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Die Gleichheit
335 Genossinnen in die Partei aufgenommen worden. Von dieser Agitation abgesehen, fanden noch 4 öffentliche Frauen= versammlungen statt, die sich durchweg eines guten Befuches erfreuten. Der Frauentag wurde durch 3 Versammlungen begangen, zu denen aus allen Bezirken und Orten die Frauen und Mädchen zahlreich zusammengeströmt waren, um gemeinsam für ihre vollen Staatsbürgerrechte zu demonstrieren. Aus den leuchtenden Augen der Versammlungsteilnehmerinnen war Begeisterung und Ernst zu lesen. Die Volks- und Mitgliederversammlungen weisen eine andere Zusammensetzung auf, seitdem in steigendem Maße die Frauen daran teilnehmen. Das ist der beste Beweis, daß die Frau aus der Interesse= losigkeit erwacht, und daß sie sich mehr und mehr um die Vorfommnisse auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet kümmert. Im Anschluß an die Versammlungen der Genossin Röhl wurde für den ganzen Kreis eine Hausagitation vorbereitet. Um sie recht wirksam zu machen, hat der Kreisvorstand 5700 Eremplare der prächtigen Broschüre von Luise Zieß angeschafft:" Bist du eine der Unferigen?" Sie wird allen Frauen zugestellt, von denen angenommen werden kann, daß sie für unsere Organisation zu gewinnen sind. Einige Genossinnen suchen die Betref= fenden auf, um sie zum Beitritt zur Organisation zu bewegen. In 4 von den 21 Bezirken haben die Genossinnen diese Hausagitation schon mit großem Eifer und gutem Erfolg durchgeführt; in 10 Bezirken soll sie in allernächster Zeit vorgenommen werden. Wir hoffen, daß die Ergebnisse den Arbeitsmut der tätigen Genofsinnen stärken. Zwar hielten einige Bezirke die Hausagitation für nublos, doch wird die Erfahrung sie gewiß von deren Wert überzeugen. Anfang Dezember fand eine Bezirkskonferenz der Frauen statt, zu der Vertreterinnen und Vertreter der ersten neun sächsischen Wahlkreise delegiert waren. Der sechste Kreis hatte fünf Genossinnen entsendet. Genossin 3 i et referierte über das Thema:„ Wie gewinnen und schulen wir die Frauen für die politische Betätigung?" Die wertvollen Anregungen des Vortrags - insbesondere für die Agitation haben wir schon mit gutem Erfolg in die Praxis übertragen.
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Um die Frauen mit den Forderungen und Zielen der Sozialdemokratie immer vertrauter zu machen, werden in den einzelnen Bezirken Diskussionsabende abgehalten. In der Berichtszeit fanden insgesamt 74 solcher Diskussionsabende statt mit 37 Vorträgen und 29 Vorlesungen, außerdem sind achtmal gestellte Fragen beantwortet und diskutiert worden. Die Abende waren im allgemeinen gut besucht. Die niedrigste Besucherzahl betrug 14, die höchste 101. Jn 7 Bezirken finden die Diskussionsabende allmonatlich, in 2 Bezirken alle 3 Wochen und in 3 nach verschiedenen Zwischenzeiten statt. Um die Frauen, die den Ernst des Lebens schwer genug zu verspüren bekommen, auf einige Stunden von den Alltagssorgen abzulenken, wurden vier Unterhaltungsabende mit Rezitationen, Wanderabende und eine Wei h= nachtsfeier veranstaltet. Auch die Bezirke, in deren Bereich zurzeit noch keine Diskussionsabende stattfinden, werden sich wohl durch das stete Wachsen der Zahl der weiblichen Mitglieder veranlaßt fühlen, solche einzuführen. Wie sehr diese Einrichtung unserer Bewegung zugute kommt, das zeigt deutlich der neugegründete 18. Bezirk. In ihm sind nicht nur die Diskussionsabende sehr gut besucht, in ihm steigt auch beständig die Zahl der weiblichen Mitglieder, und die Genossinnen stellen einen besonders hohen Anteil der Versammlungsbesucher.
Wie in früheren Jahren, muß auch in diesem Jahre wieder der Wunsch ausgesprochen werden, daß man in die Bezirksverwaltungen zum wenigsten eine Genossin entsendet, damit die Genossinnen hier ihre Wünsche vortragen können. Leider haben bisher sieben Bezirke dieser Notwendigkeit noch keine Rechnung getragen. Trotz aller Schwierigkeiten ließen sich wohl auch in ihnen bei einigermaßen gutem Willen geeignete Genossinnen finden. Feststellen kann ich in diesem Zusammenhang, daß alle Genossinnen, die in den Bezirksverwaltungen, in der Kinderschußtommission oder sonstwie tätig waren, ihre Pflicht mit großem Eifer und Verständnis erfüllten. Stets waren sie zur Stelle, wenn es Arbeit für die Partei gab, und sie haben sie freudig geleistet. Ich will noch bemerken, daß Anfang des neuen Geschäftsjahres auch der von den Genossinnen längst ersehnte Fortbildungskursus beginnt. Die Teilnehmerinnen werden durch ihn gewiß ein gutes Stück vorwärts kommen und das Gelernte nußbringend für die Partei verwerten. Wir brauchen aber auch der Kräfte gar viele. Jedes Jahr stellt uns vor neue Aufgaben, und das zwingt uns, immer mehr Kräfte heranzuziehen und zu schulen. Wenn wir die große Zahl der Arbeiterfrauen und der erwerbstätigen Frauen und Mädchen betrachten und sie ver
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gleichen mit der Zahl unserer weiblichen Parteimitglieder, dann sehen wir, welche Riesenarbeit noch vor uns liegt. Darum wollen wir auch im neuen Arbeitsjahr für unsere Bewegung das Beste hergeben. Wenn alle Genossinnen in diesem Sinne mithelfen, dann können auch im neuen Jahre die Erfolge nicht ausbleiben. Hedwig Kurt .
Die Kreis- Frauenversammlung des sechsten sächsischen Kreises fand Mitte April statt. Zum ersten Punkte der Tagesordnung referierte Genossin Gradnauer über„ Die Kämpfe der Gegenwart und die Frauen". Die Rednerin hatte ihrem vortrefflichen Vortrag das Kaiserwort vorangestellt:„ Herrlichen Tagen führe ich euch entgegen". Gerade die Frauen der Arbeiterklasse spüren am stärksten die herrlichen Tage", in denen wir leben. Wie schwer haben sie doch als Hausfrau und Mutter und als Arbeiterin in unserer heutigen Wirtschaftsordnung zu leiden. Die neue Militärforderung und die noch immer anhaltende Teuerung berühren ganz besonders die Interessen der Frauen. Auch sie müssen die Frage aufwerfen: Wie schützen wir uns gegen die Vermehrung unserer Lasten? Die einzige Antwort ist: Durch Zusammenschluß in den Kampforganisationen des Proletariats. Um aber in den Reihen der Klassenbewußten Arbeiterschaft mit Erfolg mitwirken zu können, bedarf es des Verständnisses für die Vorgänge des öffentlichen Lebens. Das hierzu erforderliche Wissen zu erwerben, ermöglichen die Diskussionsabende, die Lektüre der „ Gleichheit" und der Frauenbeilage der„ Dresdener Volkszeitung". Reicher Beifall lohnte die ausgezeichneten Ausführungen. Hierauf wurden die Berichte für den Kreis und die einzelnen Bezirke erstattet. In der sich anschließenden lebhaften Debatte wurde manche wertvolle Anregung gegeben. Die Neuwahlen ergaben die Wiederwahl der unterzeichneten Vertrauensperson und ihrer Stellvertreterin. Mit der Aufforderung, auch im neuen Geschäftsjahr alle Kräfte einzusehen, um die Bewegung zu fördern, wurde die Tagung geschlossen. Hedwig Kurt.
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Politische Rundschau.
Der erste Aft der preußischen Landtagswahlen, die Wahlmännerwahlen, hat am 16. Mai stattgefunden. Der preußische Wähler wird nicht nur entrechtet durch das Dreiklassenunrecht von der Minderheit der Bevorrechteten abgesehen-, er wird auch noch entmündigt durch das indirekte Wahlsystem. Nicht er darf den Abgeordneten wählen, sondern dies tun erst die von ihm gewählten Mittelspersonen, die Wahlmänner. Indes die Parteien respektieren nicht den Unsinn des indirekten Wahlsystems, sondern stellen ihre Kandidaten schon zu Beginn des Wahlkampfes auf und verpflichten die Wahlmänner auf diese. Daher läßt sich bis auf wenige Fälle, in denen die Entscheidung auf des Messers Schneide steht, schon aus den Ergebnissen der Wahlmännerwahlen das der Abgeordnetenwahlen erkennen. Und so konnte man denn am 17. Mai bereits feststellen, was übrigens bei dem niederträchtigen Wahlsystem jeder schon vorher wußte, daß die Zusammensetzung des preußischen Abgeordnetenhauses feine wesentliche Änderung erfährt. Einige kleine Verschiebungen des Besitzstandes zwischen Konservativen, Zentrum und Liberaleu mögen eintreten, aber sie werden nicht von Belang sein. Die Nationalliberalen werden anscheinend ein paar Mandate gewinnen, die sie zum Teil dem Wahlabkommen mit den Fortschrittlern verdanken, während diese vermutlich die Geprellten bei dem Kuhhandel sind. Denn selbst wenn sie zwei gefährdete Berliner Wahlfreise, den 10. und den 12., in den Wahlmänner- beziehungsweise Abgeordnetenstichwahlen noch einmal gegen die Sozialdemokratie behaupten sollten, so würden sie voraussichtlich doch mit Verlust abschließen. Es wäre die verdiente Strafe für ihr Bündnis mit den Nationalliberalen, durch das sie ihre Wahlrechtsforderung schmählich verraten haben. Die Konservativen werden bestenfalls ein paar Mandate verlieren, vielleicht auch das Zentrum. Aber durch diese Verluste wird nichts an der Sachlage geändert, daß die Junker mit dem Zentrum oder mit den Nationalliberalen jederzeit eine ihnen genehme Mehrheit bilden können die erstere vornehmlich für Kirchen- und Schulreaktion, die zweite mehr für Unterdrückungsmaßregeln gegen Sozialdemokraten und die Arbeiter überhaupt, sowie gegen Polen und Dänen. Bestehen bleibt auch die Tatsache, daß das neue Dreiklassenhaus sich ebensowenig wie das verflossene freiwillig zu einer wirklichen Wahlreform entschließen wird. Die Reaktion hat wieder fünf Jahre gesicherter Herrschaft vor sich- wenn es allein aufs preußische Parlament antommt, wenn die Sozialdemokratie nicht die Arbeiterklasse zu einem energischen außerparlamentarischen Sturme nach belgischent Muster auf die preußische Junkerburg führen kann.
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