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bis zum Abend aus? Man war doch auch einmal dreißig Jahre und weiß noch, wie man da die Minuten gezählt hat!"

Der Kommerzienrath war seiner Sache jetzt vollkommen sicher, und so war er denn doppelt betreten über den harten, düstern, einen gewaltsamen Entschluß verrathenden Blick, den Wolfgang, wie aus langem Brüten aufwachend, zu ihm aufschlug, über die Fahlheit und Regungslosigkeit seiner Züge, über den trotzigen Ausdruck der fest aufeinander gepreßten Lippen. Es war, als habe Wolfgangs Stimme, trotz seines gewaltsamen Ringens nach Fassung und Selbstbeherrschung, allen Klang verloren, als er erwiderte:

" Ich bin nie so ungeduldig gewesen und werde es diesmal bestimmt nicht sein. Alles, was Sie mir heute mitgetheilt haben, ist so überraschend und überwältigend über mich gekommen, ich war, was Sie auch glauben mögen, so wenig gefaßt auf solche Eröffnungen, ich habe bisher so wenig daran gedacht, meine Blicke zu Fräulein Hoyer zu erheben, daß ich erst wieder zu mir selber kommen muß. Fräulein Hoyer gegenüber erklären Sie die Ver­zögerung wohl damit, daß sie mir ja Bedingungen gestellt habe, von denen sie selbst glaubt, daß es mir ein Opfer fosten werde, sie zu erfüllen, und eventuell können Sie ihr ja auch sagen, daß man, wenn man in meiner Lage gewesen sei, Zeit brauche, sich an den Gedanken eines solchen Glücks zu gewöhnen. Auf keinen Fall aber thue ich einen Schritt, ohne ihn erwogen zu haben, und ich muß mir also eine Bedenkzeit ausbitten."

Es war dem Kommerzienrath nicht entgangen, daß ein Wider­spruch zwischen den Worten des jungen Mannes und seiner ganzen ' Haltung, sowie dem Klang seiner Stimme bestand, es war ihm sogar, als flinge etwas wie bitterster Hohn grade durch die ver­bindlichsten Stellen, und das Verlangen einer Bedenkzeit war ein so unerhörtes, ja beinahe lächerliches, daß er sich nur mühsam in die veränderte Lage fand. Die Geschichte war ihm entschieden nicht geheuer, aber was sollte man mit einem so sonderbaren Menschen anfangen? So fragte er denn beinahe kleinlaut:

Und wie lange wollen Sie die Entscheidung aufschieben?" " Binnen hier und spätestens drei Wochen erhalten Sie meine Erklärung; sie ist mir schon jetzt nicht zweifelhaft, indessen möchte ich erst mit mir selber völlig in's Reine kommen, und ich glaube, die eigenthümlichen Umstände rechtfertigen das Verlangen, dessen Ungewöhnlichkeit ich vollständig einsehe."

Das klang schon wieder viel unbedenklicher, und die Menschen kenntniß des Kommerzienraths neigte überhaupt, nachdem die erste Bestürzung überwunden war, zu der Annahme, daß Wolfgang nur ein wenig Komödie spiele. Man muthete ihm im Grunde doch einen Abfall von seinen Ueberzeugungen zu, und war es denn nicht am Ende verzeihlich, obwohl herzlich überflüssig, daß er aus Scham und Stolz sich ein wenig sperrte und zierte, daß er sich stellte, als koste ihn der Entschluß, der ja wohl feststand, ernste Ueberwindung? Er konnte glauben, das einzige Aequi­valent, welches er für das Vermögen Martha Hoyers zu bieten hatte, durch ein scheinbares Zaudern und Schwanken werthvoller machen zu müssen, and diese harmlose Spiegelfechterei konnte man ihm ja am Ende gönnen. Daran, daß er lange vor Ablauf der erbetenen Frist sich beeilen würde, die Beute, nach der er aus Anstandsgefühl nicht sofort greifen mochte, einzuheimsen, konnte doch vernünftigerweise nicht gezweifelt werden, und so nahm denn der Kommerzienrath keinen Anstand, dem jungen Manne für seinen unvermeidlichen Rückzug die gewünschte goldne Brücke zu bauen. Je fester er davon überzeugt war, daß Wolfgang nur aus rein

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Peter Paul

Am Ende des Mittelalters wurde die Malerei die bevorzugteste der Künste; ihre Schöpfungen vor allen anderen waren es, welche die düstere Starrheit des christlichen Lebens mäßigten und ihm einen Anstrich lichter Schönheit zu geben vermochten.

Zur raschesten und höchsten Entwicklung gelangte die Malerei in Italien , wo sich während der Kämpfe zwischen Papst und Kaiser eine Anzahl größerer, wohlhabenderer Städte die Freiheit von der Kaiserherrschaft zu erringen und zu behaupten gewußt hatte. Unter der republikanischen Regierungsform in Mailand , Genua , Florenz , Venedig u. s. w. bildete sich ein geistig höher­stehender und selbständigerer Mittelstand, als das unter fürst licher Herrschaft möglich gewesen wäre; es blühten Gewerbe und

geschäftsmäßigen Erwägungen sich das alternde reiche Mädchen gefapert habe, was er ja für einen kleinen Meisterstreich hielt, dem er seine Bewunderung nicht versagen konnte, je mehr die kaum geahnte Geriebenheit Wolfgangs ihm imponirte, für desto schlauer hielt er es, ihm die Konzessionen, zu denen die kom­merzienräthliche Schlauheit ihn zwang, nicht unnöthig zu erschweren, und so sagte er denn launig:

,, Gut denn, obgleich ich natürlich für die etwaigen Folgen nicht aufkommen kann. Ich werde mir Mühe geben, Fräulein Hoyer Ihre sonderbare Bedingung in unverfänglichem Lichte darzustellen, und ich hoffe, daß mir das gelingen wird, aber je früher Sie Ihre Skrupel über Bord werfen, desto besser wird es jedenfalls sein."

Es ist mir so außerordentlich viel an diesem Aufschub ge= legen, daß ich Ihnen für Ihre Güte garnicht dankbar genug sein kann, und Sie können Sich darauf verlassen, Herr Kommerzien­rath, daß ich eine Antwort geben werde, die an Klarheit und Unzweideutigkeit nichts zu wünschen übrig läßt und deren Form vielleicht auch Sie überraschen wird. Ich bin mir über das Wie? noch nicht ganz klar, das eben soll sich in der Zwischenzeit finden. Sie können Fräulein Hoyer sagen, daß ich auch in diesem Falle ganz ich selber sein und daß sie mich bis auf den kleinsten Zug wiedererkennen würde."

Wolfgang hatte das mit Zusammenfassung aller seelischen Kraft in einem möglichst verbindlichen und freundlichen Tone ge sagt, indessen gebot er doch lange nicht über einen hinreichenden Fonds an Verstellungsgabe, und einen andern, als grade den Kommerzienrath, der jeden für einen Tollhäusler gehalten hätte, der sich ein so brillantes Geschäft entgehen ließ, würde diese mysteriöse Erklärung eher beunruhigt, als in Sicherheit gewiegt haben. Dieser deutete sich jedoch die Worte in seinem Sinne, und mit einem fast verschmitten:

Nun denn gute Nacht, Herr Hammer, und wenn Ihnen ein alter Praktikus einen Rath geben darf, so machen Sie die Geschichte kurz!" verließ er das Comptoir.

Wolfgang sah ihm düster nach, bis die schweren Tritte ver­hallt waren, und wer ihm in die Augen gesehen hätte, der würde für die nächste Zukunft wenig Gutes geweisjagt haben. Er sank dann wie gelähmt in seinen Sessel, die Arme suchten auf dem Bult eine Stüge und, beide Hände vor der fiebernden Stirn, saß er lange, lange mit geschlossenen Augen. Er wußte, was er zu thun hatte, und schon während der alle seine Träume vernichtenden Unterhaltung hatte er einen Entschluß gefaßt, der ihn mit einer Art von wilder Freude erfüllte, aber so ungeheuer jäh war die Enttäuschung gewesen, daß er sich erst jedes gewechselte Wort wieder in's Gedächtniß zurückrufen mußte. Und während dieses Sinnens zernagte er sich die Lippe, und eine schwere Thräne, aber eine Thräne des Zorns und der Scham, rollte über seine Wange, und er wischte sie hastig mit der Hand fort, als der Lehr­ling in's Zimmer trat und sich schüchtern erkundigte, ob er noch lange zu arbeiten gedächte.

Er fuhr aus seinem Sinnen- und Brüten auf, gab ein ein­silbiges: Ich gehe sofort" zurück und verließ hastig, als würden ihm im Freien andere Gedanken kommen, das Comptoir. Sollte er noch anf ein paar Stunden in's Freie laufen? Der Schnee knirschte, die Sterne funkelten und flimmerten am tiefblauen, wolkenlosen Dezemberhimmel, und er liebte diese Nächte, aber er war wie zerbrochen und ging heim. ( Fortsegung folgt.)

Rubens .

Handel, und Wissenschaft und Kunst fanden Freunde und Pfleger genug. Der Stoff, welchen die Malerei bei den christlichen Völkern vorzugsweise, anfangs fast ausschließlich, behandelte, war die biblische Geschichte und die Heiligenlegende; und auch die empor strebende Kunst der Italiener konnte sich unmöglich von der so­genannten heiligen Geschichte emanzipiren, da die Religion nicht nur den Mittelpunkt, sondern den wesentlichen Inhalt des ge= sammten Geisteslebens bildete.

Indessen gewannen die heiligen Gestalten der italienischen Maler, im Gegensatz zu der byzantinischen Goldgrundmalerei vor dem Jahre 1200 und ihren langgereckten, fleischlosen Heiligen­