Nr. 135 a.

Berlin , Dienstag den 5. September

1865.

Social- Demokrat.

Diese Zeitung erscheint täglich Organ des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Vereins. Redaction und Expedition:

mit Ausnahme

der Sonn- und Festtage.

Rebigirt von J. B. v. Hofstetten und J. B. v. Schweiter.

Abonnements Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., mo­natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post­ämtern 22/2 Sgr., bei den preußischen Bostämtern im nichtpreußischen Deutsch­land 183/4 Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.( fl. 1. 45. südd., fl. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal.

Herr von Bernuth hat die vorige Num­mer unseres Blattes confisciren lassen. Die­selbe liegt in erneuter Auflage, mit Weg­lassung der Stellen, welche möglicherweise die Confiscation verursacht haben( vgl. nach­stehenden Artikel), mit der Bezeichnung Nr. 134 a., der heutigen Nummer bei.

Herr von Bernuth,

ein Hauptvertreter des jetzt in Preußen herrschen­den Systems, hat unser Blatt abermals confisciren laffen.

Nicht also, wie nach früheren Geschehnissen manche unserer Freunde glauben könnten, Herr Lüdemann, sondern, wie gesagt, Herr v. Ber­nuth war es, der diese Anordnung für nöthig ge= halten hat.

Bei der ganz außerordentlichen Wichtigkeit, welche in Preußen die Polizei bat, balten wir es für un­sere Pflicht, zunächst unsere Leser darüber aufzu flären, wie eine solche Confiscation ins Werk ge­setzt wird. Dies dürfte besonders an solchen Orten, wo derartige Einrichtungen nicht bestehen, von einigem

Interesse sein.

Berlin , Dresdnerstraße Nr. 85.

Bestellungen werden auswärts auf allen Bostämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß- Compagnie, Scharrenstr. 1, sowie auch unentgeltlich von jedem rothen Dienstmann " entgegen genommen. Inserate( in der Expedition aufzugeben) werden pro dreigespaltene Petit- Zeile bei Arbeiter- Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet.

Erneute Auflage der confiscirten Nr. 135.

Die Redaction einer Zeitung hat, sobald die Ausgabe einer Nummer beginnt, ein Exemplar der selben auf die Polizei zu schicken. Dortselbst ge­langt dasselbe vor die sogenannten Lectoren, deren Stellung unter den jeßigen Verhältnissen der Stel lung der Censoren vor 1848 entspricht. Ein Lector ist nämlich ein Mann, der vom Staate hauptsäch­lich zu dem Zwecke befoldet wird, daß er die rechts­widrigen Gedanken in den Erzeugnissen der Presse aufsucht und pflichtschuldigst die Aufmerksamkeit seiner Oberen auf dieselben lenkt, als auf Stellen, welche einen Mißbrauch des Artikels 24 der preußischen Berfassung: Jeder Preuße hat das Recht, durch Wort, Schrift, Druck und bildliche Darstellung seine Gedanken frei zu äußern" enthalten. Manchem unserer Leser würde es viel­leicht interessant sein, die Namen der Berliner Rec­toren bei dieser Gelegenheit zu erfahren; allein wir fönnen für heute diesem Wunsche nicht nachkommen, da wir selbst die Namen dieser Herren erst erfragen müssen.

Confiscation

Hier folgte eine Beschreibung der Art und Weise, wie eine preußische, speziell Berliner Zeitungs­

vor sich geht.

ses Unfalls gemeinsam mit ihren Lesern sich ben Kopf zu zerbrechen.

Aber, offen gestanden, wir stehen diesmal mit höchstem Erstaunen und fast rathlos vor dem Fac tum dieser Confiscation.

Friedrich der Große sagt:

,, Müßte man nicht verrückt sein, um sich einzubilden, die Menschen hätten zu einem ihres Gleichen gesagt: wir erheben dich über uns, weil wir Sclaverei lieben, und geben dir Gewalt, unsere Gedanken nach deinem Willen zu leiten. Sie haben viel mehr im Gegentheil gesagt: wir haben dich nöthig, um diejenigen Gesetze aufrecht zu halten, denen wir gehorchen wollen. Uebri gens aber fordern wir von dir, daß du unsere Freiheit achtest."

Diesen Ausspruch Friedrichs des Großen, einer Autorität, welche ohne allen Zweifel auch von Herrn von Bernuth anerkannt wird, legten wir einem Artikel zu Grunde und stellten in diesem Artikel staatswissenschaftliche Gesichtspunkte auf, welche mit höchst interessante Institut der preußischen, speciell Dies ist das für nicht preußische Leser gewiß genauester Legit aus jenem Ausspruche direct zu Berliner Zeitungsconfiscation. folgern sind.

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wirkender Kräfte nun hat, wie gesagt, Herr von Jene wohlorganisirte Gesammtheit einheitlich Bernuth vorgestern abermals gegen unser Blatt Bewegung gesetzt.

stand mit Freuden zu begrüßen. Hierin haben wir zunächst einen tröstlichen Um­

Hier sprachen wir unsere Freude darüber aus, daß in Berlin keinerlei Polizeiwillkür herrsche, vielmehr, einerlei welche Personen gerade fungirten, ein immer absolut

gleichmäßiges Verfahren hervortrete.

Abgesehen nun von dieser Aufstellung staats sämmtlich aus jenem Ausspruch Friedrichs des wissenschaftlicher Gesichtspunkte( welche, wie gesagt, Großen direct folgen), fanden sich im Artikel

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zur Erläuterung des Gedankenganges ferner: 1) Eine Beschreibung der Art und Weise, wie eine im Sinne Friedrichs des Großen gute Regierung mit innerer Nothwendigkeit vers push fährt;

2) Eine Beschreibung der Art und Weise, wie eine im Sinne Friedrichs des Großen schlechte Regierung mit innerer Nothwendigkeit vers fahren muß.

In dem erſterwähnten Inhalte des Artikels nu aber, in der Entwickelung staatswissenschaftlicher Gesichtspunkte, fann das Gefährliche und Rechts widrige schlechterdings nicht liegen, indem eine uns erhörte Beleidigung gegen Herrn v. Bernuth be ginge, wer annehinen wollte, er, Bernuth, erhebe fich gegen Friedrich den Großen, d. h. halte für verwerflich und staatsgefährlich, was der große König in nachdrucksvollem Ausspruch verkündet hat oder was mit striftester Logif aus jenem Ausspruche direkt zu folgern ist.

Da nun, wie gesagt, hierin schlechterdings nicht das Rechtswidrige und Staatsgefährliche liegen fann, so muß- auch flingt!- der Confiscationsgrund durchaus so sonderbar und unglaublich es oder in der Beschreibung der Art, wie eine schlechte entweder in der Schilderung der Art, wie eine gute Regierung nothwendig verfährt, gefunden werden. Freunde! Gebt acht, die Sache wird interessant. Wir geben Euch die feste Versicherung, daß in betroffen wurde, erlaubt sein, über den Grund die ebenso rein fachlich, zu welchen Mitteln eine fchlechte von der Unannehmlichkeit einer Zeitungsconfiscation gute Regierung naturgemäß auftritt, und Wir glauben, es muß einer Redaction, welche dem Artikel ganz objektiv geschildert war, wie eine

Doch tommen wir zur Hauptsache!

Aus welchem Grunde hat Herr v. Bernuth unser Blatt neuerdings confisciren lassen?

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