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Der Sozialdemokrat
Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge.
Briefe an die Redaktion und Expedition des in Deutschland und Desterreich verbotenen Sozialdemokrat" wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der Regel schide man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Decadressen. In zweifelhaften Fällen eingeschrieben.
Zum ersten Mai.
Wir haben uns in unserer Voraussicht nicht getäuscht. Die Frage, wie soll die deutsche Sozialdemokratie und die deutsche Arbeiterschaft, die in der Sozialdemokratie ihre berufene Vertreterin erblickt, den ersten Mai feiern, ist gelöst. So scharf die Meinungen sich gegenüberzustehen schienen, so bittere Worte auch in der Hiße der Debatte gefallen sind, in dem Augenblick der Entscheidung siegte das Bewußtsein der Nothwendigkeit einmüthigen Vorgehens, und wenn auch der erste Mai die klassenbewußte Arbeiterschaft in Deutschland nicht im Parademarsch wird aufmarschiren sehen, so wird er sie doch in allen ihren Theilen in Bewegung sehen, jede Abtheilung in ihrer Weise, nach ihren Verhältnissen demonstrirend, aber doch alle von dem gemeinsamen Gedanken beseelt: ein in selbständigen Zügen in der gleichen Richtung marschirendes Heer zielbewußter Streiter.
Die sozialdemokratische Fraktion des Deutschen Reichstags, die am 13. April in Halle a. S. versammelt war, veröffentlicht folgenden, von allen Mitgliedern, mit Ausnahme des in Untersuchungshaft befindlichen Genossen Kunert, unterschriebenen Aufruf:
An die Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands ! Der internationale Arbeiterkongreß, welcher am 14. Juli des vorigen Jahres in Paris zusammentrat, faßte in der Sigung des 19. Juli folgenden Beschluß:
Es ist für einen bestimmten Zeitpunkt eine große internationale Manifestation( Rundgebung) zu organisiren, und zwar dergestalt, daß gleichzeitig in allen Ländern und in allen Städten an einem bestimmten Tage die Arbeiter an die öffentlichen Gewalten( Be= hörden) die Forderung richten, den Arbeitstag auf acht Stunden festzusetzen und die übrigen Beschlüsse des internationalen Kongresses von Paris zur Ausführung zu bringen.
In Anbetracht der Thatsache, daß eine solche Sundgebung bereits von dem Amerikanischen Arbeiterbund( Förderation of Labor) auf seinem im Dezember 1888 zu St. Louis abgehaltenen Kongreß für den 1. Mai 1090 beschlossen worden ist, wird dieser Zeitpunkt als Tag der internationalen Stundgebung angenommen. Die Arbeiter der verschiedenen Nationen haben die Kundgebung in der Art und Weise, wie sie ihnen durch die Verhältnisse ihres Landes vorgeschrieben wird, ins Wert zu setzen."
Dies ist der Wortlaut des Beschlusses in möglichst treuer Uebersetzung.
Der Kongreß hat also nicht vorgeschrieben, auf welche Weise die Kundgebung des 1. Mai bewerkstelligt werden soll. Die Art und Weise der Ausführung ist dem Ermessen der Arbeiter der verschiedenen Länder überlassen worden.
Insbesondere ist nicht davon die Nede gewesen, daß am 1. Mai die Arbeit ruhen solle. Wäre eine derartige Ansicht ausgesprochen worden, so wäre sie auf entschiedenen Widerstand gestoßen, ebenso wie der Vorschlag, einen allgemeinen Streit zu organisiren, welcher Vorschlag von deutscher Seite bekämpft und von dem Kongreß zurückgewiesen wurde. Der Zweck des Beschlusses war, eine gleichzeitige Sundgebung der Arbeiter aller Länder zu veranlassen, um die Einheitlichkeit der Bestrebungen aller Arbeiter zu flarem Ausdruck zu bringen. In der Einheitlichkeit und Allgemeinheit der Kundgebung liegt ihr Werth. Es muß also Alles vermieden werden, was der Kundgebung diesen imposanten Charakter der Einheitlichkeit und Allgemeinheit nehmen könnte.
Ein allgemeines Ruhen der Arbeit läßt sich unter den gegenwärtigen Arbeitsverhältnissen unmöglich erwirken; im Wesentlichen dieselben Gründe, die den Kongreß veranlaßten, den allgemeinen Streit zu verwerfen, stellen sich auch dem Plan einer solchen allgemeinen Arbeitsfeier, dem allgemeinen Ruhenlasseu der Arbeit für die Dauer eines be= stimmten Tages, entgegen.
Zu diesen Erwägungen kommen noch politische Bedenken; es liegt in der Natur der Dinge, daß die Feinde der Arbeitersache in Deutschland jetzt Alles aufbieten, um den Arbeitern die Früchte des Sieges vom 20. Februar d. J. zu entreißen. Wer die Preßorgane der Bourgeoisie liest, ersieht aus denselben, daß die Feinde der Arbeitersache auf den 1. Mai große Hoffnungen fezen. Sie hoffen und wünschen, daß die Rundgebung des 1. Mai zu Konflikten mit der Staatsgewalt führen werde.
Unter solchen Umständen können wir es mit unserem Gewissen nicht vereinigen, den deutschen Arbeitern zu empfehlen, daß sie den 1. Mai zu einem Tage allgemeiner Arbeitsruhe machen.
Ein solcher Beschluß würde nicht durchzuführen sein; er würde in den Arbeiterkreisen selbst vielfach auf Widerstand stoßen; er würde möglicherweise wirthschaftliche und politische Konflikte von unabsehbarer Tragweite veranlassen, und dem Zweck der Manifestation nur Abbruch thun.
Die deutsche Sozialdemokratie hat nicht nöthig, Heerschau zu halten nach dem großen Aufmarsch und Sieg vom 20. Februar.
Das, worauf es ankommt, und das, was der Pariser Kongreß ge= wollt hat, ist eine allgemeine, imposante Kundgebung der Arbeiter zu Gunsten des Achtstundentages und der nationalen und internationalen Arbeiterschutzgesetzgebung. Die deutsche Arbeiterschaft soll möglichst in threr Gesammtheit den 1. Mai feiern, und dieser Zweck wird voll und ganz erreicht durch Abhaltung von Arbeiterversammlungen, Arbeiterfeste und ähnliche Kundgebungen, auf denen Massenbeschlüsse im Sinne des Pariser Kongresses gefaßt werden.
Wo immer man eine Arbeitsruhe' am 1. Mai ohne Konflikte erwirken kann, da möge es geschehen.
Ob nun aber das Eine oder Andere am 1. Mai geschieht, überall, wo Massenzusammenfünfte stattfinden, empfehlen wir den Leitern dieser Arrangements auf's Dringendste, durch Aufstellung zahlreicher Ordner, die äußerlich kenntlich find, dafür zu sorgen, daß es zu keinerlei Störungen und unliebsamen Auftritten kommit.
Weiter empfehlen wir, unbeschadet der Gestalt, welche die Manifeftation annimmt, allüberall die Sammlung von Maffenunterschriften für eine Petition an den Reichstag zu organijiren, in welcher die Verwirt lichung der Beschlüsse des Pariser Jnternationalen Arbeiterfongresses gefordert wird.
Dieser Petitionssturm soll am 1. Mai beginnen, und die Sammlung der Unterschriften soll die nächsten Monate hindurch bis Ende September d. J. ununterbrochen betrieben werden.
Endlich muß die Manifestation auch benust werden, neue Arbeiter Organisationen, wo solche noch nicht bestehen, in's Leben zu rufen und die bestehenden Organisationen zu feitigen. Ohne Organisation im Kampfe fein Sieg.
In jedem Fall rechnen wir in all diesen Dingen auf die kräftigste Mitwirkung der Arbeiterpresse.
Sind nicht überall Redner vorhanden, welche in Versammlungen die Beschlüsse begründen können, so werden sich doch überall tüchtige Genoffen finden, welche die Resolution, deren Wortlaut wir nachstehend folgen lassen, verlesen und mit den angemessenen Erläuterungen versehen
fönnen.
Parteigenossen, Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands !
Die Pflichten, welche das Vertrauen unserer Wähler, die Beschlüsse dreier Parteikongresse und der Zwang der Verhältnisse uns auferlegen, sind die Veranlassung, daß wir in dieser Angelegenheit das Wort nehmen, obgleich schon mehrfach Beschlüsse bezüglich der Feier des 1. Mai gefaßt sind.
Parteigenossen! Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands !
Wir wissen, daß Ihr auf der Höhe Eurer Aufgabe steht. Ihr werdet auch am 1. Mai die besonnene Haltung bewahren, der wir den Sieg des 20. Februar verdanken.
Wir wissen, Ihr seid Euch der Bedeutung des Momentes voll bewußt, und Ihr werdet durch Massentheilnahme an der Manifestation des internationalen Arbeitermaitags, Euch des Vertrauens, mit welchem
die Arbeiter der Welt auf die Sieger des 20. Februar blicken, würdig zeigen.
Halle a. S., den 13. April 1890.
Die sozialdemokratische Fraktion des deutschen Reichstages. Auer. Bebel. Birk. Blos. Bock. Bruhns. Diets. Dreesbach. Förster. Frohme. Geyer. Grillenberger. Harm. Heine Hickel. Joest. Liebknecht. Meister. Meßger. Moltenbuhr. Schippel. Schmidt( Frankfurt ). Schmidt( Mittweida ). Schulzze. Schuhmacher. Schwarz. Seifert. Singer. Stadthagen . Stolle. Tuzauer. Ulrich. Vollmar. Wurm.
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Resolution:
Die amt 1. Mai in.... tagende, von ungefähr Personen be suchte Versammlung erklärt im Einverständniß mit den Beschlüssen des Pariser Arbeiterfongresses, auf welchem die deutsche Arbeiterschaft durch fast hundert Delegirte vertreten war, daß die Forderung eines gesetzlich festzustellenden Normalarbeitstages, der in den wirthschaftlich entwickelten Ländern schon jetzt, unter Wahrung aller berechtigten Intereffen der Industrie, auf acht Stunden bemessen werden kann, sowie die übrigen von dem Pariser Kongreß formulirten Forderungen des nationalen und internationalen Arbeiterschußes eine Lebensfrage für das arbeitende Volk sind, und sie wendet sich an die Gesetzgebung mit dem Verlangen, diesen Forderungen gerecht zu werden.
Das Bureau der Versammlung wird beauftragt, die soeben beschlossene Refolution unter Beifügung der einschlägigen Beschlüsse des Pariser Kongresses zur Kenntniß des Deutschen Reichstages zu bringen. Diese Beschlüsse des Pariser Kongresses lauten:
" In Erwägung, daß die kapitalistische Produktion in rascher Entwickelung nach und nach die ganze Welt erfaßt, in Erwägung, daß die kapitalistische Produktionsweise die steigende Ausbeutung der Arbeiterklasse durch die herrschende Klasse bedeutet,
daß die immer intensivere Ausbeutung die soziale und politische Unterdrückung und Versklavung der Arbeiterklasse zur Folge hat, zu ihrer physischen und moralischen Degeneration führt,
daß es deshalb Pflicht und Aufgabe der Arbeiterklasse aller Länder ist, diese sie ruinirende und die freie Entwickelung der Menschheit be= drohende Gesellschaftsorganisation mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu bekämpfen,
daß es sich aber in erster Linie darum handelt, der weiteren verHeerenden Wirkung der herrschenden Wirthschaftsordnung entgegen zu arbeiten,
beschließt der Kongreß:
I. Die Schaffung einer wirksamen Arbeiterschutz- Gesetzgebung für alle Länder mit moderner Produktion ist eine unabweisbare Nothwendigkeit.
Als Grundlage derselben betrachtet der Kongreß:
a) den 8stündigen Normalarbeitstag.
b) Berbot der Arbeit von Kindern unter 14 Jahren und Beschränfung der Arbeit aller Minderjährigen von 14-18 Jahren auf 6 Stunden pro Tag.
c) Verbot der Nachtarbeit mit Ausnahme für jene Betriebe, welche ihrer Natur nach ununterbrochenen Betrieb erfordern.
d) Ausschluß der Frauenarbeit in allen den weiblichen Organismus besonders schädigenden Betrieben.
e) Verbot der Nachtarbeit für Frauen und für männliche Arbeiter unter 18 Jahren.
f) Eine mindestens 36 Stunden hintereinander umfassende Nuhezeit pro Woche.
g) Verbot solcher Industrien und solcher Arbeitsmethoden, welche der Gesundheit der Arbeiter besonders schädlich sind.
h) Aufhebung des Trucksystems.
i) Eine alle industrielle Betriebe, einschließlich der Hausindustie, um= fassende Inspektion durch staatlich besoldete Inspektoren, welche mindestens zur Hälfte von den Arbeitern selbst zu wählen sind.
II. Der Kongreß erklärt es für nothwendig, alle diese Maßregeln durch Gesetze bezw. durch internationale Verträge zu sichern und for= dert die Arbeiterklasse aller Länder auf, in der ihnen am geeignetst erscheinenden Weise für die Verwirklichung dieser Forderungen einzutreten und ihre Durchführung zu überwachen.
III. Außerdem erklärt der Kongreß: Es ist Pflicht aller Arbeiter, die Arbeiterinnen als gleichberechtigte Mitkämpferinnen anzusehen und dem Grundsaße: Gleicher Lohn für gleiche Leistungen auch in Be= zug auf die Arbeiterinnen zur Geltung zu verhelfen. Alls ein wesentliches zum Ziel führendes Mittel hierfür, wie für die Verwirklichung der Emanzipationsbestrebungen der Arbeiterklasse überhaupt, erachtet der Kongreß die Organisation der Arbeiterklasse und fordert demnach volle Koalitions- und Vereinigungsfreiheit.
Wir haben dem nur wenig hinzuzufügen. Wir sind vollständig damit einverstanden, daß die deutsche Sozialdemokratie ständig damit einverstanden, daß die deutsche Sozialdemokratie nach ihrem glänzenden Sieg vom 20. Februar einer Heerschau nicht bedarf. Wir sind uns auch sehr wohl der Faktoren bewußt, die es heute zu einem Ding der Unmöglichkeit toren bewußt, die es heute zu einem Ding der Unmöglichkeit machen, daß der Arbeiterfeiertag einen so gewaltigen Umfang annehme, wie das sozialdemokratische Botum am 20. Februar. Am Wahltag, vor der Wahlurne, ist der wahlberechtigte Arbeiter sein eigner Herrer fann, wo nicht flagrante Verletzung der geheimen Stimmabgabe geübt wird, nach seiner Ueberzeugung stimmen. Und selbst wo das Wahlgeheimniß zu brechen versucht wird, ist ihm das Bewußtsein, daß so und so Viele genau so stimmen wie er, und daß Gesez und
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Erscheint
wöchentlich einmal
in
Berlag
der
Boßfendungen
franto gegen franto. Gewöhnliche Briefe
nach England tosten Doppelporto.
19. April 1890.
Necht auf ihrer Seite sind, in vielen Fällen eine Anfeuerung, nun doch seiner Meinung zu folgen. Am Wahltag wird jeder Arbeiter berufen, seine Stimme abzugeben; es ist die - der erste Mai aber ist der Zeit der allgemeinen Agitation Tag der besonderen Agitation, nur die Arbeiter und diejenigen, die zu ihnen halten, und nur die Arbeiter, die ihr Klasseninteresse gegenüber dem Kapital begriffen haben, erkennen ihn an hier kann das Kapital seine ökonomische Uebermacht, die es heute noch besigt, mit viel mehr Nachdruck geltend machen, hier fallen die kleinen, die kleinlichen Umstände ins Gewicht, die Kette der Abhängigkeit, die ,, dem Geist die Flügel knickt".
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Das wissen wir, und trotzdem nein, grade des wegen freuen wir uns, daß der Gedanke des Arbeiterfeiertags nicht absolut fallen gelassen wurde. Wir sind vor dem Verdachte gefeit, Verächter des allgemeinen Stimmrechts zu sein, wir haben zu allen Zeiten die Bedeutung dieser Waffe für den Befreiungskampf der Arbeiter voll anerkannt und gewürdigt. Aber wir haben uns nie Illusionen darüber hingegeben, nie Illusionen darüber genährt, daß das allgemeine Stimmrecht nicht Alles kann. Es ist eine gute Waffe im Befreiungskampf der Arbeiter, aber es ist keine allmächtige, es ist auch nicht die einzige Waffe. Der rechte Kämpfer aber muß in allen Waffen geübt sein. Und darum ist es gut, daß die deutschen Arbeiter, die die eine Waffe so gut zu handhaben verstehen, sich nun auch einmal in einer andern üben. Möglich, daß sie nicht gleich das erste Mal darin Glänzendes leisten, aber das macht nichts; sie werden mit der Zeit es auch darin zu etwas Ordentlichem bringen.
Denjenigen unter den deutschen Arbeitern nun, die auch diesmal schon den ersten Mai als Feiertag zu begehen Willens sind, erwächst damit eine große Aufgabe, aber wir zweifeln keinen Augenblick, daß sie sich derselben bewußt und entschlossen sind, ihr in jeder Weise gerecht zu werden. Es gilt vor Allem den Feiertag, den sie sich selbst gegeben haben, sich durch nichts entweihen zu lassen wir wählen mit Absicht diesen Ausdruck. Je höher ihnen der Gedanke des Feiertags der Arbeit steht, um so mehr müssen sie ihn als einen Weihetag betrachten und hochhalten. Es wird sich nicht nur darum handeln, etwaigen Provokationen keine Folge zu geben, sondern auch darum, den Feinden der Arbeiterfache gar keine Gelegenheit zu Provokationen zu geben. Und es wird sich ferner darum handeln, Alles zu vermeiden, was unsere Gegner in die Lage bringen könnte, den Arbeiterfeiertag zum Gegenstand des Spottes zu machen. Wer zur Vorhut gehören will, übernimmt doppelte Pflichten. Ruhig und selbstbewußt, in heitrer Siegeszuversicht, mögen die zum Feiern entschlossenen Genossen den Tag der Arbeit" in der Weise begehen, die ihnen am würdigsten erscheint: durch Ausflüge in die freie Natur, durch Besuch der Museen und Gallerien denn es wird sich ja vorzugsweise um Bewohner der großen Städte handeln aber keinen Augenblick den hohen Zweck außer Augen lassen, dem sie dieses Opfer bringen. Keine Provokation, keine Szenen des Uebermuths wenn der Tag der Arbeit einen Sinn haben soll, dann muß er uns höher stehen als jeder andere im Jahr.
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Das gilt übrigens für alle auch für die, welche nur den Nachmittag oder den Abend des ersten Mai zu feiern gedenken. Wir wiederholen, es wird nicht möglich sein, der Demonstration den Umfang zu geben, den die des 20. Februar gehabt; was ihr in dieser Hinsicht noch abgeht, muß durch die ganze Art der Feier ersetzt werden. Erfülle sich daher ein Jeder mit dem Gedanken: das Wahlrecht ist den deutschen Arbeitern gegeben worden, der Wahltag wird von oben bestimmt, der erste Mai aber ist ein Festtag, den sich die Arbeiterklasse selbst gibt ein Feind der Arbeiterschaft, der die Weihe dieses Tages stört.
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II.
Die Ausführungen Bracke's, inwiefern die politischen Voraussezungen des Lassalle 'schen Vorschlags fehlen, übergehen wir. Einmal, weil gerade in ihnen der Widerhall des damaligen Zwistes sich berhältnißmäßig am stärksten ausprägt, zweitens, weil sich seit Erscheinen der Schrift die Verhältnisse in Deutschland wiederum ganz wesentlich geändert haben, und drittens, weil in Bezug auf diesen Punkt heute am wenigsten Meinungsverschiedenheit besteht. Hören wir daher nur die Schlußfäße:
Sollte das Königthum in Deutschland vielleicht noch einmal in Bedrängniß gerathen, so ist es nicht unmöglich, daß dasselbe versucht, sich auf die Arbeiter zu stüßen. Welcher Ehrlichkeit man sich aber von Seiten seiner Räthe dann versehen könnte, das will ich nicht entscheiden. Man wird mir Necht geben, wenn ich sage, daß ein Miß brauch der Arbeiterklasse in rein dynastischem Interesse dann nichts Unwahrscheinliches iſt.
Und deshalb ist es ein unverantwortliches Unrecht, wenn heute noch für den Lassalle'schen Vorschlag Propaganda gemacht wird, wenn man heute noch die Arbeiterklasse mit dem Nufe nach Produk tip Assoziationen mit Staatshilfe erfüllt!!-
Die Emanzipation der Arbeiterklasse durch das Königthum ist aber anch allgemein geradezu unmöglich: Ein Königthum, das ehrlich und mit allen Mitteln einschlägige Maßregeln ergriffen, würde doch bald einsehen, daß bei einem gewissen Grade ihrer Entwicklung seine eigene