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Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage.
rollten rascher und rascher. Er stand am offenen Fenster, schüßte mit der einen Hand seinen Hut gegen den stürmenden Morgenwind, mit der anderen winkte er zuriid.
Ein krampfhaftes Ziehen schnürte sein Herz zusammen, und doch drängte sich ihm ein Seufzer der Erleichterung aus der Brust. Ungeduldig trat er von einem Fuß auf den anderen es war falt, er fror; unruhig blickte er um sich Da stand sie auf dem weiten Bahnsteig all' seine Sachen, ja nichts vergessen? allein die Arme schlaff herunterhängend, ihre So fingen die Räder an sich zu drehen, sie Gestalt im Grau zerflatternd. Mit trostlosen Augen
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Die Tauben.*
hatte er auch
Ich stand auf der Spize eines sanft geneigten Hügels; bor mir dehnte fich ein bald goldig, bald filberhell schimmerndes Meer reifen Noggens. Aber dieses Meer wogte kaum; in der schwülen Luft schien jede Bewegung zu stocken; es zog ein schweres Gewitter heran. Um mich her leuchteten noch die gesättigten, sengenden Strahlen der sich trübenden Sonne; dort aber, hinter dem Roggenfeld, nicht gar zu fern, breitete sich eine dunkelblaue Wolke schwerlastend über den halben Horizont. Alles hat sich geborgen. Alles scheint zu verzagen bei dem unheilkündenden Glanz der letzten Sonnenstrahlen. Nirgends ist ein Vogel zu sehen noch zu hören; die Sperlinge sogar haben sich versteckt. Wie stark duftet am Grenzrain der Wermuth. Ich sah auf die blaue Riesenwolfe... und düster wurde es in meiner Seele. Nur schnell, schnell, wenn es denn sein soll! dachte ich. Flamme auf, goldiges Zünglein, roll' herab, dröhnender Donner, zieh' herbei, ergieß' dich, grimme Wolfe, mach' der peinvollen Spannung ein Ende! Aber die Wolfe regte sich nicht. Nach wie vor lastete sie auf der stummen Erde... und schien blos anzuschwellen und sich dunkler zu färben.
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Und plößlich hebt sich von der eintönigen Bläue ein Etwas ruhig und gleichmäßig ab; ein weißes Tüchlein ist es, oder ein Schneeball. Es war eine weiße Taube, die von der Seite des Dorfes her geflogen fam. Sie flog in gerader Richtung, immer gerade... und verschwand hinter dem Walde. Es vergingen einige Augenblicke- es herrschte noch immer dieselbe grausame Stille... Da... da tauchen plötzlich zwei Tüchlein auf, kommen zwei Schneebälle herbei es sind zwei weiße Tauben, die ruhig ihrem Hause zufliegen. Und nun bricht der Sturm los
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und der Wirbeltanz beginnt!... Kaum gelang es mir, meine Stube zu erreichen. Es heult der Wind und wüthet wie ein Wahnsinniger, es sausen die gerötheten, niedrigen, gleichsam in Fezen gerissenen Wolfen daher, Alles wird durcheinander gedreht und gepeitscht, in lothrechten Säulen prasselt ein wüthender Regenschauer herab, der Blizze blendend Feuergrün flimmert vor den Augen, gleich Böllerschüssen rollt in Stößen der Donner, Schwefeldünste treiben in der Luft...
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Hoch oben am Hause aber, unter einem vorspringenden Giebel, fizen zwei weiße Tauben nebeneinander diejenige, die nach ihrem Gefährten ausgeflogen war und diejenige, die sie mit sich gebracht und vielleicht ge= rettet hat. Die Federn sträubend, sißen sie still da und eine Jede empfindet durch ihren Flügel die Nähe des Gefährten. Es ist ihnen so wohl! Und wie wohl ist es mir, wenn ich sie anblicke... Obgleich ich allein bin... allein wie immer! Jwan Turgenjew.
* Aus ,, Gedichte in Prosa". Mitau , Victor Felsto. Rückkehr aus der Verbannung. Der russische Held, der um seiner politischen Ideale willen nach Sibirien geschickt wurde, ist uns der Typus des für seine Ueberzeugung leidenden Freiheitskämpfers. Oft hat ihn unsere Phantasie auf seinem Leidenswege begleitet. Der bildenden Kunst ist jeder Abschnitt seines Lebens in der Verbannung immer wieder ein Gegenstand der Darstellung gewesen: Wie man ihn Hunderte von Meilen weit aus der Heimath fortschleppt wie er in der Verbannung lebt: In graufiger Einöde muß er sein Leben fristen, unter harter Arbeit, allen Unbilden eines rauhen Klimas ausgesetzt, viele lange Jahre hindurch wie er endlich wieder frei wird und zurückkehrt. ein gebrochener Mann. Das ist ein Schicksal von furchtbarer Tragik. Wenn der Künstler sich dieses zum Vorwurf für sein Werk nimmt, dann kann es leicht geschehen, daß die Empörung ihn zu einem übertriebenen Ausdruck, zum Pathos oder zur sentimentalen Weichlichkeit treibt. Damit aber würde er die tiefste Wirkung, die er erreichen kann, selbst zerstören. Ilja Jefimowitsch Nepin, der große russische Maler, hat diese Klippe vermieden. Er hat die
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Feuilleton.
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Szene, wie der Zurückkehrende in's Zimmer tritt, nicht anders gemalt, als sie sich oft genug abgespielt haben wird. Nachbarn haben den Märtyrer draußen getroffen und hereingeleitet in das Zimmer, in dem seine Familie versammelt sitt. Theilnehmend und ein wenig neugierig sehen sie ihm nach. Jezt ist er bereits mitten im Zimmer. Da ist sein Weib!... Ein Anblick bietet sich, der das Herz erbeben macht. Draußen ist heller Sommer, die Bäume stehen in vollem Laub. Warm dringt der Sonnenschein in's Zimmer und spielt über Dielen und Wände. Und doch, ihn friert im dicken Pelz, in Fieberschauern erzittert sein Körper er trägt den Tod im Herzen, die Strapazen haben seine Widerstandskraft zerrieben. An das mildere Klima der Heimath wird er sich nicht wieder gewöhnen. Er ist heimgekommen, um zu sterben. Zögernd schreitet er vorwärts, die kraftlosen Arme zieht er an sich, und auf dem eingefallenen Antlig, dessen Haut die Knochen dünn überspannt, in dem leise geöffneten Mund, in dem starren Blick der weit aufgerissenen Augen erscheint ein fast blöder Ausdruck, der nur durch ein mattes Lächeln noch aufgehellt wird. Das ist von einer niederdrückenden Wirkung. Man fühlt, hier ist eine geistige Kraft ge= brochen, hier ist ein hochstrebender, gegen das Joch sich aufbäumender Mensch mit brutaler Gewalt niedergeschlagen worden Die Familie des Zurückkehrenden saß still um den Tisch, als er eintrat. Sie erblicken, sie erkennen ihn, aber die Ueberraschung hält sie im Bann. Sie vermögen es nicht so schnell zu fassen, daß der, um den sie so lange trauerten, nun wieder unter ihnen sein soll. Die Frau springt auf, weit beugt sie sich vor, alles Blut drängt sich ihr zum Herzen und lähmt ihr die Glieder, fie muß sich stüßen: Ist er es wirklich? Was liegt nicht Alles in den wenigen Linien, die der Maler gegeben hat! Starr haftet sich ihr Blick auf den Eintretenden. Durch den Gram ist ihr kluges Gesicht schärfer in den Zügen geworden, und doch glaubt man so viel Liebe und Güte darin zu erkennen. Aehnliche Empfindungen kehren bei den übrigen Mitgliedern der Familie in leisen Abwandlungen wieder. Ueberraschung und Freude drücken sich auch auf den Gesichtern des Knaben und der ältesten Tochter aus. Nur die Kleine sieht scheu auf den Vater, sie erkennt ihn nicht wieder sie war noch zu jung, als er fortgeschleppt wurde.
Den höchsten Schornstein der Erde besigen die Halsbrückner Schmelzhütten bei Freiberg in Sachsen . Die " Hohe Esse" hat den Zweck, die beim Röften der Erze frei werdenden säurehaltigen Gase so hoch in die Atmosphäre zu führen, daß sie den Landwirthen nicht mehr Schaden verursachen. Die Hütten selbst liegen im Thale der Mulde, etwa eine Stunde von Freiberg entfernt; rechts von denselben erhebt sich das Muldeufer ziemlich steil, und dort hat man 60 Meter über dem Hüttenniveau den Grund für den Schornstein, 3 Meter tief und 12 Meter im Quadrat messend, in Steingerölle eingetrieben, bis tragfähiger Gneisfelsen erreicht wurde. Ueber dem Fundament erhebt sich das quadratische und oben in ein Achteck verlaufende Postament von 10 Meter unterer Seitenlänge und 9 Meter Höhe, in welchem zwei Oeffnungen, wovon die eine zur Reinigung und die andere für den Anschluß des Kanals bestimmt ist, angebracht sind. Die Oeffnungen haben eine lichte Weite von 2 Meter und eine lichte Höhe von 2,65 Meter. Auf dem Postament beginnt die 131 Meter hohe, runde Säule, die unten eine lichte Weite von 5 Metern und oben von 2,5 Metern hat und deren obere Wandstärke noch 250 Millimeter beträgt. Die Esse hat somit eine Gesammthöhe ab Terrain von 140 Metern und liegt mit ihrer oberen Mündung 200 Meter über der Hüttensohle. Das Mauerwerk besteht ausschließ= lich aus hartgebrannten, gelben Thonziegeln. Die Baumaterialien waren in entsprechender Güte in der Nähe des Bauplazes nicht zu haben. Das Wasser lieferte eine Wassersäulenmaschine aus dem Rothschönberger Stollen. Die Anfuhr des Materials mußte von Freiberg per Achse erfolgen auf Wegen, die theilweise bedeutende Steigungen hatten. Der Transport des Baumaterials vom Bauplaz auf den Schornstein geschah durch einen eigens hierzu gebauten selbstthätigen Aufzug, der die Lasten innerhalb der Esse aufzog und der seine Bewegung durch eine Lokomobile erhielt. Für den Auf- und Abstieg der Arbeiter find außerhalb an der Säule Steigeisen angebracht, die auch für Ausführung etwa später nothwendig werdender Reparaturen dienen.
Der Bau wurde einer Bau- Firma am 5. September 1888 mit der Bedingung zugeschlagen, die damals 135 Meter hoch projektirte Esse bis 1. November 1889 fertigzustellen, eine ungemein kurze Frist. Da die Stürme am heftigsten am
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sah sie dem brausenden Zuge nach und dann weiter in trostlose Leere.
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Die Hoffnungen, die sich an den Namen„ Irene Lang" fnüpften, haben sich nicht erfüllt. Sie ist keine große Dichterin geworden; man hat nichts weiter von ihr gehört. Garnichts.
Tage auftraten, sah man sich genöthigt, die Nacht anstatt des Tages zur Arbeit zu benutzen, unter Zuhülfenahme von elektrischem Licht. Eine große Bogenlampe erhellte den Bauplaz, vier kleinere die Arbeitsstelle auf dem Schornstein und viele Glühlichter das Innere desselben tageshell. Am 2. September erglühten zum ersten Male die Lampen( die Esse war dazumal 92 Meter hoch) und warfen ihr weißes Licht über die umliegenden Dörfer. Ende September konnte infolge der kalten Nächte, die in solcher Höhe doppelt fühlbar waren, nur noch bis 7 Uhr Abends gearbeitet werden. Am 28. Oktober konnte die eiserne Kopfabdeckung aufgelegt werden. Die Fertigstellung der 140 Meter hohen- also 5 Meter höher, als ursprünglich angenommen Esse erfolgte drei Tage vor der angesetzten Frist. Für die Riesenesse waren erforderlich: im Grunde 393,1 Kubikmeter, im Postament 502,2 Kubikmeter und in der Säule 1802,7 Rubifmeter Mauerwerk und 15 260 Kilo Eisen- und Kupfertheile. An Mauerziegeln sind im Ganzen 1079 200 Stück gebraucht worden. Die Gesammtkosten betragen 130 000 Mart. Der Kanal, der die Gase von den Röstöfen nach der Esse leitet, hat eine Länge von ca. 1½ Kilometern und ist innerhalb der Hütte bis zum jenseitigen Muldeufer aus Blei, von da ab aus gewöhnlichen Ziegelsteinen. Die innere Ausführung des Schornsteins ist derartig, daß eine Zerstörung des Mauerwerkes durch die abzuleitenden sauren Gase nie eintreten kann. Die Esse ist bei ihrer Höhe das schlankste Bauwerk des Erdballes. gr.
Warum werden mehr Knaben als Mädchen geboren? Die Thatsache, daß die Knabengeburten die der Mädchen in jedem Jahre überwiegen, stellte sich mit unzweifelhafter Sicherheit um so fester heraus, je vollkommener die Statistik wurde. Wenn man an sich die Geburt eines Knaben oder Mädchens für gleich wahrscheinlich erklären muß, so verlangen alle Regeln des gesunden Menschenverstandes, die in den mathematischen Fächern zum Ausdruck kommen, also hier speziell die Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung, daß bei einer Betrachtung vieler Fälle die zufälligen Abweichungen sich aufheben und im Durchschnitt auf 100 geborene Mädchen auch 100 geborene Knaben kommen. Thatsächlich ist das nicht der Fall, sondern auf 100 Mädchengeburten kommen in Europa 106,3 Knabengeburten. Diese ganz gefeßmäßige Abweichung muß ihre bestimmten Ursachen haben, die aufzudecken bisher nicht gelungen ist. Manche sagten, die Sterblichkeit unter den Knaben überwiege infolge der Erziehung und wilderen Lebensweise der Knaben die der Mädchen; um mun feinen Verlust an Knaben eintreten zu lassen, habe der Schöpfer oder die Natur dafür gesorgt, daß dieser spätere Ausfall durch einen Ueberschuß bei der Geburt gut gemacht werde. Andere, mehr wissenschaftlich Denkende weisen eine Erklärung, die mit der Absicht des Schöpfers oder der Natur operirt, zurück; fie suchen dann als ein Naturgesetz aufzustellen, daß das Geschlecht des Neugeborenen sich mehr nach demjenigen Theile seiner Eltern richte, der bei der Zeugung der ältere sei. Da nun in der Regel die Männer in späterem Alter heirathen, als die Frauen, so überwiegen naturgemäß die Knabengeburten.
Von einer ganz anderen Seite wird die Frage in der Zeitschrift für Hygiene von Gottstein behandelt. Gottstein geht nicht davon aus, daß eine Knaben- oder Mädchengeburt an sich gleich wahrscheinlich sei, sondern an sich sei es nur gleich wahrscheinlich, unter allen Lebenden gleich viel Personen männlichen wie weiblichen Geschlechtes anzutreffen. Nun gelangen die Mädchen früher zur Fortpflanzung, als die Knaben, und hieraus würde sich, wie er mathematisch zu deduziren sucht, bei gleicher Anzahl der Geburten ergeben, daß in einem gegebenen Zeitraume die weiblichen Personen die männlichen überwiegen. Gerade ein solches Resultat würde aber der ursprünglichen Wahrscheinlichkeit widersprechen, und daher ergebe sich mit mathematischer Nothwendigkeit das Ueberwiegen der Knabengeburten. Wenn das nicht der Fall wäre, würde sich ein Ueberwiegen der Frauen gegen die Männer herausstellen, für welches man nach Ursachen suchen müsse, während der jezige Zustand als mit den Regeln der Wahrscheinlichkeit in Uebereinstimmung zu betrachten und daher nach weiteren Ursachen nicht weiter zu suchen sei. Ob diese Deduktion unter den Medizinern viel Beifall finden wird, erscheint uns allerdings zweifelhaft. h.
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