170 D i e Gleichheit Nr. 17 Frauen auf SV Pf. mit der unentgeltlichen Lieferung derGleichheit" erhöht. Auf jeden Fall haben die Ortsvcreine darauf zu achten, daß die Gleichheit" immer mehr Eingang bei den Frauen findet und er- wartet der Landesausschuh für Arbeiterwohlsahrt, der zugleich auch die Agitation unter den Frauen zu. betreiben hat, daß allerorts eine intensive Werbetätigkeit für die Gewinnung der Frau für unsere Partei einsetzt. Diese für unsere Partei neu gewonnenen zu überzeugten Sozialistinnen zu machen ist die Aufgabe der Gleichheit". Die Werbearbeit für die Frauen ist in Hessen da» durch wesentlich erschwert, weil hier die Industrie mit ausge sprochener Bevorzugung weiblicher Arbeitskräfte sehlt, die Zusam menfassung großer Arbeiterinncnmassen wie in Rheinland-West falen, Sachsen , Berlin usw. uns nicht gegeben ist. Hindernisse sind da, um überwunden zu werden. Herz und Hirn unserer Frauen für den Sozialismus zu erobern, ist eine schöne, allerdings schwere Aufgabe. Auf dem Bezirksparteitag und auf den Konferenzen der Kreise wurde die bedauerliche Tatsache kritisiert, daß im Vorder- tresfen der Bewegung stehende Genossen ihre Frauen noch nicht der Partei zugeführt haben. Ganze Arbeit zu machen muh vor nehmstes Ziel uich Aufgabe jedes Funktionärs unserer Partei sein. Die Frau ist die Erzieherin unserer jungen Garde. Jung ge wohnt, alt getan. Pflanzen wir den Samen des Sozialismus in die Herzen der Frauen, so überträgt sich dies wieder auf unsere Lugend undUnser die Jugend, unser die Zukunft". W. W. Fraucnkonserenz in Bielefeld . Anläßlich des Reichsjugendtages mit seinen vielen Beranstaltungen hatte der Bezirksvorstand auch «ine Ferienkonferenz einberufen. Sie tagte am Sonntag vor mittag in der Zentralhalle und war gut besucht. Genosse Schreck sagte zur Einleitung, daß die Arbeiterbe wegung durch den Krieg schwer gelitten habe. Es sei viel Auf klärungsarbeit zu leisten, namentlich auch unter den Frauen. Da zu sei besondere Geduld und Ausdauer notwendig. Wir müßten mit den rückschrittlichen Anschauungen über die Frauen ausräumen. Das Leben sei ein steter Kampf. Diesen zu führen, seien Männer und Frauen notwendig. Der heutige Tag wurde gewählt, um Ihnen die Teilnahme an dem Jugendtage zu ermöglichen und so das Gesehene und Gehörte mit in die Heimat zu nehmen. Er begrüßte alle Erschienenen im Namen der Bezirksleitung. Mit der Leitung der Verhandlungen werden betraut Genosse Castrup und die Genossinnen Walter, Deitmer und K r e f t. Genossin Iuchacz referiert über das Thema:Die Sozialistin fn der Wohlfahrtspflege. Sie behandelte das Grundsätzliche der Frage und zeigte an Beispielen aus der Arbeit des Hauptaus schusses und der Bezirke, daß die Arbeit in der Wohlfahrtspflege, von unseren Anschauungen geleitet, wohl eine sozialistische sein kann und muß. Genossin Walter sprach über das Organisatorische im De zirk. Die kurzen Vorträge ergänzten sich vortrefflich. In der Debatte sprachen die Genossinnen aus Stadthagen , Her ford, Minden , Detmold , Rheda und der Genosse Stadtrat Binder, Wohlfahrtsdezernent der Stadt Bielefeld . Die Diskussion war anregend und lebhast. Trotz der Kürze der Konferenz hatte man das sichere Gesühl, daß sie die Arbeit fördern wird. Wir begrüßen es besonders, daß den Genossinnen Gelegenheit gegeben war, auf diese Weise den Iugendtag in Bieleseld zu er leben. M. Au» Schlefien, das moderne Zentrum. Seit im vorigen Jahre von der Genossin Clara Bohm-Schuch und Dr. Radbruch und einem halben Hundert Mitglieder unserer Reichstagsfraktion im Reichstag der Antrag auf Aenderung der kH 218, 219 des Neichsstrafgesetz- buches eingebracht wurde, ist diese äußerst wichtige Frage in weiten Volksschichten erörtert worden. Gerade die Kreise, die unter un günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen leben, die Bergarbeiter, Glasschleifer, die in der Textilindustrie Beschäftigten, empfinden den durch die bestehenden Strafbestimmungen geschaffenen Zustand als unerträglich. Sie wollen Aufklärung, sie wollen Abänderung. Diese Ausklärungsarbeit, von unserer Partei geleistet, veranlaßt gegnerische Parteien zur Anwendung gemeinster Mittel im Kampf gegen uns. Deutschnationale und Zentrum überbieten sich. In der Grafschaft Glatz in Schlesien , die als Domäne des Zentrums be trachtet wird, hielt im Juli d. I. die Parteisekretärin Genossin Zils- Brcslau eine Reihe von Vorträgen über:Freie oder erzwungene Mutterschaft". Dazu schreibt derGlatzer Gcbirgsbote", das Zentrumsorgan, am 24. Juli 1921 wörtlich: Das Evangelium Satan». Freie Bahn den Lastern. Soeben hat eine Sozialistin, dieGenoflin" Zil», thre Mis- sionsreise im Dienste des Teufels durch die Grafschaft Glatz be endet. Sie verkündete die Botschaft der Hölle: Frei» Bahn den Lastern vor allem dem widerwärtigsten: der Unzucht. Denn das ist der ganze Sinn des Ansturms, den die Sozialisten soeben gegen gewisse Strafbestimmungen der noch geltenden Gesetz gebung richten: der Mord des Kindes, das noch nicht in den Armen der Mutter ruht, soll außer Strafe gesetzt werden: damit sich jedwede Kreatur in Wollust wälzen könne, ohne die Folgen tragen zu müssen. Zyniker im Lager de» modernen Heidentums, seid wenigstens jetzt einmal ehrlich und sagt: ja, so ist es, da, meinen wirl" Und weiter: Mit der Wahrung der Eheinteressen hat er(Gott ) die Kirche betraut, nicht aber die verschiedenen Formationen des Sozialis mus. Doch hier gerade entpuppt sich der Sozialismus augenfällig als das, was er wirklich ist: eine gottesfeindliche Organisation. Freie Bahn dem Laster darum muß man erst Gott und die Kirche aus dem Wege räumen: also Kampf gegen den Schöpfer und gegen das Bekenntnis zu ihm!" Es ist schwer, beim Lesen solcher Ungeisterzeugnisse zu glauben, daß seit dem Mittelalter immerhin einige Jahrhunderte vergangen sind und wir einen Fortschritt, sozusagen, feststellen dürfen. Das Zentrum nennt sich die Partei für Wahrheit, Freiheit, Recht. Wir sagen diesen Dunkelmännern schärfsten Kamps an, damit das Netz aus Lüge, Ungerechtigkeit und Verhetzung, in dem sie immer noch einen Teil des Volkes gefangen halten, endlich zerrisien wird. Cl. Z. Aus der Frauenbewegung des Auslandes� Zugcndschuh in Amerika . Der Schutz jugendlicher Arbeiter ist in Amerika nicht sehr groß. Dennoch sind manche Staaten der nordameritanischen Union vorbildlich. So besteht, wie die Ameri kanische Bereinigung für Arbciterschutz mitteilt, in mehreren Staaten ein gesundheitlicher Ueberwachungsdienst für die in Fa briken, hier und ha auch für die im Handelsgewerbe tätigen Jugend lichen. In Kentucky ist die Beschäftigung Jugendlicher von einem ärztlichen Zeugnis abhängig gemacht, das nicht nur die allgemeine Tauglichkeit, sondern auch die besondere Tauglichkeit für die be stimmte Arbeit zu bestätigen hat. In Neuyork werden die jugend lichen Arbeitnehmer periodisch untersucht. London . Diesozialen Gefahren schlecht bezahlter Frauenarbeit geben der Arbeitsgemeinschaft englischer Frauengewerkschasten den Grund zu einem Appell an die öffentliche Meinung. Neue Schiedsgerichte, die lange vor Januar 1919 ver sprochen wurden, sind noch immer nicht eingerichtet. Im Unterhaus hat der Arbeitsminister mitgeteilt, daß nur diejenigen etabliert würden, für die bereits Anweisung ergangen wäre. Die Richtung, die die Regierung einzuschlagen gedenkt, geht daraus hervor, daß die Zahl der Inspektoren, die das wichtigste Glied der neuen Schiedsgerichte bilden würden, und am Ausbau der alten am stärksten beteiligt waren, um zwei Drittel reduziert worden ist. In den Industrien, in denen die Schiedsgerichte nicht bestehen oder wo ihre Errichtung um zwei Jahre verschoben worden ist, zeigen sich fürchterliche Zustände. Beispielsweise werden Stunden löhne von 2 Pcnce gezahlt, was einem Vorkriegslohn von K Pence (gleich k Pfennig Goldwährung) entspricht. Auch der Durchschnitts lohn von 3)6 Pence pro Stunde ist Ausbeutungssystem schlimmster Sorte. Der Appell betont zum Schluß, daß die Frauenarbeit gerade In Zeiten opportunistischer Lohndrückerei besonderen Schutzes bedarf, und daß der Arbeitsminister gerade jetzl selbst die Hoffnung auf ein Schutzsystem vernichtet. F. P. > Frankreich . Die Beschäftigung der Frauen vor und nach Ihrer Niederkunft ist auf Grund der Washingtoner Beschlüsse neu ge regelt. Die Deputiertenkammer nahm am 39. Dezember 1929 den Gesetzentwurf an, der in einem Paragraphen den Präsidenten der Republik zur Ratifikation des Washingtoner Uebereinkommens vom 29. November 1919 ermächtigt. Infolgedessen tritt an die Stelle de» bisherigen vierwöchigen Wöchnerinnenschutzes der zwölf- bzw.