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Die Gleichheit
Schiffbet tragen die Genofsinnen die„ Gleichheit" felbft aus. Es wurde dadurch ein Überschuß von insgesamt 918,87 Mt. erzielt. Davon wurden 786,80 Mt. an die örtlichen Parteikassierer als Extrabeiträge der Genossinnen abgeführt. Bei der Verbreitung der Gleichheit" haben die Genossinnen es sich angelegen sein lassen, auch noch andere Partei literatur sowie Eintrittskarten zu Vorträgen, Theatervorstellungen und Festlichkeiten abzusetzen. Auf diese Art sind eine beträchtliche Anzahl Exemplare von A. Bebels Aus meinem Leben", von der Gedichtsammlung„ Empor" von K. Frohme und von A. Popps„ Die Jugendgeschichte einer Arbeiterin" verbreitet worden. Mehrfach haben die Genossinnen die Agitation für Frauenversammlungen allein betrieben und in den größeren Orten an Flugblattverbreitungen und Hausagitationen teilgenommen. Zur Agitation unter den Frauen find im Vorjahr 50 000 Exemplare eines Flugblattes verbreitet worden, im letzten Jahre ein anderes in 36 000 Exemplaren, das die Arbeiterinnen aufforderte, für ihr Recht der Vertretung bei den Gewerbegerichten einzutreten.
Es fanden in diesen zwei Jahren 26 öffentliche Frauenversamm lungen statt, vornehmlich zur Agitation unter dem weiblichen Proletariat. Zwanzig besondere Zusammenfünfte der weiblichen Mitglieder, die im letzten Jahre veranstaltet wurden, haben der Aufklärung und Schulung der Genossinnen gedient. Außerdem ist in Altona ein Vortragszyklus von 9 Vorträgen über„ Die geschichtliche Entwicklung der Frauenfrage" und„ Die Arbeiterin in der Gegenwart" abgehalten worden, der vorwiegend von Frauen be fucht war. An Vereinsversammlungen und sonstigen Aktionen der Partei nehmen die Frauen in steigender Zahl teil. Es tann mit Genugtuung fonstatiert werden, daß manche Genossen ihre Frauen an regelmäßigen Versammlungsbesuch gewöhnen und dadurch zeigen, daß es ihnen Ernst ist mit der Durchführung des Parteitags beschlusses, die weiblichen Familienangehörigen der Partei zuzu führen. Möge dieser Beschluß noch mehr Nachachtung finden. Die Mitarbeit der Genossinnen in der Organisation läßt noch zu wün schen übrig. Es gehören zwar dem Zentralvorstand sowie den Vorständen der Mitgliedschaften Genossinnen an; auch figen Genosfinnen in verschiedenen Kommissionen. In Altona , Wandsbeck und Schiffbet sind Genofsinnen in der Kinderschußkommission mit gutem Erfolg tätig gewesen, in den beiden erstgenannten Orten auch im Jugendausschuß. Gerade auf diesen Gebieten ist die Mitarbeit einer größeren Zahl von Genofsinnen eine dringende Notwendig feit. Wenn der Bericht auch erkennen läßt, daß die Möglichkeiten, die das Reichsvereinsgeset uns gibt, zum Teil ausgenugt wurden zur Weiterentwicklung der proletarischen Frauenbewegung in unserem Kreise, so bleibt doch noch sehr vieles zu tun übrig. Immer und immer wieder müssen wir die uns noch fernstehenden Frauen zur Erkenntnis ihrer Klassenlage bringen und sie veranlassen, in unsere Reihen zu treten. Rastlos müssen wir agitieren und organisieren, die Gewonnenen schulen und zu Werbenden machen. Das muß unsere Aufgabe auch für die Zukunft sein. Linchen Baumann.
Die Gründung einer Frauenfektion in Beiertheim( Baden ) erfolgte vor wenigen Wochen mit einer kleinen Anzahl weiblicher Parteimitglieder. Das Beispiel fand Nachahmung, die Zahl der organisierten Frauen ist seitdem stetig gewachsen und hat schon eine ganz ansehnliche Höhe erreicht. In einer Versammlung der Frauen sprach fürzlich Genossin Rückert- Karlsruhe über:„ Die Stellung der Frau zum Sozialismus". Sie schilderte die trostlose Lage der Frau des Proletariats als Arbeiterin und Mutter. Die Ausführungen der Rednerin, die, selbst eine Proletarierin, aus persönlicher Erfahrung sprach, machten auf die anwesenden Ar beiterinnen einen tiefen Eindruck. Mancher Frau traten Tränen in die Augen, als Genoffin Rückert das Schicksal der Proletariers finder schilderte. Sie mochte wohl an ihre eigenen Kinder denten, Denen sie kein besseres Los schaffen konnte. Reicher Beifall lohnte der Referentin für ihre schönen und wahren Ausführungen. Wir hoffen, daß sich die neugegründete Drganisation rasch weiterentwickeln und im weiblichen Proletariat immer mehr Anhänger gewinnen wird. Jahresbericht über die proletarische Frauenbewegung in Nürnberg . Die zur Agitation unter den Frauen und Mädchen entfaltete Tätigkeit hat nach dem Bericht des Wahlvereins sehr gute Resultate gezeitigt. Betrug die Ziffer der weiblichen Partei mitglieder am Schlusse des letzten Geschäftsjahres 693, so hat sie nunmehr das erste Tausend überschritten. Ende Juni 1910 zählte der Wahlverein 1050 weibliche Mitglieder. Diese Zunahme ist er flärlich. Die traurige wirtschaftliche Notlage großer Arbeiterschichten in den letzten Jahren, die durch Werteuerung aller Lebens mittel noch verschärft worden ist, hat zweifellos mancher Hausfrau gezeigt, daß sie auch auf politischem Gebiet Interessen zu wahren und daher Verpflichtungen zu erfüllen hat. Bielen Proletarierinnen
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find die Augen für die kapitalistische Ordnung und ihre Schöns heitsfehler" geöffnet worden, denn als Hausfrauen und Mütter empfinden sie die Not am schwersten, wenn sie ihre Lieben hungern seben. So hat die strupellose Selbstsucht der herrschenden Klassen bas Jhrige dazu getan, daß die proletarische Frauenbewegung gute Fortschritte gemacht hat. Dürfen sich die organisierten Genofsinnen und Genossen des Resultats auch freuen, so können sie sich mit dem Erreichten doch nicht zufrieden geben. Je weiter wir vorwärts schreiten, desto klarer erkennen sie, was noch geleistet werden muß, um die Massen der proletarischen Frauen und Mädchen für unsere Bewegung zu gewinnen und die Genofsinnen zu schulen. Auch in ber letzteren Hinsicht hat der Wahlverein eifrig und fruchtbringend gewirkt. Die bereits früher eingerichteten Leseabende sind im Berichtsjahr weitergeführt worden. Es werden dort Broschüren und Bücher näher erläutert, deren Besprechung der Vertiefung des Sozialistischen Gedankens dienen soll. Den Frauen und Mädchen wurde dadurch die Möglichkeit gegeben, tiefer in das Wesen des Sozialismus einzudringen. Bildend waren auch die Vorträge über die Geschichte der„ Nürnberger Arbeiterbewegung", über„ Die Frau und der Sozialismus" usw. Auch die bayerische Gesindeordnung wurde erläutert. Vortragende war Genossin Grünberg. Die Leseabende wurden durchschnittlich von 57 Frauen und Mädchen besucht. Alles in allem genommen berechtigt die Frauenbewegung in Nürnberg zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft.++
Von der Frauenorganisation in Baden. Schon im Jahre 1892/93 wurde der Versuch gemacht, in Baden eine proletarische Frauenbewegung ins Leben zu rufen. Allein trotz aller Anstrengungen, trotz der eifrigsten Agitation ist es nicht gelungen, die junge Organisation lebensfähig zu gestalten. Sie ging nach faum breijährigem Bestehen wieder ein. Erst nach Verlauf eines Jahrzeyntes, im Jahre 1905, schritt man aufs neue zur Organisierung der Frauen. Die erste Organisation wurde in Mannheim gegründet. Seit jener Zeit ist der badische Parteitag regelmäßig mit einer weiblichen Delegierten beschickt worden, auch wurden alle Delegierten aufgefordert, bei der Agitation und Organisation für bie Gewinnung weiblicher Mitglieder Sorge zu tragen. Heute haben von den 14 Wahlkreisen nur drei feine weiblichen Mitglieder aufzuweisen, und wir hoffen, auch dort bald Eingang zu finden. Im Februar 1909 zählte die badische Partei 384 weibliche Mitglieder, im August 1910 waren es deren 455. Diese Zahlen sind leider keineswegs befriedigend. Doch sollen sie uns nicht entmutigen, sondern uns im Gegenteil zum Ansporn dienen, alle unsere Kräfte einzusehen, damit wir nicht länger hinter anderen Ländern zurückstehen. Dazu ist vor allem eine tiefgehende und ausgedehnte Agitation nötig, die alle noch unaufgeflärten Schichten des weiblichen Proletariats umfaßt, eine Agitation, die sich durch einen anfänglichen Mißerfolg nicht zurückschrecken läßt, sondern ftets von neuem anzufnüpfen und aufzurütteln sucht. Ist doch gerade beim weiblichen Proletariat das Klassenbewußtsein häufig noch sehr schwach entwickelt. Wir müssen es erst wecken, um überhaupt einen Anknüpfungspunkt für die Agitation zu schaffen. So liegt vor den badischen Genossinnen ein ausgedehntes Feld der Tätig teit. Es ist teiliveife recht harter Boden, den sie umzuackern haben. Sie bedürfen bei ihrer Arbeit dringend der Unterstüßung von seiten der Genossen. Den vereinten Anstrengungen von Genossinnen und Genossen wird es gelingen, auch im badischen Musterländle eine festgefügte und ausgedehnte Frauenorganisation zu schaffen.
Politische Rundschau.
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Es ist still geworden im bürgerlichen Blätterwalde von der Rönigsberger Raiserrede der deutsche Liberalismus denkt nicht mehr daran, mit dem Absolutismus einen Gang zu wagen. Wenn nicht die Sozialdemokratie eine fräftige Protestaktion durch Bersammlungen eröffnet hätte die sogenannte„ öffentliche Meinung" würde die Herausforderung des deutschen Volkes durch das persönliche Regiment längst wieder vergessen haben. So hat sich immerhin der Fortschritt genötigt gesehen, schandenhalber auch ein paar Protestversammlungen abzuhalten. Imposant mutet diese freisinnige Aition nicht an; man spürt schon von weitem, daß sie über billige scharfe Worte" nicht hinauskommen wird. Ohne zu prophezeien, kann man damit rechnen, daß auch diesmal der Freis finn bei den nahenden politischen Entscheidungen, bei den Wahlen und im Parlament, nicht konsequent die Richtung nach links einhält.
Das Echo, das die Sammlungsrede des Kaisers auf der Marienburg gefunden hat, läßt es schon jest erkennen, daß die Sozialdemokratie bei den Wahlen mit dem fonzentrierten Wider stand aller bürgerlichen Parteien zu kämpfen haben wird. Zwar