Nr. 9

24. Jahrgang

Die Gleichheit

Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen

Mit den Beilagen: Für unsere Mütter und Hausfrauen und Für unsere Kinder

Die Gleichbeit erscheint alle vierzehn Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pfennig, durch die Post vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pfennig; unter Kreuzband 85 Pfennig.

Jabres- Abonnement 2,60 Mart.

Inhaltsverzeichnis.

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Stuttgart

21. Januar 1914

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Unser Tag. Von Luise Ziez. Der Triumph des Säbels. Die Tätigkeit der Frau in der Gemeinde. XII. Von Anna Blos . Zwei amerikanische Bergarbeiter- Engel". II. Annie Clemenc. Ein Jahr der Reaktion und des Imperialismus. I. Von H. B. Frauenarbeit im Mittelalter. Von August Erd.nann. Berufs­fragen der Bürsten- und Pinselmacher. Von fk. Aus der Bewegung: Andreas Scheu zum 70. Geburtstag. Von der Agitation. Politische Rundschau. Von H. B.- Gewerkschaftliche Rundschau. Eine Konferenz der Hartgummidrechsler. Bon fk. Notizenteil: Fürsorge für Mutter und Kind. Sozialistische Frauen­bewegung im Ausland. Frauenstimmrecht. Die Frau in öffentlichen Ämtern. Verschiedenes.

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Unser Tag.

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Genossinnen, rüstet eifrig und umsichtig für unseren dies­jährigen Frauentag! Angesichts der Gesamtsumme der wirt­schaftlichen und politischen Verhältnisse, in Rücksicht auf den vom Parteivorstand und ausschuß gefchten Beschluß, daß unser Frauentag im ganzen Reiche eine rote Woche einleiten soll, ist das doppelt Ehrenpflicht für uns. Wir müssen Sorge tragen, daß der Frauentag nicht nur eine glänzende Demon­stration für die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts, sondern darüber hinaus der Ausdruck einer Re­bellion gegen den Kapitalismus, eine leidenschaftliche Kampf­ansage all den reaktionären Maßnahmen der Besißenden und ihrer willfährigen Dienerschaft, der Regierung, Maßnahmen, wie sie in der Periode des Imperialismus in ununterbro­chener Reihenfolge Schlag auf Schlag erfolgen.

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Was haben wir in dieser Beziehung.nicht alles erlebt! Die wahnsinnigen Rüstungen siehe die Annahme der letzten siehe die Annahme der letzten ungeheuren Militärvorlage- und die damit erfolgte enorme Verstärkung der organisierten Machtmittel der Besitzenden, die Proklamierung und Anwendung der Säbeldiktatur, die aufreizenden Klassemurteile wider Streifsünder" und die milden Urteile über Streitbrecher, den immer wütender wer­denden Sturmlauf gegen das Koalitionsrecht, die wichtigste Waffe der Ausgebeuteten im Kampfe für ihren sozialen Auf­stieg, das vollständige Versagen von Gesetzgebung und Ver­waltung, sobald es sich um die Erfüllung sozialer Pflichten handelt, so um die Fürsorge für die Opfer unserer heutigen anarchischen Wirtschaftsweise, für die Arbeitslosen mit ihren Familien, von vielem anderen zu schweigen.

Immer dort, wo wir mit dem lebendigen Interesse, mit dem regen Eifer und Fleiß, mit der forgenden Umsicht ar­beiten, wie sie nur die glühende Hingabe für unser großes herrliches Endziel erzeugt, werden wir auch Glänzendes voll­bringen. Genossinnen, zeigt also, was ihr könnt! Zum All­gemeingut breiter Schichten der Arbeiterklasse wird dann in wachsendem Maße die klare und unumstößliche Erkenntnis werden, daß das Proletariat der Mithilfe der Frauen bei den ständig schärfer werdenden Klassenfämpfen immer weniger entbehren fann. Das Bewußtsein wird sich verstärken und vertiefen, daß ebensogut wie die Frauenfrage nur ein Teil

Zuschriften an die Redaktion der Gleichheit sind zu richten an Frau Klara Zetkin ( Zundel), Wilhelmshöhe, Post Degerloch bei Stuttgart . Die Expedition befindet sich in Stuttgart , Furtbach- Straße 12.

der großen sozialen Frage ist und erst mit dieser ihre volle Lösung finden kann, so auch umgekehrt das volle Bürgerrecht der Frau einen wichtigen Faktor, eine glänzende schneidige Waffe im Befreiungskampf der arbeitenden Klasse darstellt. Und dies festgewurzelte Bewußtsein wird wiederum zur wir­fenden Kraft in unserem Kampfe um politische Frauenrechte werden, indem es bei Mann und Frau unserer Klasse hier den Willen erzeugt, dort ihn stärkt, mit doppelter Energie diesen Kampf weiterzuführen.

Gleichzeitig soll unser Tag aber auch in ständig wachsendem Maße der Erweckung, der Aufrüttelung Indifferenter, ihrer Einreihung in unser Kampfheer dienen. Deshalb ist eine sehr umfassende Voragitation vonnöten, durch die die breitesten Volksschichten erfaßt werden. Vom Vorstand werden wir wie seither ein einfach geschriebenes, anfeuerndes Flugblatt her­ausgeben. Es wird Mitte Februar in den Händen der Be­zirksleitungen sein.

Pflicht der Genossinnen ist es, allerorts dafür einzutreten, daß dieses Musterflugblatt oder auch ein anderes, wenn die Bezirke selbständig ein solches herausgeben, die weiteste Ver­breitung findet. Ferner werden wir an die politische Presse anspornende Artikel und Notizen senden, die der Belebung der Voragitation dienen sollen. Das Arbeiterinnensekretariat wird in der gleichen Weise durch die gewerkschaftliche Presse wirken. Zusammen mit dem Flugblatt wird eine Resolution zur Versendung gelangen. Den Rednern und Rednerinnen diene zur Nachricht, daß schon Mitte Februar eine besondere Nummer der Parteikorrespondenz das wichtigste Material und Literaturangaben veröffentlicht. Den Wunsch nach Refe­rentinnenvermittlung bitten wir frühzeitig an uns zu richten. Je mehr das beachtet wird, um so besser können die Wünsche erfüllt werden.

Selbstverständlich werden wie seither Zirkulare die Be­zirksleitungen und durch diese die Kreise über den Frauentag informieren wie noch außerdem über die rote Woche. Die Ge­nossinnen, die in den Bezirks-, den Kreis- und Ortsleitungen fizen, erfahren also die Einzelheiten, und sie haben sich mit den Vorständen und mit den tätigen Genossinnen rechtzeitig zu verständigen. Redaktion und Verlag der Gleichheit" wer­den wiederum eine illustrierte Frauenwahlrechtszeitung her­ausbringen. Die prächtig ausgestaltete Zeitung der ver­gangenen Jahre ist unseren Genossinnen bekannt, sie werden auch die große agitatorische Wirkung des Blattes zu schätzen wissen. Deshalb haben sie die Pflicht, noch mehr als seither für die weiteste Verbreitung der Zeitung zu sorgen. Dazu gehört vor allem, daß sie sich rechtzeitig mit den Ortsvor­ständen einigen über die Zahl der zu verbreitenden Exem­plare, daß die Bestellungen sofort aufgegeben werden, damit die Zeitung Mitte Februar überallhin zum Versand gelangen kann. Und Ehrenpflicht der Genossinnen ist es sodann, die Verbreitung zu übernehmen, das heißt den restlosen Absatz. Genossinnen, mit dem Vorstehenden ist erschöpft, was wir vom Vorstand der Sozialdemokratie für das Gelingen unseres Frauentags tun können. Das übrige ist eure Sache! Be­