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Die Gleichheit
dern sich auch diese allgemeinen Fragen vorzulegen. Je klarer ihre Antwort darauf ist, um so fruchtbarer und nachhaltiger wird ihr Wirken sein. Marie Hartung, Königsberg .
Ein offener Weihnachtsbrief englischer Frauen an die Frauen in Deutschland und Österreich .
Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!
,, Schwestern! Einige von uns drängt es, Euch in dieser traurigen Weihnachtszeit ein paar Worte zu sagen, obgleich wir nur durch die Presse miteinander sprechen können. Die Weihnachtsbotschaft flingt ja wie ein Hohn in einer Welt im Kriege. Aber diejenigen unter uns, die den Frieden wünschten und noch wünschen, möchten gewiß trotzdem einen feierlichen Gruß denen von Euch entbieten, die wie wir fühlen. Laßt uns nicht vergessen, daß gerade unsere Seelennot uns verbindet, daß wir zusammen den nämlichen Schmerz und Kummer erleben.
Was können wir jetzt tun, nachdem wir von denselben schrecklichen Umständen überfallen worden sind? In das stürmische Meer der menschlichen Konflikte geschleudert, können wir nur Ankergrund an jenen ruhigen Küsten suchen, von denen wie Felsen die ewigen Wahrheiten grüßen: Liebe, Frieden, Brüderlichkeit.
Wir bitten Euch), darauf zu bauen, daß, was auch immer kommen möge, wir an unserem Glauben festhalten, daß Frie den und Wohlgefallen zwischen den Nationen herrschen soll. Während wir uns äußerlich nach dem Gebot unserer Regie rungen als Feinde gegenüberstehen, gehorchen wir jenem höheren Gesetz, das uns vorschreibt, mit allen Menschen im Frieden zu leben.
Obgleich unsere Söhne ausgesandt sind, einander zu erschlagen, und unsere Herzen unter der Grausamkeit dieses Schicksals bluten, wollen wir auch im herbsten Leiden unserer gemeinsamen weiblichen Natur treu bleiben. Wir wollen diese Tragödie, in der das Lebensblut unserer Besten fließt, frei von Verbitterung halten, wir wollen nicht, daß das Heldentum der Opfer, die sie kostet, durch Haß verkleinert werde. Gewiß ist auf allen Seiten viel geschehen, was Ihr ebenso tief beklagen werdet, wie wir es beklagen. Allein wollen wir uns nicht trotzdem standhaft weigern, den falschen Gerüchten Gehör zu schenken, die uns so reichlich voneinander erzählt werden?
Wir hoffen, daß es Eure Sorgen vermindern wird, wenn Ihr erfahrt, daß wir unser möglichstes tun, um das Los Eurer Landsleute zu mildern, die als Zivil- oder Kriegsgefangene in unserer Heimat sich befinden, ebenso wie wir auf Eure Herzensgüte vertrauen, daß Ihr das gleiche für die englischen Gefangenen in Deutschland und Österreich tut.
Fühlt Ihr nicht wie wir, daß das furchtbare Gemezel unserer sich gegenüberstehenden Heere einen tiefen Schatten wirft auf die Kultur und das Christentum? Daß noch gröBeres Entseßen ausgelöst wird bei dem Gedanken an jene unschuldigsten Opfer: an die zahllosen Frauen, Kinder, Säug linge, Greise und Kranke, die in den verheerten Gegenden sowohl im Osten als im Westen von Hunger, Krankheit und Tod verfolgt werden?
Wie wir in Südafrika und in den Balkanstaaten gesehen haben, fallen die größten Schrecken der modernen Kriege auf Nichtkämpfer, und das Gewissen der Welt kann diesen Anblick nicht ertragen.
Ist es nicht unsere Aufgabe, Leben zu bewahren? Gebieten uns nicht Menschlichkeit und Vernunft zusammen, den Frauen der neutralen Länder die Hände zu reichen und unsere Regierungen zu drängen, weiterem Blutvergießen Einhalt zu tun? So Großes die Hilfe für die Opfer des Krieges auch immer leisten mag, sie kann doch nur wenige erreichen. Sollen wir still dasigen und die Hilflosen zu Tausenden sterben lassen? Denn sterben müssen sie, wenn wir nicht im Namen der Menschlichkeit unsere Stimmen erheben, um sie zu retten. Es
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gibt nur einen Weg dazu. Wir müssen darauf hindrängen, daß Friede geschlossen wird, wir müssen an die Einsicht und Vernunft der Menschen appellieren. Können wir zu früh mit diesem Appell beginnen, wenn es gilt, die Frauen und Kinder ebenso wie die Männer Europas zu retten?
Das. Waffengetöse vermag die Stimme unseres Dichters nicht zu übertönen:
Hundert Nationen schwören, daß in Zukunft herrschend seien Mitleid, Liebe, Frieden, Freundschaft für die Guten und die Freien. Möge Weihnachten den Anbruch dieses Tages beschleunigen. Der Friede auf Erden ist dahin, wir aber wollen unseren Glauben bekräftigen, daß trotzdem im Tiefinnersten des Menschen der Friedenswille lebt. Möge Weihnachten Euch sowie uns und die ganze Frauenwelt stärken, für die Wiederkehr des Friedens zu wirken.
Wir sind mit Euch eine schwesterliche Gemeinschaft der Trauer!"
Wir haben bereits in unserem Leiter der letzten Nummer auf diese tiefempfundene Kundgebung hingewiesen. Die Anregung zu ihr ist von Emily Hobhouse ausgegangen, der mutigen Frau, die während des Burenkrieges den Kampf gegen alle staatlichen und gesellschaftlichen Gewalten ihres Heimatlandes aufnahm, die unmittelbar oder mittelbar für die Greuel der berüchtigten Konzentrationslager" verantwortlich waren. Sie hat außerordentlich viel dazu beigetragen, daß das furchtbare Los der dort zusammengepferchten Frauen und Kinder erleichtert wurde. Später ist sie bemüht gewesen, durch ihre gründliche Sachkenntnis die wirtschaftliche Entwicklung Süd afrikas zu fördern, und zwar in einer Art und Weise zu fördern, die der brutalen Rücksichtslosigkeit der imperialistischen Kolonialpolitik die Gebote der Menschlichkeit entgegenstellt. Die in England hochangesehene Emily Hobhouse gab den Anstoß zum Weihnachtsgruß an die deutschen und österreichischen Frauen, weil sie aus eigener Erfahrung weiß, daß solche Kundgebungen der Sympathie und der unveränderten freundschaftlichen Gesinnung eine außerordentliche Macht haben, die Bitterkeit zwischen den Frauen der sich bekriegenden Nationen zu mildern". Der Brief stand in der Weihnachtsnummer des„ Labour Leader", die ganz der Propaganda für den Frieden und die internationale Brüderlichkeit gewidmet war. Er war bereits damals von mehr als hundert hervorragenden Engländerinnen unterzeichnet, deren Namen in der internationalen Frauenbewegung wie in den Kreisen der Sozialpolitiker aller Länder einen guten Klang haben. Mit der Sammlung von Unterschriften wird fortgefahren und damit zugleich mit einer lebhaften Propaganda für den Frieden.
Notizenteil. Burgfrieden.
Ein Aufschub der Strafvollstreckung gegen Genoffin Lugemburg ist wegen Krankheit der Verurteilten bis zum 31. März erfolgt. Natürlich ändert der Aufschub nicht das geringste an der politischen Bedeutung der Sache selbst.
Schärfere Pressezenfur und Verbot sozialdemokratischer Zeitungen. Über mehrere Parteiblätter in Thüringen wurde vom stellvertretenden Generalfommando zunächst die Präventivzensur berhängt. So über das„ Gothaer Voltsblatt", die„ Wei= marische Volkszeitung", die„ Nordhäuser Volkszeitung", die Reußische Tribüne" in Gera und ihr Kopfblatt„ Reußische Volkszeitung" in Greiz . Bald dar-. auf erfolgte das Verbot der„ Weimarischen Volkszeitung" für sieben Tage, ebenso das ihres Kopfblattes der„ Eisenacher Volkszeitung". Anlaß zu der Maßregel hatte die Veröffentlichung eines Artikels gegeben:" Des Proletariers Vaterland". Er war aus dem Vortrupp" nachgedruckt worden, einem bürgerlichen Organ. Das Verbot des Erscheinens der„ Weimarischen Volkszeitung" wurde von sieben auf drei Tage herabgeseßt, weil das stellvertretende Generalfommando auf Grund persönlicher Besprechung mit den Vertretern der Zeitung die Überzeugung erlangt hatte,„ daß sie hinfort Verstößen gegen den vaterländischen Geist, der in der Gesamtheit aller Parteien, einschließlich der Sozial