Der neue Gruß!
Rennt ihr schon den neuen zeitgemäßen Gruß der Arbeiter. jugend? Nein? Er ist ganz einfach und lautet so:" Freundschaft! Rommst du mit nach Wien ?" Ja, da staunt ihr und wollt sicher wissen, wie dieser famose Gruß erfunden wurde.
Kurz nach Ostern tagte in Berlin das Bureau der Sozialisti Ichen Jugendinternationale, um noch einmal alle Fragen des Wiener Jugendtages durchzusprechen. Diese Gelegenheit benutzte die Ber finer Organisation und veranstaltete in einem der größten Säle Berlins eine gewaltige Kundgebung. Tausende von Arbeiterjungen und möbel, aber auch eine ftattliche Zahl Erwachsener waren dem Rufe gefolgt. Zuerst sprach Koos Vorrint mit frischen, lebendigen Borten über Jugend und Internationale". Richard Lindström behandelte eindringlich und überzeugend das Thema„ Frieden und Internationale". Nach einer feinen Filmvorführung fam dann Felir Kanit aus Wien zu Wort. Er überbrachte uns im Namen aller österreichischen Genossen die besten Grüße und lud uns gleich, zeitig ein, nach Wien zu kommen. Nicht nach dem alten Wien der Spießbürger, sondern zum neuen, roten Wien , zum Wien der so zialistischen Arbeiter. Der Genoffe Kanig empfahy uns auch, den oben erwähnten Gruß einzuführen Dieser Borschlag wurde mit zustimmender Heiterkeit aufgenommen und bald darauf praktisch angewandt. Kurz gefagt, Kanit hat eine prächtige Propogandarede für Wien gehalten. Gar mancher, der noch vorher unschlüssig war, ob er die große Reise antreten foll, sagte zum Schluß feft und bestimmt: Ich fahre mit nach Wien !
auf je fünf im Handwert beschäftigte Personen ein Lehrling, ober nach Abzug der selbständigen Meister auf je zwei Arbeitnehmer ein Lehrling. Im Metallhandwerk finden wir die größte Zahl der Lehrlinge, und zwar 134 500, das find 24,4 Proz. Es folgt dann das Bekleidungsgewerbe mit 117 500 Lehrlingen( 14,3 Broz.), das holzgewerbetreibende Handwert mit 100 500 Lehrlingen( 22,6 Proz.), das Nahrungsmittelgewerbe mit 83 700 Lehrlingen( 12,1 Proz.) und das Bauhandwerk mit 66 200 Lehrlingen( 13,2 Broz.).
Im Metallhandwert stehen wieder die Schlosserlehrlinge mit 35 963( 38 Pro3. der beschäftigten Personen) an ecfter Stelle. Go folgen dann die Schmiedelehrlinge mit 34 445( 27,2 Proz.), bie Klempnerlehrlinge mit 22 133( 19,2 Broz.), die Lehrlinge in der Maschinen- und Fahrzeugreparatur mit 17 779( 25,9 Proz.). Im Bekleidungsgewerbe sehen sich die Lehrlinge in der Hauptsache aus Schneider- und Schuhmacherlehrlingen zusammen: es gibt an Schneiderlehrlingen 77 569( 11,9 Proz.) und an Schuhmacherlehr lingen 31 061( 14,3 Proz.). Der Hauptteil der Lehrlinge im Holz handwerk ist in der Tischlerei beschäftigt, und zwar 73 321 ( 28,3 Proz.). Im Nahrungsmittelgewerbe überwiegen die Bäcker. lehrlinge( 43 139 13,9 Proz.) und die Fleischerlehrlinge( 28 692= 12,3 Broz.).
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Im Handwerk weisen die Betriebe der Größenklasse von vier und fünf Personen die verhältnismäßig stärkste Besehung mit Lehr lingen auf. So erreicht der Anteil in diesen Größenklassen an der Gesamtzahl der beschäftigten Personen in der Schlosserei 48,7 Broz, in der Schmiederel 38,2 Broz., in der Tischlerei 37,2 Broz. Aber auc in Handwerksbetrieben mit ein bis drei Personen ist der Anteil der Lehrlinge an der Zahl der Arbeitnehmer sehr groß. Wie die Ergeb Im roten Wien werden am 12. und 13. Juni 35 000 Jugendlichenisse der gewerblichen Betriebszählung zeigen, spielt die Lehrlings bemonstrieren. Wißt ihr was das bedeutet? 35 000! Die größte Jugendfundgebung. die femals in der Welt stattgefunden hat, wird in Wien sein. Die Wiener Arbeiterschaft erwartet uns, fie forgt und rüstet schon jetzt für unseren Empfang. In den großen neuen Gemeindebauten werden wir Quartier bekommen Deutsche , Defter. reicher, Tschechen, Belgier. Holländer, Schweden , Dänen und Polen werden einige Tage in Wien sein, um gemeinsam in der Stadt des fozialistischen Aufbaues ein wuchtiges Bekenntnis zum Sozialismus, zur Internationale abzulegen
Dann ist vor furzem eine Behauptung aufgestellt morden, die ich nicht ganz olaube, aber doch ermähnen möchte. Aus Deutschland werden voraussichtlich 10 Sonderzüge nach Wien rollen Alle zehn Rüae follen an einem Tage innerhalb einer Stunde die Grenzstation Bodenbach passieren. Dazu kommen sicher noch ein paar fahrplan mäßige Züge, dann hat Bodenbach genau so mie die Berliner Stadtbahn Bierminutenverkehr Der Stationsvorsteher von Bodenbach fann sich jetzt schon gratulieren. Kaniz sprach auf der Kundgebung davon, daß qus Berfin ficher 2000 nach Wien - fommen. Das ist allerdings etwas viel verlangt, aber bei einiger Anstrengung werden es mohl 1000 werden. Es wird überall fleißig cefpart und gefam melt. Alle rüsten schon jetzt, um den großen Tag mit erleben zu tönnen. Wer irgend fann, muß mit. Dafür werben und arbeiten wir noch fräftig, denn ein altes Berliner Wort sagt: Je mehr, je lieber. Freundschaft! Kommt ihr mit nach Wien ?" Kunz.
Umfang des Lehrlingswesens.
Die gewerbliche Betriebszählung vom Jahre 1925 ermittelte im Deutschen Reich von 18 749 583 beschäftigten Personen rund eine Million, oder genau 986 848 Fabrit- und Handwerkslehrlinge. 5,3 Broz. der insgesamt Beschäftigten sind also Lehrlinge.*)
Es entfallen an Lehrlingen auf die einzelnen Gewerbeabtei lungen: Gärtnerei, Tierzucht und Hochseefischerei 3367, Industrie und Handwerk 951 390, Handel und Verkehr 17 604, Theater-, Musik- und
Schaustellungsgewerbe 469, Gesundheitswesen und hygienische Ge
werbe 13 737.
Der Anteil der Lehrlinge am Gesamtpersonal in den einzelnen Gewerbegruppen ist sehr verschieden. Es entfallen in der Eisen-, Stahl- und Metallwarenindustrie 14,6 Broz.( 131 700), im Holz- und Schnigftoffgewerbe 13,6 Broz.( 137 048), beim Maschinen- und Fahr zeugbau 11,2 Pro3.( 148 238), beim Bekleidungsgewerbe 10,3 Broz. ( 149 076), in der elektrotechnischen Industrie und im Baugewerbe rund 8,5 Broz.( 50 222 und 129 650) vom Gesamtpersonal auf die Lehrlinge.
Den geringsten Anteil der Lehrlinge am Gesamtpersonal besitzen u. a. der Bergbau, Salinenwesen usw. mit 0,4 Broz.( 3090), die chemische Industrie mit 0,9 Broz.( 2757), die Textilindustrie mit 1,5 Broz.( 18 006), die Kautschut- und Asbestindustrie mit 0,7 Proz. ( 475) usw. Es handelt sich hier vorwiegend um Gewerbe, die in der Hauptsache angelernte Personen beschäftigen.
Die wichtigste. Betriebsgröße für die Lehrlingshaltung ist der Betrieb mit sechs bis zehn Personen, und zwar erreicht der Anteil der Lehrlinge in dieser Betriebsgröße an der Gesamtzahl der Beschäftigten in der Eisen- und Metallwarenindustrie 28,9 Bro3., im Maschinen- und Fahrzeugbau 26,4 Proz., im Holz- und Schnißstoffgewerbe 24,1 Proz., in der elektrotechnischen Industrie 23,8 Proz. In den Betriebsgrößenflaffen unter sechs Personen und mit mehr als zehn Personen bleibt dagegen der Anteil der Lehrlinge am Gesamtpersonal erheblich hinter den Säßen der Betribesgröße mit sechs bis zehn Personen zurück.
Ueber die Hälfte der beschäftigten Lehrlinge, nämlich 544 000, find in Handwerksbetrieben beschäftigt. Es entfallen im Durchschnitt
*) Nach der Veröffentlichung des Statistischen Reichsamts in Wirtschaft und Statistit" Nr. 5, Jahrgang 1929.
haltung im kleinen und mittleren Handwerksbetrieb auch heute noch
eine erhebliche Rolle.
Geht man davon aus, daß die gezählte eine Million Fabril- und Handwerkslehrlinge den normalen Lehrlingsbestand darstellt, so wird man bei durchschnittlich drel- bis vierjähriger Lehrzeit den jährlichen Bedarf an Lehrlingen auf annähernd 300 000 beziffern können. z. P
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Rundschau
Wie steht die werftätige Jugend zum Buch?
Eine Schrift des Berufsschullehrers Stockhaus in Dessau gibt interessante Aufschlüsse über die Frage: Wie steht die werftätige Jugend zum Buch?" Er berichtet, daß 75 Proz. der Schüler gern Bücher lesen, allerdings muß er hinzufügen, daß Abenteurerromane, Erzählungen und Erlebnisse bevorzugt seien; in den Abenteurer geschichten„ lebe man förmlich mit", Gedichte dagegen feien abge rissenes Beug". Aehnliches wird aus Kiel berichtet. Von einem größeren Kreis von Berufsschülern hatte ein Drittel während eines Monats überhaupt kein Buch gelesen. 143 Jugendliche hatten in einem Monat nach ihren Angaben 430 Bücher gelesen, wovon der betreffende Lehrer 220 zur Schundliteratur zählen mußte. Trüber fieht das Bild aus, wenn man die Benutzung von Büchereien durch Jugendliche betrachtet. Von 3059 Kieler Berufsschülern benutzten im Herbst 1927 nur 127 regelmäßig die Schulbücherei und 265 andere Büchereien, das wäre also etwa ein Achtel der Gesamtheit.
Von den 65 035 Lesern der Berliner städtischen Boltsbüchereien im Jahre 1926 waren 17 843 38,35 Proz. Jugendliche unter 18 Jahren. Zum Vergleich sei erwähnt, daß in Groß- Berlin etwa 100 000 Jugendliche allein die Berufsschulen besuchen. Interessant ist nun, zu erfahren, daß von je 100 jugendlichen Lesern der Ber liner Volksbüchereien
waren.
47,1 Schüler höherer und mittlerer Schulen,
8,1 ungelernte Arbeiter und Hauspersonal, 19,7 gelernte Arbeiter und gewerbliche Lehrlinge, 16,5 faufmännische Beschäftigte und Lehrlinge
Selbst wenn man berücksichtigt, daß die Schüler höherer und mittlerer Schulen in erheblichem Maße durch Schulaufgaben( Auf fäße) zur Benutzung der Büchereien veranlaßt werden, so bleibt doch ein sehr betrübliches Mißverhältnis zwischen dem Leseeiser der Schüler und dem der werftätigen Jugendlichen übrig, denn in Berlin tommt auf etwa 10 beruflich tätige Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren erst ein Schüler. Daß hier nicht eine zufällige örtliche Erscheinung vorliegt, beweisen Berichte der Stadtbücheret Hagen in Westfalen für 1926 und 1927 und der Städtischen Lesehallen I und II in Leipzig für 1926.
Es wäre nun aber erheblich über das Ziel geschossen, wenn man allein nach diesen zahlenmäßigen Feststellungen urteilen wollte, Neben den öffentlichen und Schulbüchereien spielen bekanntlich die Jugendvereine und Jugendheime eine sehr erhebliche Rolle. Die meisten Jugendvereine und Jugendgruppen pflegen das Bücherel
wesen.
Was lieft nun der jugendliche Arbeiter? Die Berliner Bolts. bückereien ermittelten 1926: Bon je 100 Jugendlichen lafen weibl.
schöne Literatur belehrende Literatur
männl.
34,2 65,8
16 84
Daß das Interesse der Jugendlichen für belehrende Literatur sich aber menig von dem der Erwachsenen unterscheidet, zeigen Angaben der Stadtbücherei Kaiserslautern . Die Unterhaltungsliteratur wurde hier von den erwachsenen Lesern sogar in stärkerem Maße als von den Jugendlichen bevorzugt. Walter Maschte.