Nr. 19
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Die Gleichheit
beiterinnen wichtige Angelegenheit eine neue Grundlage haben wollten. Für die Arbeiterinnen sollen die Zuschläge für Überstunden 6, 8 und 12 Pf. betragen. Das bedeutet eine Erhöhung über die jetzige Entlohnung hinaus von nur 1 Pf. für die erste Stunde und von 2 Pf. für die dritte Stunde. Für überzeitarbeit der Arbeite rinnen an Sonnabenden und für Sonntagsarbeit wurde ein Zu schlag von 12 Pf.- jetzt 10 Pf. erzielt. Nachtarbeit, deren Be zahlung bisher nicht tariflich geregelt war, wird fürderhin mit 30 Pfennig Zuschlag entlohnt. Zur generellen Einführung von paritätischen Arbeitsnachweisen konnten sich die Unternehmer nicht verstehen, doch sollen der örtlichen Errichtung solcher Nachweise keine Schwierigkeiten bereitet werden. Die Besetzung der Schnellpressen durch Arbeiterinnen gab Anlaß zu längeren Auseinandersetzungen. Diese endeten schließlich mit folgender Abmachung: das an den Schnellpressen beschäftigte Personal muß zu zwei Dritteln aus Pressern und darf nur zu einem Drittel aus Arbeiterinnen bestehen, während bisher an diesen Maschinen zur Hälfte Arbeiterinnen beschäftigt werden konnten. Von Bedeutung ist ferner, daß nach Tangen Bemühungen endlich die tarifwidrige Leipziger Sonderabmachung gefallen ist, wonach ein 20 prozentiger Abzug für Arbeiterinnen zulässig war, die Gehilfenarbeit verrichten. Der Tarif foll wieder auf 5 Jahre gelten. Das Verlangen der Arbeitervertreter, die Minimallöhne noch etwas über den in der ersten Sigung festgelegten Satz zu erhöhen, wurde von den Unternehmervertretern mit Entrüstung zurückgewiesen, sie erklärten, daß sie schon wegen ihrer ersten Zugeständnisse Vorwürfe von ihren Mandatgebern befommen hätten.
Der Berliner Bäckerstreit konnte dank der tatkräftigen Unterstützung durch die Arbeiterbevölkerung mit Erfolg beendet werden. Es versteht sich, daß dabei das Verhalten der Genossinnen von entscheidender Bedeutung gewesen ist.
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Der Kampf im mitteldeutschen Braunkohlenrevier dauert unverändert an. Auf der Grube„ Stadt Görlig" in Rohlfurt sie ist Besitz der Gemeinde, deren Namen sie trägt- ist ein Streit ausgebrochen. Die Arbeiter verlangten eine geringe Erhöhung ihres Verdienstes; es werden dort noch Löhne von 2,50 Mt. und 2 Mt. gezahlt. Die Forderung ward abgewiesen. Den bürgerlichen Stadtvätern in Görlig wird wohl von unseren Vertretern kräftig eingeheizt werden ob des Standals, daß ein städti scher Betrieb solche Hungerlöhne zahlt und sie nicht erhöhen will. Jm pommerschen Industriegebiet ist eine Formerbewe gung in Fluß gekommen. Dem Verein der Eisenwerte Pommerns und 28 Firmen des Industriegebiets sind von den Arbeitern For derungen zugestellt worden. Die eingeleiteten Verhandlungen waren ergebnislos. Daraufhin kündigten etwa 1200 Arbeiter. Einige Firmen haben nun bereits nachgegeben, ein Beweis dafür, daß die Forderungen wohl bewilligt werden können.
Ein Streit der Wäschereiarbeiterinnen brach in Bremen aus. Die Lohnverhältnisse sind dort geradezu klägliche. Bei zehn stündiger Arbeitszeit beträgt der Durchschnittsverdienst 1,80 Mr. bis 2 Mt. Die erhobenen Lohnforderungen wurden von den Unternehmern mit dem unverschämten Anfinnen beantwortet, die Arbeiterinnen sollten ein Schriftstück unterzeichnen, in dem sie ihren Austritt aus dem Verbande erklären. Für diese Dummheit, diese Charakterlosigkeit sollte jede Arbeiterin mit einer einmaligen Gratis fitation von einer ganzen Mart begnadet werden. Wir glauben, baß auch nicht eine einzige Arbeiterin ihre Würde und ihre Interessen so weit vergißt, um sich durch die Untreue gegen ihren Verband diese Belohnung zu verdienen.
Die großen Fortschritte der Gewerkschaftsbewegung treten nament lich beim Metallarbeiterverband hervor, der in diesen Tagen seine Generalversammlung abhielt. Der Verband zählt nunmehr eine halbe Million Mitglieder, und er steht mit dieser Zahl einzig da in der Gewerkschaftsbewegung der ganzen Welt. Zur Feier dieses Ereignisses gab die„ Metallarbeiter- Zeitung" eine achtſeitige Festbeilage heraus, die mit reichem Bilderschmuck ausgestattet war, Der Verband feiert zugleich sein 20 jähriges Bestehen. Für Arbeitskämpfe hat er in dieser Zeit über 19 Millionen Mark aufgewendet, für Erwerbslosenunterstützung bei Arbeitslosigkeit und Krankheit 23 Millionen Mark. Bei der Gründung hatte der Verband 23000 Mitglieder, und noch im Jahre 1900 zählte er erst wenig über 100,000. Im ersten Jahrzehnt seines Bestehens betrug die Zu nahme der Mitglieder rund 77 000, dagegen im letzten Jahre, also in einem einzigen Jahre, über 90000. Seitdem die Tarisbewegung in der Metallindustrie eingesetzt hat, das ist in einem Zeitraum von acht Jahren, ist die Zahl der von Tarifen erfaßten Betriebe um mehr als das Fünffache, die Zahl der von Tarifen erfaßten Personen aber um das Zehnfache gestiegen. Das find Tatsachen, die eindringlich künden, welche Macht der Zusammenschluß den
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Ausgebeuteten verleiht, die einzeln wirtschaftlich schwach find, lose Blätter, mit denen die Profitgier und die Herrenwillkür der ausbeutenden Kapitalisten spielen. Auch den stumpfsinnigsten Stlaven des Kapitals müssen diese Tatsachen die Augen für eine Lehre öffnen: die zentralisierten Gewertschaftsorganisationen, die auf dent Boden des Klaffenkampfes stehen, die in ihrem Leben und Wirken von der sozialistischen Erkenntnis befruchtet werden, find starke Schutzwehre gegen die kapitalistische Ausbeutung. Die Kraft dieser Organisationen wird kämpfend das Gegenwartselend mindern, sie wird kämpfend den Weg bereiten helfen für die Befreiung der Arbeiterklasse vom Joche des Kapitals durch den Sozialismus.#
Aus der Textilarbeiterbewegung. Bedeutsame Bewegungen und Kämpfe find in den letzten Tagen und Wochen zum Abschluß gekommen. In Hof i. B. endete die von uns bereits geschilderte Aussperrung der Textilarbeiter mit einem Teilerfolg für die Proletarier. Den freien Samstagnachmittag für die drei Fabriken zu erhalten, war nicht möglich. Die Ungunst der Konjunktur, sowie die noch immer sehr mangelhafte Organisation der Hofer Textilarbeiterschaft verhinderten das. Trotz alledem ist das Resultat des Kampfes außerordentlich beachtenswert. Für alle Webereien Hofs ist künftig einheitliche Arbeitszeit an Sonnabenden und einheitlicher Arbeitsschluß durchgeführt. Wenn die Arbeiter von drei Betrieben am Samstagnachmittag 1 bis 2 Stunden länger als bisher an die Fabrik gefesselt sind, so ist dafür für eine größere Anzahl von Betrieben eine gleich große Verkürzung der Arbeitszeit für Männer eingetreten. Das Warten auf Material, die Zeitverfäumnis, welche wegen vorzunehmender Reparaturen an der Arbeitsmaschine eins tritt, wird den Webern und Weberinnen fünftig mit 10 Pf. pro Stuhl und Stunde vergütet, vorausgesetzt, daß mehr als 6 Stunden dabei in Frage kommen. Da der Arbeiter 3 bis 4 Stühle bedient und es oft vorkommt, daß aus den verschiedensten Gründen ein Stuhl davon länger als 6 Stunden stillgesetzt werden muß, so bedeutet das eine immerhin beachtenswerte Besserung. Sollte fünftig wegen der Ungunst der Konjunktur sich eine Betriebseinschränkung notwendig machen, so ist das drei Wochen vorher bekannt zu geben. Maßregelungen dürfen nicht vorgenommen werden. Diese Abmachungen wurden von beiden Vorständen- Arbeitgeberverband und Textilarbeiterverband- festgelegt. Die Absicht der Unters nehmer, die bedingungslose Unterwerfung der Arbeiter zu erzwingen, scheiterte an der Kampfesbereitschaft des Textilarbeiterverbandes. Der Gedanke des freien Samstagnachmittag, welcher nur in Augs burg und Hof in einem fleinen Teil der Arbeiterköpfe Platz gefunden hatte, ist durch die Androhung der Aussperrung und das Aussprechen der Kündigung in ganz Oberfranken und im übrigen Bayern bis auf die Höhen des Allgäus gedrungen. Die Agitation geht weiter und die Erreichung des Ziels ist gewiß.
Die Bewegung der Samtweber am Niederrhein hat mit einem Erfolg der Arbeiter geendet. Erreicht wurde eine etwa fünfprozentige Lohnerhöhung. Da dieses von den Unternehmern gemachte Teilzugeständnis die Einigkeit der Proletarier zerstört hatte, so daß die Arbeiter einiger Betriebe sich weigerten, am Streit teilzunehmen, zogen die übrigen vor, die Bewegung zu beenden. Leider hat der erzielte Erfolg, wie man erwarten sollte, nicht zu einer Festigung des Organisationsgedankens geführt. Glende Quertreibereien lokalistischer Schwadroneure beschuldigten die Leitung des Textilarbeiterverbandes in unflätigster Weise, hinterm Rücken der Arbeiter die Arbeiterausschüsse zugunsten der Beendigung der Bewegung bearbeitet zu haben. Wie immer in Krefeld fanden die Quertreibereien günstigen Boden. Tatsächlich hat sich die Verbandsleitung jeder Beeinflussung enthalten. Sie hatte die Streitgenehmi gung gegeben und war zur Durchführung des Kampfes entschlossen. Die Hochkonjunktur und der gegenwärtige Stand des Verbandes gestatteten das. Auch die Krefelder Arbeiter werden noch klug werden, allerdings durch Schaden.
Nicht so günstig wie der vom Deutschen Textilarbeiterverband geführte Kampf in Oberfranken und der von diesem Verband und den christlichen, Hirsch- Dunckerschen und lokalen Organisationen geführte Kampf am Niederrhein konnte der Streit der Baumwollweber in Koesfeld zu Ende gebracht werden. Am Streik war der christliche Verband mit vier Fünfteln der in Frage kommenden Personen beteiligt. Die übrigen gehörten dem freien Verband an. Verlangt wurde eine geringe Lohnerhöhung und ver schiedenes andere. Eine Einigung wurde nicht erzielt, und der Arbeitgeberverband für das Wünsterland fündigte die Aussperrung an. Etwa 4000 hauptsächlich zum christlichen Verband gehörende Arbeiter erhielten die Kündigung. Noch vor Ablauf derselben beschloß der christliche Verband, den Kampf bedingungslos abzu brechen. Der Deutsche " Verband wurde zu dieser Beschlußfassun nicht hinzugezogen. Ganz unerwartet erfuhr jedoch die Situation