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Die Gleichheit
Wahlrechtstampf in unser allgemeines politisches Leben hinein. Auf Jahre hinaus dürfte sich die politische Aktion der Partei um diese Achse drehen. Den bevorstehenden Verhandlungen zu Magdeburg über den preußischen Wahlrechtstampf kommt also eine außerordentliche Bedeutung zu. Ihre Aufgabe wird es sein, alle großen Zusammenhänge, die ganze Tragweite und Kompliziertheit der Frage ins schärfste Licht zu rücken. Damit muß natürlich eine eingehende Prüfung der Mittel und Wege des weiteren Wahlrechtskampfes verbunden sein. Die bisherigen Erfahrungen und erzielten Resultate liefern uns hierfür ein lehrreiches Material. Die diesjährige Frühlingskampagne der Partei hat flar und deutlich bewiesen, wie sehr der letzte preuBische Parteitag mit seiner einstimmig bekundeten Auffassung im Rechte war, daß der Wahlrechtskampf in Breußen nur als eine große Voltsbewegung zum Siege geführt werden kann, und zwar als eine Massenbewegung, in der alle dem Proletariat zu Gebote stehenden Kampfmittel zur Anwendung gelangen müssen. Der Versuch, eine Voltsbewegung großen Stils in Fluß zu bringen, die Massen auf den Plan zu rufen, ist glänzend gelungen. Die preußischen Straßendemonstrationen des vergangenen Frühlings bilden eine Epoche in der Parteigeschichte. Wenn die Wahlrechtsbewegung wieder in Fluß fommen wird, so gilt selbstverständlich nur eins: sie weiter vorwärtszutreiben, ihre Stoßkraft, ihre Wirkung zu steigern.
Die daraus sich ergebende Aufgabe des Parteitags zu Magde burg ist mit Händen zu greifen. In flarer Würdigung der Situation und der unvermeidlichen weiteren Aussichten des Wahlrechtskampfes hat er die Genossen und Genossinnen aus drücklich auf die Notwendigkeit zu verweisen, durch systematische Agitation unter den breitesten Schichten des Proletariats das Bewußtsein ihrer eigenen Macht als politisch kämpfender Klasse zu wecken und zu stärken, fie reif zu machen für die Situation, in der sie diese ihre Macht in der Form der Arbeitsverweige rung in den Dienst ihrer Erkenntnis und ihres Willens stellen müffen. Der preußische Parteitag hat auch in dieser Beziehung bereits Licht auf das fallen lassen, was als Gebot der Stunde auftritt. Dem Parteitag zu Magdeburg bleibt es vorbehalten, die einschlägigen Richtlinien auf Grund der seither gesammelten Erfahrungen mit dem erforderlichen Nachdruck hervorzuheben und zugleich den preußischen Wahlrechtskampf in seinen Zu sammenhängen mit dem gesamten politischen Leben der Partei auf das höchfte Niveau zu stellen. 140 x
Hoffentlich kommt trotz der Inanspruchnahme von Zeit und Kraft des Parteitags durch die beiden Hauptfragen die wichtige Materie des Genossenschaftswesens zu ihrem Recht. Auch mit ihr haben sich sozialdemokratische Parteitage wiederholt, doch nie erschöpfend befaßt. Die Praris ist unterdes der Theorie weit vorausgeeilt und zwingt zu einer gründlichen Erörterung der Frage. Dem, was wir bereits in unserer letzten Nummer dazu gesagt haben, möchten wir furz einiges hinzufügen. Unserer Auffaffung nach kann und darf das Genossenschaftswesen nicht als Mittel angesehen werden, die kapitalistische Ordnung zu überwinden. Sie legt die Art nicht an deren Wurzel: die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Sphäre der Produktion, die Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit, zwischen ausbeuten den und ausgebeuteten Klaffen. Die Genossenschaftsbewegung kann daher keine Waffe, keine Trägerin des proletarischen Klassenkampfes sein. Jedoch wir würdigen sie hoch als ein Mittel, das Proletariat als Konsumenten gegen Ausplünderung zu schüßen, seine materielle Lage zu heben, geistige und sittliche Kräfte in seinem Schoße, Entwicklungs- und Betätigungsmöglichkeiten zu sichern, es zur Praxis von Bürgertugenden zu erziehen, deren die kämpfende Gesamtheit bedarf. So erscheinen uns die Genossenschaften, die vom Geiste der modernen Arbeiter bewegung erfüllt sind, als ein Teil der Aufwärtsbewegung des Proletariats, so erachten wir sie als ein wertvolles Mittel, deffen Kampfestüchtigkeit zu steigern und zu erhöhen. Die Sozialdemokratie hat daher unseres Dafürhaltens allen Grund, solchen Genossenschaften mit herzlichem Wohlwollen und tatfräftiger Förderung zu begegnen. Ganz besonders aber halten wir es für eine Pflicht der Genossinnen, in diesem Sinne zu wirken.
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Nr. 25
Die Frage der Reichsversicherungsordnung dürfte nach den Verhandlungen des Leipziger Parteitags und des außerordentlichen Gewerkschaftskongresses faum zu erheblicher Debatte Anlaß geben. Worauf es hier ankommt, ist die abermalige energische Bekundung des Willens, die Macht der Sozialdemokratie geschlossen hinter die Interessen der Arbeiterklasse zu stellen und die Wucht des bereits eingeleiteten Kampfes dafür zu erhöhen. Was die übrigen Beratungsgegenstände der Tagesordnung anbelangt die Maifeier eingeschlossen-, so werden sie in der Zeit der sich verschärfenden Klassengegensätze und Klassentämpfe in dem Bewußtsein erörtert werden, daß es sich auf der ganzen Linie für die Sozialdemokratie um ein stärkeres Aufrüsten handeln muß. Je ausgesprochener der Parteitag zu Magdeburg den Charakter eines großen Rüsttags trägt, um so tiefer wird seine Wirkung auf die Massen sein. Alle Anzeichen deuten auf Sturm, und von den großen Kämpfen, denen die Sozialdemokratie entgegengeht, gilt Heines Wort: " Die Menge tut es." singl
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Der Kaiser und die Frauen.
bs 16 d
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Motto:„ Er wies sie hart zurück, holte einen Strickstrumpf, gab thr den und fagte, dies set thr Geschäft, um das andere brauche fie fich nicht fümmern.... Aber sie zeigte sich als eine gute Ehefrau, fie troch zum Kreuz, bat um Berzeihung, wurde zu Gnaden angenommen."( Ludwig von der Marwig in seinen Memotren über Friedrich Wilhelm III. und Luise von Preußen .) Und was sollen unsere Frauen von der Königin lernen? Sie sollen lernen, daß die Hauptaufgabe der deutschen Frau nicht auf dem Gebiet des Versammlungs- und Vereinswesens liegt, nicht in dem Erreichen von vermeintlichen Rechten, in denen sie es den Männern gleichtun können, sondern in der stillen Arbeit im Hause und in der Familie. Sie sollen die junge Generation erziehen, vor allen Dingen zum Gehorvor affter! sam und zum Respekt vor dem Alter! Sie sollen Kindern und Kindestindern flarmachen, daß es heute nicht darauf anfommt, sich auszuleben auf Kosten anderer, seine Ziele zu er reichen auf Kosten des Vaterlandes, sondern einzig und allein das Vaterland im Auge zu haben, einzig und allein alle Kräfte und Sinne für das Wohl des Vaterlandes einzusetzen. Das ist die Lehre, die die hohe Gestalt uns überliefert hat."
All diese herrlichen Tugenden lernt die deutsche Frau von der Königin Luise. Ausgerechnet von der Königin Luise. Die stille Arbeit im Hause von der Königin Luise , die im Bunde mit den Junkern ihr möglichstes tat, zum Kriege gegen Frank reich und Napoleon zu hetzen. Von der Königin Luise sollen sie lernen, ihren Kindern klarzumachen, daß es nicht darauf antommt, sich auszuleben auf Kosten anderer, von der Königin Luise , die jammerte, als es zur Zeit der schlimmsten Kriegsnot nur drei Gänge bei Tische gab. Von der Königin Luise lernen, einzig und allein das Vaterland im Auge zu haben, einzig und allein alle Kräfte für das Wohl des Vaterlandes einzusetzen; von der Königin Luise , die, ein Muster stiller Arbeit im Hause und in der Familie, mithalf bei den Ränken zum Sturze Steins, weil er ihr die Gelder verweigert hatte zu einer Vergnügungsreise an den Hof des schönen Zaren Alexander I. , die Gelder, die zur Linderung des tiefen Elends der verheerten Provinzen bestimmt waren.
„ Die Hauptaufgabe der deutschen Frau liegt nicht in dem Erreichen von vermeintlichen Rechten, indem sie den Männern gleichtun können, sondern in der stillen Arbeit im Haus und in der Familie." 8243498 erwerbstätige weibliche Personen zählte man 1907 im Deutschen Reiche. Der Zwang wirtschaftlicher Verhältnisse trieb sie aus Haus und Familie in das Erwerbsleben hinaus, wo ihrer gleiche Lasten und Pflichten wie der Männer harren, wo sie es in Mühen und Arbeit den Männern gleichtun müssen; in das Erwerbsleben, aus dem sie fein Instrument des Herrn" mit einem Strickstrumpf in der Hand jagen kann.„ Die Hauptaufgabe der deutschen Frau liegt in der stillen Arbeit im Haus und in der Familie." In der Familie, die dieselbe Gesellschaftsordnung, deren erster Diener der Kaiser ist, auflöst und zersetzt. Sie soll die junge Generation