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Die Gleichheit

Gleichberechtigung des Mannesund der Frau in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht ist Anzeichen und Ursache der Verbildung und des Verfalls eines Volkes." Dieser lezte Saz ist auch im Original gesperrt. Es hieße unfreiwillige Komik abschwächen, wollten wir uns mit diesen erheiternden Aus­führungen auseinandersetzen.

Die fortgeschrittenen, denkenden Angehörigen der Arbeiter­klasse sind sich längst klar, daß sie ihre Forderungen gleiches Recht für alle und gleichen Lohn für gleiche Arbeit nur durch die organisierte Macht der Ausgebeuteten ohne Unterschied des Geschlechts durchzusehen vermögen. Diese Macht gilt es durch Aufklärung zu stärken und zu verbreitern. Was Herr Justizrat Schnauß als Typus der Besitzenden und Gebildeten zur Frage der Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts geschrieben hat, gibt uns eine Anregung mehr zu beharrlicher Agitation. Die Arbeiterklasse ist jenen Leuten nur Objekt der Ausbeutung. Deshalb geben sie sich gar nicht erst die Mühe, ihre Lage zu erforschen, ihre Forderungen zu verstehen und bei der Gesetzgebung zu berücksichtigen. Sie werden deshalb auch niemals begreifen, weshalb die Sozialdemokratie immer wieder und als einzige Partei in Theorie und Praxis die volle Gleichberechtigung der Frau und damit auch das Frauen­wahlrecht fordert, weshalb die Gewerkschaften hinter diesem Verlangen stehen. Gewiß ist die Macht der Feinde des Frauen­wahlrechts heute noch sehr stark. Jedoch auch sie wird auf die Dauer nicht stark genug sein, um das Drängen der Arbeiter­klasse nach der vollen Gleichberechtigung der Geschlechter und nach der vollen Befreiung der Menschheit aus wirtschaftlicher und sozialer Knechtschaft zu hemmen. Kommen wird, was kommen muß!"

Aus der Bewegung.

G. H.

Die Beteiligung der Genoffinnen an der sozialdemokratischen Landesversammlung für Sachsen , die Ende Juni in Plauen stattgefunden hat, verdient anerkennende Erwähnung. Unter den 95 Delegierten befanden sich 13 Frauen, und eine davon, Genossin Wack wit, wurde als Schriftführerin in das Bureau gewählt. Die Landesversammlung nahm den Geschäftsbericht des Landesvorstandes entgegen, den die Genossen Sinder= mann und Braune erstatteten, sowie den Bericht der Landtagsfraktion, der vom Genossen Uhlig gegeben wurde. Über die Gemeindesteuergesete referierte Ge­nosse Nitsche, den Vortrag über die Gemeindewahl­rechtsbewegung hielt Genosse Seger. Die agitatorische und organisatorische Arbeit der Partei ist durch die Ausführungen der Referenten und Berichterstatter wie durch die Debatte ge­fördert worden. Diese war, zumal zum Geschäftsbericht, sehr ein­gehend und ergiebig und bewies unter anderem, mit welchem Eifer die Genosfinnen in der Partei mitarbeiten und vorwärtsdrängen zu Neuerungen, die ihrer Ansicht nach zum Zwecke der immer weiter ausgreifenden Agitations- und Organisationsarbeit unter dem weiblichen Proletariat notwendig werden. Drei der vorliegen­den Anträge sind in diesem Sinne aufzufassen. Der 13. Wahlkreis, Leipzig - Land, forderte für§ 4 des Organisationsstatuts die fol­gende Fassung:" Für Sachsen besteht ein Landesvorstand von vier Personen, unter denen sich eine Genossin befinden muß." Die Ge­nossen des 10., 15., 16., 17., 19., 20. und 21. Wahlkreises be­antragten, daß die Zahl der Mitglieder des Landesvorstandes von drei auf fünf erhöht werde. Dieses Verlangen deckte sich in der Eache mit dem Leipziger Antrag. Ohne wie dieser das formale Muß auszusprechen, wollte er möglich machen, daß eine Genossin im. Landesvorstand Sih und Stimme erhielt. Der 16. Wahlkreis endlich hatte eine dahingehende Änderung des Organisationsstatuts beantragt, daß der Bezirksvorstand der Partei in Sachsen von sämtlichen Kreisen gewählt würde und Vertreter der organisierten Frauen, der Parteipresse, der Bildungs- und Jugendausschüsse umfasse. Um diese Anträge drehte sich eine lebhafte Aussprache. Die Genofsinnen Hennig, Schlaag, Hajlamasz, Nau­ mann , Friedrich, Fiedler und Wad wit beteiligten sich daran. Sie konnten für die Forderungen einer unmittelbaren Bertretung der Genossinnen im Landesvorstand und Bezirksvor stand auf das Beispiel der sozialdemokratischen Gesamtpartei ber­weisen und auf das Lob, das Genosse Sindermann der prole

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tarischen Frauenbewegung gespendet hatte. Er hatte rühmend her­vorgehoben, daß die Genossinnen in Sachsen für den Klassenkampf des Proletariats ein stattliches Amazonenkorps von 21 000 Strei­terinnen stellen, 14 Regimenter, wenn man die militärische Ein­teilung gelten läßt". Doch das Schwergewicht ihrer Begründung legten sie mit Recht auf die praktische Notwendigkeit und Zwed­mäßigeit, daß die Genossinnen unmittelbar in den beiden Körper­schaften mitarbeiten könnten, in denen alle Fäden der Partei­tätigkeit zusammenlaufen. Sie erwarteten von dieser Neuerung eine stärkere Belebung der Frauenbewegung und damit größere Erfolge für die gesamte Partei. Scharf betonten die Genofsinnen, daß es für sie nicht um Vorrechte und Eigenbröteleien gehe. Was fie erstrebten, sei ein Gebot praktischer Arbeitsteilung, dessen Durchführung die Genossen entlasten und die Genofsinnen zu er­weiterter und regerer Tätigkeit heranziehen solle. Die Genossinnen haben ihre Sache, die sie ganz richtig grundsätzlich und praktisch als die Sache der Gesamtheit betrachteten, mit Energie und Ge­schick geführt. Viel Treffliches haben sie dabei über die Bedeutung der Proletarierin als aufgeflärte, organisierte Mitkämpferin des Mannes gesagt, ebenso über ihr Walten als Mutter. Leider konnten sich die Genossen nicht von der mechanischen Auffassung des Gleichheitsprinzips freimachen, die die geschichtlich gegebenen Sonderverhältnisse nicht beachtet, mit denen unsere Frauenbewe­gung rechnen muß. Sie erblickten in den gewünschten Änderungen des Organisationsstatuts die berühmte Extrawurst" für die Frauen. Trotzdem hoffen die Genossinnen, daß die Diskussion nicht chne Nußen geblieben ist. Die Tagung beschloß die Anstellung eines Sekretärs für den Landesvorstand, dessen Tätigkeit sicher auch der Frauenbewegung zugute fommen muß. An Anregungen dazu werden sie es ihrerseits nicht fehlen lassen. Und daß diese auf fruchtbaren Boden fallen, dazu hat das Ein­greifen der Genossinnen in die Debatte beigetragen. Es hat flares Licht darauf geworfen, daß eine kraftvolle Unterstützung der prole­tarischen Frauenbewegung im wohlverstandenen Interesse der Partei liegt. Es hat gezeigt, daß unter den Proletarierinnen selbst sich allerorten Kräfte regen und entwickeln, die willig und fähig find, mit ganzer Hingabe für die Befreiung der Arbeiterklasse zu wirken.

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Aus den Organisationen. In Westpreußen eilt die proletarische Frauenbewegung zwar nicht im Sturm von Erfolg zu Erfolg, aber sie schreitet doch vorwärts. 1910 zählte die sozialdemokratische Parteiorganisation 367 weibliche Mitglieder, 1911 aber 670. 1912 gaben die Reichstagswahlen und der Frauentag allerorts in der Provinz den Anstoß zu Frauenversammlungen, die so gut ver­liefen, daß die Zahl unserer weiblichen Mitglieder auf 805 stieg. Wer den schweren Agitationsboden im Osten des Reiches kennt, der weiß diese Erfolge zu schäßen. Eine Episode aus der Reichstags­wahlkampf sei erwähnt. Im Dezember war der berühmte Orden­burg Januschau per Extrazug unter Gendarmeriebeglei­tung nach dem schwarzen Toltewit gekommen, um dort in einer öffentlichen Versammlung zu sprechen. Am selben Tage hatte ich mit unserem alten Genossen Perschon aus Elbing dort eine Hausagitation unternommen. Da wir vor Abgang unseres Zuges noch Zeit vor uns hatten, wollten wir den Junker Oldenburg sprechen hören. Wir begaben uns nach dem Versammlungslokal. Ein an der Saaltür postierter Herr wies mich jedoch mit den Worten ab: Damen haben keinen Zutritt."" Schade," meinte ich, gern hätte ich den Kammerherrn kennen gelernt." Darauf sprang galant ein Agrarier herbei, geleitete mich in ein Zimmer und zeigte mir den Kammerherrn ". Dieser verneigte sich, und ich tat das gleiche. Aber ich sollte bald weniger standesgemäß" behandelt werden. Wahrscheinlich hatte der Gendarm unterdessen verraten, wer ich sei. Denn man fiel mit dem Nufe über mich her: Raus, Frauenzimmer!" Gelassen erwiderte ich: Ehret die Frauen, fie flechten und weben himmlische Rosen ins irdische Leben."

In den gut besuchten Versammlungen des diesjährigen Frauentag 3 sprach mit gutem Erfolg. Genossin Ne mit­Berlin. Die letzten Landtagswahlen gaben Gelegenheit, die Frauen näher mit der preußischen Landespolitik vertraut zu machen. Versammlungen mit der Unterzeichneten als Referentin fan­den statt in Thorn, Graudenz , Marienwerder, Danzig , Leßlauerweide. Sie haben leider weniger befriedigt. Die Schuld daran liegt wohl an ungenügender Vor­bereitung und an der vorgeschrittenen Jahreszeit, wo die Feld­arbeit die Kräfte in Anspruch nimmt. Außerdem gehen in unseren ländlichen Gegenden die Leute lieber im Winter zur Versammlung, da sie da die Dunkelheit davor schüßt, von jedem erkannt zu wer den. Frauenleseabende einzurichten gelang nur in Dan­ zig , in Elbing mißlang der Versuch. In anderen Orten wie