durch das Gesetz am Verdienen verhindert wird. Mit dem Arbeitsverbot der Schwangeren und Wöchnerinnen muß die Mutterschaftsversicherung verbunden sein. In den wichtigsten europäischen Ländern mit Ausnahme von Frankreich und Rußland besteht ein gesetzliches Verbot der Fabrikarbeit der Wöchnerinnen bezw. Schwangeren, die gefeßlich geregelte Mutterschaftsversicherung kennen nur Deutsch land , Österreich und Italien . In einigen Staaten suchte man das Problem der Mutterschaftsfürsorge auf privatem Wege zu lösen. In England, wo die Krankenkassen eine Selbstschöpfung der Arbeiter ohne staatliche Aufsicht sind, haben die Arbeiter zum Teil die Sache selbst in die Hand genommen. Manche Krankentassen gewähren dort ein Wöchnerinnengeld. So zahlt die Hearts of Oak, eine der angesehensten Krankenkassen mit 294 740 Mitgliedern pro Entbindung 30 Schilling. Im Jahre 1908 wurden von ihr 42 585 Pfund 851 700 mt. an Wöchnerinnen ausbezahlt; das Krankengeld belief sich auf 411 038 Pfund 8290760 Mark, die Wöchnerinnenunterstützung betrug also mehr als 10 Prozent der Gesamtausgaben für Krankenunterstützung. In Frank reich , namentlich in Paris , versuchte man die Mutterschaftsvers sicherung durch Gründung besonderer Kaffen zu regeln: die„ Mutualités maternelles"( Mutterschaftstassen auf Gegenseitigkeit). Gegen Zahlung von 3 Franken Jahresbeitrag werden die Frauen und Mädchen der Arbeiterbevölkerung in diesen Kassen Mitglied. Im Falle der Niederkunft erhalten sie vier Wochen hindurch eine wöchentliche Unterstützung von 12 Franken, außer dem eventuell noch Stillprämien. Bis jetzt zählen diese Hilfsfassen nur gegen 12000 Mitglieder, und sie sind zum größten Teil Wohltätigkeitsinstitute, da die Mitgliederbeiträge nur ein Drittel der Kassenausgaben decken, während die beiden anderen Drittel von öffentlichen Kassen und von der Privatwohltätigkeit zugeschossen werden müssen. Auch in Italien , das ja erst in diesem Jahre eine gesetzlich geregelte Mutterschaftsversicherung erhielt, hat man in mehreren Städten Mutterschaftstassen( Cassa di Maternità) ge= gründet, zu denen besonders Paulina Schiff in Mailand die Anregung gegeben hat. Aber sie haben ebensowenig wie die Kassen in Frankreich einen erheblichen Umfang gewonnen und sind ebensowenig wie dort für die Lösung des Problems von irgendwelcher weittragender praktischer Wichtigkeit geworden. Bedeutsamer als durch ihre Leistungen sind sie dadurch, daß sie die Tragweite und den Umfang der vorliegenden sozialen Aufgabe beleuchten, daß sie die Notwendigkeit erweisen, die private Initiative deren Verdienst anerkannt werden kann durch das Eingreifen der Gesellschaft und ihrer Organe zu ersetzen.
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Die Schulspeisung in Italien behandelt Genossin Gisela Michels Lindner eingehend in ihrem Buche:" Geschichte der modernen Gemeindebetriebe in Italien". Wir werden auf diese verdienstvolle Arbeit noch zurückkommen und wollen ihr jetzt nur folgende Ziffern über die Schulspeisung entnehmen. Diese hat in Italien eine um so größere Bedeutung, als sich dort der Voltsschulunterricht über die Mittagszeit ausdehnt und viele Kinder zerstreut in großer Entfernung von den Schulen wohnen. Kommunalschulspeisung besteht in 33 Gemeinden. Am größten ist der Prozentsatz der in den kommunalen Schulfüchen gespeisten Kinder in Sampierdarena , dem hochindustriellen Vorort Genuas . Dort werden 78,3 Prozent der die Volksschule besuchenden Kinder unentgeltlich gespeist. Von 71,7 Prozent gilt das in Brescia , von 27 Prozent oder 47734 Kindern in der Stadt Mailand .
Frauenstimmrecht.
Eine eindrucksvolle frauenrechtlerische Demonstration für das Frauenwahlrecht in Schweden . Stockholm stand dieses Jahr im Zeichen der Kongresse. Der achtzehnte internationale Friedenskongreß, die nordische Friedensversammlung und die nordische Schulversammlung tagten hier. Aus Anlaß dieser Veranstaltungen hatte der Verein für Frauenstimmrecht eine große Versammlung einberufen. Das schwedische Theater war bis zum letzten Platz von Herren und Damen gefüllt. Hunderte mußten umkehren, da kein Platz mehr für sie da war. Es sprachen so vorzügliche Rednerinnen wie Ellen Key , Ann- Margret Homgren, Ellen Hagen und Miß Anna Eckstein ( aus Amerika ). Ellen Key entfesselte ganz besonders den Beifall der Lehrerinnen, als sie in ihrer enthusiastischen Art ihre Zukunftsträume entwickelte über die Erziehung des Kindes und über das, was die Frauen alles erreichen werden, wenn sie erst in der Gesetzgebung mitbestimmend sind. Frau Ellen Hagen, eine begabte jüngere Rednerin, ging