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Nummer 4 SS. Januar 142Z �lnterhaltuntzsbeilatze öes vorwärts Oer Pfeiler. Steht zusammen Hand in Handl Wir tragen die Zeit! Wir tragen da» Land. Wir sind die Pfeiler künftiger Welt. Was soll bestehn, wenn der Pfeiler nicht hält? Bedenkt und erkennt: Wer sich von unsrem Bunde trennt, Bringt den Bau ins Wanken und Schwanken. Drum einig im Willen, und eins dt« Gedanken! Jeder Pfeiler trägt schwere Last Ohne Ermüden und ohne Rast. Heißt sein Sinn doch: Stützen und Halten Gegen Stürme und Sturmgewaltenl Grad oder schief, Hoch oder tief: Der Zukunft Tempel wird sich fügen, Wenn nxr die Pfeiler und der Bau genügen. So fügt eu� ein Stein für Stein! Stützt und hebt und haltet stand! Wir tragen die Zeit! Wir tragen da» Laich. Karl vrigrr. Der Hase. Von Alfred Polgar  . Der Schneidermeister Sediat brachte Anfang November einen Hasen nach Haufe.Füttere ihn gut," sagt« er zu seiner Frau,auf daß er fett und stark werde und wir zu Weihnachten  «inen Braten haben." Ob der Schneidermeister Sediat... auf daß" sagte, ist nicht stchergestellt. Aber dem Sinn nach lautet« seine Red« so, wie ich st« hier wiedergebe. Frau Sedlak hat sie mir gleich anderen Tages, nachdem der Hase ins Hau» gekommen war, berichtet. Frau Sedlak ist die bravst« Frau, die jemals für«in« fremde Wirtschaft Sorge getragen. Das Nicht-mehr-zu»Flick«nd« flickt sie noch, Sauberkeit ohne Fehl wirkt ihre geschäftige Hand, und Kleider, Wäsche, Schuhe, von Ihr betreut, sprächen, wenn st« reden könnten, gewißMutter" zu Ihr. Sie besitzt kein Kind. Aber als der Hase kam, da hatte st« eins. Ich habe ihn nie gesehen, doch hat mir Frau Sedlak viel von ihm erzählt. Bon seiner Possierlichkeit und seiner Zutraulichkeit, und wie er auf den Pfiff herbeikäme und mit welcher Neugierde und mit welchem Interesse er ihr mit den Augen folg«. Und wenn «r auch Schmutz und Arbeit verursache, sie trüge diesen kleinen Mühezuwachs gern um de» Spaßes willen, den das Tier mit seinen Kapriolen und seiner nimmermüden Spiellust bereite. Der Hase erhielt eine alte Kiste zur Wohnstatt und Abfälle von Küchenabfällen zur Nahrung. Die Küchenabfälle selbst kommen auf den Sedlakschen Aittagstisch. Und der Hase gedieh. Er bekam«inen Bauch und volle Backen. Herr Sediat sagte:Er ist schon hübsch rund." Frau Sediat er> zählte, ihrem Mann lauf« das Wasser im Mund zusammen, so oft er den Hasen nur ansehe. Ihr lief es in den Augen zusammen, wenn sie dachte, welchem Schicksal der Hase«ntgegenschwoll. Daß er so mächtig Fleisch ansetzte, erfüllte sie wohl mit haus« fraulichem Stolz, und daß dem Weihnachtstisch ein Braten gewiß, war Ihr keineswegs eine unangenehme Borstellung. Jedoch Frau Sedlak hatte auch ein Herz im Leibe, nicht nur einen Magen: und <* was des Magens Hoffnung, wurde de« Herzens Not. Frau Sedlak vermutet«, daß auch ihr Mann, obzwar er's mit keiner Silbe und keinem Blick verriet, ein heimliches seelisches Attachement an dem Hafen im Innersten berge.... Aber ich glaube, das trug nur ihr Wille in des Gatten Busen hinein, von dem unbewußten Ver» langen beschwingt, e» möchte der Schneidermeister das Odium der Rührseligkeit aus sich nehmen und den Hasen begnadigen. Der Schneidermeister dachte nicht an derlei. Er setzte da» Datum der Schlachtung fest und verpflichtete den Hausmeistersohn, einen gewesenen Deutschmeister mit der großen Silbernen, zur Metzgertat. Von dem Augenblick an, da das Urteil über den Hasen uuwider. ruflich gefällt war, begann die brav« Frau Sedlak über ihn zu schimpfen. Sie sprach von ihm nur mehr perder Kerl". Di« ganze Wohnung stinke nach ihm, bei Nach, rumore er in seiner Kiste herum, daß man nicht schlafen känne die Kiste würd« längst dringend zum Heizen benötigt, und soviel Kohlstrünke und Gemüsemist gebe es gar nicht, wie der Kerl auf einen Sitz ver- schlingen könne. Am Ende sei sie froh, daß nun bald Weihnachten käme und der lästige Wohnungslnsasie wieder verschwinde. Nun, das war aber einer faustdicke Lüge von Frau Sedlak.... Auch über den Fleischertrag, den sie sich von dem Kerl ver» spreche, redete sie mit so kummervollem Appetit in der Stimme, daß «» klar war, sie übertreibe, vielleicht unbewußt, dies« Einschätzung vor sich selbst, um mit dem Gewicht des köstlichen Hasenfleisches ihr Bangen zu ersticken. Dem Hasen selbst muß das Dilemma seiner Gebieterin aufge- fallen sein. Oder gab ihm, der doch nun einmal dahin mußt«, ein höherer Lenker, womit er der Frau für bewiesen« Sorgsalt und Güte danken könne? Genug, er tat, der Hase, wie in soscher Situa- tion ein psychologisch geschulter Hase auch nicht anders hätte tun können: Er biß Frau Sedlak fest in den Finger. Freudestrahlend berichtete sie:Er hat mich in den Finger gebissen." Ja, gottlob, nun war unter das Todesurtell, es moralisch stützend, die todeswürdige Tat geschoben. Nun war das verpslich- tend« Freundschaftsband zwischen Frau Sedlak und dem Hasen von diesem selbst entzweigebissen. Nun war der Appetit aus Hasen» braten: Gerechtigkeit. Fiatl Sie schluckte trotzdem, die Schnetdermeistersftau, als sie er- zählte, wie das Messer des mordgewohnten Schinders seines Amte» gewaltet habe. Sie warf einen Blick zur Seite bei der Erzählung, als spüre sie'» wirklich, was das heiße, ein armes Wesen, einen unbeschreiblich rätselvollen, kompliziertesten, mit Gefühl, Bewegung, Gesicht, Gehör, mir allen heiligen Wundern des Lebens begabten Organismus zu vernichten, damit er von anderer Wesen Mäulern zerkaut und zu Nahrungsbrei eingespeichelt werden könne. Und es hing noch wie zerrissener Schleier von Betrübnis um das Lächeln, mit dem sie sagte:So schön fett war er!" Aber andern Tage» die Mitteilung, daß das Fleisch zart wi» Hühnerfleisch schmecke, wurde schon in einer Froheit gemacht, deren Sonne kein Fleckchen mehr trübte. Dos Fell ist zum Trocknen aufgespannt: es hat seinen Wert. Ein wenig Fett ist noch in der Speisekammer als Superplus des Feier» tagbratens. Die Wohnung stinkt nicht mehr nach tierischem Exkre- ment. Kein nächttiches Rumoren in der Küche stört den Schlaf der braven Sedlats. Aber die ale Kiste ist nicht zu Brennholz zerhackt worden. Sie bleibt Kiste. Denn Herr Sedlak ist entschlossen, wieder ewen Hasen zu er» werben. Und Frau Sedlak wird, vermute ich, sich vom Fleck weg seelisch so auf ihn einstellen, als ob er schon gebissen hätte. (Alls der SNzzensainmlungGestern und heute", die in R. ltaem» inner» Verlag, Dresden  , erschien.)