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Die Gleichheit

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Nr. 2

den angeblich geistig so hochentwidelten Männern zu suchen sei, erfolgte feine flare Antwort. Der Flottenfreund Fräulein Lisch­newskas, der bekannte Rechtsanwalt Claß, wollte die politische Tätigkeit der Frauen darauf beschränkt wissen, daß sie in ent scheidenden politischen Situationen die Männer beraten dürf

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ten. Heuer wollte nun der frauenrechtlerische Verein eine Tat hinter die kühne Aufforderung der Führerin setzen. Es sollte etwas Besonderes, Systematisches für die politische Schulung und Or ganisierung der bürgerlichen Frauen, geschehen. Der Verein ließ einen Vortragszyklus abhalten, der den Zweck verfolgte, die Mit­glieder mit den Forderungen der politischen Parteien bekannt­zumachen und zur politischen Organisierung zu bewegen. Die ver schiedenen Parteien sollten durch eigene Angehörige geschildert werden. Herr Dr. eller sprach als Vertreter der nationa l- liberalen Partei über aufsässige Volksgenossen Dänen,

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Polen, Französlinge, gegen die der Hieb die beste Deckung sei; über Kolonialerwerb, der eine Lebensnotwendigkeit geworden; über die Genußsucht des Volkes, die zu befriedigen seine Partei niemals sich herbeilassen werde, und über dergleichen mehr. A ber mit feinem Wort streifte er die Wahlrechts­frage. Erklärlich für jeden, der die offene Feindschaft der Na­tionalliberalen gegen ein wirklich demokratisches Wahlrecht fennt. Aber was soll man dazu sagen, daß von den waderen frauenrecht­lerischen Kämpferinnen für das Frauenwahlrecht trotz Aufforde rung der Vorsitzenden nicht eine einzige den Mut fand, über diesen wichtigen Punkt Klarheit zu fordern. Einer in der Versammlung anwesenden Genossin blieb es vorbehalten, die ominöse Frage zu stellen. Nun kam die etwas verlegene, aber deutliche Antwort: daß ganz gewiß eine Reihe jüngerer Mitglieder in der nationallibe­ralen Partei dem Frauenwahlrecht sympathisch gegenüberstehe, es sei aber nicht zu leugnen, daß die Partei als Ganzes diese For­derung ablehne. Und trotzdem gibt es frauenrechtlerische Damen, die der nationalliberalen Partei nachlaufen und begeistert für fie wirken. Das bürgerliche Klassenintereffe macht das begreiflich. Es ist stärker als die Liebe für die politische Gleichberechtigung. Genosse Redakteur Munt behandelte das sozialdemokra tische Programm und die Stellung unserer Partei zum allge­meinen Wahlrecht. Es erübrigt sich, hierüber an dieser Stelle zu schreiben. Selbst von gegnerischer Seite ist es längst anerkannt, daß die Sozialdemokratie die Forderung des Wahlrechts auch für die Frauen am frühesten vertrat und am ehrlichsten versicht. Wenn die Frauenrechtlerinnen trotzdem immer zahlreicher und entschie­dener die Sozialdemokratie bekämpfen, so erklärt sich das wiederum aus dem Interesse, das sie als Angehörige der besitzenden und aus­beutenden Klassen daran haben, daß diese göttliche Weltordnung" der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen bestehen bleibt. Vom Vertreter des Zentrum 3 ist die unverhüllte Aufrichtigkeit zu loben, mit der er betreffs des Frauenwahlrechts erklärte: Das Zentrum lehnt es ab, Utopien nachzujagen." Allerdings gibt es auch Zentrumsmänner sogar Geistliche, die anders können" und sich für das Frauenwahlrecht erklären. Aber was gab der Ver­treter der Fortschrittlichen Volkspartei zum besten, die der Trost und die Hoffnung der liberalen" Frauen ist? Herr Professor Dr. Bogt- Gießen war ein sehr liebenswürdiger und geistreicher Plauderer. Aber um so bitterer mußte die Bille schmecken, die er den Damen zu schlucken gab, den Stimmrecht fordernden Damen: Wir( die Fortschrittliche Volkspartei) haben die Zukunft, denn wir haben die Frauen. Und wir haben die besten Frauen, troßdem sie sich bei uns erst erfämpfen müssen, was die sozialdemokratische Partei den Frauen längst, längst ein­geräumt hat: die Forderung des Wahlrechts." Also erklärte der Herr Professor, und er fügte hinzu, dieser Forderung werde seine Partei erst nähertreten, wenn sie sich als Volkswille bekunde. Vor­läufig jedoch sei es nur eine ganz, ganz kleine Minderheit, die das Wahlrecht für die Frauen fordere. Mein Liebchen, was willst du noch mehr?" Man hätte erwarten sollen, daß die Vorsitzende des Frauenstimmrechtsvereins in ihrer Schlußansprache die Stellung der verschiedenen Parteien zum Frauenwahlrecht kritisch beleuchtet hätte. Mit feinem Wort tat sie das! Dagegen hielt sie es für an­gebracht, darauf hinzuweisen, daß die Mitglieder des Vereins so furchtbar selbstlos sind, den Vortragenden dafür zu danken, daß fie auch die Stellung zum Frauenwahlrecht gestreift hätten, trok­dem das doch nicht verlangt worden sei. Kann man die Bescheiden­heit weiter treiben? Und mit solcher Politik der Schwächlichkeit glauben Frauenrechtlerinnen das Wahlrecht zu erobern. Jedenfalls zeigten die Dinge auch mal in Mainz, daß die Frauen des ar­beitenden Volkes ihr Bürgerrecht nicht von den Damen zu erhoffen haben, sondern von dem eigenen Rampf, zusammen mit der So­Bialdemokratie. Fr. Gerlinger.

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Die Frau in öffentlichen Aemtern.

Die erste Schulärztin in Berlin ist ernannt worden: Dr. Martha Ulrich. Es hat recht lange gewährt, bis man sich in der Reichs. Hauptstadt zu diesem dringend nötigen Fortschritt verstehen konnte. Frauen in der Charlottenburger Waisenpflege. Der Magistral von Charlottenburg bestellte 3 Frauen als Waisenpflegerinnen. In das reorganisierte Ministerium für das Erziehungswesen im Staate Kalifornien hat der Präsident unter sieben Mitgliedern auch eine Frau berufen: Mrs. Agnes Ray aus Oakland. Seit 10 Jahren hat sie sich eingehend mit den öffentlichen Schul- und Erziehungsangelegenheiten beschäftigt; fie hat Universitätsbildung und war früher als Schullehrerin tätig.

Verschiedenes.

Ein Erfolg sozialdemokratischer Lehrerinnen in der Schweiz. Denkwürdig wird die diesjährige Schulsynode des Kan­tons Zürich bleiben, das heißt die offizielle Jahresversamm­lung der gesamten Lehrerschaft von der Volksschule bis hinauf zur Hochschule. Die oberste Erziehungsbehörde im Kanton erläßt alljährlich ein Preisausschreiben über irgend eine Schulfrage oder über die Abfassung von Lehrmitteln für die Volksschule. An der Synode wird jeweils nach einer kurzen Besprechung der ein­gegangenen Arbeiten das Ergebnis dieses Wettbewerbs verkündet. Dann erfolgt die Öffnung der verschlossenen Umschläge, die die Namen der prämiierten Verfasser enthalten. Es ist dies jedesmal ein Augenblick feierlicher Spannung. Für dieses Jahr lautete die Preisaufgabe: Abfassung eines Lesebuchs für die zweite und dritte Klasse der Elementarschule. Es waren verschiedene Arbeiten eingegangen, die kurz charak terisiert wurden. Die mit dem ersten Preis ausgezeichnete trug das bezeichnende Motto:" Chömmed Buebe- n und Maidli und schaffed tüchtig, das er öppis werded im Läbe." Das Urteil der dischen sowohl wie der stofflichen Durcharbeitung wurde das höchſte Prüfungskommission lautete außerordentlich günstig. Der metho Lob gespendet. Um so größer war das Interesse, den Namen des so ausgezeichneten Verfassers zu erfahren, und nun folgte die große überraschung: drei Lehrerinnen hatten sich zur er­folgreichen Lösung der Aufgabe zusammengetan, nämlich die Ge­nossinnen Lina Gubler, Agnes Robmann und Eli­sabeth Schießer. Spontaner Beifall brach los, denn es ist das erstemal, daß Lehrerinnen mit einem ersten Preis be­dacht wurden. Es sei hervorgehoben, daß die ausgezeichneten Ge­nossinnen sich eifrig in der Arbeiterbewegung betätigen und Mit­glieder der sozialdemokratischen Lehrervereinigung Zürichs find, die 70 Mitglieder zählt. Am Bankett, das auf die offizielle Tagung folgte, brachte Herr Erziehungsdirektor Dr. Locher einen Toast auf die Lehrerinnen aus. Verschiedene Anwesende konnten sich dabei eines Lächelns nicht erwehren. Der gleiche Herr war ein Miturheber des famosen Gelegenheitsgesehleins gegen die ver­heirateten Lehrerinnen, von dem hier in der Nummer vom 13. No­vember 1912 die Rede gewesen ist. Man sieht, hohe Herren können ihre Ansichten bisweilen überraschend schnell ändern. Wenn sie aber nach vorwärts und nicht nach rückwärts umlernen, so können wir des zufrieden sein.

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Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bettin( Sundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bet Stuttgart.

Druck und Berlag von J. H. W. Diez Nachf. G.m.b.g. in Stuttgart.