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Die Gleichheit

um sicher zu sein, daß sie imstande sind, alles zu ertragen. Durch bie Tat haben sie bewiesen, daß weder neue Entbehrimgen, noch der Verlust ihrer Lieben sie zum Nachgeben zu zwingen vermochte, baß feiner von ihnen je um Erbarmen oder Gnade flehen wird, und daß das Unglück, weit davon entfernt, sie schwach zu machen, fie abgehärtet und gestählt hat. Dieser Sachverhalt, der für alle Kriegführenden gilt, mahnt alle Beteiligten daran, daß sie vergeb lich auf das Niederzwingen" des Feindes rechnen werden. Soll der Krieg also ewig dauern?

Von der Auffassung ausgehend, daß man umsonst das Ende des Strieges von der materiellen Erschöpfung der Völker erwarten würde, betonen die Verfasserinnen der Zuschrift an Wilson, der Friedens. schluß sei heute ebenso schwer oder ebenso leicht, wie zu einem anderen Zeitpunkt, etwa nach einem, zwei, drei oder zehn Jahren der Kriegswut. Deshalb müsse der Friede heute schon geschlossen werden. Diese Überzeugung, so heißt es in der Zuschrift weiter, wird in Privatgesprächen von allen geäußert, aber nun, wo Schritte zum Frieden unternommen werden, wird sie öffentlich verleugnet. Man möchte fast sagen, die Angst vor dem Kriege trete gerade in dem Augenblick auf, wo eine Friedensmöglichkeit entsteht. Die Zu schrift schließt wie folgt: Mit dem Frieden ist es, wie mit einem jeden menschlichen Tun: verlorene Zeit ist es, stets nur auf die Schwierigkeiten zu blicken; man muß an die Tat selbst gehen.... Wir glauben, daß Sie allein, Herr Präsident, imftande sind, mit der nötigen Klarheit und Einsicht die Worte der Weisheit und menschlichen Vernunft auszusprechen, die endlich die streitenden Mächtegruppen dazu veranlassen werden, die Bedingungen einer annehmbaren Verständigung anzuerkennen. Die Unterzeichneten er­suchen Sie dringend, mit aller nötigen Energie auf Ihrem Ver­mittlungsvorschlag zu beharren, damit der gute Wille der ganzen Welt sich zustimmend hinter ihn stellt und der Friede endlich ver­wirklicht wird." Es folgen die sechs Unterschriften der Mitglieder des Pariser Komitees.

Seit diese friedenssehnsüchtigen Worte geschrieben worden sind, hat das Deutsche Reich den verschärften Unterseebootkrieg begonnen, haben die Vereinigten Staaten ihre diplomatischen Beziehungen zu Deutschland abgebrochen. Die Regierungen aller friegführenden Länder scheinen entfernter als je von allen Friedensneigungen zu stehen. Bei den Völkern aber wird, muß die Friedenssehnsucht immer stärker anwachsen. Wird sie zum Friedenswillen, zur Friedenstat werden?

Arbeitslosigkeit der weiblichen Erwerbstätigen.

Die Arbeitslosigkeit der weiblichen Erwerbstätigen im De­zember 1916. Nach den Berichten der deutschen Arbeitsnach. weise ist für Dezember eine jähe Abnahme der weiblichen Arbeit­suchenden zu verzeichnen. Ihre Zahl auf 100 offene Stellen war von 135 im Oktober auf 186 im November gestiegen und fant im Dezember auf 123, ein so niedriger Saß, wie er während des Kriegs noch nicht festgestellt worden ist. Die Gründe für den Rüc gang find naheliegend. Im Dezember find in den verschiedensten Gewerbezweigen in größerem Umfang systematisch weibliche Arbeits­fräfte eingestellt worden, so daß sich die Zahl der Arbeitslosen ver ringerte. Die Zahl der männlichen Arbeitsuchenden ist im Berichts­monat gleichfalls weiter gesunken, nämlich von 60 auf 58 auf 100 offene Stellen. Fast alle wichtigsten Gewerbegruppen find an der Abnahme der weiblichen Arbeitslosen beteiligt, nur zwei machen eine Ausnahme. Jm Nahrungsmittelgewerbe stieg die Andrang siffer weiblicher Arbeitsuchender von 120 auf 121, bei der Fabrik­arbeit ohne nähere Bezeichnung von 140 auf 144; die Steigungen find also gering. Am größten war die Abnahme der Erwerbslosen im Handelsgewerbe, wo die Andrangziffer von 239 im November auf 189 im Dezember fiel, fast ebenso groß war sie im Gewerbe der Bekleidung und Reinigung, wo 214 Arbeitsuchenden im No vember nur noch 177 im Dezember gegenüberstehen. In der Gruppe Lohnarbeit und häusliche Dienste sant die Zahl der Arbeit­fuchenden auf 100 offene Stellen weiter von 95 auf 82. Sie weist damit den niedrigsten Stand weiblicher Arbeitsuchender auf, von der Landwirtschaft abgesehen, die nur 58 Nachfragende auf 100 offene Stellen für weibliche Arbeitskräfte meldete. Selbst die Textilindustrie zeigt eine erhebliche Abnahme der weiblichen Ar­beitsuchenden, nämlich von 565 im November auf 477 im Dezember. Der Wandel ist jedoch zweifellos nicht auf einen verbesserten Be­schäftigungsgrad in dieser Gewerbegruppe zurückzuführen, sondern auf eine größere Abwanderung der Arbeiterinnen in andere Er­werbszweige. über dem Durchschnitt von 123 weiblichen Arbeits­lofen auf 100 offene Stellen standen folgende Gewerbegruppen:

Nr. 11

Textilindustrie 477, Handelsgewerbe 189, Bekleidung und Reinigung 177, Fabritarbeit ohne nähere Bezeichnung 144, Lederindustrie 183. Erwähnt sei hierbei, daß in der Tertilindne strie die Andrangziffer der männlichen Arbeitsuchenden erheblich größer ist als die der weiblichen. Es tamen im Dezember 751 arbeitslose Männer auf 100 offene Stellen. In teinem Berufe sonst ist die Zahl der männlichen Arbeitsuchenden so groß wie die der weiblichen. Ein ähnliches Bild ergibt die Arbeitslosigkeit der Frauen in den einzelnen Landesteilen. Von 24 Landesteilen weisen 21 eine Abnahme der weiblichen Arbeitsuchenden auf, während nur 3 eine Heine Steigerung zu verzeichnen haben, nämlich Posen von 90 auf 95; Hessen- Nassau von 89 auf 97; Thüringen von 175 auf 187. Abgesehen von Elsaß- Lothringen mit 388 steht das Königreich Sachsen mit 222 weiblichen Arbeitsuchenden auf 100 offene Stellen an der Spize.

Auch die Berufsverbände berichten über einen Rüdgang der Arbeitslosigkeit ihrer weiblichen Mitglieder. Es berichten 39 Fach­verbände über 165 118 weibliche Mitglieder, von denen am Dezember stichtag 8281 arbeitslos waren 5 Prozent, gegen 9291= 6,8 Pro­zent im November. Jm Juli und August hatten die Verbände noch 9,5 und im September 1916 8,1 Prozent weibliche Arbeitslose ge­zählt. Den größten Prozentsaz weiblicher arbeitsloser Mitglieder stellen der Lederarbeiterverband mit 21,1 Prozent; der Por zellanarbeiterverband mit 8,9 und der Textilarbeiterver­band mit 14,8 Prozent. Vom Hut und Filzwarenarbeiter verband waren im Dezember nur noch 11,4 Prozent der weib­lichen Mitglieder arbeitslos. Alle übrigen Verbände blieben unter dem Durchschnitt von 5 Prozent arbeitsloser weiblicher Mitglieder. Die geringste Arbeitslosigkeit der weiblichen Mitglieder zeigt de Verband der Buch- und Steinbrudereihilfsarbeiter mit 0,3 Prozent, nämlich mit 15 weiblichen Arbeitslosen bei 4572 weib­lichen Mitgliedern. Auffallend ist angesichts des Rüdgangs weib licher Arbeitsloser die Tatsache, daß bei den Krantentassen nicht nur die Zahl der männlichen, sondern auch die Zahl der weiblichen Pflichtmitglieder abgenommen hat. Am 1. Dezember hatten die 6528 berichtenden Kassen 4839291 weibliche Mitglieder, aber am 1. Januar nur noch 4315519, das ist ein Weniger von 23772 oder 0,55 Prozent. In jedem Jahr ist von Dezember auf Januar die gleiche Erscheinung zu beobachten, sie steht aber in einem solchen Gegensatz zu den Ergebnissen der Arbeitsnachweise und der Fach­verbände, daß sie vermerkt werden muß. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist nach den berichteten Angaben derart, daß das Ver hältnis von Angebot und Nachfrage weiblicher Arbeitskräfte günstig auf die Lohnverhältnisse einwirken müßte. Wenn, wie es wahrschein­lich ist, die aufsteigende Entwicklung anhält, haben die Arbeiterinnen alle Ursache, die Gelegenheit zu nügen, um ihre häufig noch recht elenden Löhne in Einklang zu bringen mit den gestiegenen Kosten der Lebenshaltung. Sie dürfen dabei nicht vergessen, daß sie in ihren Bestrebungen mehr als je auf die eigene Kraft angewiesen find, weil ein erheblicher Teil der männlichen Berufsgenossen zur zeit nicht mit ihnen streben und ringen kann, weil er unter der Fahne steht. Erkenntnis und Zusammenschluß tut den Arbeiterinnen bitter not. Jede einzelne muß sich sagen, daß es gerade auch auf fie ankommt, um die Arbeitsverhältnisse zu verbessern.

Frauenbewegung.

R.

Ein deutscher Verband von Sozialbeamtinnen ist vor kurzem begründet worden. Die Anregung dazu ist von den Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit in Berlin ausge gangen. Der Verband bezweckt den Zusammenschluß der sozialen Berufsarbeiterinnen in Deutschland und hat seinen Sitz in Berlin .

Zusammenschluß der nordischen Frauenrechtsvereine. Im November letzten Jahres hat in Stockholm ein Kongreß ſtandi­navischer Frauen stattgefunden, der den lange verfolgten Plan verwirklichte, feste Formen für ein engeres Zusammenarbeiten der frauenrechtlerischen Organisationen des Nordens zu schaffen. An der Konferenz nahmen führende Frauenrechtlerinnen aus den drei skandinavischen Ländern teil, aber auch die finnischen und isländischen Frauenvereine hatten Vertreterinnen entsendet. Es fam eine Vereinigung zustande, die den Namen führt Gesamt­organisation nordischerfrauenvereine". Die gemeinsame Ar­beit soll den verschiedenen Seiten der Frauenfrage gelten. Den Frauenvereinen jedes Landes werden bestimmte Aufgaben zuge wiesen, die mit der gemeinsamen Arbeit zusammenhängen. Berantwortlich für die Redaktion: Frau Klara Bettin( Bundel), Wilhelmshöhe , Post Degerloch bet Stuttgart . Truck und Verlag von J. H. W. Diez Nachf. G.m.b.H. in Stuttgart .