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Die Gleichheit
Betätigung der Frau in der Bewegung überhaupt. Er wurde schon zur Zeit der ersten Anfänge der proletarischen Frauenbewegung erhoben und nicht nur gegen die Diskussions- und Bildungsabende, fondern auch gegen die Zusammenfünfte, in denen die tätigen Genoffinnen ihre praktischen Erfahrungen austauschten und fich das durch für ihre Arbeit vorbereiteten und rüsteten. Und doch, wie notwendig und nüßlich sind diese Veranstaltungen gewesen. Ich erinnere mich noch sehr lebhaft jener Zusammenfünfte, bet denen die Genossinnen Ihrer, Zetkin, Zietz, Zieh, Kähler und Eichhorn anwesend waren, und die uns, die wir damals der Nachwuchs waren, soviel Anregung und Anleitung vermittelten. Von den Diskussionsabenden, die die Genossin Eichhorn leitete, gilt das nämliche. Alle diese Veranstaltungen der Genossinnen waren Kinder ber Notwendigkeit, und sie traten unter schwierigen Umständen ins Leben. Die Diskussionsabende, um bei ihnen zu bleiben, hatten sur Beit des Sozialistengesezes und in den ersten Jahren seiner Aufhebung schwer gegen Schikanen von seiten der Behörden zu fämpfen. Sie haben sich all diesen Hindernissen zum Trotz ge halten und sehr viel zur Förderung der Frauenbewegung beige tragen, indem sie die einzelnen Genoffinnen für ihr Wirken mit Kenntnissen und Geschicklichkeiten ausrüsteten. Dadurch haben sie erwiesen, daß sie ein vorhandenes Bedürfnis befriedigten, ein Be dürfnis, das auch fernerhin besteht. Alle derartigen Veranstaltungen find eine Sache praktischer Zweckmäßigkeit. Ihr Ziel ist, es den Genossinnen zu ermöglichen, im Rahmen der allgemeinen Parteiorganisation und zu deren Besten ihre Kräfte auf die nutbringendste Weise geltend zu machen. Allerdings werden die Dis fuffionsabende im besonderen von mancher Seite bekämpft mit der Begründung, baß sie eine Berfplitterung der Kräfte herbeiführen, beren Zusammenfassung so dringend notwendig ist. Allein bie Erfahrung lehrt, daß die erzielten Erfolge die verbrauchte Kraft faft immer reichlich aufwiegen. So haben sich zum Beispiel die Bildungsabende in verschiedenen Gruppen des sechsten sächsischen Wahlkreises, wie Löbtau , Cotta, Strießen, Plauenscher Grund sehr gut bewährt. Das beweist auch der Jahresbericht für diesen Kreis. Die Genossinnen sind nach jahrelanger Schulung allmählich selb= ständig geworden und können ihrerseits die Leitung von Bildungsabenden übernehmen. Dies ist von um so größerer Bedeutung, als es nicht immer leicht ist, für diesen Posten geeignete Kräfte zu finden. Und wo diese mangeln, können nach meiner Überzeugung bie Bildungsabende nicht das ausrichten, was sie ausrichten sollten. Um so wichtiger ist es also, für die Heranbildung leitender Kräfte für die Diskussions- und Leseabende eben durch diese selbst zu sorgen.
Den Wert der Diskussionsabende zugegeben, taucht die Frage nach ihrer Ausgestaltung auf. Wie oft wurde ich auf meinen Agi tationstouren gefragt, wenn die Rede auf die einschlägigen Ber anftaltungen fam:" Ja, wie sollen wir das angreifen, was sollen wote vorlesen, worüber sollen wir diskutieren?" Auch in anderer Beziehung recht erfahrene und rührige Genoffinnen wußten sich nicht recht Rats. Das ist freilich weniger der Fall in den Zentren ber Bewegung und des politischen Lebens, wohl aber in solchen Gegenden, wo die Beteiligung der Frauen am proletarischen Klaffen tampf noch jungen Datums ist oder gar erst anfängt. Daher möchte ich die Erörterung folgender Fragen in der„ Gleichheit" anregen: 1. In welcher Art sollen die Bildungs- und Diskussionsabende der Genofsinnen im Rahmen der Parteiorganisation ausgestaltet wer ben? 2. Sind Vorträge oder ist das Vorlesen von Büchern und Broschüren mit anschließender Diskussion geeigneter, den gesetzten Bwed zu erfüllen und die Genoffinnen zu fefseln? 8. Müssen ernste Abende mit heiteren abwechseln, die mehr den Charakter einer Unterhaltung tragen? Die Frage, ob Vorträge oder das Vorlesen geeigneter Bücher ein zweckmäßigeres Mittel zur Schulung der Ge noffinnen sind, findet in den meisten Fällen ihre Beantwortung das durch, daß es zu fostspielig ist, für einen kleinen Kreis einen Vortragenden zu gewinnen, der die Diskussion leitet. Beim Borlesen von Büchern ist die Wahl des Stoffes von außerordentlicher Wichtigkeit, und gerade in diesem Punkte bedarf manche Genoffin noch der Fingerzeige. Manchmal ist ihre Wahl trotz allen guten Willens ungefchickt. Und doch bietet uns die Parteiliteratur guten und ge eigneten Stoffes genug. Es kommt nur darauf an, eine dem Ver ständnis der Frauen angepaßte Wahl zu treffen. Die Parteibibliotheken leihen entsprechende Literatur aus, freilich nur auf eine begrenzte Zeit. An erster Stelle sollten Werke gelesen werden, die der Einführung in das sozialdemokratische Programm, dem Verständnis der proletarischen Klaffenlage dienen. Sehr wichtig ist auch die Art der Behandlung des Stoffes, bie wesentlich dazu bei tragen kann, das Verständnis zu erleichtern und die Frauen zu feffeln. Sollen die Bildungsabende vollständig ihren Zwed er füllen, so müssen sie ganz planmäßig ausgestaltet werden. Es müssen
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den Genossinnen die dem Verhandlungsgegenstand entsprechenden Bücher zur Verfügung gestellt werden. Auch sollten Bücher, welche zum Zwecke der anknüpfenden Diskussion vorgelesen werden, entweber schon abschnittweise vor jedem Abend von den einzelnen durchgenommen oder wenigstens nach jeder Zusammenkunft nachgeschlagen werden. Es müßten daher dem Diskussionsabend eine Anzahl Exemplare für solche Genossinnen zur Verfügung stehen, benen die Anschaffung der Literatur unmöglich ist. Dies ist zum Beispiel dringend notwendig bei der Behandlung von Bebels herrlichem Buche„ Die Frau und der Sozialismus". Die Vorträge und Vorlesungen sollten sich übrigens nicht auf die Parteiliteratur beschränken, sondern gelegentlich auch andere Fragen behandeln, für die unter den Frauen besonderes Interesse vorhanden ist. Nach meiner Erfahrung wurde in Diskussionsabenden von Genofsinnen häufig der Wunsch geäußert, es möchten über Mutterschaftsversiche= rung, Säuglingsschutz, Recht des unehelichen Kindes und seiner Mutter, Tätigkeit der Frau in der Armenpflege, in der Gemeinde überhaupt referiert und diskutiert werden. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn solchen Wünschen nach Möglichkeit entsprochen würde, natürlich ohne daß der Hauptzweck der Abende darunter leidet.
Die Wichtigkeit der dritten Frage ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Der Wunsch nach Abwechslung, nach Ausspannung und Unterhaltung ist bei den Proletarierinnen, die den ganzen Tag in harter Fron stehen, nicht ohne Berechtigung. Wir müssen deshalb in Erwägung ziehen, was in dieser Hinsicht geschehen kann. Im sechsten sächsischen Wahlkreis hat zum Beispiel die Veranstaltung von Wanderabenden während der Sommermonate großen Anklang gefunden. Die Genoffinnen verschiedener Gruppen trafen sich an einem bestimmten Punkt und verbrachten einige Stunden in fröh. lichem Beisammensein, dem ein ernster Kern nicht fehlte, und gingen immer auseinander mit dem Wunsche auf eine recht baldige Wiederfehr dieser Zusammenkünfte. Während der Wintermonate wurden hin und wieder Unterhaltungsabende abgehalten, die ebenfalls sehr gut besucht waren. Gewiß würden ähnliche Veranstaltungen auch anderweitig Antlang finden.
Wenn sich die Genofsinnen mit praktischen Vorschlägen oder Berichten über ihre Erfahrungen auf diesem Gebiet zu der Frage äußern wollten, so bin ich gewiß, daß dieser Meinungsaustausch in jeder Hinsicht anregend wirken und zur Förderung der pratMarie Wack wit. tischen Kleinarbeit beitragen würde.
Zur Lage der Krankenpflegerinnen.
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Eine Krankenpflegerin am Berliner Virchow- Krankenhaus angeblich aus gekränktem Ehrbeging fürzlich Selbstmord gefühl. Dieses traurige Ereignis rief in den zunächst beteiligten Kreisen eine ziemlich tiefgehende Erregung hervor. Es drangen in der Folge geradezu empörende Einzelheiten über die Bedingungen, unter denen einer der aufreibendsten und verant wortungsvollsten Berufe ausgeübt wird, an die weitere Offent lichkeit. Natürlich traten sofort auch etwelche freiwillige Be schwichtigungshofräte in Funktion, die wie Prof. Dr. Grawitz in der Scherlschen Woche"- nachzuweisen suchten, daß im Grunde alles in vortrefflicher Ordnung sei. Unsere arbeitende Bevölkerung, die im Falle von Erkrankungen hauptsächlich auf die Anstaltspflege angewiesen ist, weiß jedoch längst, daß in unseren Krankenhäusern sehr vieles nicht so ist, wie es sein sollte.
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Die Hauptschuld daran trägt- wie bei allen übrigen Unterlassungsfünden auf dem Gebiet des Gemeinwohls- der Mangel an Mitteln. Militarismus, Marinismus und Kolonialpolitik verschlingen von den Steuergrofchen, die dem Volke auf direktem Wege oder in Gestalt von Verkehr- und Verzehrsteuern abge nommen werden, solche Unsummen, daß für Kulturzwecke kaum das Allernotdürftigste übrig bleibt. Die ungeheuerliche Überbürdung und Ausnüßung der Krankenpflegerinnen ist nur ein Teil der allgemeinen Krankenhausmifere, die wir auf das Schuldfonto jener verwerflichen und gemeinschädlichen Sparpraxis zu schreiben haben.
In der Frauenrundschau des Berliner Tageblatts" wurde kürzlich die Zahl der Krankenpflegerinnen in Deutschland auf zirka 41 000 angegeben. Darunter befinden sich 20 000 Nonnen, 14000 Diakonissinnen und mit Einrechnung der Schwestern pom Roten Kreuz 7000 freie Schwestern. Die religiösen Or ganisationen angehörenden Schwestern sind also weitaus in