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No. 9.

Der Sozialdemokrat

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Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge.

ITEA

Briefe an die Redaktion und Erpedition des in Deutschland und Oesterreich verbotenen Sozialdemokrat" wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der Regel schide man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Decadressen. In zweifelhaften Fällen eingeschrieben.

Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten die Frankfurter Demokraten den Kampf gegen den mundtodt

und Gemaßregelten nicht!

Wahlfonds- Quittung.

Zum Widerstand bis zum legten Mann und elegten Groschen" weiter erhalten:

mel

enen

-üffel Epeisegesellschaft d. Dtsch. Vereins Winterthur ( Fr. 30-) Mr. 24-. RB. Disc. Verein dafelbft( 5-) 4-. Echneidergewerkschaft Genf ( 30-) 24. Mitgliedschaft deutscher Soz. Genf ( 90-) 72- vierte Rate. un Dtschr. sozialdemokr. Leseklub Paris ( 150) 120 Hg. Mahkn. 10-. Bft Von Fritschen( 5-) 4- dritte Ladung conna Lehmann's bodbeenchen : Ft Brokuristen. Arbeiterverein Oberstraß( 15) 12-. W. u. 2. St. Gallen .Du( 20-) 16- Krüppelschüße( 2-) 1 60 Dtschr. Arbeiterverein Eintracht 0 Glarus( 750) 6-. Union des socialistes Paris ( 120) 96-. Erfte Sieg Rate gesammelt vom Zentralfomite unter den französischen Sozialisten. OP Paris , dem dtsch. sozd. Lese club übergeben( 70) 56-), de la Fédé­ration des travailleurs socialistes de France. J. B. Clément 1 volume et 10 brochures( 2-) 160. Eine Tellersammlung des Egaux du XI.( 5) 4-. In Nr. 8 quittirt: Mr. 30,290 22. Dben( bis zum 23. Februar) quittirt Insgesammt: Mr. 30,741 42.

7.

5.

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451 20.

Die Administration des Sozialdemokrat".

Das Wahlresultat.

Wieder einmal hat die Sozialdemokratie Deutschlands einen glänzenden Beweis ihrer Lebenskraft abgelegt. Soweit das Wahlergebniß bis jetzt vorliegt, hat unsere Partei, mit ganz vereinzelten Ausnahmen, nicht nur feine Einbuße erlitten, sondern noch erheblich an Stimmenzahl ge­

wonner.

Und das trotz der heftigen Verfolgungen, denen unsere Ge­nossen in den letzten Wochen ausgesetzt waren, trotz aller

Hindernisse, die ihrer Agitation durch die Brutalität der Bolizei und die Niedertracht der kapitalistischen Ausbeuterschaft hr in den Weg gelegt wurden, das trotz der Denunziation als mil Vaterlandsverräther, und welche Verdächtigungen man

sonst noch für gut befand, gegen die verhaßte Partei der Hassenbewußten Arbeiter zu schleudern. Das trotz der dema­lem gogischen Ausnutzung des Mitleides mit dem 90jährigen Kaiser, bet trotz der Drohung mit allen Schrecken des Krieges, wenn nicht che eine Majorität gewählt werde, wie der allmächtige Kanzler sie braucht. Das trotz des Köders der chriftlichen Fürsorge für braucht. Das troß des Köders der christlichen Fürsorge für

den armen Mann auf der einen, und der Drohung mit noch ten tärkerer Verfolgung auf der andern Seite!

Ungleicher als je waren Luft und Licht zwischen den Bar­teien vertheilt, und doch geht unsere Partei mit stärkerer Stimmenzahl als je aus dem Wahlkampf hervor.

Das ist ein Zeichen von politischer Reife der klassenbewußten Arbeiterschaft Deutschlands , wie es großartiger gar nicht ge­

dacht werden kann.

166 Erfect

wodentlich einmal

int

Zürich ( Schweiz ).

Verlag

der Boltsbuchhandlung Hottingen : Zürich .

Poftfendungen

franto gegen franto. stone Gewöhnliche Briefe

sgs nach der Schweiz foften Doppelporto.

25. Februar 1887.

Im Allgemeinen betrachtet, bedeutet jedoch das Wahlergeb­niß einen Erfolg der Bismarck 'schen Wahldemagogie. Die bürgerliche radikale Opposition geht in jeder Beziehung

Und Sabor in Stichwahl gegen den Nationalliberalen, das ist die verdiente Lektion für die unrühmliche Art, mit der gemachten Gegner geführt. Wir wollen sehen, ob sie die ihnen geschwächt aus dem Wahlkampf hervor. Wir haben mit ihr zu Theil gewordene Lehre beherzigen werden!

Von 1139 auf 4274 Stimmen das ist die Antwort Stettins auf die schuftige Ausnutzung des von der Polizei selbst provozirten Tumultes in der Bock" Versammlung auf die Verhängung des kleinen Belagerungszustandes und die Massen ausweisungen am Vorabend des Wahltages.

Aus Hanau , aus Offenbach und Kottbus- Sprem­berg liegen uns entscheidende Wahlziffern bis jetzt noch nicht vor, doch steht bereits soviel fest, daß auch diese Kreise sich tapfer gehalten und eine Zunahme an Stimmen aufzuweisen

haben.

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß der Belagerungszustand nicht im Stande ist, unserer Partei Abbruch zu thun, so hat ihn die Wahl vom 21. Februar aufs Neue geliefert. Je länger er in einem Kreise besteht, um so stärker das Wachsthum unsrer Partei

daselbst.

Wenden wir uns nun von den belagerten Bezirken zu den übrigen Wahlkreisen, in denen unsere Partei den Kampf führte, so ist zuerst Nürnberg zu nennen, wo Grillenberger diesmal mit 14,800 Stimmen gleich im ersten Wahlgang seine fortschrittlichen und nationalkonserativen Gegner schlug. Bril­lant hat sich auch München gehalten, das im Ganzen über 15,000 Stimmen für Voilmar aufbrachte gegen ca. 10,000 im Jahre 1884.*) Im zweiten Wahlkreis kommt Vollmar gegen den Ultramontanen in Stichwahl. Sein Sieg wäre die richtige Antwort auf den famosen Massen- Geheimbundsprozeß. In Augsburg , in Bamberg , in Fürth , in Würzburg überall hat unsere Partei erheblichen Stimmenzuwachs zu verzeichnen. Bayern hat sich sehr gut gehalten.

Mit Geheimbundsprozessen scheint es der Regierung ebenso Glück. In Magdeburg , das ebenfalls mit einem solchen zu ergehen wie mit dem Belagerungszustand. Sie bringen kein bedacht wurde, hat Heine 1,520 Stimmen erhalten gegen 8112 bei der letzten Wahl. Er kommt diesmal mit dem Bis­märcker in Stichwahl, der circa 13,400 Stimmen hat.

Weitere Kreise, wo unsere Partei in Stichwahl kommt, sind Königsberg ( Godau), Breslau- Ost( Kayser), Bres­lau- West( Kräder), Kiel ( Heinze), Ottensen ( Mol­fenbuhr), Hannover ( Meister), Kassel ( Pfannkuch), Elberfeld ( Harm), Dresden- Altstadt( Bebel), Gotha ( Bock), Reuß ä. L.( Wiemer), Neuß i. 2. ( Rödiger), Solingen ( Schuhmacher) und Lübeck

( Schwarz).

Im Ganzen hat unsere Partei 6 Mandate im ersten Wahl­gang errungen und 17 Stichwahlen zu beſtehen mit zum Theil sehr günstigen Aussichten. Im Jahre 1884 hatten wir freilich

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9 Mandate im ersten Wahlgang erkämpft und 24 Stich­wahlen, so daß in dieser Beziehung ein Rückschlag zu ver­zeichnen ist. Derselbe entfällt faſt ausschließlich auf Sachsen . Dort haben die vereinigten Ordnungsparteien"( der sächsische " Freisinn" ging mit den Kartellbrüdern Hand in Hand) einen ahlterrorismus geübt, wie er bisher­Wahlterrorismus geübt, wie er bisher und man ist in Sachsen an Vieles gewöhnt Sachsen an Vieles gewöhnt selbst dort unerhört war. Polizei und Ausbeuterthum wetteiferten in Beeinflussungen der Wähler, die Kriegervereine bildeten wahre Prätorianerhorden und spielten am Wahltage die" Aufpaſſer", von den Wahl Belage- schwindeleien, ohne welche es in Sachsen nie abgeht, wenn schwindeleien, ohne welche es in Sachsen nie abgeht, wenn die Ordnungsbrüder sich vertragen, gar nicht zu reden. Durch alle diese schmutzigen Manöver gelang es, unserer Partei eine Anzahl von Mandaten zu stehlen-es gibt keinen andern

Bewunderungswürdig vor allen haben sich wiederum die Orte gehalten, in denen die schandbarste Bestimmung des Schandgesetzes auf unseren Genossen lastet der kleine Belage­rungszustand mit dem Damoklesschwert der Ausweisung jedes Mißliebigen. Was Hamburg Altona , Berlin , Leipzig Stadt und Land, was Frankfurt am Main geleistet,

übertrifft unsere kühnsten Erwartungen.

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Bon 37,000 auf 51,000 Stimmen das ist die heil­fame Wirkung von drei Jahren Belagerungszustand über die Hansastadt Hamburg - bon 10,000 auf 14,000 Stimmen, das ist die Antwort Altonas auf drei Jahre Engel­Despotie!

Ausdruck dafür, aber das fonnten die Banditen doch nicht verhindern, daß die von unseren Genossen erlangten Stimmen einen wesentlichen Zuwachs aufweisen. E

Einen mehr oder minder starken Stimmenzuwachs haben wir noch zu verzeichnen in Halle, Bremen , übed, I'm ersten und zweiten Wahlkreis glänzende Wieder- Danzig ( Antwort auf die Verhaftungen!), Nieder­barnim, Görlik, Waldenburg in Schl., Hagen , barnim , Görlitz , Waldenburg in Schl., Hagen , wahl der sozialdemokratischen Abgeordneten, im britten, wenn der Freifinn nicht den letzten Rest seiner politi- ennep Mettmann c. c.( Wir lassen die Zahlen weiter schen Traditionen aufgibt, Ersatz des Kolonialkönigs" Wörmann burch den böhmischen Schneider" Heinzel das ist die Antwort auf das nichtswürdige Urtheil gegen Kückelhahn und die wegen Geheimbündelei" im Gefängniß schmachtenden Ge­nossen E solid au

Von 71,000 auf 92,000 Stimmen, Singer und Hasen

clever glänzend gewählt, Christensen in Stichwahl das ist die Antwort der Berliner Arbeiter auf die Infamie der Jhring- Mahlowiade, das die Antwort der Ar­beiterklasse auf Ihren frechen Streit- Ufas, Exzellenz von Buttkamer!

Von 24,000 auf 30,000 Stimmen so trozt das be­lagerte Gebiet von Leipzig und Umgegend den Infamien ber fanatischsten Ordnungsbanditen Dentschlands.

huse

Bon 7900 auf 8600 Stimmen Sabor in Stichwahl so antwortet Frankfurt am Main , dem man soeben infzig seiner thätigsten und geübtesten Mitstreiter geraubt, auf die Einreihung unter die sozialistengesetzlich belagerten Städte.

unten folgen.)

Im Ganzen hat, wie gesagt, unsere Partei alle Ursache, auf die am 21. Februar abgelegte Probe ihrer Lebensfähigkeit stolz zu sein. In jeder Beziehung in ihren Bewegungen ge­lähmt, auf Schritt und Tritt der Polizeiwillkür überliefert, der Brutalität eines rücksichtslosen Gegners fast wehrlos preis­

gegeben, durch Verfolgungen aller Art materiell in wahrſten Sinne des Wortes ausgeschröpft, schließt sie doch, soweit wir das Resultat bis jetzt übersehen können, ihre Bilanz vom 21. Februar mit einer Zunahme von hundertfünfzig­tausend Stimmen ab.

Das ist ein Erfolg, der im höchsten Grade Bewunderung verdient und von den Genossen allerorts mit Begeisterung begrüßt werden wird.

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*) Wir legen bei diesen Vergleichungen selbstverständlich überall bie Ziffern des ersten Wahlganges zu Grunde.

viel abzurechnen, aber im gegenwärtigen Moment, da sie von einer Gesellschaft erdrückt worden, die an Schlechtigkeit unüber­troffen dasteht, würde es uns übel anstehen, wollten wir uns im billigen Spott über sie ergehen. Eher beschleicht uns ein Gefühl des Mitleids, wenn wir sehen, wie wenig den Herren Richter und Konsorten ihre Riesenanstrengungen genügt. Indeß, konnte es anders kommen? Bei ruhiger Prüfung der Sachlage werden sich die Herren selbst sagen müssen: nein!

Einer bürgerlich monarchischen Opposition gegenüber hatte Bismarck zu große Trümpfe in der Hand. Ob Sep­tennat oder Triennat, das ist eine Frage, für welche sich der Spießbürger unmöglich begeistern fann, nachdem einmal in der Sache selbst alles bewilligt war, was die Regierung gefordert hatte. Was aber hinter dem Septennat steckte, das wurde von Regierungsseiten frech geleugnet, und die liberalen" Herren Bennigsen und Miquel unterstützten das verrätherische Spiel noch durch ihre politischen Einschläferungspillen.

Um so mehr Eindruck auf das Bürgerthum mußte dagegen die wiederholte Erklärung machen, daß die Ablehnung des Septennats den Krieg bedeute. Daher die Fahnenflucht alles dessen aus dem deutschfreisinnigen in das nationalliberale Lager, was nicht radikal mit dem herrschenden System gebrochen hat. In der nationalliberalen Partei findet die Bourgeoisie die Wahrung ihrer Klasseninteressen gegenüber den Arbeitern mindestens ebensogut als in der Freisinnigen Partei ", und gegen Anforderungen von oben zu kämpfen, dazu fehlt eben dem deutschen Bürgerthum das Vertrauen in die eigene Kraft.

Wie groß die Niederlage des Freisinns, das läßt sich jetzt noch nicht übersehen, möglich, daß wir sie überschätzen, mög­politische Rechtsfrage war es, die 1881 den Aufschwung des lich, daß sie ihn auf die Ziffer herabbringt, die der Fortschritt bor 1878 zählte. Eine wirthschaftliche Interessenfrage, feine Fortschritts und die Sezession der linksliberalen Gruppe von der nationalliberalen Partei herbeiführte, diese Frage ist heute, wenn nicht gelöst, so doch in den Hintergrund getreten, und

so iſt's auch mit dem Aufschwung des Freiſinns vorläufig

vorbei.

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Das ist eben einer der Haupterfolge des Bismarck 'schen Regierungssystems- und darauf darf der Schnapsbrenner von daß er das Gefühl für Recht und Ge­Varzin stolz sein ständig erstickt hat. Das deutsche Bürgerthum ist praktisch rechtigkeit in den weitesten Kreisen des deutschen Volkes voll­geworden, sehr praktisch, und was gibt es Praktischeres, als mit der Macht paktiren, was Unpraktischeres, als sich mit Rechts- und Verfaſſungsfragen beſchäftigen?

Und als nun gar die Norddeutsche" und nach ihr der ge­sammte Chorus der offiziösen Organe bis zum kleinsten Land­rathsblättchen, in wohlberechneter Absicht die Drohung Bis­marc's wiederholten, daß der ersten Auflösung sofort eine zweite folgen werde, wenn der neue Reichstag nicht so aus­falle, wie die Regierung es wünsche, da war's mit dem letzten Rest von Widerstandsgeist vorbei. Noch einmal die Wahlheze und die mit ihr verbundene Störung des Geschäftslebens, wo es ja doch nichts nüßt? Nein, da geben wir lieber gleich

nach! Und Müller und Schulze, Lehmann und Schmidt gingen

hin und wählten national", d. h. knechtsselig.

Das ist die Charakterfestigkeit des deutschen Bürgerthums. Die Freifinnige Partei" ist zu einer Gruppe von einflußlosen Ideologen herabgefunken.

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Die Sozialdemokratie wird die Schlappen, die man ihr hier und da beigebracht, spielend überwinden, ob es dem Freisinn" ie gelingen wird, seine Niederlage wett zu machen? Jedenfalls haben wir kein Interesse daran, sie noch zu vergrößern. Wir fönnen daher für die bevorstehenden Stichwahlen nur wieder­holen, was wir bereits in voriger Nummer ausgeführt, daß wir uns dem Rath des sozialistischen Zentralwahlkomites, unter den vorgezeichneten Bedingungen für die Kandidaten der bürgerlichen Opposition zu stimmen, voll und ganz an­schließen.

Jetzt heißt es, die Bismärcker zu schwächen, soweit es immer nur in unserer Macht liegt.

Die Mehrheit, die Bismarck braucht, um das Sozialistengesetz

durchzudrücken, hat er zwar, und das ist vielleicht gut, denn so wird diese Frage ihm wenigstens nicht mehr dazu helfen, den politischen Kampf zu fälschen. Ob sie dazu ausreicht, seine sonstigen, gegen die Volfsrechte gerichteten Pläne zu ver wirklichen, wird die Zukunft zeigen.

Es wäre Selbstverrath, wollten wir ihm durch eine falsche Wahlparole unserseits dazu verhelfen. Gelingt es ihm ohne und wider uns gut, so werden wir darum auch keine Klage­lieder anstimmen. Die Sozialdemokratie sieht, gestützt auf die abgelegte Kraftprobe der Partei, den kommenden Ereignissen unerschrocken entgegen, sie wird sich in ihrer Politik des äußersten Widerstandes nicht beirren lassen, und auf