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Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage.

werden, wie oft geschehen in früheren Jahrhunderten, eine neue Dynastie begründen und unserem Volte neues Leben einhauchen. Vierundzwanzig verschiedene Dynastien herrschten während der mehr als vier­tausendjährigen Geschichte unseres schwarzhaarigen Volkes bald über das ganze Mittelreich, bald über größere Theile. Und wie sollten nicht wir, die sich des besonderen Schußes unseres großen Gottes er­freuen, im Stande ſen, ein neues, ein göttliches Herrscherhaus auf den Trimmern dieser tartarischen Eindringlinge zu begründen?" Man sieht, der Ne­volutionär Hung knüpft au uralte chinesische Tradi tionen an. Die Versammlung war mit ihm ein­verstanden: Hung wurde zum Kaiser der Dynastie Taiping, die Friedliche", ausgerufen; das Neich sollte Tienfuok," Gottesstaat" heißen. Die Nevo­Iution machte einen raschen Vormarsch: 1853 war sie nördlich bis an den Jangtsekiang   gelangt. Am 19. März 1853 fiel Nanting in die Hände der Taiping: es wurde unter dem Namen Tienting, " Himmelsresidenz", Hauptstadt des Gottesstaates, dem nun zirka achtzig Millionen Chinesen an gehörten.

Welches waren nun die Meinungen der Anhänger des jüngeren Bruders Christi"? Es waren die chinesischen   Verhältnissen angepaßten Lehren des Ur­christenthums. Unter den zahlreichen Schriften, die die Taiping- Regierung in Nangking drucken ließ, zeichneten sich durch Verbreitung aus chinesische Ueber­jegungen sämmtlicher biblischen Schriften, wie die Taiping denn auch die Taufe praktizirten. Die Europäer und Amerikaner an den Küsten galten ihnen als fremde Brüder"; sie sind auch nie von den Taiping belästigt und im Handel behindert worden. Der Taiping durfte keinen Privatbesiz haben; seine Bedürfnisse wurden ihm aus den öffent­I'chen Magazinen angewiesen; in dem Buch der himmlischen Dekrete" aus dem Jahre 1853 heißt es, wenn ihr Geld habt, müßt ihr es bekannt machen und es nicht als euer alleiniges Eigenthum

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betrachten." Der Genuß von Tabak, Opium und geistigen Getränken war den Gläubigen verboten, in den erlaubten Genissen sollten sie Maß halten; den Zopf, das Abzeichen des alten Chinesenthums, schnitten sie sich ab. Soust kehrte sich Alles gegen die Mandschus, ihre Mandarinen und Gelehrten. Wer hat diesen Mandschus das Recht gegeben, gewaltsam in China   einzubrechen und den Brüdern ihr Erbe zu entreißen? Wenn mir Gott behülflich ist, unser Gut wieder für uns zu erwerben, so will ich mich bestreben, alle Nationen dahin zu bringen, mit dem ihrigen zufrieden zu sein. Keine darf die andere benachtheiligen oder berauben." Wer sind denn, was treiben unsere Gelehrten denn heutzutage? Sie friechen vor den Mächtigen und schmeicheln ihnen; sie geben vor, allerlei geheime Künste zu besigen, sind Wahrsager und Zauberer, sprechen von den Himmeln und den Höllen, als wenn sie diese und jene gesehen hätten. Alles und Alles, um das Volt zu betrigen und sich die Taschen zu füllen. Die Einsichtsvollen werden durch die Zuchtruthe der Gewalt niedergehalten; sie dürfen nicht sprechen,

wie sie fühlen, wie sie denken."

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Im Oftober 1853 standen die Taiping vor Tientsin  , dem Hafen von Pefing, der ruchlosen Höhle der Mandschu- Teufel". Der Kaiser dachte schon an Flucht nach der Mandschurei  . Aber die Taiping vermochten Tientsin nicht einzunehmen, die Bevölkerung der Nordprovinzen brachte ihnen keine Sympathien entgegen. So war die Revolution Ende der fünfziger Jahre in Stillstand gerathen, aber ohne das die faiserlichen Truppen ihr ihren Besitz­stand hätten streitig machen können.

In den Jahren 1857-58 und wieder 1860 hatten England und Frankreich   gemeinsame Naub­züge gegen das ohmächtige chinesische   Reich unter­nommen, neue Zugeständnisse erpreẞt. Und dann geschah das Unglaubliche: die beiden Westmächte boten der Mandschn- Regierung militärischen Beistand an gegen die Revolution, die das Christenthum vertrat

und China Europa nähern wollte. Während der fünfziger Jahre hatten deshalb die Mächte jede Einmischung abgelehnt. Warum nun die Schwenkung? Englands leitender Minister Palmerston sprach es unter Beiseitesezung aller üblichen Heuchelei zynisch aus, als Cobden ihn 1864 wegen seiner China­politik angriff: Die Nevolution habe keine Aussicht mehr gehabt, zum Siege zu gelangen, sondern nur noch den Handel geschädigt; deshalb habe es im Interesse der Mächte gelegen, der chinesischen   Re­gierung zur Niederwerfung der Taiping zu verhelfen.

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Seit dem Frühjahr 1862 operirte ein englisches und ein französisches Hilfskorps mit den kaiserlichen Truppen gegen die Rebellen, die damals wieder im Vordringen waren. Die Sache war nun natürlich so gut wie entschieden. Von der Stüfte waren die Taiping bald vertrieben. Dann aber vergingen doch noch zwei Jahre, bis sie unter furchtbarem Blut­vergießen, bei dem Franzosen   und Engländer rühm lichst mitwirkten, völlig niedergeworfen wurden. Im Mai 1864 waren sie auf ihre Hauptstadt Nanking  beschränkt. Nach tapferem Widerstande mußte sich wieder die Stadt am 19. Juli 1864 ergeben; der Rebellen­kaiser hatte sich vorher sammt seinen Weibern ver­brannt.

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So herrschte die Ordnung wieder in China   und der süße Handel konnte wieder floriren. Wogegen es natürlich garnichts ausmachen konnte, daß die Möglichkeit, die Chinesen dem Christenthum zu ge winnen, auf immer, die einer Annäherung Chinas  an die europäische Kultur auf lange entschwunden war. Die christlichen Europäer hatten sich zu schön entpuppt, und was seitdem geschehen ist, war nicht geeignet, die Meinung der Chinesen von den weißen Teufeln" zu verbessern. Jedenfalls ist so viel sicher, daß nicht das Christenthum eine Rolle spielen wird, fich n wenn es, wie nach neueren Berichten durchaus im Bereich der Möglichkeit gelegen, eines schönen Tages wieder zu einem großen revolutionären Ausbruch

im Lande der Mitte kommen sollte.

Im Nothjahr. We

Erzählung aus Karelen von Juho Reijonen. Deutsch von E. Brauseretter.

n einer der entlegensten, aber vielleicht sonst schönsten Gegenden des nördlichen Karelen zwischen dem siidöstlichen Kainu und Nußland hat der reine Stoggen" oder das unvermischte Brot" nicht oft zur gewöhnlichen Kost" gehört, nicht

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einmal auf dem Tisch der Reichsten. Besonders wäre es vor etwa vierzig Jahren in Kuohatti als reine Verschwendung angesehen worden, wenn Jemand während des ganzen Jahres gewagt hätte, unver mischtes Brot zu essen. Das that auch Niemand, am allerwenigsten Kylöis- Bertin mit seiner Familie.

Dieser Perttu war in seiner Jugend thöricht" genug gewesen, sich an dean schlechten Sandstrand des Sammal- Sees, dicht am Rande der wildesten Ein­öde, ein Heim zu gründen. Mit fuapper Noth hatte er sich dort mit seinem We've ernährt und jedes Jahr ein neues kleines Familienglied zur Taufe fahren müssen. Auf diese Weise war die Kinderschaar so zahlreich geworden, daß Perttu's Anni von sich selbst sagte, fie wäre ,, ganz verkommen durch Gottes Segen", da sie jedes Jahr und dazu noch in der arbeits­reichsten Henerntezeit- vor dem Pfarrer auf den Knieen rutschen müßte. Brot hatten sie feineswegs in gleich gesegnetem Maße, obgleich der Probst immer versicherte, daß der Sanimalampihof noch mit der Zeit ein prächtiger Neubauerhof werden würde, da sich dort soviel Arbeitszeit, gleichsam geschenkt, an= sammelte. Außerdem hatte er noch hinzugefügt: Er, der die Kinder schickt, sorgt auch für sie!"

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Troßdem mußte wohl Anni selbst für ihre Kleinen sorgen und auf Mittel sinnen, wo sie Alles her nehmen sollte, was nöthig war. Perttu seinerseits Perttu seinerseits mühte sich auch genug, fleißig seinen Moorboden um­zugraben und aus den mächtigen Wäldern, moosigen Mooren und den dickichtartigen Waldsiimpfen der Kuohatti- Sandhaiden herauszuwirthschaften, was sich

* Man mischt im hohen Norden, wo das Getreide sehr kostbar ist, gemahlene Birkenrinde dem Brottcige bei.

herausbringen ließ; aber trotz alledem wollte sich die Noth nicht fernhalten lassen.

Darum beschloß Perttu, einmal die nahe gelegene dunkelgrüne uralte Grenze des Tannenwaldes cin wenig weiter von seiner Hütte fortzurücken, um Play

zi bommen, sich noch einen Acker zu graben.

Aber da kam der Waldhiiter und sagte:" Was machst Du da für Dummheiten, die Bäume ge= hören der Krone, dem Staat, verstehst Du!"

Perttu meinte, daß er auch zum Staat gehöre und sagte, es könnten wohl lieber einige Bäume ge­fällt werden, als daß gottesgeschaffene Wesen vor

Hunger starben. Tas kann nicht einmal der Staat wollen oder was das sonst für eine Krone ist," fügte er zum Schluß hinzu.

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Der Waldhiiter bewies Perttu aber, was der Staat wollte; und Perttu bekam freie Fahrt und außerdem noch für einige Zeit freien Aufenthalt im gelben Steingefängniß zu Kuopio  . Während er da seine Strafe bei Wasser und Brot abbißte, war es wieder Sommer geworden.

Es war strahlender Sonnenschein, als Perttu sich von Kuopio   fortbegab. Bisweilen hörte man einen Kuckuck irgendwo auf den Leppi- Bergen rufen, und die Drossel pfiff hier und da an dem lachenden Ufer des Heinäl- Sees, als er sich gegen Abend seinem

Heim näherte.

Welch' frendiges Gefühl erfüllte sein Herz, als er von dem Kiviharju- Hügel durch den Sonnenranch die blauende Fläche des Sammal- Sces und den frischen, lichtgrünen Roggen mit seinen eben ange­setzten Aehren im Abendwind wogen sah.

" Im Herbst wird's eine Freude sein, da mit Anni zusammen die Sichel zu schwingen und die fleinen Strabben wie frühlingsalte Kälber auf den Stoppeln sich herumtummeln zu sehen, während die älteren Kinder Garben binden, dann pfliige ich die Stoppeln um..."

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Bei diesem Wort brach er seinen Gedanken ab, da er unwillkürlich an seine eigenen kurzen Haar stoppeln denken mußte. Das war ein für Alle sicht­bares Schandzeichen, diese kurzgeschnittenen Haare, noch die noch nicht wieder gewachsen waren- wenn sie

iiberhaupt jemals wieder wuchsen.

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" Wie soll ich mich damit vor Menschen sehen Stinder miiffer lassen, besonders vor Anni und den Kindern.

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Perttu versuchte sich gegen diesen Gedanken zu stählen; aber dennoch wurden seine Schritte immer langsamer, je näher er seinem Heim fam.

Wenn Anni nur gerade zufällig fort wäre. Aber natürlich! Sicherlich ist sie draußen und zieht mit Siffi das Netz ein, da das Boot nicht zu sehen ist, und auf dem Hofplatz wird so gelärmt und ges schrien.

Perttu lauschte.

Spring auf meinen Nagel, dann kann ich sehen, ob Du ein Floh oder ein anderes Thier bist!" Es war die schrille, dinne Stimme des fleinen Antti, und dann hörte man das gedämpfte Weinen des Tomas, obgleich Tomas fast drei Jahre älter

war als Antti.

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Er hätte gern zu ihnen hingehen mögen; aber es war doch zu peinlich, seine eigenen Kinder durch seinen kahlen Stopf zu erschrecken. Außerdem fühlte er sich so matt, daß er sich durchaus für einen Augenblick unter die Birke segen mußte und seine Pfeife frisch stopfen. Während er da so saß, fiel ihm alles Mögliche ein; in erster Reihe, daß es vielleicht am besten wäre, die ganze Placerei mit dem Acker hier daheim völlig aufzugeben und zur Stadt zu ziehen. Man sagte, daß ordentliche Arbeiter dort ganz wohlhabend werden könntent; Bund zum mindesten brauchte man ta nicht zu hungern. Es lohnte wohl, den Gedanken noch näher zu er wägen, besonders da dort Herren herumgingen mit Stoppelhaar, obgleich sie ganz gewiß nicht Gefangene

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