Nr. 13

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Die Gleichheit

den einzelnen und große Kreise des Proletariats fühlbar. Das Aufkommen des modernen Kapitalismus war ein ungeheurer Fortschritt und zugleich die Ursache unerhörten Massenelends. Wie steht es also mit der Wohltat" der Straßenbahnverwaltung in Essen? Die bürgerliche Bresse führt zur Begründung der Maß­nahme den Mangel an männlichen Arbeitskräften an. Das stimmt nur scheinbar. Ein Mangel an männlichen Ar­beitskräften besteht, aber er besteht nur, weil die Löhne bei der Straßenbahn sehr niedrig sind. Hätte die Ver­waltung diese Löhne entsprechend der verteuerten Lebenshaltung erhöht, so hätte sie männliche Kräfte genug gefunden. Nach dem Kriege freilich hätten die Löhne nicht mehr gut gekürzt wer­den können. Die Straßenbahnverwaltung fand als Ausweg aus dieser Verlegenheit: die Einstellung von Frauen. Sie schlug so zwei Fliegen mit einer Klappe: sie erhielt Personal, ohne die Löhne erhöhen zu müssen, und kam obendrein in den Geruch der Arbeiterfreundlichkeit. So bleibt als treibender Grund der Wohl­tat" nicht viel mehr als der alte kapitalistische Grundsatz: Niedrighaltung der Löhne! Es scheint, aber sogar, als ob die Straßenbahnverwaltung darüber hinaus noch eine Ersparnis machen will. Der Lohn der Frauen soll monatlich ganze 75 Mt. betragen bei achtstündiger Arbeitszeit. Diese wird in zwei Schich­ten geleistet, zwischen denen eine mehrstündige Pause liegt. Es ist wirklich etwas Eigenes um das soziale Herz" unserer kapita­listischen Unternehmer.

m. m.

Arbeitslosigkeit der weiblichen Erwerbstätigen. Arbeitslosigkeit im Dezember und gewerkschaftliche Hilfe im 4. Quartal 1914. Nach den vorliegenden Berichten über die Lage des gewerblichen Arbeitsmarktes hat sich die im Monat No­vember festgestellte erhöhte Beschäftigung im Dezember im ganzen auf dem gleichen Stand gehalten. In einzelnen Gewerben ist aller­dings infolge der vorgerückten ungünstigen Jahreszeit ein schlechterer Geschäftsgang eingetreten. Diesem steht aber wieder ein weiterer Aufschwung in anderen Industriezweigen gegenüber.

Trotz der besseren Arbeitslage ist der Andrang weiblicher Arbeit­suchender zu den Arbeitsnachweisen immer noch erheblich höher als zu normalen Zeiten. Nach den Statistiken waren im Monat De­zember 1914 für weibliche Erwerbstätige insgesamt 65829 offene Stellen gemeldet, denen 103721 Arbeitsgesuche gegenüberstanden. Im Dezember 1913 wurden 68030 weibliche Arbeitsuchende gemeldet. Ihre Zahl war demnach im Berichtsmonat gegen diesen Vergleichs­monat um 35691 gestiegen. Von den offenen Stellen konnten aber im Laufe des Monats nur 49410 besetzt werden, es blieben dem­nach im Dezember rund 54300 Arbeitsgesuche von Frauen und Mädchen unberücksichtigt. Auf 100 offene Stellen tamen im Berichts­monat 158 weibliche Arbeitsuchende, die entsprechenden Zahlen haben im November 189 und im Dezember 1913 123 betragen. Von den größeren Einzelstaaten hatten, wie schon im November, das Königreich Sachsen mit 325, Elsaß- Lothringen mit 305 und Bayern mit 224 weiblichen Arbeitsuchenden auf 100 offene Stellen die höchsten Verhältniszahlen.

Über die Arbeitslosigkeit der gewerblichen Arbeiterinnen geben die gewerkschaftlichen Arbeitslosenzählungen ein übersichtliches Bild. Diese liegen für den Dezember 1914 von 31 Organisationen vor, die über 157114 weibliche Mitglieder berichteten. Von diesen waren am 31. Dezember insgesamt 20247, gleich 12,9 Prozent arbeitslos. Berglichen mit dem Vormonat ist die Arbeitslosigkeit weiter zurüd­gegangen, doch ist der Grad der Abnahme von Monat zu Monat ein geringerer geworden. Von August zu September betrug die Spannung zwischen den ermittelten Prozentsägen 8,1, von Sep­tember zu Oktober 5,8, von Oktober zu November 4,2 und von November zu Dezember gar nur 1,4. Jm Dezember 1913 waren von 218652 befragten weiblichen Mitgliedern 8467 oder 3,9 Pro­zent beschäftigungslos gewesen. Der Dezember 1914 weist also ein Mehr von 11780 organisierten arbeitslosen Arbeiterinnen auf. Auch in diesem Berichtsmonat ist die Arbeitslosigkeit bei den weiblichen Mitgliedern verhältnismäßig gerade um das Doppelte höher als bei den männlichen. Nur in zwei Verbänden wurden für die männ­lichen Mitglieder etwas höhere Arbeitslosenziffern festgestellt. Alle anderen Gewerkschaften dagegen weisen zum Teil ganz erheblich höhere Säße für die weibliche Mitgliedschaft auf. So haben von den Verbänden, die eine größere Zahl weiblicher Mitglieder um­fassen, folgende mit stärkerer Arbeitslosigkeit der organisierten Frauen und Mädchen zu kämpfen: die Porzellanarbeiter mit 47,8 Prozent, Glasarbeiter mit 45,9, Holzarbeiter mit 33,3, utarbeiter mit 21,4, Metallarbeiter mit 19,3, Buchbinder mit 17,7, Lederarbeiter mit 13,6, Fabritarbeiter mit 12,7, Sattler und Portefeuiller mit 12,2 und

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Gemeinde- und Staatsarbeiter mit 10,8 Prozent. Außer einigen fleinen gegnerischen Gewerkschaften weisen die niedersten Prozent­säge weiblicher Arbeitsloser auf: die Verbände der Kürschner mit 2,0, Tabalarbeiter mit 2,2 und Brauerei- und Mühlenarbeiter mit 3,0 Prozent.

Der wirkliche Umfang der Arbeitslosigkeit tritt aber erst dann deutlich zutage, wenn man die Zahlen vom 4. Quartal 1914 denen vom 4. Quartal 1913 gegenüberstellt. Es wurden in den berichten­den Drganisationen gezählt: Jm 4. Quartal 1914 157114

Weibliche Mitglieder Fälle von Arbeitslosigkeit Unterstützte weibl. Arbeitslose Unterstügte Tage Unterſtügungssumme in Mark

Abnahme(-) Bunahme(+) -61538

1913 218652

52431

39335

18250 8562

+34 181

1149275 677449

137517

+80778 +1011758

117915

+559534

Also trotz der Mitgliederabnahme ein gewaltiges Anschwellen der Arbeitslosen- und Unterstüßungszahlen. Nicht weniger als 52431 Fälle von Arbeitslosigkeit wurden im 4. Quartal 1914 bei den weib­lichen Mitgliedern ermittelt, das sind 34 181 mehr als im Vergleichs­quartal 1913. Auf 100 weibliche Mitglieder berechnet ergibt dies 33,4 Fälle von Arbeitslosigkeit gegen 8,5 in der gleichen Zeit des Jahres 1913. Dementsprechend sind auch die Ausgaben für die or­ganisierten weiblichen Arbeitslosen gestiegen. Im 4. Quartal 1914 erhielten 39335 weibliche Arbeitslose für 1149275 Tage 677449 Mt. Das ist gegen das 4. Quartal 1913 eine Steigerung von 30773 unterstützten Personen, 1011758 Unterstügungstagen und eine Mehr­ausgabe von 559534 Mt. Insgesamt wurden im Jahre 1914 von den berichtenden Verbänden für die weiblichen arbeitslosen Mit­glieder 1696 625 Mt. verausgabt, gegen 445476 Mt. im Jahre 1913 und 303828 Mt. im Jahre 1912. Rechnet man die Ausgaben für die männlichen arbeitslosen Mitglieder hinzu, so steigen die von den Organisationen für die Arbeitslosen am Ort aufgewendeten Unter­stützungen auf rund 23 Millionen Mark, wovon natürlich der Löwen­anteil auf die freien Gewerkschaften entfällt. In Wirklichkeit ist die Summe noch bedeutend höher, da nicht alle Verbände, darunter auch einige größere freie Gewerkschaften, an das Reichsarbeitsblatt" berichten. In dieser Summe sind auch nicht die sehr zahlreichen Unterstützungen enthalten, die von den örtlichen Lokaltassen getragen werden. Erinnert sei nur hierbei an die Weihnachtsbescherungen der Arbeiterschaft für die Frauen und Kinder der Arbeitslosen und ausmarschierten Krieger, ferner an die von den Organisationen ins Feld gesandten Liebesgaben. Die deutsche organisierte Arbeiterschaft hat damit wiederum bewiesen, daß sie ernstlich bemüht ist, die Not und das Elend ihrer arbeitslosen Brüder und Schwestern zu lindern, woran sich manche Großstadt ein Beispiel nehmen kann, die es bis jetzt noch nicht für nötig gefunden hat, eine öffentlich- rechtliche Arbeits­losenfürsorge einzuführen. b.

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Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. Der internationale sozialistische Frauentag in der Schweiz und für die skandinavischen Länder ist soweit schon Berichte vorliegen mit ebensoviel Begeisterung als Umsicht vorbereitet worden und hat sich zu einer imposanten Kundgebung für das Frauenwahlrecht und den Frieden gestaltet. In der Schweiz haben rund 40 Versammlungen stattgefunden, in denen die Frauen für ihre Forderungen demonstrierten. Die Borkämpferin", das Organ des Schweizerischen Arbeiterinnenverbandes, hat durch ihren treff= lichen Inhalt redlich das Ihrige getan, die Arbeiterinnen und Ar­beiterfrauen für den hohen Zweck der Kundgebung zu wecken und zu sammeln. Er ließ namentlich den internationalen Charakter des Frauentags, das unerschütterte Solidaritätsbewußtsein der Sozia­listinnen aller Länder in die Erscheinung treten. Führende Ge­nofsinnen verschiedener Nationalitäten tamen in der Frauentags­nummer zu Wort, die auch eine Sympathiekundgebung der eng­lischen Sozialistinnen brachte. Von ihnen abgesehen, hatten auch die Genossinnen Bulgariens , Bosniens , Böhmens , Dänemarks und die internationale Sekretärin der sozialistischen Frauen herzliche Be­grüßungen für den Frauentag gesendet.

Was Skandinavien anbelangt, so ist bis jetzt nur bekannt, daß die schwedischen Genossinnen im ganzen Lande Frauentags= versammlungen zu veranstalten gedachten, die in erster Linie Frie­denstundgebungen sein sollten. Außerdem fand in Christiania eine allskandinavische Demonstration statt, bei der die Genoffinnen Schwedens , Norwegens und Dänemarks zusammenwirkten und an der Vertreterinnen der russischen Sozialistinnen teilnahmen. Die Kundgebung war ganz vom Geiste des internationalen Solidari­tätsbewußtseins erfüllt, das im Namen der Arbeiter-, der Mensch­heitsinteressen den Völkerfrieden forderte.