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felbft ftellte. So wollte er u. A. den Gemeinden geradezu verbieten, ihren versicherungspflichtigen Mitgliedern mehr zu leisten, als die Gewerk­vereine zu leisten im Stande find. So sehr unsere Abgeordneten für die Intereffen der freien Hilfskaffen eintraten, zu solch engherzigen Ma­növern ließen sie sich absolut nicht herbei, sondern wahrten vor allen Dingen das Interesse der Arbeiter. Da zeigte sich eben der Unter­schied zwischen den wirklichen Vertretern der Arbeiter und dem angeblichen ,, Anwalt derselben. Herr Hirsch steht und fällt mit seinen Versicherungs­tassen, für die Sozialdemokraten aber find die freien Hilfskassen nur Mittel zum Zweck: möglichsten Schutz der Arbeiter in der heutigen Ge­sellschaft. Und wenn sie gegen das ganze Krankenkassengesetz stimmen, so werden sie nicht von kleinlichen Sonderinteressen dazu bewogen, sondern von der Ueberzeugung, daß es im Ganzen keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung des heutigen Zustandes bedeutet.

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3ur Lohnbewegung in   Deutschland. In   Berlin, in Frankfurt a. M., in   Großenhain und   Leipzig, furz an den verschiedensten Orten   Deutschlands finden augenblicklich mehr oder minder große Kämpfe der Arbeiter um bessere Arbeitsbedingungen statt. In   Berlin sind es namentlich die Bauarbeiter   Maurer, Zimmerleute, Tischler, Maler, Stuckateure, 2c. welche mit Eintritt der Bausaison den Kampf aufgenommen haben, und zwar, wie wir mit Freuden berichten können, nicht ohne Erfolg. Der Geißt, der unter den Arbeitern herrscht, ist ein ganz vortrefflicher, fachliche Versammlungen, die von Tausenden besucht werden, find an der Tagesordnung, und die Fachvereine nehmen stetig an Kraft und Ausdehnung zu. Der Lohn­tampf der Zimmerleute ist bereits so gut wie gewonnen.

Jm höchsten Grade belustigend ist das Verhalten der offiziösen Presse den Arbeitern gegenüber. Mit süßsaurer Miene fügen sie sich in das Unabänderliche denn im jetzigen Moment die Fachvereine zu ver­bieten, geht beim besten Willen nicht an, die Arbeiterfreundlichkeit" der Regierung würde dadurch zu sehr blosgeftellt werden, und preisen es als eine wohlthätige Folge des Soziali stengesetzes, daß die ganze Lohn­bewegung einen so ruhigen, gesetzlichen Verlauf nimmt gegenüber den früher damit verbundenen Ausschreitungen". Die Schlaumeier! Der ,, ruhige" Verlauf der Lohnbewegung ist nichts anderes als eine Folge der starten Organisation und des vortrefflichen Geistes der Solidarität unter den Arbeitern. Wo die Arbeiter einig sind, da braucht's keine Ausschreitungen, um mit den Prinzipalen fertig zu werden, Ausschrei­tungen" tommen nur da vor, wo es an der nöthigen Organisation fehlt, oder wo ein Theil der Arbeiter in engherziger Selbstsucht die Sache der Gesammtheit verräth.

Daß die Fachvereine nicht ausgesprochen sozialistisch sein können, liegt auf der Hand. Das hindert uns aber nicht, ihnen unsere volle Sympathie zu schenken. Wo Arbeiter vereinigt find zum Kampf wider kapitalistische Ausbeutung, da ist der Geist des modernen Sozialismus unter ihnen. Den rottet Ihr mit all' Euren Mitteln und Mittelchen, mit Verboten und Chikanen, mit Einschüchterungen und Korrumpirungsversuchen nicht aus. Der sitzt bei den   deutschen Arbeitern viel zu tief, denn er fußt auf der wissenschaftlichen Erkenntniß, er wird und muß siegen, denn er ist nicht das Erzeugniß irgend eines schwärmerischen Kopfes, sondern das nothwendige Produkt der heutigen wirthschaftlichen Zustände.

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- Wer in eine Offiziersfamilie hineingehört, und wer nicht. Vor einigen Wochen war in   deutschen wohlgemerkt in  deutschen Zeitungen die Erklärung eines Rittmeisters von Pfannenberg zu lesen, in welcher dieser Kavalier gegen eine von seinem Vater, dem Oberstlieutenant a. D. von Pfannenberg, ver­öffentlichte Anzeige von der Verlobung der Tochter desselben mit dem Schauspieler Hugo   Hartmann in folgender charakteristischen Weise Ver­wahrung einlegt:

" Ich sehe mich hieraus veranlaßt, zu erklären, daß ich Herrn Hugo   Hartmann- wenn mir auch nichts bekannt, was seine Ehrenhaftigteiting weifel ziehen könnte­niemals als Familienmitglied anerkennen kann und werde er Schauspieler ist und somit nicht in eine Offi­ziersfamilie gehört."

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Also ein Schauspieler, und wenn er noch so ehrenhaft ist, gehört nicht in eine Offiziersfamilie! Wer aber gehört denn hinein? Die Antwort ift leicht gegeben. Lümmel, die ihr Lebtag nichts gelernt und soviel Geld ererbt oder erheirathet haben, um ein Pferd zu bezahlen; Hallunken, die so und so viel arme Mädchen betrogen und dann auf Ehrenwort" fizzen gelassen haben; Wüftlinge, die ihren Lüften an Kindern im zartesten Alter fröhnen vorausgesetzt, daß die Lümmel Söhne von Regierungs­  präsidenten, die Hallunken Söhne von Ministern, die Wüstlinge königliche Prinzen aus dem Hause der   Hohenzollern oder dergleichen sind. Dann gehören sie nicht nur in Offiziersfamilien, sondern in Offizier for p 8. In erstere gehören auch noch Wucherer, die das Geschäft im Großen und geschickt genug betrieben haben, daß sie das Zuchthaus nur mit dem Aermel streiften, vorausgesetzt, daß sie ihren Töchtern eine anständige Mitgift geben; Balleteusen 2c., die sich zeitweise der Gunst" irgend eines Fürsten erfreut haben und hinterher von irgend einem strebsamen Kammerjunker auf Kommando in die Arme geschlossen werden 2c. Noch nie ist in einem Offizierkorps der Versuch gemacht worden, gegen solche Elemente sich zu schützen. Der Adelstitel deckt jede Schurkerei, jede Niedertracht, wenn nur kein Duell ausgeschlagen, kein ,, Eklat" nach außen hin veranlaßt wird.

Sehr erhebend ist es auch, zu sehen, daß ein Sohn seinem Vater auf diese Weise Mores lehrt. Wir haben es aber von jeher gesagt, die heutige Jugend, die hat's in sich. Die Väter ließen sich doch hier und da noch von dem Geist der dreißiger und vierziger Jahre anstecken, sie haben noch allerhand liberalifirende Schwächen", die neue Generation" aber, beson­ders die seit 1866 und 70 großgewordene, das sind Prachtterls! Die preußischen Junker von 1806 waren gar nichts dagegen!

Wie man die Söhne des Voltes mißhandelt. Ende voriger Woche, schreibt man uns aus   Berlin, war in der   Berliner Bresse ohne Angabe der Namen folgende Notiz zu lesen:

Ein faum glaublicher Fall von Soldatenmißhandlung wird dem Reichsfreund" aus   Herrnstadt in   Schlesien mitgetheilt. Danach wurde dort der Rekrut Süße von der 1. Schwadron des westpreußi­schen Küraffierregiments Nr. 5 auf Befehl des Lieutenants v. 2. durch einen Unteroffizier auf ein Bund Stroh gelegt und derart zugerichtet, daß er blutüberströmt in's Lazareth geschafft werden mußte. An beiden Backen sollen buchstäblich die Fleischfeßen heruntergehangen haben. Süße unterließ es aus Furcht vor fernerer schlechter Bebandlung, die Sache zur Anzeige zu bringen. Erst der Vater, der von einem Herrnstädter Bürger benachrichtigt worden war, that dies. Welche Strafe der Herr Lieutenant erhalten hat, ist nicht bekannt. Bekannt ist nur, daß er von Herrnstadt nach   Guhrau versezt wurde. Dies kann doch nicht die einzige Strafe sein! Auch der Rekrut wurde auf Antrag des Vaters versetzt, und zwar ebenfalls nach   Guhrau.

Der Gewährsmann des genannten Blattes schließt mit der Frage: Ob der Rekrut es in Guhrau besser haben wird, wo auch der Herr Lieute­nant ist? Wer weiß es?"

Diese Frage kann sich schließlich Jeder selbst beantworten. Wir aber wollen eine andere stellen: Ob der Hallunke von Lieutenant und das Scheusal von Unteroffizier nicht bei passender Gelegenheit belehrt werden, daß auch die Geduld preußischer Soldaten ein Ende nehmen kann? Der Lieutenant heißt von Liebermann und der Unteroffizier Tschepte!

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Zur Nachwahl in   Hamburg. Unsere Aussichten für den bevorstehenden Wahlkampf, schreibt man uns aus   Hamburg, den 4. Mai,

find sehr günstige. Bebel's Kandidatur hat entschieden die besten Chancen. Bon unserer Seite wird natürlich nichts unterlassen, um den Sieg zu organisiren. Fast noch mehr als wir selber thun aber die Gegner für uns. Sie haben in der Person eines obsturen Fortschritts­philifters, Namens Raabe, eine so lächerliche Kandidatur aufgestellt, daß auch in den uns feindlichen Bürgerkreisen allgemeines Kopfschütteln zu bemerken ist. Die nichtsortschrittlichen Gegner find wüthend und werden mit einer Sonderkandidatur hervortreten womit sie natürlich unser Spiel spielen.

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Die Polizei, welche offenbar von   Berlin aus einen Wink mit dem Zaunpfahl erhalten hat und um jeden Preis das Unglück einer zweiten sozialdemokratischen Wahl" von unserer guten Hansestadt abwenden möchte, entwickelt seit einiger Zeit eine fieberhafte Thätigkeit und scheint uns allerhand Ueberraschungen zugedacht zu haben auf die wir jedoch vorbereitet sind, so daß die Ueberraschungen uns nicht überraschen werden. Daß zwei Genossen, welche im Verdacht stehen, am Kopenhagener Kon­greß theilgenommen zu haben, von hier ausgewiesen wurden, wird wohl schon gemeldet sein. Die Kopenhagener Polizei hatte die Namen der beiden nicht genannt, obgleich fie freundnachbarlich der   deutschen Polizei alle ihr bekannt gewordenen Namen der Kongreßtheilnehmer be­reitwilligst mitgetheilt hat trotzdem mußte die hiesige Polizei an den zwei Genossen ihr Müthchen fühlen.

Nun, hoffentlich wird ihr bei der Wahl die gebührende Antwort er­theilt werden.

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Ein schwarz und weißer Vollblutstier", nämlich der Kreuzzeitungsritter der Konfliktsperiode Graf von Wartens­leben- Schwinsen ist vor kurzem gestorben und, wie die Zeitungen berichten, der von ihm getroffenen Bestimmungen gemäß in einem schwarzweißen Sarg beerdigt worden, auf welchem anf weißer Tafel die von ihm selbst geschriebenen Worte standen:

Als Schwarzweißer wallte ich auf Erden, Als Schwarzweißer will ich Himmelserbe werden, Sind schwarz wie Nacht auch meine Sünden, Als Weißer will ich Gnade finden, Schneeweiß durch Jesu Christi Blut,

Ach Gott, mach's nur mit meinem Ende gut!"

Das nennen wir uns einen konsequenten Narren! Der sang doch noch mit fester Ueberzeugung seine jeliebte Preußenhymne: Sei's in der Mart, in   Pommern und am   Rhein, Ich bin ein Ochse, will ein Ochse sein." Zum Glück stirbt das Rindvieh so bald nicht aus.

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Eine gefährliche Seuche. Aus   Frankfurt a. M., Anfang Mai, schreibt man uns: Im benachbarten   Wiesbaden find zwei Epidemien ausgebrochen: die Blattern krankheit und die Spitzel frankheit. Welche von beiden die schlimmere ist, das überlasse ich dem Leser zu entscheiden. Die Spitzelkrankheit ist direkt von   Berlin importirt worden, und zwar wurde der Ansteckungsstoff in dem Eisen­bahnzug befördert, welcher den Heldengreis Wilhelm nach   Wiesbaden brachte. In diesem Zug fuhren - wohl­ganz nach russischer Weise gezählt 20   Berliner Spigel, mit und seitdem hat sich die Rasse mit trichinenartiger Geschwindigkeit, welche derartigen Parafiten eigen ist, vermehrt. Auch von hier aus ist Polizei nach   Wiesbaden dirigirt worden. Es find dort ziemlich ebensoviel Spitzel wie Badegäfte. Sogar die Damen find auf's Genauefte überwacht damit meine ich nicht solche Damen, die sich offizieller Polizeibewachung erfreuen. Um das Schloß herum konzentrirt sich das Uebel; dasselbe ist förmlich belagert; jeder Neugierige wird sofort unsanft weggedrängt- Alles von wegen der ,, Liebe des Volks".

Ausweisung über Ausweisung. Die   Berliner Polizei hat die Genossen Grimm und Wolderski, beide Tischler, auf Grund des Sozialistengesetzes aus der Reichshauptstadt ausgewiesen, letzterer hat das Recht, dieselbe Luft mit Madai und Genossen athmen zu dürfen, deshalb verwirkt, weil er am Kopenhagener Kongreẞ theil­genommen haben soll. Eine stattliche Anzahl   Berliner Genossen begleiteten die Genannten zum Bahnhof und erzwangen sich Zutritt zu dem Perron. Begleitet von Hochs auf die Sozialdemokratie verließen die beiden " Staatsgefährlichen" die bedrohte Residenz.

Daß die   Hamburger Polizei gleichfalls zwei Genossen, die sich der Reise nach   Kopenhagen verdächtig" gemacht haben, aus dem Bereich ihrer Macht ausgewiesen hat, ist aus unserer Notiz aus   Hamburg zu er­sehen. Die   Chemnitzer Polizei hat natürlich mit der Ausweisung des Reichs ausländerg" Kühn( vergl. unsere Korrespondenz aus  Chemnitz) den Vogel abgeschossen. Es gehört eine gewiffe Gabe dazu, es fertig zu bringen, daß über eine derartige Polizeiinfamie mehr gelacht als räsonnirt wird.

- Schulze  

Delitzsch ist nach langem schweren Leiden am 29. April gestorben. In spießbürgerlichen Ansichten befangen, war er im Grunde ein wohlmeinender Mann, der erst bösartig wurde, als Laffalle die den   deutschen Arbeitern Bedeutungslosigkeit der Schulze'schen Schöpfungen für die Arbeiterklasse tlar machte. Für seine An­griffe auf   Lassalle wurde er indessen von diesem so gründlich abgefertigt und zerzaust, daß er sich nicht wieder erholte. Ein Versuch, Laffalle anderthalb Jahre nach dessen Tode kritisch zu vernichten, konsta­tirte nur die Thatsache, daß er in Wahrheit, wie Herr v. Schweizer da mals wißig schrieb, der todte Schulze war, der sich gegen den lebenden Lassalle erhob,

Die Verdienste Schulze's um das Genossenschaftswesen, das zwar nicht, wie seine Lobhudler behaupten, seinem Haupte entsprungen ist, sondern das er aus England nach   Deutschland importirte, sind immerhin derart, daß man ihm gewisse Anerkennung nicht zu versagen braucht. In seiner

Sphäre hat der Mann seine Pflicht gethan.

Ueber die Thatsache, daß 2 Abgeordnete unserer Partei, Frohme und Rittinghausen, dem Begräbniß Schulze- Delitzsch'  s beiwohnten, wird uns geschrieben:

Die Sozialdemokraten erzeigten ihrem todten Gegner die letzte Ehre", sagt ein   Berliner Fortschrittsblatt. Sie erzeigten weder eine Ehre", noch handelten sie aus Bosheit", fie vollzogen einfach einen Akt der Höflichkeit, deffen Unterlassung eine gesellschaftliche Unanständigkeit gewesen wäre. Schulze   Delitzsch ist von der Sozialdemokratie niemals als ernsthafter Gegner betrachtet worden; von der manchesterlichen Bourgeoisie zum " König im sozialen Reich" und zum Büttel gegen die Sozialdemokratie gemacht, tam Herr Schulze aus   Delitzsch vor 20 Jahren in Konflikt mit unserer Partei und wurde bei dieser Gelegenheit so gründlich abgethan, daß er seitdem als wegner nicht mehr für uns existirt oder existirte. Der Sozialistentödter Schulze aus   Delitzsch war ein todter Mann, und nur der harmlose, Kleinbürgerliche Genossenschafts- Apostel Schulze aus   Delitzsch war für uns am Leben. Und dieser harmlose kleinbürgerliche Genossen­schafts- Apostel, der nebenbei auch Reichstagsabgeordneter war, wurde am 3. d. in   Potsdam begraben, und da es Gebrauch ist, einem Land- oder Reichstagskollegen, der während der Session am Orte, wo der Landtag oder   Reichstag versammelt ist, stirbt, das Geleite zu geben falls nicht besondere Gründe dagegen sprechen, so sind die genannten sozialdemokra­tischen Abgeordneten dem Sarge des todten Schulze ans   Delitzsch gefolgt."

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Zur Richtigstellung. Vor einiger Zeit beschwerte sich Ge­noffe Vollmar in einem Briefe an den Präsidenten des Reichstags, von Levegom, über die von Seiten des Darmstädter Unterstützungs­komites für die Wasserbeschädigten am   Rhein und Main beliebte Ver­schleppung in der Bertheilung der diesem angewiesenen Unterstützungs­gelder. Der Brief wurde in den betheiligten Distrikten als Flugblatt verbreitet und letzteres, wie gewöhnlich, tonfiszirt. In Amerita,

woher bekanntlich der weitaus größte Theil der Gelder geflossen, erregte diese Affäre in weitesten Kreisen begreiflicher Weise große Verstimmung, die noch dadurch vermehrt wurde, daß man mißverständlicherweise an­nahm, der Brief Vollmar's an Levezzow sei konfiszirt worden, und von dem Vorgehen des   Darmstädter Hilfskomites auf das aller übrigen schloß. Die   amerikanische Presse, die nicht gewohnt ist, ein Blatt vor den Mund zu nehmen, zog denn auch kräftig auf den   deutschen Schlendrian los, was wiederum in   Deutschland arg verschnupfte. Natürlich richtete fich der Aerger zunächst gegen Vollmar, den man für das Mißverständniß verantwortlich machte. Allen voran zog Herr Leopold   Sonnemann in der Frankfurter   Zeitung" an hervorragender Stelle über Vollmar los, wohingegen eine von diesem eingesandte Berichtigung an fast ver­stedter Stelle unter Vermischtes" Aufnahme fand für Leute, welche den Ehrgeiz und die Wichtigthuerei des weiland Friedens- und Freiheits­Liguiften kennen, nichts Ueberraschendes.

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Da die ganze Angelegenheit in   Deutschland wie im Ausland ziemlich viel Staub aufgewirbelt hat, so hielten wir es für nöthig, hier eine kurze sachgemäße Darstellung zu geben.

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Aus   Oesterreich. Das Land der   Habsburger ist das Land des Schwindels par excellence. Schwindel in der Gesellschaft", Schwindel an der Börse, Schwindel in der Politik. Ein Erzschwindel ist die soeben beendete Reichsrathsdebatte über die Schulgesetznovelle. Hüben wie drüben nichts als Lug und Trug. Auf der Rechten elende Pfaffenseelen, welche angeblich im Interesse des armen Mannes, that­sächlich aber im Interesse der Volksverdummung die Schulzeit ver­fürzen wollen, Nationalitätshezer, welche Recht und Freiheit des ganzen Volkes verschachern um nationaler Sonderprivilegien willen, und gesin­nungslose Streber aller Art, auf der Linken, der freiheitlich- erglühten" Linken hochmüthige Deutschthümler, welche withend find, daß sie nicht mehr über die andern Nationalitäten herrschen sollen und mehr um ihrer Herrschaft als um der Schule Willen gegen das klerikal- konservative Attentat auf die Volksbildung proteftirten, Leute, die als sie am Ruder waren, jede wirklich freiheitliche Regung im Volke unterdrückten, welche die Forderungen der kleinen Nationalitäten mit Füßen traten und diese dadurch quasi zwangen, mit der reaktionären Regierung Hand in Hand zu gehen. An der Spitze dieser Regierung der edle   Taaffe, der echte Typus eines gewissenlosen Höflings, unterwürfig nach oben, herrisch nach unten, baar jeder selbständigen Jdee, Erfolganbeter und deshalb stlavischer Nachäffer Bismarcks, würdiger Halbbruder des beschränkten Gamaschenknopfs Franz   Joseph.

Diese Gesellschaft nun kämpfte den Kampf um die Schule, und die Regierung trug den Sieg davon. In den klerikalen Provinzen können die Pfaffen nunmehr den ohnehin unzureichenden Volksunterricht nach Herzensluft zusammenstreichen kein Wunder, daß Franz   Joseph sich beeilte, am Tage seiner Ankunft in   Wien sofort das Gesetz zu unter­zeichnen. Wenn es gilt, der Reaktion Vorschub zu leisten, dann sind diese gekrönten Biedermänner schnell bei der Hand!

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Ein zweiter Schwindel, auch nach berühmtem Muster", ist die Ar­beiterfreundlichkeit" des Grafen Taafe. Der Nachäffer Bismarc's macht gleichfalls in Sozialpolitik", ja wenn man seinen Offiziösen glauben dürfte, so hätte er nichts Geringeres vor, als den Normalarbeitstag in Desterreich einzuführen. Natürlich ist das nichts anderes als Sand in die Augen. Vorderhand aber wird damit nach Kräften geflunkert, um die Aufmerksamkeit des Volkes von der Schul­frage abzulenten. So werden denn jetzt im Abgeordnetenhause Sachver­ständige über die angeblich beabsichtigten sozialpolitischen Maßregeln ver­hört, und, um die Komödie recht glaubhaft zu machen, zog man auch einige bekannte Sozialisten, u. A. den Schriftsetzer Höger, den Maler Peutert und den Maschinenschloffer Pauler hinzu.

Aber ach, die Antworten derselben befriedigten die klerikal- konser­vativen Arbeiterfreunde keineswegs. Und siehe da, Tags darauf, nachdem er erklärt hatte, er stehe auf dem Standpunkt der radikalen Abschaffung der   kapitalistischen Produktionsweise, wurde der Schloffer Pauler aus er ist Deutschböhme ausgewiesen.  Wien und Niederösterreich Klassischer kann die Arbeiterfreundlichkeit der regierenden Kreise Defter­reichs nicht gekennzeichnet werden!-

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In   Prag fand vor Kurzem wieder einmal ein Sozialistenprozeß statt, der mit der Verurtheilung der Angeklagten zu mehrwöchentlichem Gefängniß endete. Ferner wurde Genoffe Ed. Wily, Herausgeber des, Proletar", wegen Störung der öffentlichen Ruhe(!) zu sechsmonat­lichem Kerker verurtheilt. Genoffe F. Schwarz aus Reichenberg, der seine ihm in dem großen Sozialistenprozeß aufdiktirte Strafe nunmehr abgeseffen hat, ist sofort aus   Prag ausgewiesen worden. Wie Kollege ,, Volksfreund" in   Brünn schreibt, sei derselbe keineswegs ent­rüstet über die Ausweisung.

Am 2. Mai nahm in   Lemberg(   Galizien) ein großer Sozialisten­prozeß seinen Anfang. Angeklagt sind 26 Personen; darunter sind 22 seit einigen Monaten in Haft und vier befinden sich auf freiem Fuße. Als Haupt der Angeklagten erscheint Sidorowicz, Hörer der Afa­demie der bildenden Künste in   Krakau, welcher in   Lemberg in ein photo­graphisches Atelier eingetreten war. Unter dem Einfluß des Sidorowicz standen die drei wichtigsten Angeklagten: Trabit, Kozakiewicz und Tychowski, die ihn, wie es in den Zeitungeen heißt, als ihren Führer betrachteten.

Was die Zeitungen sonst noch über die Angeklagten berichten, trägt so augenscheinlich den Stempel der Polizeimache an der Stirn, daß wir lieber abwarten wollen, bis uns ein authentischer Bericht zugeht. Wie es heißt, dürfte der Prozeß bis Mitte Mai dauern.  

Frankreich. Jm Gemeinderath von   Paris hat der Sozialist Joffrin vor einiger Zeit behufs Linderung der durch die Geschäftskrisis hervorgerufenen Arbeitslosigkeit den Antrag eingebracht auf Bewilligung von 500,000 Franken, welche den organisirten Fachvereinen zur Ver­fügung gestellt werden sollen, sowie auf Errichtung von Munizipalwerk­stätten. Zur Begutachtung des ersten Antrages fand jüngst eine allge­meine Gewerkschaftsversammlung statt, die sich im Prinzip mit dem Joffrin'schen Antrag einverstanden erklärte, d. h. sich dahin aussprach, daß das Geld den Fachvereinen ohne jede Vorschrift über die Art der Verwendung übergeben werden solle. Ueber die Höhe der Summe gingen die Meinungen auseinander; mehrere. Redner fanden dieselbe viel zu niedrig und verlangten bis zu fünf Millionen. Auch bezüglich der Art der Verwendung waren die Ansichten getheilt, man sprach von der Er­richtung von gewerkschaftlichen Produktivgenossenschaften 2c. Aus leicht­begreiflichen Gründen halten wir es vorderhand nicht für zweckmäßig, unserseits uns über den praktischen Werth dieser Vorschläge zu äußern. Nun haben auch die Sozialisten Roanner Programms einen Regionaltongreß für   Paris und Umgebung einberufen, und zwar auf den Anfang Juni. Die Tagesordnung besteht aus Punkten, u. A. die Arbeitskrisen, ihre Ursachen und die Mittel zu ihrer Beseitigung. Wäh­rend die Sozialisten St. Etienner Programms ihre Einladung vorzugs­weise an die Fachvereine richteten, wenden die Obengenannten sich ganz vorzugsweise an die revolutionären Gruppen, ohne Unterschied der Schule".

In   Moulins( Departement   Allier) fand am 26. und 27. April die Gerichtsverhandlung gegen Guesde,   Lafargue, Dormoy und Chapoulié statt und endete mit der Verurtheilung der drei Erftge­nannten zu 6 Monaten Gefängniß. Als Entlastungszeugen figurirten u. A. die sozialistisch- radikalen Deputirten Talandier und Tony  Revillon, mit welchen Guesde seinerzeit öffentliche Disputationen über den revolutionären Sozialismus abgehalten hatte, und welche erklärten, daß Guesde, so scharf und so leidenschaftlich er auch spreche, unmöglich die ihm zur Last gelegten Worte, direkte Aufforderung zu Diebstahl, Mord und Plünderung, gebraucht haben könne. Die Bertheidigung der Ange­