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Die Gleichheit

Dabei bemerkt Frau R. D. jedoch selbst, daß Frau Cauer jeden falls so geredet haben würde, wie die Redaktion der Gleichheit" schrieb inzwischen ist übrigens in Nr. 20 eine Richtigstellung er­folgt, wenn Diskussion gewesen wäre. Also! wozu die Aufregung? Weiter schreibt R. D.:

,, Mit einem Taschenspielerkunststückchen wird daraus der Anschein erweckt, ich hätte geschrieben, L. Z. verlangt das Frauenstimmrecht nur für die Arbeiterinnen, während sie das Wahlrecht für alle Frauen verlangt. Ja, so begriffsstuzig" sind unsere Leser doch wirk lich nicht, als daß ich es ihnen noch besonders hätte auseinander­zusetzen brauchen, daß die Sozialdemokratie das Wahlrecht für alle Großjährigen verlangt. Daß sie mehr die Notwendigkeit für die proletarischen Frauen betont, während wir wohl an diese, aber auch an die anderen denken, kann doch kaum bestritten werden. Daß Luise Zietz nicht den Antlang an Gretchens Ausspruch im" Faust":

" So ungefähr sagt das der Pfarrer auch,

Nur mit ein bißchen anderen Worten" merkte, erklärt ihre Verständnislosigkeit gegenüber meinem Satze." Man weiß nicht, was man dazu sagen soll. Wer sich so wenig flar und präzise ausdrückt, mit dem ist ein sachliches Polemisteren unmöglich, sondern da wird eine Auseinandersegung zum etlen Ge­zänt, zur Wortklauberei. Erst wird zugegeben, wir Sozialdemokraten verlangen das Wahlrecht für alle Frauen. Im nächsten Sage heißt es aber, im Gegensatz zu uns, die wir mehr die Bedeutung des Wahlrechts für die proletarische Frau betonen, dächten die bürger­lichen Frauenrechtlerinnen auch an die anderen. Verzeihen Sie, Frau Deutsch , aber das ist Unsinn, was Sie da schreiben. Sind unter allen Frauen nicht auch die anderen", das heißt die nicht prole­tarischen inbegriffen? Wenn aber Frau R. D. unser Bekenntnis zum demokratischen Frauenwahlrecht und jenes der bürgerlichen Frauen in Parallele stellt mit dem Bekenntnis Fausts und des Pfarrers zur Religion, so tann's mir recht sein, es ist das wirklich ein sehr, sehr treffender Vergleich, wenn man jene Stelle im" Faust" richtig würdigt!-

Was ich sonst über den Inhalt meiner Rede geschrieben habe, gibt R. D. als richtig zu und sagt entschuldigend, sie hätte nicht polemi­sieren oder den Inhalt meiner Rede wiedergeben, sondern nur ihre persönlichen Eindrücke schildern wollen. Dann läßt sich allerdings gegen ihre Berichterstattung" nur sagen, daß es feine Berichterstattung ivar; über persönliche Eindrücke läßt sich nicht streiten. Wenn nur meine Ausführungen über die Verfürzung der Arbeitszeit auf fie Eindruck machten, so ist es ihre persönliche Sache, aber alsdann darf sie nicht schreiben, ich hätte nur diese Forderung erhoben und erwarte alles andere von der sozialistischen Gesellschaft. In solcher Weise Eindrücke" schildern, wirkt, mit Verlaub zu sagen, wie eine Fälschung.

R. D. bestreitet alsdann, daß ich mich nur gegen die Art der Agi­tation unter den Arbeiterinnen gewandt habe wie sie vom Frauen stimmrechtsverband betrieben wurde. Sie ist sogar bereit zu beeiden, daß ich die bürgerliche Agitation unter diesen Frauenschichten schlecht­hin verurteilt habe. Auch ein Eid von R. D. wird an der Tatsache nichts ändern, daß ich solchen Blödsinn nicht geredet habe; wie er mir in den Mund gelegt wird. Daß auch Frau Cauer die von mir kritisierte Art der Agitation als nicht einwandfrei bezeichnete, darüber schweigt R. D. wohlweislich, geht doch aus diesem Ausspruch nur zu deutlich hervor, was ich an der Agitation verurteilt und als unfair bezeichnet hatte. Natürlich bestreitet R. D., daß die wirt­schaftliche Abhängigkeit der Mädchen ausgenutzt wurde, um diese für den bürgerlichen Verein zu kapern, und schreibt dann wörtlich:

Wenn die Inhaberin des Modeateliers, um das es sich handelt, ihren Arbeiterinnen eine halbe Freistunde gab, um Rosita Schwim mers Ausführungen zu hören, so tat sie das sicher nicht in eigen­süchtigem Interesse; von einem Pressen der Mädchen zum Beitritt war überhaupt keine Rede. Daß irgend eine der in Frage kommen­den Angestellten aus Furcht, die Arbeit zu verlieren, der Auffor­derung zum Beitritt Folge gegeben habe", ist eine völlig aus der Luft gegriffene Behauptung."

Dazu zweierlei: 1. Jch habe nicht der Inhaberin des Modeateliers den Vorwurf der Eigensüchtigkeit" und des Mitgliedererpressens gemacht, sondern dem Verband für Frauenstimmrecht. 2. Nur jemand, der vollständig weltfremd ist oder der sich absichtlich unwissend stellt, kann behaupten, daß kein moralischer Drud auf die Mädchen ausgeübt wird, wenn mit Zustimmung und im Beisein der Chefin im Atelier eine Pause in der Ar­beit gemacht wird, um den Vortrag einer Stimmrecht Yerin anzuhören und im Anschluß daran die Arbeiterinnen zum Eintritt in den Verband aufzufordern. Ich wage zu behaupten, auch Frau R. D. weiß ganz genau, daß die Arbeiterinnen aus diesem ganzen Arrangement den Schluß zogen: die Chefin

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wünscht unseren Eintritt, und daß der Wunsch der Chefin für die meisten Arbeiterinnen Befehl ist. Einen sanften" Druck auszuüben, die Mädchen für den bürgerlichen Verein zu ge winnen, war doch auch der Zweck der ganzen Übung, oder was wollte man sonst?

Und diese Art der Mitgliederwerbung" ist jener der Gelben" sehr, sehr ähnlich, dabei bleibt's, trop aller Bemäntelungsversuche. Die ganze Konfusion der Anschauungen der Frau R. D. wird wider. gespiegelt durch diesen Schluß ihrer Ausführungen:

" Ich möchte diesen ganzen Vorkommnissen keine allzu große Be deutung beilegen. Gut war diese Aussprache ja insofern, als 2. 3. veranlaßt wurde, zu erklären, es sei unser gutes Recht, unter den Arbeiterinnen zu agitieren und mit ihnen die Klingen zu kreuzen". Ich nehme den Vorschlag gern an. Aber daneben möchte ich doch zu erivägen geben, ob gegenüber der großen Masse der gleichgültigen, der allem Fortschritt feindlich gesinnten Frauen, gegenüber der großen Arbeit, die noch zu leisten ist, um unter den Frauen den Wust von Vorurteilen, die Trägheit, die Begriffestugigkeit zu überwinden, wir nicht Wichtigeres zu tun haben, als uns gegenseitig zu befehden. Ich erkenne die große Kulturtat, die die deutsche Sozialdemokratie unter der Arbeiterschaft ihres Landes geleistet hat, gern an; das wird mich aber nie hindern, die Menschlichkeiten ihrer Mitglieder da zu kritisieren, wo sie mir besonders start entgegentreten. Für die bürgerlich radikale Frauenbewegung gilt meiner Meinung nach das selbe, was die Demokratische Vereinigung in einer Resolution auf dem letzten Parteitag festgelegt hat: der Entschluß, nach wie vor ihre Selbständigkeit nach rechts und links zu wahren. Regine Deutsch ."

Schulmeisterlich legt D. R. den Finger an die Nase und belehrt uns, daß noch so viel, so viel zu agitieren ist unter den Indifferenten, und darum sollen wir die Polemit gegen die Bürgerlichen lassen, uns nicht befehden". Im gleichen Atem aber reklamiert sie für sich das Recht der Kritik an den Menschlichkeiten" der sozialdemokrati­schen Parteimitglieder. Sie spannt also das Recht der Kritik viel weiter als wir. Die Menschlichkeiten" oder menschlichen Schwächen der bürgerlichen Frauen gehen uns sehr wenig an, damit mögen sie sich selbst abfinden, die kritisieren wir nicht, dagegen um so schärfer ihre politischen Taten oder Unterlassungen. Und just weil es noch sehr viel Indifferente, Begriffsstuzige usw. gibt, gehört diese Stritit zu der notwendigen Aufklärungsarbeit. Ohne diese Kritik würde den Indifferenten und geistig Schwerfälligen nie die flare Erkenntnis der treibenden wirtschaftlichen und sozialen Kräfte im menschlichen Leben und im politischen Kampfe kommen. Und weil dem so ist, jammern wir nicht über Zeit und Kraftvergeudung bei notwendigen sachlichen Kritiken und Polemiken, sondern wir wissen, sie sind ein wichtiges Stück Agitationsarbeit, das geleistet werden muß im Interesse des zieltlaren Vorwärtsschreitens der proletarischen Frauenbewegung. Allerdings wünschen wir uns bei dieser Arbeit Gegner, die nicht ausweichen, sondern zu ihren Anschauungen stehen, und die sich klar und präzise ausdrücken und nicht mit so orakelhaften Wendungen schließen wie Frau Deutsch , die erklärt, die Selbständigkeit der bürgerlich radikalen Frauenbewegung wahren zu wollen, die ich sicherlich nicht angegriffen habe noch an­Luise Zieg. zugreifen beabsichtige.

Feststellung. In Nr. 25 des Freien Volt" hat Frau Deutsch die Ausführungen von Genossin Zietz in Nr. 19 der Gleichheit" zu entfräften gesucht. Vergebens. Ihre Wasser vermögen den Mohren nicht weiß zu waschen. Genossin Zietz befand sich zur Zeit auf einer größeren Agitationsreise, konnte daher nicht sofort antworten und wir wollten ihrer Erwidernng nicht vorgreifen. Frau Deutschs Po­lemit macht jedoch auch in eigener Sache eine furze Feststellung not­wendig. Die frauenrechtlerische Führerin entrüstet sich über unsere irrtümliche Mitteilung, Frau Cauer habe in einer der Berliner Ver­fammlungen zum Frauentag furz das Wort ergriffen. Und sie hat nur eine einzige Erklärung dafür: den persiden sozialdemokratischen Wunsch, Frau Cauer durch Lob zu isolieren". Zu dieser Behaup tung haben wir unserer Richtigstellung in vorletzter Nummer nichts hinzuzufügen, als daß gerade Genossin Ziet uns auf den bedauer lichen Frrtum aufmerksam gemacht hat. Als wir im Freien Volk" Frau Deutschs Unterstellung lasen, war die Berichtigung bereits seit mehreren Tagen gedruckt. Wir schickten der Redaktion die be treffende Nummer der Gleichheit" mit dem Vermert für Frau Regina Deutsch, die Berichtigung blau angestrichen. Frau Deutsch hat sich nicht veranlaßt gefühlt, daraufhin im Freien Volt" auch nur Mitteilung von der Berichtigung zu machen. Wir nageln das ohne Kommentar fest. Was übrigens den freundlich unterstellten Wunsch anbelangt, Frau Cauer, zu isolieren", so mag Frau Deutschs geängstigtes Gemüt sich beruhigen. Die Genossinnen haben wahr­lich Dringenderes und Besseres zu tun als offene Türen einzurennen

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