Auswandererhäuser, die ihre Gäste gut behandeln und sie nicht unverschämt ausbeuten, allein es gibt auch eine große An­zahl solcher Etablissements, die man mit gutem Gewissen als Räuberhölen bezeichnen kann und wo die Auswanderer oben­drein noch unglaublich grob und roh behandelt werden. Es werden hohe Preise genommen und wird wenig gegeben; wir kamen zufällig in einer großen Hafenstadt in ein solches Etablissement, wo die Auswanderer ziemlich viel bezahlen für Logis und Be köstigung und wo am Abend nichts als ein Stückchen schlechten Käses zu haben war. Die Auswanderer werden eben von dem Agenten, der dafür eine Provision bezieht, an einen bestimmten Wirt gewiesen und sind daher gebunden. Ohnehin sind es meistens Leute, die zum erstenmal eine größere Reise machen, und die daher froh sind, an einen Wirt gewiesen zu sein, von dem sie das Notwendige erfragen können.

Die Auswanderer werden von vielen Wirten nicht als voll­berechtigte Mitglieder der menschlichen Gesellschaft angesehen, und ihre Lage bringt es mit sich, daß sie sich dies gefallen lassen. Dem Verfasser ist es mehrmals begegnet, daß er beim Eintritt in die Gaststube von einem frechen, noch nicht hinter den Ohren trockenen Keller gefragt wurde:" Wollen Sie aus­wandern?" Hätte er gesagt:" Ja!", so hätte er sicher sein können, von dem Kellner nicht halb so höflich behandelt zu werden als andere Gäste, aber doch zu demselben, womöglich noch zu höherem Preis.

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Die Behörde hat sich indessen auch um die Behandlung der Auswanderer in den Auswandererhäusern bekümmern zu müssen geglaubt und zwar mit vollem Recht. Man hatte da allerlei schmähliche Dinge gehört: daß die Auswanderer, allen Rücksichten auf Gesundheit und Sittlichkeit zuwider, wie die Häringe aufeinander gepackt und wie das Vieh behandelt würden u. s. w. In Bremen ging man zuerst vor und zwar im Jahre 1882, worüber sich zwar die Auswanderer­wirte im Namen der Freiheit" heftig beschwerten, was aber mit Recht nicht beachtet wurde. Wir wiederholen, daß wir nicht von allen Auswandererhäusern sprechen, denn es gibt deren genug, die ganz reell sind; was aber der Reichskommissär für das Auswanderungswesen im deutschen Reich in seinem Bericht vom Jahre 1883 sagt, das läßt tief blicken. Er sagt, daß er von Zeit zu Zeit die Auswandererlogirhäuser besucht und revidirt habe. 1883 seien in Hamburg ähnlich wie in Bremen Verbesserungs- und Sicherheitsmaßregeln eingeführt worden. Es sind da," heißt es in dem Bericht des Reichs­kommissärs, wo es dringend notwendig war, die Niedergänge von den oberen Etagen vermehrt worden und die Holzwände haben einen Kalfüberwurf erhalten. Ferner sind Aenderungen über die nächtliche Bewachung und Erleuchtung der Häuser, über die Türverschlüsse und darüber getroffen worden, daß die Zahl der Personen, welche nach den Bestim­mungen der Behörde in jedem Zimmer beherbergt werden dürfen, auf der äußeren Seite der Türe in sichtbarerweise vermerkt sein muß, wodurch die Kontrole darüber, ob die einzelnen Räume auch nicht überfüllt sind, bedeutend erleichtert wird. Endlich ist auch noch angeordnet, daß in den unter dem Dache befind­lichen Räumen niemand logirt werden darf."

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Die früheren Zustände in den Auswandererhäusern haben ein derartiges Einschreiten der Behörden notwendig gemacht, und es ist einigermaßen besser geworden, wenn auch die Aus­wandererwirte immer noch über Beschränkung der Freiheit" flagen. Es ist gut, daß man endlich einmal von der früheren Anschauung abgegangen ist, nach welcher die Seelsorge der Hauptgegenstand der Vorsorge für die Auswanderer war.

Der Bericht des Reichskommissärs für das Auswanderungs­

wohl der Mühe verlohnen dürfte, die bezüglichen Dinge zu untersuchen.

Wir wissen indessen aus eigener Anschauung, daß sowohl auf den hamburger wie auf den bremer Auswandererschiffen, die in zehn bis vierzehn Tagen Amerika erreichen, im all­gemeinen die Zustände sich sehr gebessert haben. Selbstver­ständlich könnte noch vieles besser sein, wenn auch die Dividende der Herren Aktionäre etwas beschnitten würde. Aber noch mehr als die Eisenbahnen sind die Seedampfer von jenem Komfort entfernt, der eigentlich zeitgemäß wäre. Warum sollte man die Reise im Zwischendeck nicht behaglicher einrichten können als jezt, gerade wie man auch die Eisenbahnfahrt dritter Klasse behag­licher einrichten könnte? Aber der Ertrag des Geschäfts? fragen da die erstaunten Finanzmänner unserer Zeit, die weder Zwischen­deck auf dem Schiff, noch dritter oder vierter Klasse auf der Bahn zu reisen brauchen. Nun wir wissen schon, und da alle dasselbe wissen, brauchen wir nichts mehr zu sagen.

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Im allgemeinen richten sich die Beschwerden hauptsächlich gegen die englischen Dampferlinien. Die Passagiere beklagen sich sehr oft über die Grobheit der englischen Schiffsmannschaft, über Beköstigung und Logement und über Unreinlichkeit auf den Schiffen, sowie noch über vieles andere. Wir sind nicht in der Lage, sicher darüber zu urteilen; das Einfachste wäre indessen, wenn die Auswanderer so klug sein wollten, mit deutschen Schiffen zu fahren. Leider sind die Auswanderer massenhaft so unselbständig und auch so unwissend woran sie freilich nicht schuldig sind nicht schuldig sind daß sie sich von jedem Agenten leicht be schwazen lassen. Ueberhaupt ist im Agenturenwesen vieles faul und die angeblichen Vorteile, welche durch diese Vermittlung den Auswanderern erwachsen sollen, sind in vielen Fällen nur fingirte! Die vielen Agenten, die alle von ihren Provisionen leben wollen, veiteuern auch nicht wenig die Kosten der Ueber­fahrt. Auf den Eisenbahnen und auf anderen Strecken zur See wird doch auch ohne Agenten gereist und die Passagiere finden sich dennoch zurecht. Man findet sich doch schwerer zurecht, wenn man per Eisenbahn von Moskau nach Lissabon , als wenn man von Bremen per Schiff nach Baltimore oder New- York reist. Und doch wird niemand von Moskau nach Lissabon einen Agenten brauchen. Gerade durch das Agententum wird die Masse um ihre Selbständigkeit gebracht, denn Leute vom Lande sind gern geneigt, die Herren Agenten und Gastwirte mit ihren schweren goldenen Ringen und Uhrketten und ihrem oft so prozigen Auftreten als beamtete und ungemein vertrauenswerte Persönlichkeiten anzusehen. Doch gibt es, wie wir immer be tonen, unter Wirten und Agenten eine recht große Zahl durchaus reeller, aufrichtiger und nobler Leute, auf die wir das obige Urteil nicht bezogen haben wollen. Nur im allgemeinen und das wiederholen wir müssen wir es tadeln, daß Agenten und Gastwirte die Unerfahrenheit und Unselbständigkeit der Auswanderer ausnuzen, ja sie zuweilen fast wie Gepäck" behandeln.

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Im Bericht des Reichskommissärs ist ferner ein intereſſanter Punkt berührt, indem es heißt:

Der Reichskommissär hatte im Berichtsjahr mehr als in früheren Jahren Anlaß, seine Aufmerksamkeit dem Treiben der neuerdings wieder in höherem Grade sich bemerkbar machenden ausländischen Land- und Kolonieagenten zuzuwenden."

Wir sind der Ansicht, daß man den Einfluß dieser Art von Agenten auf die Steigerung der Auswanderung überschäzt. Die Auswanderung ist überhaupt keine künstliche Bewegung, sonst könnte man die einheimischen Agenten auch für dieselbe

verantwortlich machen. Die Auswanderung steigt und fällt in

cinem gewissen Verhältnis zu dem Stande der wirtschaftlichen

wesen, der das Jahr 1883 betrifft, ist im allgemeinen recht Verhältnisse diesseits und jenseits des Ozeans; die Tätigkeit der

dürftig, und es wird bezüglich der Schiffe nur gesagt, daß die­selben zuweilen revidirt worden sind. Ueber das Resultat dieser Revisionen ist in dem Bericht selbst gar nichts gesagt und gar nichts ist etwas wenig. Es erscheinen doch jährlich

so viele Beschwerden in den Blättern über Beköstigung, Zoge

ment und Behandlung auf den Auswandererschiffen, daß es sich

Agenten, mögen sie auch noch so verlockende Köder ausstecken, fann Ebbe und Flut der Auswanderung nur in geringem Maße beeinflußen. Ein Einfluß indessen wird ausgeübt und häufig ein unheilvoller. Es werden Nachrichten über gewisse Gegenden verbreitet, als ob dort die Verhältnisse so günstig seien, daß dem Ansiedler die gebratenen Tauben in den Mund flögen.