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Das Geheimnis der Lerche.

Von Mar Rolmsperger.

Die Menschen, insbesondere die beschwingten unter ihnen, die fich Dichter nennen, aber auch die mit den gebundenen Flügeln, die Gottesgelehrten, behaupten seit vielen hundert Jahren, die Lerche finge zur Ehre Gottes. Ja, bei einem uralten, verschollenen Scho­lastiker aus der Schule des hl. Augustin, der seinen umfangreichen tosmologischen Gottesbeweis mit 65 Beispielen belegte, habe ich ge= lesen, daß die Lerche überhaupt nicht singen würde, wenn Gott nicht existierte.

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Nirgendwo aber fann ich Antwort auf die Frage finden, warum die Lerche nach dem Fest des hl. Jakobus verstummt, wenn die Sonne brennt und glüht, daß die Erde lechzt wie unter den Gluten der ersten Schöpfungsschmerzen. Was hätte der vorhin zitierte Scholastiker wohl erwidert, wenn ihn einer pfiffig gefragt hätte: Und was ift's nach dem 25. Julitag? Glaubt die fromme Lerche von diesem Tage an nicht mehr an den lieben Gott, oder will Gott von diesem Tage an nicht mehr gepriesen werden?" o Wunder von dem Tage an steigt sie still gen Himmel, nicht mehr so hoch und nicht mehr so steil, und niemand ist imstande, ihr einen Ton zu entloden, nicht der Gefang der Schnitter, nicht die Scherze der Mägde, nicht der Schreck vor des Jägers Tritten, vor des Hafen flüchtenden Sprüngen, selbst der Herbst nicht, wenn ihn die Sonne vergoldet, und nicht das verblassende Grün der Wiesen und die Traurigkeit des verwaisten Rains.

Denn

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Wessen Geheiß verstummt ihr die Kehle? Ein Gefez in ihrem Innern? Das Mitleid mit den hinfinkenden Halmen des Korns, der Abscheu vor dem Mordschritt des Mähers, der Efel vor der Gier des Mäusevolks, ihr Künstlerhaß gegen die Mißtlänge der Sense und des Wetzsteins?

Sie schweigt, tein Laut entringt sich ihrer Kehle, und die Glockenblume läutet kein Geheimnis aus. Der Hase tönnte es wohl längst erfahren haben, indes, um diese Zeit lockt ihn der Klee, und die Unersättlichkeit seiner Liebe macht ihn taub und blind.

Aber der Bach, der ihr Jubeln am schwersten entbehrt, weil ihn die Schweigfamkeit seiner Bewohner folange schon bedrückt, der muß es erzählen. Wenn ihm die Weide nicht mit ihren Ruten drohte, so­bald er sein Geheimnis preisgeben will.

Es bleibt ein Rätsel, das niemand löst.

Die Wahrheit über Genua .

Stenographischer Bericht unseres militärischen Mitarbeiters Hans Klabautermann über die Tagung des Kriegervereins In Treue feft" zu Heringen a. d. Helme.

Der Borsitzende eröffnet:

" Kameraden! b Bon gutem alten Preußengeist und heißer Liebe zum Vaterland und angestammten Herrscherhaus beseelt, feid ihr herbeigeeilt, in dieser trostlosen Zeit Deutsche Sitte und Deutsches Denken hochzuhalten. Stolz rufen wir noch heute:

Alle Zeit treu bereit

für des Reiches Herrlichkeit!

Wihelms I., tes Urenfels des Franzosenhassers Friedrich des In uns lebt der Geist Seiner hochseligen Majestät Kaifer Großen, jener Geist, der uns die herrlichen Siege von Jena und Auerstädt hat erringen helfen, jener Geist, der nicht sterben wird, folange ein deutsches Herz schlägt und deutsches Blut in den Adern rollt.

Anläßlich des Geburtstages Ihrer Königlichen Hoheit der Prin. geffin Alexandra zu Schleswig- Holstein - Sonterburg- Glücksburg soll mie stets zu den Ehrentagen der hervorragendften Persönlichkeiten Deutschlands der Abend echter Kultur gewidmet sein. Herr Königlich preußischer Generalmajor von Werner wird das Thema Deutsch­ land und Genua " behandeln und so der Wahrheit über die Politik der Gegenwart ten Weg bahnen. Wir geben uns das Gelöbnis, tie hier empfangene politische Belehrung hinauszutragen in die Massen, der Wahrheit die Ehre! Herr Generalmajor hat das Wort: Generalmajor v. Werner:

" Kameraden! Wer die Genua - Ronferenz werten und verstehen will, darf sich nicht an Zeitungsberichte flammern. Die Presse ist international und verjudet. Wer heute noch sein Weltbürgertum über sein Deutschtum stellt, sollte am besten auswandern. Studiert Geschichte, dann werdet Ihr die Zusammenhänge begreifen. Zum Donnerwetter! Was hat uns soweit sinken lassen, daß wir die Ein­ladung nach Genua zu einer Konferenz mit unseren Todfeinden an­nehmen mußten? Die Politik des deutschen Kaiserreichs war fraft. voll; denn sie war auf das Schwert gestützt. Der Krieg war an sich kein Unglück. Der Ausgang des Krieges fonnte dem Einsichtigen aber nicht zweifelhaft sein. Ein halbes Jahrhundert planmäßiger Hezarbeit ist an unserem Bolt nicht spurlos vorübergegangen. Das deutsche Volt hat nicht begriffen, daß zur Erhaltung der Freiheit vor allen Dingen Macht erforderlich ist, daß es Recht und Freiheit macht sie nicht stützt. So fam es zu der unseligen Reichstagsents als dauernden Zustand nie gegeben hat und nie geben kann, wenn fchließung vom 19. Juli 1917. Pfui Deibel! Wir hatten militärisch gefiegt, da tam die Revolution. Unser rotes Blut war vergeblich

Aber der superfluge Volksmund weiß Trost: Um Lichtmeß geflossen. Aus dem sichern Sieg machte die Revolution Niederlage. muß die Lerche auf die Heid, ist's ihr lieb oder leid."

Wenn die Raben noch mit ihren Hungerschreien nach den ver gangenen Zeiten der Hochgerichte rufen und von den Gipfeln der Tannen vergebens nach den Galgenhügeln spähen, wo ihre Ahnen praßten, wenn die Bachstelze ihr Hungerbild im eifigen Spiegel fieht, und die Sperlinge die tauben Halme der Strohdächer be­schwören, dann probt die kleine Lerche ihr wiedererwachtes Lied. Knirschend hört der Frost ihren Frühlingsgefang, ohnmächtig sieht sie der Rauhreif ins Blaue steigen und verwundert schickt Thr der Mensch freudige Blicke nach. Sie hat ihre Pfalmensprache wieder­gefunden, ein neuer, geheimnisvoller Befehl hat ihr die Zunge ge­löst, und mit dem Schimmer seines Goldfreuzes begrüßt sie der Kirchturm in der Höhe, der mit seinem Stundenschlag die Zeit ver­wünscht. Aber nichts verrät ihr doppeltes Geheimnis, den dunklen Grund ihres jähen Berstummens in Sommerszeiten, den falten Zwang ihres frühen Gesangs in Winterswehen, selbst ihr flarster Triller nicht, den ihr die Sonne im Mai entlockt und die knospende Sehn fucht unzähliger Blüten.

April.

Schmäle mir nicht den April, Der weiß schon, was er will!

Ein wenig ungestüm kommt er gebraust, Und hält doch Blüten schon in der Faust! Ein Draufgänger ist's, dem nichts dran gelegen, Ob Sturm, ob Schnee, ob Sonne, ob Regen! Denn er kennt sein Ziel, das er sich gesteckt: Ein Ziel, das keime und Triebe weckt! Und was der Sommer dir schenkt in Füll', Nimmer wär's da ohn' den April! Mach's ihm nach, wed keime und Triebe, Zaubre Blüten und Kraft und Sonne und Liebe, Mache die Erde vom Winter frei! Ohne April gäb's nie einen Mai! Luftitus.

Nach diesem streng historischen Rückblid tomme ich auf die jüngste Politik. Lassen wir das Bergangene begraben sein! Wie hat die Republik die Macht genützt, die die neuen Männer in die Faust bekommen haben? Gar nicht. Der sozialdemokratische Reichskanzler Wirth ist ein unfähiger Subalternbeamter. Mit der elenden Er füllungspolitik wird er unser Baterland bald ganz zugrunde regiert haben. Er versteht nicht die fleinsten Erfolge zu erringen, wie sie Fürst Bülom täglich zu verzeichnen hatte. Ich erinnere da an die unfähige Kinder wie den früheren Angestellten eines Installations Friedenskonferenz im Haag. Wen fucht er sich für Genua aus? geschäfts Rathenau ; Männer wie Tirpik, Hindenburg und Luden dorff läßt er untätig zu Hause sitzen. Ludendorff hätte mit der Faust einfach auf den Tisch gehauen, daß es splitterte, und alle Schwierig feiten wären beseitigt gewesen. Aber bei unseren Feinden ist auch feine beffere Auslese getroffen. Verfolgen wir, den bisherigen Ber lauf der Konferenz! Der Italiener de Facta hält eine schwächliche Eröffnungsrede. Herr Wirth faselt etwas von seiner Erfüllung, und der hergelaufene russische Vagabund Tichitscherin macht sein jüdisches von einem Franzosen, der Achtung einflößt, ist der französische Sehn- Gewäsch über die Abrüftung. Der einzige Mann ich fage das Delegierte Barthou. Er fuhr dem russischen Juden glatt über den Mund. Da nimmt ihm der schwächliche Lloyd George mit seinem albernen Abrüstungsgefasel, mit dem er sich schon in Washington lächerlich gemacht hat, in Schuh. Lloyd George ist überhaupt der Situation in feiner Weise gewachsen. Ihm fehlt die militärische Haltung. Gestützt wird diese Puppe von dem deutschen Botschafter in Italien , Herrn Schanzer. Als nun vor einigen Tagen die beiden Juden Rathenau und Tschitscherin ein Jobbergeschäft zwischen Deutschland und dem Bolschewistenhort abgeschlossen hatten, wäre beinahe die ganze Konferenz aufgeflogen, wenn nicht Barthou mit gewohnter Forsche und Feingefühl die Situation gerettet hätte. So­lange wir nicht in unserem Baterland derartige Männer haben, glauben wir nicht an seinen Aufstieg. Wir sagen zu den Memmen: Weggetreten!"

Der Vorsitzende schließt mit den Worten:

,, Kameraden! Wir sagen Herrn Generalmajor für seine licht. vollen, von echt deutschem Geist getragenen gründlichen und tief­schürfenden Ausführungen., die uns das verwirrte Bild der aus­wärtigen Lage mit einem Schlage verständlich machen, unseren heißen Dank. Unser allergnädigster Kriegsherr, hurra!"

Die über den Erdball gespannten Telegraphendrähte sind die Harfensaiten, auf denen das braufende Lied der menschlichen Kultur Artur Für st. gespielt wird.