Nr. 30
Die Gleichheit
allgemeinen Glaubens an den Krieg blieben sich die Quäfer bewußt, daß die Sache des Friedens nur gedeihen kann, wenn jeder treu zur Idee des Völferfriedens stand, Und dementsprechend handelten sie. Sie fonnten sich nicht für die nationale Entflammung begeistern; war sie doch mit Mord und Totschlag verbunden. Der Frontdienst", zu dem sie sich berufen fühlten, war ein standhaftes Eintreten für die Sache des Friedens. Für sie war es eine Gewissenssache, dem Kriegsgeiste nicht zu dienen. Zehntausende
von ihnen schmachteten ob ihrer Ueberzeugung hinter Gefängnismauern.
Ihr internationaler Glaube an die Kraft der Idee, an die göttliche Macht des Guten, einigt uns und erhebt ihr Werk turmhoch über die Forderungen hypernationaler Fanatiker, die es nur für recht und billig finden, wenn die Quäfer englische und amerikanische Schandtaten gutmachen wollen. Die Idee der Freunde" ist viel weiter, viel mensch licher, viel allgemeiner als jene überhaupt denken können. Zur Abhilfe äußerer Not find die Quäfer in die Welt gezogen, nicht mit hohlen Phrasen und pomphaftem Aufzug. Und doch ist ihr Tum eine vertiefte Predigt. Das innere Licht, das in ihnen wohnt, strahlt unsern Kindern entgegen und zeigt uns, daß die Idee des Bölferfriedens von wahren, heldenhaften Menschen mitgetragen wird.
Dr. Sophie Schöfer.
Konsequenz
Von Erna Büsing.
Für Konsequenz haben wir die beiden schönen deutschen Wörter Folgerichtigkeit und Beharrlichkeit und Prinzip missen wir, so wie es in den nachstehenden Zeilen behandelt werden soll; mit Grundsatz übersetzen. Selten aber ist so viel wie gerade in der jetzigen Zeit von der Konsequenz und vom Prinzip geredet worden. Die unentivegten Rebolutionäre, in diesem Falle meistens die lantesten und von einer sozialistischen Schulung am wenigsten berührten,
*
Nach fechs langen Monaten kam unire Zeit.
Im prunkenden Schwurgerichtsiaal
Saßen wir eng aneinander gereiht
Ganz ohne Sehnfucht und Qual.
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Dem wir entitammen, dem Licht und den Flammen,
Das machte uns feurig und klar.
Wir ftanden auf und schlugen zufammen
Foch über Gefetz und Talar.
Das kam, wir waren im ftrahlenden Tag
Eine lange Hofitunde frei.
Der Garten fo paradiefifch lag
Voll Rofen und Licht und Salbei.
Die schmalen Hände waren blaß wie die Wände,
Die Stirn wie das Zuchthaus fo feucht.
His ob er unfere Sehnsucht verstände:
Der Himmel war voller Geleucht.
Wir gingen Spazieren im Garten der Fraun,
Die Wege beftreut mit Kies.
Wir mußten nur immer aufatmen und Ichaun
Und denken an unfer Verließ,
Wo mit dumpfen Gehirnen und ftumpfen Stirnen Die Männer im Kreife umgehn,
Und daß im Garten die Diebinnen und Dirnen In blühenden Rosen stehn.
Ein Wächter mit grimmigem Zuchthausblick Belauert der Männer Trott.
Spricht einer, zieht er am Glockenftrick: Den Schuldigen Gnade Gott .
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preisen in höchsten Tönen ihre Prinzipienfestigkeit und singen sich selbst das allerschönste Loblied. Das Prinzip ist ihr Göße, fie knien vor ihm, und sie vergessen seinetwillen sehr oft die Lehren einer geschichtlichen und wirtschaftlichen Entwicklung. Sie verlieren den Glauben an das Fruchtbringen einer mühsamen, praktischen Pionierarbeit. Und da Rückblicke sehr oft die besten Wegweiser in die Zukunft sind, so soll hier an Ereignisse erinnert werden, die sich vor Jahrzehnten zutrugen.
Dazu muß in diesem Falle das Gebiet der Frauenbewegung herangezogen werden. Wie einmütig traten die Frauen aller Stände, eine jede an ihrem Blaze, für die Erweiterung der Bildungsmöglichkeiten des weiblichen Geschlechts ein. Alle vorwärtsstrebenden Frauen, mochte an und für sich ihre Erziehung eine noch so verschiedene sein, wußten die Fesseln, die man unserm Bildungsbestreben anlegt, müssen zerrissen werden. Daher nahmen sie den Kampf auf. Schrittweise tamen wir voran und langjam, ach, mancher von uns viel zu langsam, reihte sich Erfolg aut Erfolg. Alle wußten: mühseligste Kleinarbeit ist nötig, und freudig und vollster Selbstverständlichkeit wurde sie geleistet. Das Unterdrücktsein bringt eben ein großes Geschenk mit sich und das ist das Zusammengehörigkeitsgefühl der Unterdrückten. Die rauhe Wirklichkeit, oft die Sorge um das Allernatwendigste hatte uns Frauen auf den Arbeitsmarkt geworfen und nun standen wir in geschlossenen Reihen im Kampf um die Anerkennung der schlummernden Fähigkeiten in uns. Aus einem richtigen Empfinden heraus freuen wir uns über jeden Erfolg des weiblichen Geschlechts im Berufsleben. Wir freuen uns z. B. über die Erfolge der Aerztinnen, über den Meistertitel, den eine Frau ir gendwo unter erschwerenden Umständen erwarb, über die Ans. übung der Lehrtätigkeit einer besonders begabten Frau an irgendeiner Universität, über das Aufrücken der Frauen in die Stellen von Gefängnisdirektorinnen und über die Zulassung( es wurde nur vereinzelt davon Gebrauch gemacht) der Frauen zu den Tierärztlichen Hochschulen. Zu dem Berufe des Tierarztes würde allerdings bei den meisten
Er wird auf der Stelle aus gnädiger Helle
Drei Tage ins Dunkle gesteckt,
Da liegt er winfelnd danach an der Schwelle Vor Hunger und Elend verdreckt.
Doch blühende Rofen anzufchaun,
Ift beinahe fo felig und gut
Wie stehen vor Mädchen und blühenden Fraun, Das Herz überschwemmt mit Blut.
Jn gramvollen Wochen von Dornen zeritochen
Und wehmütig fein und verglüht:
Wir haben gesprochen und Rofen gebrochen.
Weil die Rofe für Menschen blüht!
Der Wächter macht ein böles Geficht
In den Rofen und in Salbei,
Aber wir ftanden im himmlifchen Licht:
Zu Mittag sprach man uns frei.
Von erhabenen Firnen das Licht auf den Stirnen,
So fchritten wir durch das Cor,
Und dachten an den Garten der Dirnen Schmerzhaft wie nie zuvor.
Frauengestalten des 19. Jahrhunderts
( Schluß)
13 Schlegel den wiederholten Aufforderungen, nach Jena gu tommen, nicht Folge leistete, suchte Staroline ihn in Berlin auf. Dort famen beide zu der Erkenntnis, daß ein Zusammenleben nicht mehr zu ermöglichen sei und sie wandten sich mit einem Gesuch um Scheidung an den Herzog von Weimar . Auch nach der Trennung blieben sie in achiungsvoller Freundschaft verbunden. An Klatschereien und Verleumdungen fehlte es aber natürlich nicht. Staroline jetzte sich in ihrer vornehmen Art dar