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Da klopfte es an die Thür, und herein trat in glänzender Militäruniform ein noch ziemlich junger, aber schon sehr abgelebt aussehender Herr: er war draußen aus einer kostbaren Equipage gestiegen, und ein galonirter Diener war vom Bock gesprungen und hatte ihm den Wagenschlag geöffnet: Seine Erlaucht Herr Oberlieutenant Graf Fritz von Feldersberg war's. Also war es dem Vater doch Ernst gewesen! ,, Meine Tochter Gertrud!" ,, Meine Gemahlin!"
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,, Seine Erlaucht Herr Oberlieutenant Graf Fritz von Feldersberg!"
So stellte Herr Margentheim die im Zimmer Anwesenden
einander vor.
Dann mußte das arme Weib mit den verweinten Augen die Frau vom Hause spielen, und sie war zu sehr an den Ton der ,, feinen Welt" gewöhnt, als daß sie das nicht in vollendetster Weise zu thun vermocht hätte. Gertrud war die Honneurs machende Tochter des Hauses, welche sich dem Grafen, wie es schicklich war, gegenübersetzte, und Herr Banquier Reinhold Margentheim, welcher fortwährend die weiße Halsbinde zurecht rückte, erstarb in höflichster Unterthänigkeit.
Graf von Feldersberg konnte den vollendeten Gentleman spielen; er war so ganz, was die Welt liebenswürdig nennt.
Gertrud wußte das, und sie erkannte Den wieder, welcher einst so feurige Worte zu ihr gesprochen, als sie sich der seidenen Ottomane erinnerte, auf der sie bei dem jüngsten Ballfeste im Hause Margentheim und Kompagnie neben ihm gesessen.-Ja wohl, seine Rede sprühte, so lebendig war sie gewesen, und in den dunklen Augen, die damals lange noch nicht so matt aussahen wie jetzt, loverte eine verzehrende Glut!- Sie erinnerte sich sogar, daß er ihr Medaillon, welches ihr, als sie zum Tanze gingen, entfallen, von dem glatten Parquettboden aufgehoben und, es zurückgebend, ganz leise mit den Lippen berührt; o, die jungen Damen haben in manchen Beziehungen ein sehr gutes Gedächtniß,- ja, das war Herr Oberlieutenant Graf Fritz von Feldersberg gewesen!
Auch heute konnte er sehr artig sein, und eine gewisse Befangenheit, welche an Gertrud nicht zu verkennen war, schien ihm nur eine Lockung zu sein, sein unleugbares Rednertalent noch mehr zu zeigen.
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Beim Abschied füßte er die dargebotene Hand der Frau Margentheim, Gertrud hielt fast schüchtern mit der ihrigen zurück, dann reichte sie ihm auch ihre Rechte hin. Mit welch' einem Blick leidenschaftlichster Glut er noch einmal sein Auge auf der schlanken, schönen, kräftigen Gestalt ruhen ließ!
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Kaum war die Thür hinter dem Grafen in's Schloß gefallen, als Herr Margentheim, der den Gast auf den Flur geleitet, wieber hereintrat.
,, Gertrud," sagte er haftig ,,, nicht wahr, du erinnerst dich des Kann es Jemand geben, der mehr Mann von Welt
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Grafen? ist als er?"
Das schöne Mädchen nickte nur leise mit dem Kopfe. ,, Und ist nicht jedes Mädchen zu beneiden, das die Seine wird? Glaubst du nicht, daß viele verlangend ihm die Augen folgen lassen?"
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Gertrud neigte abermals stumm das Haupt.
,, Nun wohl, in einem Monat werden wir Hochzeit haben, Herr Oberlieutenant Graf Friß von Feldersberg hat mein Wort!" ,, Bater! Um Gotteswillen Vater!" rief jetzt Gertrud in äußerster Lebhaftigkeit, starr den Blick auf Herrn Margentheim gerichtet. Hatte sie denn recht gehört?
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,, Was willst du, Gertrud?" erwiderte ihr der Vater ruhig und scheinbar völlig gleichgiltig. Seine Erlaucht Graf Fritz von Feldersberg ist der liebenswürdigste Mensch, der sich denken läßt,- er ist ein Mann von Welt, eine der angesehensten Persönlichteiten der Residenz.- Der Herr Graf hat mein Wort, und du weißt-"
,, Vater! um Gottes willen, Vater!" konnte Gertrud nur wieder hervorstoßen, und das arme Mädchen wäre fast zu Boden gefunken.
,, Nun, du weißt--"
,, Vater, ich habe kein Herz zu vergeben!" ,, Kein Herz zu vergeben?
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Was soll das heißen?" fragte jetzt der feine Mann", aus seiner scheinbaren Gleichgiltigkeit erwachend.
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,, Nun," mischte sich plötzlich Frau Margentheim in's Gespräch, welche bisher stumm in den Hof hinausgeblickt, mit einer Stimme, ,, daß das welche nur mühsam die innere Erregung verbarg, arme Kind ihr Herz schon vergeben hat!"
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Sie hatte zugefehen, wie ihr Gatte rücksichtslos den Ruin der ganzen Familie herbeiführte; aber sie durfte nicht ruhig bleiben, wenn das Lebensglück ihrer Tochter auf dem Spiele stand. Das liebewarme Mutterherz überwand jetzt alle Angst und Scheu; es gibt Augenblicke, wo das schwächste Weib das muthigste und stärkste wird. „ Hahaha! Wie heißt denn Ihr Herz schon vergeben! der große Mann, dem das Glück geworden, Seiner Erlaucht dem Grafen Friß von Feldersberg vorgezogen zu werden, wenn ich fragen darf?" rief jetzt Margentheim mit brutalem Hohn, denn die Leute, welche sich ganz und gar dem Dienste Gott Mammons verschrieben, haben stets im Grunde ihres Herzens etwas Brutales, es. kommt nur darauf an, daß sich die Gelegenheit bietet, dieses innerste Wesen zu offenbaren.
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Gertrud war auf einen Stuhl gesunken, unfähig, auch nur o, die Mutter, o, die Mutter, ein Wort hervorzubringen, fie hatte ihren Gatten nur zu gut kennen gelernt. Und sie hatte sich seit Wochen gewappnet auf diese Stunde, weld kommen mußte, sie hatte jeden Tag ihren Muth genährt, es galt das Glück ihrer Tochter, ihres einzigen Kindes, es galt das höchste Recht des Weibes, das einzige Recht, für welches das Weib noch leben und dulden darf: das Recht des Herzens! Jetzt mochte er höhnen, drohen, die Fäuste ballen, der feine Mann", sie war in diesem Augenblick löwenkühn, sie war die aufopferungsfähige Mutter.
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,, Baumeister Johannes Sollmans heißt dieser schlichte, aber brave Mensch!" antwortete sie in festem, ruhigem Tone.
So hatte sich seine Frau ihm noch nicht gegenübergestellt. Umsomehr erwachte Margentheim's thörichter Stolz und seine Herrschsucht; denn er war ,, das Haupt der Familie"! ,, Johannes Sollmans, der mit dem Metermaß in der Tasche Hahaha!" Und er zwischen Kalt und Mörtel herumklettert? brach in ein boshaftes Lachen aus.
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Das arme Mädchen zuckte jäh zusammen, als der Geliebte ihres Herzens so verspottet ward. Der Schmutz von ehrlicher Arbeit ist Leuten von der Art Margentheim's häßlicher als der Schmutz der Schande. Gertrud hatte ihren Kopf auf die Lehne des Stuhls gelegt, und die eine der langen, blonden Flechten wallte weit zu den Dielen des Zimmers herab.
" Ah!" fuhr jeẞt Margentheim fort, nachdem er einen zornigen Blick auf seine Tochter geworfen. Daher also die Sonntags= promenaden die Sonntagspromenaden! Meine Tochter hat geruht, hinter dem Rücken ihres Vaters ihr Herz zu verschenken! Kind, weißt du nicht, wer ich bin?" Und der feine Mann", Kind, weißt du nicht, wer ich bin?" der zuletzt mehr geschrien als gesprochen hatte, packte die Tochter an dem einen Arme, der lose vom Stuhle herabhing, und riß das schluchzende Mädchen zu sich empor.
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,, Vater, Vater!" rief Gertrud, an allen Gliedern bebend und zitternd, und das Blut schien ihr in Stirn und Herz zu sieden. Vater, Vater!"-
,, Margentheim, ich beschwöre dich!" rief die Mutter, noch näher tretend, in größter Besorgniß und mit äußerster Entschlossenheit. Du mißhandelst das arme Kind!"
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Und der Ton dieser Stimme mußte ihn an ferne Tage erinnern; es war, als wüßte er plötzlich, daß es sich für einen feinen Mann" nicht gezieme, das einzige Kind, die erwachsene Er ließ das Mädchen Tochter, wild am Arme herumzuzerren. los, rannte nach der Ecke des Zimmers, um Hut und Stock zu nehmen, und rief, hastigen Schrittes an der zu seinen Füßen niedergestürzten Tochter vorübereilend, das Haupt emporgerichtet, voll höchsten Stolzes: