Nr. 110.

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Berlin , Sonntag den 6. August

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Social- Demokrat.

Diese Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme

der Sonne und Festtage.

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Organ des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Vereins.

Redigirt von 3. B. v. Hofstetten und J. B. v. Schweißer.

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Köln , die Bourgeoiße und wir.

Sonderbar!

fann nach oder zugleich mit einer Verwirklichung bigkeit zog es unsere Partei auf die Seite der bedräng­der politischen Freiheit, der politischen Grundfäße ten Freiheit. esmis amids ven 1789. Wenn der Leitung der Partei hierbei ein Ver­Wir find aber auch Social- Demokraten d. h. wir dienst zuzufchreiben ist, so ist es jedenfalls nur bleiben bei der eben bezeichneten Forderung nicht dies: daß sie, ihrer Aufgabe gemäß, durch rasche stehen, sondern verlangen zugleich eine durchgrei- mund sichere Maßnahmen die Bewegung der Partei fende Umänderung der gesellschaftlichen Verhältnisse. zu fördern und zu regeln, jede Unsicherheit und Das Erstere verbindet uns mit der liberalen Verwirrung fern zu halten wußte.) immo? Bourgeoisie das Letztere scheidet uns von ihr. Allerdings kann es kommen, daß der liberalen Und zwar gestaltet sich, was die Erringung der Bourgeoisie- Partei selbst Thaten nicht mehr die politischen Freiheit betrifft, das Verhältniß natur- Unterstützung der Volkspartei sichern: wenn es sid gemäß so, daß uns in diesem Stampfe die liberale nämlich zeigt, daß fie, wie bisher in Worten, so in Bourgeoisie voranzugehen hätte. Zukunft mit fleinen winzigen Thaten, mit Thätlein, die Volkssache verzettelt; allein, das erste Mal, wo es von Seiten der liberalen Partei zu einer, wenn auch noch so unbedeutenden That fam, durften wir und wenn wir zehnmal überzeugt waren, daß sie nach dem ersten Schritte feig zurückweichen würde

Daß und warum wir dies von ihr verlangen können, daß und warum sie wirklich in diesem Kampfe voranzugehen hätte dies haben wir be­reits bei früherer Gelegenheit( in den Artikeln Die sociale Frage" und in der Polemik gegen die ,, Nordd. Allg. Ztg.") ausgeführt und fönnen es, um der Weitläufigkeit der Sache willen, heute nicht wiederholen.

Daß tie liberale Partei uns der Reaction be­schuldigte, das allerdings wußten wir zur Genüge. Die Führer der Partei freilich, denen dod) etwas mehr politischer Tiefblich als dem Troß zugeschrie ben werden muß( womit wir nach teiner Seite hin ein Stompliment gemacht haben wollen), die Führer der Bartei allerdings wußten sehr gut, daß jene Beschuldigung nur eine Lüge war die Führer der Partei wußten sehr wohl, daß man uns der Reaction nur darum verdächtigte, weil man uns als zu revolutionär fürchtete und haßte. Indessen wir haben es hier nicht mit den Führern, sondern mit dem Troß zu thun. Dieser Troß nun, der das von den Führern ihm aufgebundene Märchen von unsern reactionä­ren Tendenzen wirklich geglaubt hatte, dieser Troß legte bei Gelegenheit unserer Haltung in der Köl ner Feftangelegenheit ein ungeheucheltes Staunen, eine für uns äußerst ergößliche Ueberraschung an den Tag. Diese guten Philister hatten sich allen Ern­stes für ein revolutionäreres Element genommen, als die Lassalleaner." Große Organe der libera- Wenn wir nun aber den oben geschilderten len Bourgeoisie sprachen von einer ,, Veränderung," Sachverhalt festhalten, wenn wir uns ver Augen Wenn die liberale Partei den Kampf um die die mit uns vorgegangen fei, von einer Umwan- stellen, daß wir den Stampf nach oben um die po- politische Freiheit nicht führt, so tritt naturge­belung in der social- demokratischen Partei" und der- litische Freiheit mit der Bourgeoisie gemein haben, mäß das sociale Element in den Vorder­gleichen,*) und fonnten insbesondere schlechterdings so ist auch klar, daß diese lettere mit Sicherheit grund. nicht begreifen, wie wir für ein Fest auftreten konn überall auf uns zählen kann, wo sie in Wirklichkeit Im Bürgerthum nun aber findet sich der große ten, über welches wir uns noch furz vorher lustig in diesem Kampfe begriffen ist. Geldbesitz, die eigentliche Kapitalmacht, d. h. die­gemacht hatten. jenige Macht, welche bei der modernen Productionsweise die Knechtung der Ar­beit bewirkt.

Merkwürdig in der That! So wenig also hatte man uns verstanden?

,, Veränderung?" ,, Umwandelung?" Mit nichten, Ihr Herren! Ihr habt Euch für einen Augenblick umgewandelt; Ihr seid für einen Mo­ment uns näher getreten und glaubt nun komischer Weise, wir seien zu Euch gekommen!

Man gestatte uns zunächst einige allgemeine Bemerfungen! ou

Es versteht sich übrigens hierbei von selbst, daß der vierte Stand auch ohne die Bourgeoisie, ja schlimmsten Falls trop derfelben, die politische Frei­heit durchsetzen wird.

Man verstehe dies nicht falsch: alberne Feste, gothaische Reden, langweilige Zeitungsartikel find fein Kampf gegen den Absolutismus, sondern viel mehr eine Parodie dieses Kampfes.

nimmermehr ihr unsere Unterstützung versagen. Das also wäre somit flar, warum wir bei dem Kölner Conflict uns so und nicht anders zur libe­ralen Bourgeoisie stellten, und es bliebe nur zu zei­gen, warum wir vorher ihr feindlich gegenüberstan= den und vielleicht auch in der nächsten Zeit( es fommt ganz auf ihre eigene Haltung an) ihr feind lich gegenüberstehen werden.

In der Bourgeoisie also stedt, in socialer Be­Dieser selbst ist erst vorhanden, wo die That, ziehung, der Hauptfeind des vierten Standes, der und wäre es auch nur die leisefte und unbeden- arbeitenden Menschheit. Der Bourgeoisie vor Allem tendste, oder, wenn dies nicht, doch wenigstens die werden wir demnach im Nacken ſizen, wenn sie in unverkennbare Bereitwilligkeit zur That sich dem uns gemeinsamen Kampfe für die politische findet. Freiheit ihre Schuldigkeit nicht thut. So lange das Kölner Fest nichts als eine be- Und zwar vollzieht sich, unseres Erachtens, diese Wir sind, wie schon unser Name besagt, zu absichtigte Schlemmerei im Gürzenich war, so lange Bewegung mit solcher innerer Nothwendigkeit, daß nächst Demokraten; d. h. wir haben erkannt, daß haben wir uns über die Farce lustig gemacht. wenn auch Alle, die zur Leitung der Social- Demo­von einer socialen Umgestaltung nur die Rede sein Von dem Augenblicke an, wo die Polizei kratie berufen sind, ihr eine andere Nichtung geben das Fest verbot und das Comité sich diesem wollten, sie dies nicht vermöchten. Der vierte *) Die Elberf. 3tg.", rebigirt von A. Lammers, Berbot nicht fügte, von diesem Augenblick an, Stand wird, wenn er die Bourgeoisie nicht in ernst­spricht in einem bas politische Verhalten der Socialisten" lag eine That, lag Ernst, lag ein Kampf um lichem Kampfe gegen den Absolutismus begriffen überschriebenen Leitartikel fogar von einem Rückmarsch". die politische Freiheit( hier speciell das für die Ar- ficht, sicherlich gegen fie vorzugsweise Wir empfehlen der geehrten Redaction der Elberf. 3tg." beiter so äußerst wichtige, gefeßliche Vereinsrecht) vor. ausschließlich! seine Feindschaft richten. ein genaues Studium des obenstehenden Artikels und seiner Fortsetzungen. Im Uebrigen wollen wir der­felben in Beantwortung gewiffer Anspielungen bemerken, daß die hervorragenden Schriftsteller der Social Deco nomie einen von jeder jeweiligen Organisation der Partei unabhängigen Einfluß auf diefe letztere haben- einen Einfluß, den wir ihnen nur dann zu verkümmern suchen fönnten, wenn wir unsere Aufgabe nicht verstanden hätten. Was aber die jetzige Parteiorganisation betrifft, so ver­weifen wir die ,, Elberf. 3tg." auf die Fortsetzungen des obigen Artikels.

-

Eine unbedeutende That, sehr wenig Ernst, sehr schwächlicher Kampf- aber immer eine That, immerhin Ernst, immerhin Kampf. Unwiderruflich in diesem Augenblick war unser Platz bestimmt.

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Und dies ist zuletzt auch nur ein scheinbarer Mißstand: denn der vierte Stand so gut wie der britte, oder vielmehr besser wie dieser, kann und wird, mit der focialen Umgestaltung auch die politische durchsetzen.

Wir hoffen, für heute allen denen, die nicht von

Das sociale Element trat in den Hintergrund das politische in den Vordergrund. Mit derselben Nothwendigkeit, mit der es das wir auf die Aktionsfähigkeit unserer Partei 3 *) Wir geben auf diesen Punkt näber ein, wenn Eisen zum Magnete zieht, mit derselben Nothwen- sprechen tommen.

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