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Die Gleichheit

nügend Aufträge geben würde. In Spremberg stehen von 1711 Webstühlen 359 still, also ein Fünftel. Seit langen Jahren hat man dort keinen so schlechten Geschäftsgang erlebt wie jetzt. Ebenso schlecht geht es in Rottbus, wo am 1. August von 2017 Webstühlen 380 stillstanden. In Neumünster hat sich der Ar­beitsmarkt gleichfalls verschlechtert. Betriebe, die lange Jahre keine flaue Zeit kannten, müssen jezt ihre Produktion einschränken. Einzelne davon haben den dritten Teil ihrer Webstühle stillgelegt. Bei der Firma J. H. Kracht müssen die Arbeiter 8 bis 14 Tage aussehen, bei der Firma Hanssen stehen die Hälfte der Web­stühle still. In Werdau sind von 469 Webstühlen nur 347 be= setzt. Diese Aufzählung könnte noch beliebig vermehrt werden. Die Folge ist in allen Fällen eine erhebliche Schmälerung des Ver­dienstes der Arbeiter.

Der wirtschaftliche Rückgang spiegelt sich auch in der Bewegung der Mitgliederzahlen. Es wurden gezählt:

Dezember 1912 März 1913 Juni 1913.

'

Mitglieder 142373

Davon weibliche

54427

143534

55417

143613 142482

55634

55130

Juli 1913.: Es ist eine leider immer wiederkehrende Erscheinung, daß in Zeiten ungünstiger Erwerbsverhältnisse dem Verband Mitglieder berloren gehen. Wer von der Notwendigkeit gewerkschaftlicher Or­ganisation nicht durch und durch überzeugt ist, wird in solchen Zeiten leicht fahnenflüchtig. Der Niedergang des Wirtschafts­lebens zwingt die Gewerkschaft zu vorsichtigem Vorgehen. Die Verkennung dieses Zwanges läßt so manchen ihre Tätigkeit schief beurteilen, und die Folge davon ist Mitgliederverlust bei rück­läufigem Geschäftsgang. Hierin Wandel zu schaffen, ist eine Auf­gabe, die der Mitarbeit aller wert ist, vor allem auch der unserer Frauen. Für die Monate September und Oktober ist eine größere Agitation planmäßig vorbereitet, die sich besonders an die Frauen wenden soll. In den nächsten Tagen wird der Ruf zu eifriger Mit­arbeit dabei ergehen. Bei solchen Gelegenheiten haben wir in den letzten Jahren bei den proletarischen Frauen das nötige Verständ­nis gefunden. Diesmal gilt es aber ganz besonderer Anstren­gungen. In den Zentren der Textilindustrie brauchen wir Hun­derte von Werberinnen, denn gerade die Reihen der weiblichen Mitglieder im Verband müssen ganz erheblich gestärkt werden. Die Arbeiterinnen überwiegen in den Fabriken, darum muß ihre Zahl auch im Verband der der Männer mindestens gleichkommen. Wie oft müssen heute die Arbeiterinnen mit ihren berechtigten Wünschen zurücstehen, weil sie noch zu schwach organisiert sind! Ohne eine stärkere Organisierung der ausgebeuteten Frauen ist es unmöglich, ihre Sache wirksam zu vertreten, ist es unmöglich, für sie den freien Sonnabendnachmittag zu erobern. In den nächsten Wochen ist allen weiblichen Mitgliedern des Verbandes Gelegenheit gegeben, Tausende und Abertausende ihrer Arbeits­schwestern aufzuflären, um fie für die Organisation zu gewinnen. Tue jede ihr Bestes!

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sk.

Aus der Handlungsgehilfenbewegung. Im Jahre 1912 konnte der Zentralverband der Handlungsgehilfen nach dem gedruckt vorliegenden Bericht seine Mitgliederzahl um 2987 vermehren, sie wuchs auf 18 489 an, darunter 11 385 weibliche Mitglieder. Die Einnahmen des Verbandes stiegen von 188.874 Mt. im Jahre 1911 auf 245 499 Mt. im Jahre 1912, die Aus­gaben erhöhten sich in dieser Zeit von 174 558 Mt. auf 229 988 Mt. An Stellenlosenunterstübung wurden im Berichts­jahr 15 799 Mt. ausgezahlt. Die Ausgaben für Unterstüßungs­zwecke werden erheblich wachsen, weil mit dem 1. Juli dieses Jahres die neu beschlossenen Unterstützungszweige Kranken-, Umzugsunterstüßung, Sterbegeld eingeführt worden sind und außerdem auch die Stellenlosenunterstützung ausgebaut worden ist. Der Verband hat am 1. Juli 1912 Staffelbeiträge eingeführt, die namentlich dazu beitragen sollen, die Agitation unter den schlecht bezahlten weiblichen faufmännischen Ange­stellten erfolgreicher zu gestalten. Im Jahre 1912 wurden vom Zentralverband eine Reihe von Bewegungen für bessere Ar­beitsbedingungen geführt, die in 69 Fällen mit Tarifabschlüssen endeten. Ende 1912 waren insgesamt 119 Tarife in Kraft, die 7308 Personen erfaßten. In einer Reihe von süddeutschen Waren­häusern wurden erfreuliche Erfolge erzielt; so gelang es im Warenhaus Louvre in Straßburg i. Els., die Geldstrafen gänzlich zu beseitigen. Die Errungenschaften gewerkschaftlicher Tätigkeit sind um so bemerkenswerter, als es bisher noch keiner anderen Handlungsgehilfenorganisation gelungen ist, in ähnlicher Weise Einfluß auf die Gehalts- und Arbeitsverhältnisse ihrer Mitglieder auszuüben. So hat sich zum Beispiel der Kauf­

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männische Verband für weibliche Angestellte" wohl für Tarifverträge ausgesprochen, allein er hat es noch nicht in einem einzigen Falle zum Abschluß eines solchen gebracht. Auf sozialpolitischem Gebiet war im Jahre 1912 die Wahl der Ver­trauensmänner zur Angestelltenversicherung das wichtigste Ereignis für die organisierten Handlungsgehilfen. Wir haben an dieser Stelle wiederholt darüber berichtet. Der Jahresbericht beweist aufs neue, daß die gewerkschaftliche An­gestelltenbewegung Fortschritte macht. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen ist allmählich zu einer Gewerk­schaft herangewachsen, deren innere Einrichtungen einen Ver gleich mit sehr vielen übrigen Verbänden aushalten. Hoffentlich wird auch bald die Zeit kommen, in der es zu einer Seltenheit gehört, daß besonders Arbeitertöchter, die im Handelsgewerbe tätig sind, entweder gar nicht oder aber in bürgerlichen Verbänden or F. O. ganisiert sind.

Genossenschaftliche Rundschau.

Gegen Ende August wurde in Glasgow , der schottischen Handels­und Industriemetropole, der neunte Kongreß des Inter­nationalen Genossenschaftsbundes abgehalten. Die Parteipresse hat ausführlicher darüber berichtet, an dieser Stelle genügt eine furze und kritische Übersicht. Der Internationale Be nossenschaftsbund hat seinen Sitz in London . Er wurde von bürger­lichen Genossenschaften ins Leben gerufen und ist als ein Bund von Genossenschaften aller Art und aller Länder gedacht. Seit einigen Jahren übt der Zentralverband deutscher Konsumbereine neben den englischen Konsumvereinen einen starken Einfluß auf die organisatorische Gestaltung und Weiterentwidlung des Bundes aus. In dem Maße, wie die Konsumvereine diesen Einfluß ver­stärken, verlieren die kleinbürgerlichen Genossenschaftsarten den Geschmack am Bund. So sind die wichtigsten dieser Genossen­schaften, die Kreditgenossenschaften, fast gar nicht mehr in ihm vertreten. Die großen Allgemeinen Verbände in Deutschland und Österreich sind auch abgerückt, und neuerdings hat sich sogar ein besonderer Internationaler Bund der landwirtschaftlichen Ge= nossenschaften gebildet. Diese Entwicklung wird sicher durch einen Beschluß des vorletzten Kongresses des Internationalen Genossen­fchaftsbundes, der in Hamburg stattfand, gefördert; darin werden die Konsumvereine ganz richtig als die sozial bedeutsamste und wichtigste Genossenschaftsart erklärt. Auf dem Kongreß vertrat allerdings ein bekannter deutscher bürgerlicher Vertreter die ent­gegengesetzte Auffassung. Nach und nach wird jedoch der Inter­nationale Bund in denselben Geruch kommen, wie in Deutschland der Zentralverband der Konsumvereine: er wird als eine sozia listische Einrichtung verschrien werden, die mit Hilfe der Genossen­schaften die bestehende Wirtschaftsordnung ändern will. In dieser Richtung sich bewegende utopische Reden und Beschlüsse des Inters nationalen Genossenschaftsbundes helfen eine solche Auffassung nur verstärken. Auf der anderen Seite verwahrt man sich freilich dagegen, daß den Konsumvereinen im Bunde eine derart beherr schende Stellung eingeräumt werden soll beziehungsweise tatsäch­lich schon eingeräumt ist. So betonte der Vorsitzende in seinem Referat über den Charakter des Bundes mit großem Nachdruck, daß der Bund nicht lediglich eine Organisation der Konsumvereine sei, daß er vielmehr das alle Genossenschaftsarten einigende Band der Grundsäße" sei. Der Herr hat dabei nur übersehen, daß cs solche einheitliche Grundsäße nicht gibt, daß vielmehr die Be strebungen der Konsumvereine häufig genug mit dem Wesen und den Tendenzen anderer Genossenschaftsarten kollidieren, zum Teil ihnen gerade entgegengesetzt sind. Von deutscher und anderer Scite wurde dem Referenten, wie die Kongreßberichte erkennen lassen, denn auch entgegengetreten. Das Ergebnis aber war die Annahme einer Resolution, die alle wahren(!) Genossenschaften und Ge­nossenschaftsverbände" zum Anschluß an den Bund einladet! Der Internationale Genossenschaftsbund wird trotz aller derartig un­flarer und die wirkliche Sachlage verwischender Beschlüsse bald ein Bund lediglich der Konsumvereine sein. Das ist die folgerichtige und im Interesse der Konsumvereine liegende Entwicklung. Erklärt doch selbst der gegen alle Genossenschaften sehr tolerante Sekretär des Bundes, Dr. Hans Müller, in seinem schriftlichen Bericht über die Tendenz der Entwicklung: Es kann kein Zweifel dac­über obwalten, daß in den letzten drei Jahren( seit dem Ham­burger Kongreß) noch mehr als bisher die Konsumgenossenschaften und ihre Verbände das starke und feste Rückgrat unseres Bundes geworden sind." Der Verlauf und die Erörterungen des Kongresses bestätigen das durchaus. Noch keiner der Vorgänger der Glasgower Tagung war wohl so stark mit Dingen beschäftigt, die speziell die