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Die Gleichheit

über den Massengräbern der Seinigen, die der Weltkrieg füllt, nicht den bescheidenen Einzelhügel vergessen, der ein Herz deckt, das bis zur letzten Minute für die Sache der Menschheitsbefreiung schlug, unter dem ein Wille zur Ruhe gekommen ist, der selbstlose Hingabe an dies große Ziel befahl.

Gewerkschaftliche Rundschau.

In der Kriegsverstümmelten Fürsorge leisten unsere Gewerkschaften nach wie vor praktische Hilfe. Die Ab­machungen in der Berliner Metallindustrie haben wir an dieser Stelle schon erwähnt. Auch der Holzarbeiter= verband hat dieser wichtigen Frage beizeiten erhöhte Aufmerk­samkeit geschenkt. Vom Steinseherverband hören wir, daß dort zentrale Regelungen bereits getroffen sind. Alle Verein­barungen zielen darauf ab, daß der Kriegsbeschädigte auf dem Arbeitsmarkt nicht als Lohndrücker wirkt, daß er trok geminderter Arbeitskraft nicht außerhalb des Tarifvertrags steht. Einzelne Unternehmer haben schon versucht, Kriegsbeschädigte als minder­wertige Arbeitskräfte einzustellen und ihnen die Kriegsrente auf den Lohn in Anrechnung zu bringen. Deshalb wurde im Stein­sebergewerbe festgelegt, daß die Entlohnung der Kriegsbeschädigten nach den tariflich festgesetzten Bedingungen zu erfolgen hat. Für Arbeiter, deren Arbeitskraft erheblich beschränkt ist, soll der Ver­dienst von den beruflichen Schlichtungsinstanzen bestimmt werden. Dadurch ist der Willfür in der Entlohnung ein Riegel vorgeschoben.

Der Holzarbeiterverband hat wie keine zweite Gewerkschaft schon in Friedenszeiten mit vielen Berufsinvaliden zu rechnen. Seine Erfahrungen wiesen ihn sehr zeitig auf eine Regelung der Kriegs­invalidenfrage hin. Die furchtbaren Verlegungen an den Holz­bearbeitungsmaschinen veranlaßten den Verband, sich mit der Verstümmeltenfürsorge zu beschäftigen. Seine Unfallausstellungen haben sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei den staatlichen Ver­sicherungsorganen, den Gewerbeaufsichtsbeamten usw. großen Ein­druck gemacht. Besonders wirksam war die Ausstellung der flagen­den Hände" auf der Leipziger Baufachausstellung im Jahre 1913. Durch eine Menge Photographien machte der Verband damals die Offentlichkeit mit den entsetzlichen Verstümmelungen durch Holz­bearbeitungsmaschinen bekannt. Jetzt hat der Verbandsvorstand Grundsäße ausgearbeitet für die Stellung der Gewerkschaften zur Kriegsinvalidenfrage. Sie enthalten die von den Arbeitern zu er= hebenden Forderungen, ferner praktische Vorschläge für die Rege­lung der Unterstüßung und der Rentenbehandlung, für die Orga­nisation der Arbeitsvermittlung, die Unterbringung der in ihrer Erwerbsfähigkeit beschränkten Kriegsteilnehmer und anderes mehr. Eine Konferenz von Vorstandsvertretern unserer Zentralverbände einigte sich auf diese Vor­schläge. Der Holzarbeiterverband hat außerdem noch den Lichtbilder­vortrag in den Dienst der Sache gestellt. Nach einer kurzen Dar­stellung der wichtigsten Kriegsereignisse und nach Vorführung einiger bedeutenden Kunstwerke aus Belgien und Frankreich wer­den vor allem die Leistungen moderner ärztlicher Kunst in der Wundbehandlung und dem Ersatz der natürlichen Gliedmaßen durch künstliche geschildert. Daran knüpfen sich belehrende Ausfüh­rungen über die Rentenansprüche, und schließlich wird das wirken der gewerkschaftlichen Organisation für die Schwachen und Hilfs­bedürftigen im allgemeinen und für die Unfallverletzten und Kriegsverstümmelten im besonderen dargelegt. Diese Vorträge er­freuen sich nicht nur eines überaus zahlreichen Besuchs, sondern sie erregen auch oft die Aufmerksamkeit der Behörden und Korpora­tionen( Gewerbeinspektion, ärztekammer und anderes mehr). Mancher trostlos in das Dasein blickende Schwerverletzte wird wieder aufgerichtet, weil er empfindet, daß ihm seine Organisation auch in dieser schweren Zeit treu zur Seite steht.

Einen schrillen Mißklang zu diesem Wirken der Gewerkschaften bildet immer wieder das Vorgehen einzelner Behörden, die auch in der Zeit des Burgfriedens ihre gewerkschaftsfeindlichen Nei­gungen nicht unterdrücken können. Das wird durch die Art und Weise erhärtet, wie sie gewerkschaftlich organisierte Arbeiter und Arbeiterinnen behandeln. Dem Bersonal der bayerischen staatlichen Verkehrsanstalten war es bekanntlich ver­boten worden, sich einer freien Gewerkschaft anzuschließen. Durch Unterzeichnung eines Reverses mußte sich jeder Angestellte dieser Vorschrift unterwerfen. Die freien Gewerkschaften Nord- und Südbayerns hatten im Herbst vorigen Jahres an die Regierung das Ersuchen gerichtet, diesen Revers aufzuheben. Darauf kam eine ausweichende Antwort, die einer grundsätzlichen Entscheidung aus dem Wege ging. Die Regierung verschanzte sich hinter der Ausrede, daß bei den jetzigen Anstellungsverhältnissen die Hand­

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habung des Reverses nicht in Frage komme. Unsere Verbände aber haben sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden gegeben. Die Generalversammlung des Metallarbeiterver­bandes protestierte gegen das Bestehen des Reverses. Im Verein mit dem Vorstand des Transportarbeiterverbandes hat sich die Organisationsleitung an das bayerische Verkehrs­ministerium um Beseitigung der ungerechten Vorschrift gewandt. Just zu derselben Zeit, da diese gewerkschaftliche Aktion in Bayern eingeleitet wird, kommt aus Bremen eine wichtige Mitteilung, Frauen, die bei den Bahnen jezt als Streckenarbeiterinnen eingestellt werden, sollten in Hemelingen bei Bremen einen Revers unterschreiben, durch den sie sich verpflichten, auch außer­halb des Dienstes sich achtbar und ehrenhaft zu führen und sich von der Teilnahme an sozialdemokratischen und anderen ord­nungsfeindlichen Bestrebungen, Vereinen und Versammlungen fernzuhalten". Bei der Einstellung wurde den Arbeiterinnen noch besonders gesagt, daß sie dem Transportarbeiterverband und so­zialdemokratischen Vereinen nicht angehören dürfen, und daß 8u-» widerhandlungen die sofortige Kündigung des Arbeitsverhältnisses zur Folge haben würden. Ob es sich dabei nur um das Weiter­traben im alten bureaukratischen Geiste handelt, oder ob die feste Absicht dahinter steckt, auch in der Zeit des Burgfriedens auf " Ordnung" zu sehen, darüber kann man seine Bermutungen haben. Ohne Zweifel werden sich aber die in Betracht kommenden Gewerkschaften bald die nötige Klarheit darüber verschaffen.

Teuerungszulagen zu den Löhnen zu fordern, ist im Hinblick auf die immer noch steigenden Lebensmittelpreise eine wichtige Aufgabe der Gewerkschaften. Im Bergbau, in der Holzindustrie und in der Textilindustrie sind solche Bestrebungen sehr stark im Gange. Die Unternehmer aber, die am ehesten Lohnzulagen bewilligen könnten, sträuben sich am meisten dagegen. Im Bergbau herrscht Hochkonjunktur. Trokdem wol­len die Bergherren keinerlei Lohnzulagen gewähren. Mancherorts kam es schon zu partiellen Streifs. Sehr interessant ist eine Mit­teilung aus dem Braunkohlenrevier. Danach möchten die Bergwerksbefizer unter Berufung auf die gestiegenen Löhne eine Erhöhung der Kohlenpreise herbeiführen. Ein eigentliches Steigen der Löhne hat aber gar nicht stattgefunden; der höhere Verdienst der Arbeiter ist lediglich die Folge gesteigerter Arbeitsleistung. Gine Preiserhöhung der Kohle um 1 Mt. für die Tonne bedeutet bei der jetzigen Förderung einen Gewinn von 84 Millionen Mr. für die Bergherren und eine dementsprechende Belastung der Ver­braucher. Schon ohne die ersehnte neue Preissteigerung haben die Werke hohe Gewinne und verteilen reichliche Dividenden. Von Lohnzulagen, die gerade jetzt vollauf gerechtfertigt find, ist aber recht selten etwas zu hören, und wenn sie erfolgen, sind sie winzig. Wie es mit Lohnzulagen in der Textilindustrie steht, wird in nächster Nummer ausführlich berichtet. In der Holzindustrie sind die Erfolge der organisierten Arbeiterschaft ein wenig besser. Dabei muß beachtet werden, daß dieses Gewerbe im allgemeinen durch den Krieg in keine günstige Lage geraten ist. Die Arbeiter können daraus ersehen, wie falsch die bürgerliche Behauptung ist, wonach sich der Arbeitslohn nach dem Profit der Unternehmer richtet. Fast ist es umgekehrt: je mehr Profit, desto rücksichtsloser sind die Herren, wenn nicht eine starke Organisation der Arbeiter und Arbeiterinnen ihre Wünsche und Praktiken in die Schranken weist. #

Die Gründung eines gewerkschaftlichen Frauenblattes für die organisierten Arbeiterinnen wurde von der Konferenz von Vertretern der Verbandsvorstände beschlossen, die vom 5. bis 7. Juli in Berlin stattgefunden hat. Der Beschluß entsprach diesem Antrag, dem der letzte Verbandstag der Metallarbeiter jüngst seine Zustimmung gegeben hatte: " Der Hauptvorstand wird ersucht, bei der Generalfommission die Gründung einer wöchentlich erscheinenden gewerkschaftlichen Frauenzeitung zu erwirken." Die Diskussion brachte dem Antrag fast allseitige Zustimmung. Für den Beschluß können unzweifel­haft gewichtige fachliche Gründe ins Feld geführt werden. Der Bericht im Vorwärts", Nr. 181, Dienstag den 18. Juli, enthält jedoch statt sachlicher Gründe lediglich eine Kritik an der Gleich­heit". Er vermerkt aus der Diskussion:

Es wurde hervorgehoben, daß die von der Genoffin Zetkin re­digierte Gleichheit" für gewerkschaftliche Zwecke völlig ungeeignet sei und sich auch trok wiederholter Aufforderungen keine Mühe gab, diesen Ansprüchen zu genügen. Ein Frauenblatt, das für ein< fache Arbeiterinnen verständlich sei und sich nicht in verstiegenen Theorien und hochtrabenden Stilübungen ergehe, sei notwendig und nicht länger aufzuschieben. Von einem Redner wurde eine vorherige Aussprache mit dem Parteivorstand über eine zwed­