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Die Neve Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage.

Goethe's Lebenswerk in seinen hervorragendsten Aeußerungen gehört der gesammten Kulturgemein schaft an. Die Untersuchungen über Goethe sind derart angeschwollen, daß sie ganze Bibliotheken fiillen. Kritische Köpfe, wie Gößendiener, die jeden Goethe'schen Küchenzettel als geheiligte Reliquie verehren, haben an Goethe Empfindung und Wiz geibt. Lange Zeit galt das Goethebuch eines Eng­länders( Lewes ) für mustergültig in seiner Art, ein Beweis, wie der Fremde sich in den deutschen Goethe verſenten konnte. Bei den Nomanen konnte Goethe von vornherein das feinfühlige Verständniß nicht finden, das ihm in England, wie bei den Ge­bildeten der nordgermanischen Stänime entgegen­gebracht wurde. Aber die besten romanischen Geister bemühen sich trotzdem um ihn. Wenn in Deutsch­ land heute noch Goethe's Andenken polternd ge­schmäht wird, von den Einen, weil ihnen Goethe zu heidnisch war, von den Anderen, weil ihnen Goethe's schöpferisches Genie zu viel Grazie und zu wenig äußerste Bitterfeit zu enthalten schien, von den Dritten, weil ihre heftigen politischen In­stinkte vom nachdenklichen und künstlerischen Wesen Goethe's Begehrlichkeiten verlangten, die nicht in ihm stecken fonnten: das Ausland kennt solche Bedenken nicht. Es nennt den Namen Goethe in reiner Verehrung.

Die geologische Thätigkeit der Pflanzen und Thiere.

Von Eurt Grottewih.

Alle diese erdumigestaltenden Sträfte wirken ver­hältnißmäßig einseitig. Von großer Mannigfaltigkeit dagegen ist die geologische Thätigkeit der Pflanzen und Thiere. Diese bilden nicht nur die verschieden artigsten Schichten und Gerüste der Erdkruste , sondern sie tragen auch stetig an den täglichen Veränderungen der Oberfläche unseres Planeten bei. Die geologische Thätigkeit der organischen Wesen kann in eine zer­störende und eine aufbauende geschieden werden.

Plaz einnimmt, so muß es an irgend einer anderen Stelle zurücktreten. Auf diese Weise tragen auch die Bohrmuscheln bei zu der gewaltigen Verschiebung, welche die Meeresgrenzen nachweislich seit uralter Zeit erlitten haben. Denn auch in früheren Erd­epochen sind diese Thiere bereits in derselben Weise wie heutzutage thätig gewesen.

Einen äußerst durchgreifenden Einfluß auf die Zerstörung der Erdoberfläche übt die gesammte or= ganische Welt im Verwesen aus. Aber auch hier vereint sie ihre Wirkung mit der des Wassers. Das Wasser nämlich nimmt die in den verwesenden Thier­leibern und den vermodernden Pflanzentheilen ent­haltenen scharfen Säuren, vor allem die Kohlen­säure und die Humussäure auf. Durch diese bekommt es die Fähigkeit, auch chemisch auf den Erdboden zu wirken, über den es fließt oder in den es einsickert. Besonders in dem letzteren Falle ist die Wirkung eine außerordentlich starke und über den ganzen Erdboden verbreitete. Llit Säuren erfüllt, vermag das Wasser auch den festesten Stein nach und nach zu lösen. Und das Wasser dringt überall hin, kein Mineral ist vollkommen undurchlässig. Es saugt sich in die feinen Poren der Gesteine ein und bringt hier die mannigfaltigsten Veränderungen hervor. So geht dieser Zerstörungsprozeß, den die Pflanzen und Thiere durch Abgabe ihrer Säuren veranlassen, unaufhaltsam fort und zieht immer weitere Streise in Mitleidenschaft. Der ganze Erdboden ist infolge­dessen in fortwährender chemischer Veränderung, be­sonders aber werden die durch die Kohlensäure ge lösten Stoffe vom Wasser in die Tiefe geführt, um schließlich, nachdem dieses als Quelle zu Tage ge treten ist, in irgend einem Thale wieder abgelagert zu werden.

Die Pflanze wirkt in vieler Beziehung zerstörend. Sie gleicht darin am meisten dem Wasser und der Luft, ja, sie unterstützt diese geologischen Kräfte viel­fach in ihrer Thätigkeit. Sobald die felsigen Berg­wände die ersten Spuren der Verwitterung zeigen, siedeln sich an ihnen Pflanzen an, die mit ihren Wurzeln in das Gestein e'ujudringen suchen. Unter der verwitterten Erde friehen die Wurzeln über den Stein hin und wo sie ihn berühren, da wirken sie lösend und bilden infolgedessen deutlich sichtbare Gänge. Auf diese Weise zerfressen die Wurzeln das Gestein und der erste beste Regenguß hat es dann leicht, das zerfressene, zerbröckelte Gestein abzuspülen und thalabwärts zu führen. So sehr die Pflanzenwelt sonst den Boden gegen die Schädigung durch das Wasser schüßt, an steilen felfigen Bergwänden trägt sie sicher bedeutend zur Vernichtung des Gesteins bei. Sie thut dies allerdings noch in anderer, als in chemisch lösender Weise. Es ist oft im höchsten Grade erstaunlich, was für hohe Bäume auf steilen Felswänden gedeihen können. Auf solchem Felsen ist keine nennenswerthe Ackerfrume vorhanden, und wäre sie vorhanden, die Bäume wiirden in so ab­schüssiger Lage doch darin keinen sicheren Halt finden. Sie senden daher ihre Wurzeln hinein in den Stein, und jede Kliiftung und Nize des Felsens wird von diesen unterirdischen Pflanzentheilen durchzogen. Viele, viele Meter weit folgt so die Wurzel den Spalten des Gesteins, überall zwängt sie sich durch oder bohrt sich Gänge auf Kosten des felsigen Materials. Durch ihre lösende Kraft erweitert sie natürlich auch hier die Spalten, am schädlichsten wirkt sie aber dadurch, daß sie mit zunehmendem Alter des Baumes immer dicker wird, und einen kolossalen mechanischen Druck auf das Gestein ausiibt. Es ist öfters beobachtet worden, daß Bäume, die im jugendlichen Zustande an dicke Mauern gepflanzt waren, diese später mittelst ihrer Wurzeln gehoben und umgestürzt haben, daß sie ferner Risse in den Wänden der Häuser ver­ursachten, in deren Nähe sie standen. Es ist daher begreiflich, wie diese starken Wurzeln dicke Stein­blöcke aus ihrer Lage rücken oder vom Felsen ab­sprengen können, so daß sie in die Tiefe stürzen. Felswände giebt es in Menge in jedem Gebirge, und daher ist die zerstörerische Thätigkeit der Pflanzen durchaus nicht gering anzuschlagen.

ie Oberfläche der Erde hat eine äußerst ab­wechslungsreiche Gestalt. In wilder Regel­losigkeit erheben sich hier Berge, dort öffnen sich tiefe Thäler, bald zieht sich eine Ebene dahin, bald thiirmen sich weite Gebirgsstöcke auf. 3war das Meer bildet eine ungeheure, sich gleich bleibende cbene Fläche, aber seine Grenzen wechseln theils bei Ebbe und Fluth, theils in durchgreifender Weise im Laufe langer Zeiträume. Denn diese Erdoberfläche, wie wir sie heute sehen, mit ihrer heutigen Ver­theilung von Wasser und Land, mit ihren Gebirgen, Thälern, Ebenen und Flußläufen, ist keineswegs ein festes, starres Gebilde, das sich ewig gleichbliebe. Die Erdfruste ist vielmehr in stetiger, allmäliger und meistens ummerklicher Veränderung begriffen. Diese Veränderung wird in allererster Linie dadurch herror­gerufen, daß das Innere der Erde eine flüssige Lavagluth darstellt, welche sich mehr und mehr ab­kühlt. Beint Abkühlen zieht sich jeder Gegenstand zusammen, er wird kleiner. So wird auch der Erdfern durch die Abkühlung kleiner, die starre Oberfläche aber wird dem Kern infolgedessen zu groß, sie sinkt daher in faltigen Briichen ein, wie die Schale eines vertrockneten Apfels in Falten 3: 1- sammenschrumpft, da sie sich dem kleiner gewordenen Fruchtfleisch nicht mehr glatt anschließen kann. Die Falten der Erdoberfläche bedingen nun die Vertheilung von Berg und Thal, von Wasser und Land auf unserem Planeten. Während der Erfaltungsprozeß des Erdferns eine unablässige Bauthätigkeit auf der Oberfläche entwickelt, besteht die Wirkung des Wassers, dieser zweiten großen erdumgestaltenden Kraft, vor Allem darin, die Gegensätze zwischen Berg und Thal auszugleichen. Das Wasser zernagt die Felsen und spilt die Höhen ab, es trägt die Erde von den Gebirgen und füllt die Thäler damit aus, verschüttet damit Fliisse, Seen und weite Meeresstrecken, kurzum, es ist das nivellirende Element, das die Gleichheit auf seine Fahne, geschrieben hat. Von ähnlicher Wirkung ist auch das Eis, das nur wegen der Art seiner Thätigkeit vom Wasser, der geschmolzenen Form des Eises, geologisch zu unterscheiden ist, und die Luft, die Gestein verwittern macht. Eine geringere Bedeutung in der Umgestaltung des Erdbodens kommt dem Winde zu, der, mit lockerem Saude Fangball spielend, weite Strecken zu ebenen Wüsten macht oder Dünenhügel aufwirft.

Wie die organische Welt als solche große Um­wandlungen im Bau der Erdfruste hervorbringt, so nehmen un viele einzelne Thiere und Pflanzen, jedes nach seiner Art, an dieser Arbeit theil. Aber diese Thätigkeit ist doch verhältnißmäßig geringfügig. Wie viele Thiere graben nicht Höhlen oder führen Bauten auf, aber die geologische Bedeutung dieses Thuns ist doch schließlich nur unerheblich, um so unerheblicher, wenn man bedenkt, mit was für gigan tischen Kräften die Erdveste sonst zu rechnen fat. Etwas beden famer sind vielleicht die merkwürdigen Bodenveränderungen, welche die Biber vornehmen. Diesen Thieren, die ja jetzt freilich nur noch in Kanada in größerer Menge vorhanden sind, liegt daran, möglichst abgeschlossene Wassertiimpel 31 schaffen, die Sommer und Winter das gleiche Wasser­niveau besitzen. Zu diesem Zwecke banen sie an= sehnliche Dämme, welche Stauungen und Ausamm lungen des Wassers erzeugen oder aber Flüsse theilen, einengen oder in ein neues Bett leiten. Das Wasser ist aber einer der größten erdumgestaltenden Faktoren, und wer daher die Wasserverhältnisse einer Gegend derändert, der verändert diese überhaupt.

Was die Pflanzen für die Gebirgsfelsen sind, das sind die Bohrmuscheln für die Uferwände des Meeres. Zu diesen Thieren gehören die tekannten Schiffsbohrwürmer, die sich oft in einer unermeßlichen Menge in die Wände der Schiffe einbohren, mit Menge in die Wände der Schiffe einbohren, mit ihren Gängen aber auch die Balken der Hafen­böschungen und das Erdreich der Dämme durch löchern und dadurch die größte Zerstörung anrichten. Wie die Schiffsbohrwürmer die Gebilde der mensch­lichen Baukunst vernichten, so greifen andere Bohr muscheln das Gestein der Uferfelsen an. Mit ihren harten, nagelartig rauhen Schalen graben sich diese wurmförmig länglichen Thiere tief in die Felsen wände ein, durchziehen diese mit einem reichen Netz­werk von Röhren und berauben sie dadurch ihrer Widerstandskraft. Die anbrandenden Wogen werden in die Röhren hineingetrieben und können nun ihre zerstörerische Wirkung mit sicherem Erfolge ausüben. Obwohl die Bohrmuscheln im Wasser leben und nur den im Meere selbst liegenden Theil der Uferwände durchbohren, so untergraben sie doch dadurch gerade das Fundament, auf dem hohe über dem Wasser anfragende Felsen und Berge ruhen. Und diese stürzen in demselben Maße ein, als ihnen die Unter­lage entzogen wird. So erlangt die vernichtende Thätigkeit der Bohrmuscheln einen ziemlich großen Umfang. Die in's Meer gestürzten Bergmassen werden von den Wellen verschlungen, das Meer selbst riickt vor, und wenn es irgendwo einen nengewonnenen

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Die Thätigkeit des Bibers ist keine rein zer störende, er wandelt nur gege ene Verhältnisse, während er das Niveau der Erdoberfläche durch schnittlich kaum rerändert. Dämme aufzuführen, muß sogar dereits zu der geos logischen Bauarbeit gerechnet werden, welche die organischen Wesen in ebenso reichem Maße aus fiihren wie die Arbeit des Zerstörens. Denn die Pflanzen und Thiere sind es, welche große, weit reichende Schichten der Erdoberfläche zusammenſezen oder wenigstens an der Zusammensetzung dieser Schichten betheiligt sind.

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Im Meere vollzieht sich die regste und um fassendste geologische Bauthätigkeit der organischen Wesen. Das Meerwasser ist reich an Stalk, der ihm immer wieder von Neuem durch die Flüsse zus geführt wird. Stalk ist ein Baumaterial, das voll den verschiedensten Thieren und Pflanzen des Ozeans in der mannigfaltigsten Weise verwendet wird. Bo dem Stalke, der im Me: reswasser enthalten ist, bauen die Muscheln und Tintenfische ihre Schalen, vers schiedene Ringelwürmer ihre Röhren, die ihnen zur Wohnung dienen, aus dem Stalle besteht aber auch der Stamm der verschiedenen Korallenthiere und die so mannigfach gestaltete Hautkruste der Stachelhäuter, von Kalk ist auch das Gerüst der meist mikroskopisch

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