Nr. 10
Mairuf
Die Gleich beit
Wenn du im Mai die Arbeiter heimkehren liebst Und die Frauen und Mädchen aus den Fabriken, Möchtest du aufbrüllen:
Brüder, Schweltern, fo fchaut doch um euch! Greift mit euren gequälten Händen
In das Geblühe der jungen Bäume,
Packt die Erdenluft
Preßt fie wie Trauben;
Und schlürft den füßen Wein in euch!
Nehmt doch den Frühling mit in die Werkſtatt
Er wird euch predigen:
Um mich müßt ihr kämpfen!
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und Geschworenenamte begegnet. Während nach der Verfassung die Zulassung der Frau in derselben Weise wie die der Männer erfolgen müßte, will man in bürgerlichen Kreisen die Zulassung auf das äußerste beschränken und ohne Grund bis zur Erledigung der Strafprozeßordnung ver schieben. Der Gerechtigkeit halber muß gesagt werden, daß die bürgerlichen Frauen, die Parlamentarierinnen sind oder sonst in der Deffentlichkeit arbeiten, diesen Standpunkt nicht alle teilen. Dafür müssen sie auch von bestimmten deutschnationalen Frauenfreisen hören, daß nur die politische Frau, nämlich die unverheiratete, die das Familienleben nicht kenne, dieses Recht der Frau in Anspruch nehme. In der vordersten Linie der Gegner der Zulassung der Frau stehen, wie könnte es anders sein, die Richter, die immer dabei sind, wenn es gilt, die demokratischen Errungen
Zulassung der Frauen als Schöffen und schaften der Novemberrevolution zu vernichten. Die Richter
Bom Reichsjustizminister war seinerzeit den interessierten Kreisen, wie auch in Nr. 15 der„ Gleichheit", Jahrg. 1920, besprochen worden ist, ein Gesezentwurf zur Zulassung der Frauen als Schöffen und Geschworene" vorgelegt worden, der die Zulassung einer beschränkten Anzahl von Frauen vorsah für den Fall, daß Jugendliche oder Frauen abge urteilt werden. In der Sizung vom 8. März 1921 befaßte fich der Reichstag wieder mit dieser Frage und nahm dann ben Antrag an, nach dem die Regierung ersucht wird, einen Gesezentwurf vorzulegen, der den allgemeinen Zugang der Frau zum Schöffen- und Geschworenenamte regelt. Der Reichsjustizminister erklärte daraufhin, daß er den Gesez entwurf so schnell wie möglich in Angriff nehmen werde, um ihn in wenigen Wochen dem Reichstag vorlegen zu fönnen.
Inzwischen hat in einer eigenartig zusammengesetzten Sizung, in der die Arbeiterschaft keineswegs in der ihrer Bedeutung entsprechenden Weise zugelassen war, eine Besprechung der Angelegenheit mit den interessierten Kreisen im Reichsjustizministerium stattgefunden. Dabei und in der fich daran anknüpfenden Diskussion zeigte es sich, welchen Schwierigkeiten die Zulassung der Frauen zum Schöffen
Dann öffnete ich sie ganz, ganz leise, damit ja niemand das Knarren hörte, schlich auf den Zehen hinein und fiel meiner Mutter mit einem Jubelruf an den Hals. ,, Mütterchen, die Sonne bring' ich Dir heim, da, schau!" Meine Mutter aber nahm die Blumen, ging stillschweigend zur Küche und warf sie fort. Als ich sie sprachlos anschaute, da küßte sie mich lächelnd: ,, Kind, das sind ja nur Butter blumen, die pflückt man nicht!" Tapfer biß ich mir auf die Lippen und ging dann in mein Zimmer. Raum aber hatte sich Mütterchen an die Handarbeit gesetzt, da schlich ich mich zu den verschmähten Blüten, streichelte und füßte sie... Meine Tränen glänzten darauf wie Perlen.
Und als ich heute nach Hause ging, da nahm ich genau solch einen großen Strauß Butterblumen heim. Wohl sah ich das mitleidige Lächeln meiner Wirtin, als ich die Blüten ordnete. Aber es tat mir nicht mehr weh wie damals, als meine Mutter die Blumen fortgeworfen. Heute lächele ich nur über die Menschen, die über Butterblumen hinwegsehen.
O das Herz ist mir.
D, das Herz ist mir so warm.. und die Sonne scheint.. so wunderschön!
Frühling! Frühling!
vereine führen jetzt einen wilden Feldzug gegen die zulassung. Es ist ihnen ein unmöglicher Gedanke, daß Frauen über Männer urteilen sollen, denn sie haben den ethischen Sinn der vollen Gleichberechtigung noch nicht begriffen. Dann aber fürchten sie, daß die Zulassung zum Laienrichtertum auch die Zulassung zum Berufsrichtertum nach sich zöge. Und das wollen sie verhindern aus leicht begreiflichen Gründen. Sie und ihre Meinungsgenossen, zu denen, wie schon gesagt, deutschnationale Frauen, aber auch führende Frauen des Zentrums gehören, sprechen von der Zerstörung der Familie, der Verletzung des Schamgefühls und ähnlichen Dingen, die ihnen sonst, wenn es die Ausnutzung der Arbeiterin gilt, weniger heilig sind.
Soweit uns bekannt ist, hat der preußische Richterverein seiner Zeitschrift ein Blatt beigelegt, in dem Unterschriften gegen die Zulassung eingesammelt werden. Da ist es not wendig, dem Reichsjustizministerium zu zeigen, daß die sozialdemokratischen Frauen auf einem anderen Standpunkt stehen und die Zulassung verlangen. Niemand wird dann noch behaupten können, daß die verheirateten Frauen, die ja die überwiegende Mehrheit der in unserer Partei organisierten Frauen ausmachen, das neuzuerwerbende Recht ablehnen. Die Berliner Funktionärinnenkonferenz hat aus diesem Grunde folgende Resolution angenommen und dem Reichsjustizministerium zur Kenntnis übersandt:
o du! o du!
Und draußen.. wie es dahinströmt.. pfingstfröhlich.. alt und jung!
und die Straßenbahnen stürmt: hinauszukommen ins Grüne und Sonne, Sonntag und Frühling zu haben und fröhlich zu sein und sich zu freun!
O, ich hab' sie so lieb, die Menschen!
und ich möchte zu jedem hingehn und ihm die Hand geben und sagen: gelt, nun wird es wieder schön und leicht, und man fann hinaus! Cäsar Flatschlen.
Bücherschau
Die hübsche Novelle von Eduard Mörife„ Mozart auf der Reise nach Prag" hat im Vorwärts- Verlag, Berlin SW., Lindenstr. 3, eine Neuauflage erlebt. Die kleine Erzählung ist in jenem geruhfamen, freundlichen Plauderton gehalten, der die Arbeiten unserer früheren Dichter so schäzenswert macht. Es ist der Ton, der uns in unserer heutigen geräuschvollen, hastenden Zeit fast ganz ver lorengegangen ist. Es wird uns die Reise geschildert, die Mozart im Jahre 1787 mit seiner Frau von Wien nach Prag unternahm, wo die Erstaufführung seines„ Don Juan" unter seiner Leitung stattfinden sollte. Wir sehen das Paar in einer stattlichen, gelbroten, mit Goldleisten und gemalten Blumenbufetts verzierten
Wie fernes Glodenläuten liegt es mir im Ohr, wie Wipfel- Kutsche gemächlich durch Felder und grüne Waldungen dahinfahren. rauschen tief in sommergrünem Wald..
und ich möchte auf und hinaus..
dich suchen..
in allen Händen Beilchen, Primein, Mandelblüte.. so viel ich
tragen tönnte..
und dich überschütten damit
und niederknien und dir die Hände küssen..
Im Gasthof eines Dorfes wird ausgespannt und Raft gemacht. Und hier, in einem fremden Herrschaftsgarten, hat Mozart ein eigen artig drolliges Erlebnis, das ihm fast die Unannehmlichkeit bereitet hätte, eine Nacht in Arrest zubringen zu müssen, ihn aber dann in einen fleinen Kreis fröhlicher und angenehmer Menschen führt. Die kleine Novelle atmet ruhige Heiterkeit und dennoch eine E. R. leife, nachdenkliche Wehmut.
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