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3. Jahrgang.

78

Scaldemokrat

Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowatischen Republit.

Militarisierung der Republit.

Mittwoch, 6. Juni 1923.

Das neue deutsche Angebot.

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Erster Zwed: Berhandlungen.- Mehrjähriges Moratorium. Zahlung in 35 Jahresraten. Die Wirtschaft soll für 500 Millionen Goldmart garantieren.

Berlin , 5. Juni,( Eigenbericht.) Das neue deutsche Angebot ist jetzt fertiggestellt und soll Donnerstag den Regierungen überreicht werden. Freitag wird die Beröffentlichung erfolgen. Der Inhalt wird noch geheim gehalten. Nur soviel läßt sich sagen, daß das Angebot die Form eines Memorandums zum ersten Angebot haben wird. Von der Festseßung einer Endsumme ist abgesehen worden, da der erste Zwed des Angebotes ist, Verhandlungen einzuleiten. Es wird ein mehrjähriges Mora torium für die Geldleistungen vorgeschlagen, während dessen Sachleistungen zu ent richten sind. Dann sollen die Zahlungen in 35 Jahresraten erfolgen. Die Wirtschaft soll mit einer Garantie von 500 millionen Goldmark herangezogen werden. Die Leistungen sollen aus dem Budget bestritten werden. Die Sozialdemokraten haben ihren ganzen Einfluß aufgeboten, um eine gründliche Fundi erung des Angebots durchzusetzen. Es wird im Falle einer Verständigung ihre Hauptsorge sein, daraufhin zu arbei­ten, daß die Kosten von den besißenden lassen getragen werden.

Vor etwa einem Jahre sprach Präsident Masaryk das berühmte Wort: Wir haben feinen Militarismus!" Das klang wie eine um fünf Jahre verspätete mechanische Hervorkehrung eines Grundjazzes, dem die heutigen Machthaber zur Zeit des Bestandes des Habsburgerreiches gehuldigt haben, da der Antimilitarismus zu dem Vorrat an ethischen, demokratischen und freiheitlichen Idealen ge­hörte, in deren Zeichen sie für die Befreiung ihrer Nation wirften. Diese Reminiszenz an längst abgetane Ideale nahm auch damals schon angesichts der in Waffen starrenden Re­ publik niemand ernst. Seither muß der Blin­beste gewahr geworden sein, daß die Entwid­lung des Militarismus bei uns weit über seinen Stand in der Zeit vor dem Krieg hinaus gediehen ist. Doch tionalen gewisse Vorbehalte machten. suchte man damals bis in die letzten Monate Innerhalb der Deutschnationalen bestehen näm­lich zwei Strömungen. Die eine unter der hinein die Fiktion aufrechtzuerhalten, daß alle Rüstungen nur der Erhaltung des Friedens Berlin , 5. Juni. Bei dem gestrigen Emp. Führung elfferichs unterstüßt die Politif dienen, so macht man jest kaum mehr ein Behl wurde diesen der endgültige Inhalt der deutschen Grafen We starp verfolgt eine intransigente dienen, so macht man jetzt kaum mehr ein Gehl jang der Parteiführer durch den Reichskanzler des Reichskanzlers, die andere unter Führung des daraus, daß die fortschreitende Militarific- Note mitgeteilt. Hiebei erklärten sich die Führer Politif. Die deutsche Note wird am Donnerstag rung die Vorbereitung für einen neuen der Arbeitsgemeinschaft der Mitte nachmittags überreicht, und am Freitag veröffent­Krieg ist. und die Sozialdemokraten mit der Note licht werden. einverstanden, während die Deutschua­

Die Deutschnationalen machen Borbehalte.

Czernin als Hochverräter gebrandmarkt.

Sensationelle Enthüllungen Otto Bauess, im Nationalrat.

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Nr. 129.

Ausreise verlangt, weil er um sein Leben in Wien gefürchtet hat. Ich konnte seinem Ersuchen nicht entsprechen. Dabei hat er getrachtet, mir die Notwendigkeit der Otkupation Wiens durch die Ententetruppen zu beweisen. Er hat sich beklagt, daß die österreichische Regierung gegenüber den Komunisten schwach sei, und daß Dr. Bauer ein heimer Berbündeter der Belschewili ist.

Haben Sie, druck gehabt, daß Cz Einvernehmen mit de rung gedacht hat?

Gesandter, den Ein­an eine Aktion im österreichischen Regie

Antwort: Nein. Im Gegenteil. Ich habe die Empfindung gehabt, daß es sich bei der Ollupation um eine Aktion han­deln sollte, die ohne die österreichische Regierung oder über ihre Köpfe hinweg gemacht werden sollte.

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Was ist Ihnen, Herr Tusar, über eine angebliche Verhandlung der militärischen Ver treter der Ententestaaten in Wien wegen der militärischen Oflupation bekannt?

Antwort: Ich war bei zwei oder drei Zusammenkünften der militärischen Repräsen lanten der Ententemächte in Wien anwesend, in denen über die Frage verhandelt wurde, ob man von der Pariser Konferenz die militä­rische Besetzung Wiens wegen angeblicher Ge­fahr von den Räterepublilen in Ungarn und Bayern verlangen sollte. Ich habe jede Be­teiligung der Tschechoslowakei an einer solchen Attion abgelehnt.

- Ist bei solchen Beratungen auch von Czernin die Rede gewesen?

Gesandter Tufar antwortete: Es ist re­feriert worden, daß eine ganze Reihe von Per­sönlichkeiten, besonders vom früheren Hoch­adel

in einem Prager Interview die hochverräterischen Umtriebe Czernins.- bei hen Ententevertretern vorgesprochen Czernin als Bittsteller bei dem elenden, erbärmlichen Majary?" überwiesen.

Ist die Behauptung des Abg. Renner, daß Czernin zweimal bei Ihnen war und Ihnen die Besetzung von Wien durch Entente­truppen empfohlen hat, richtig?

und um die militärische Interven= tion gebeten haben. Unter diesen ist auch der frühere Minister Czernin genannt worden.

Ist Ihnen Herr Gesandter etivas da­von bekannt, daß sich Czernin auch an den Präsidenten der Republil Mafaryl gewandt hat?

Wie anders könnte auch der Plan auf­gefaßt werden, den der agrarische Benkov", der seit Udržal das halboffiziöse Organ des Ministeriums für nationale Verteidigung ge­worden ist, über die Schaffung eines, Ober­Sten Kriegsrats" mit einer naiven Selbstverstädlichkeit spricht, als handelte es sich um die harmloſeſte Sache von der Welt. Dieser Oberste Kriegsrat joll aus einem halben Dußend Minister und einem militärischen Bei­rat zusammengesetzt werden, als welcher an­Wien, 5. Juni .( Eigenbericht.) Die Sen- Jörtert wurde. Der Berichterstatter der Arbeiter­geblich der Oberst selecanda ausersehen ist. Auf fation der heutigen Sitzung des Nationalmates zeitung" in Prag hat heute den Gesandten Tufar diesen Herrn Klecanda weist wohl das Signum war die Verlesung eines Interviews feitens des aufgesucht und ihm eine Reihe von Fragen vor 2. S. hin, mit welchem der Artikel des" Ben- Abgeordneten Dr. Bauer, das der Prager gelegt, auf die Tujar wie folgt antwortete: fob" gezeichnet ist. In diesem Artikel wird Berichterstatter der Arbeiterzeitung" mit dem Zusar antwortete: Czernin hat mir nun als Zwed des Obersten Kriegsrates die tschechoslowakischen Gesandten in Berlin , Tufar, bei seinem Besuche einen eigen händig geschriebenen Brief an den allseitige Bereitschaft", die nicht hatte. Im Nationalrat stand heute bei der Be nur militärisch zu sein habe, zum handlung. Dr. Bauer meldete sich sofort zum ratung des Budgets das Justizressort in Ver­Präsidenten Masaryk übergeben. Gesandter Tujar antwortete darauf: Schutz des staatlichen Gebietes" erklärt. Der Wort und führte aus, daß zu den Obliegenheiten Czernin war auf der tschechischen Dazu bemerkt Dr. Bauer: Czernin hat schon Strieg habe gezeigt, daß die moderne der Staatsanwaltschaft auch die Verfolgung Gesandtschaft in Wien zweimal. Ich selbst zugegeben, daß er im Oktober 1918 ant Sriegführung nicht nur eine Sache der hoch verräterischer Umtriebe gehöre. fann mich besonders erinnern an das Gespräch, den damaligen österreichisch - ungarischen Minister Armee sei, sondern die aller staatlichen In diesem Zusammenhang, sagt Bauer, muß ich das ich mit ihm am Tage des blutigen Zu- des Aeußern Andrassy herangetreten sei, um ihn sammenstoßes bei der Votivkirche geführt hatte. zu veranlassen, die Beseyung Wiensdurch Sträfte, die notwendigerweise mobilisiert wer- in dieser Debatte auf die Angelegenheit zurüdiom­Czernin hatte von mir die Ermöglichung der englische Truppen einzuleiten. Czernin den müßten. Die Mobilisierung der Industrie, men, die schon gestern hier sehr ausführlich er redete sich, wie wir schon hörten, darauf aus, des Handels, der öffentlichen Arbeiten und der eeeee0ec0000000000000000000001CONZUKONKUR INCOTECO ●●● daß damals, im Zeitpunkte seiner Intervention bei Andrassy , die österreichische Republik noch Verwaltung erst im Kriege durchzuführen, würde viele Schwierigkeiten bereiten, darum noch gaben die Regierenden eines Staates zu, regelrechter Bündnisvertrag abgeschlossen wor- nicht begründet war. Czernin hat aber seine Be müsse sie schon im Frieden durchgeführt wer- nicht den Frieden zu wollen, durfte doch sogar den sein sollte, die Tatsache bleibt beſtehen, mühungen, eine Offupation Wiens durchzusetzen, den. Und nun wird erzählt, daß der nächste der russische Zar inmitten der fieberhafteſten daß die tschechoslowakische Auslandspolitik sich auch noch in der ernſteſten Zeit, die unſere Ne Strieg mehr noch als der leyte , das natio- militärischen Rüstungen sich als Friedensengel Frankreich treu ergeben zeigt, was Foch in public durchlebte, in einer Zeit, da unsere Re nale und staatliche Leben tief berühren und mit dem Balmzweig produzieren und die all- den Worten ausdrückte, daß die Tschechoslo- präsentanten überall bemüht waren, Hilfe und wakei ebenso auf Frankreich zählen dürfe, wie unterstützung für Ssterreich zu erhalten, fortgesetzt. die gesamten Kräfte der Bürger erfordern" gemeine Abrüstung vorschlagen! Staaten und Völker, die bis an die dieses auf die Tschechoslowakei rechne. Und er Anfangs Juni 1919 ist Ssterreich der erste Ent­werde. Dann heißt es: Die Teilmobili­sierungspläne, von den einzelnen Mi- Zähne bewaffnet dastehen, pflegen leichter ge- versicherte, daß Frankreich mit lebhafter wurf des furchtbaren Friedensvertrages über­nisterien ausgearbeitet, müssen auf einer ein reizt" zu sein, als andere, die weniger Sol Sympathie die Entwicklung des tschechoslowa- reicht worden. Damals war die ganze Anstren gerichtet, eine Wilderung dieses Entourjes duh heitlichen und bestimmten Grundlage beruhen; daten zur Erhaltung des Friedens" unter fischen Heeres verfolge", in welcher" Sympa- gung unserer Vertreter in St. Germain darauf die Pläne dürfen einander nicht widersprechen den Waffen halten, ihr Ehrgefühl" ist ein hie" die. Aufforderung eingeſchloſſen ist, nur zusetzen. In diesem Augenblid hat Czernin , der ... daher ist es notwendig, schon im Frie- potenziertes und gar leicht ist dann ein An- immer mehr zu rüſten, damit der tschechoslo- nur Angst um sein Leben hatte, verlangt, den einen höheren Organismus als es die ein- laß gefunden, der den Patrioten die Gelegen- wakische Militarismus einen guten Posten in daß Oesterreich zu einem besetzten Lande werde. zelnen Ministerien sind, zu schaffen, der die heit gibt, zu beteuern, daß man sich so etwas der Rechnung des imperialistischen Frankreich Es steht fest, daß nicht wir um die Besetzung allgemeine Mobilisierung des nicht gefallen lassen" fönne und daß es nun Unsere Militariſten laſſen ſich das nicht daß sie die Ententegesandtschaften angegangen ganzen Staates und nicht nur die seiner das" Prestige" der Nation und des Staates erfordere, die Waffen sprechen zu lassen. Schon zweimal sagen und sie sorgen dafür, daß die ſind, Desterreich zu besehen, nicht int Wehrmacht vorzubereiten hätte." Muß man nicht, wenn man das liest, die die durch die chauvinistische Presse unaufhör Militarisierung der Republik fortschreitet. Einvernehmen mit uns, sondern, wie sich Tufar Empfindung haben, wir ständen unmittelbar lich geschürte Eitelkeit, die spielend leicht in Staum fünf Jahre nach dem Kriege, von dem ausdrückt, über unsere Köpfe hinweg, vor den drohendsten Kriegsgefahren? Dies Angriffsluft umschlägt, bildet bei militariſtiſchen jedr menschlich Fühlende meinte, seine Greuel ja jogar gegen uns. Ich überlasse es Ihnen, umsomehr, als die Williardeninvestitionen für Staaten eine stete Gefahr für den Frieden und Schrecken müßten bewirken, daß er der ob die Behauptung Czernins, von der Besetzung militärische Bauten, der Bau immer neuer Luft- und die Erfahrungen haben die Verlogenheit letzte sei, wird nicht nur von der Möglichkeit im März noch irgendwelche Wahrscheinlichkeit fahrzeuge, Leuchttürme, Proßwagen und Ge- des Wortes, daß, wer den Frieden wolle, müsse neuer Seriege gesprochen, sondern auch alle hat. Es gehört zum Charakterbild Czernins, daß schüße, diesen Eindruck verschärfen. Gegen wen für den Krieg rüsten, längst erwiesen. Dazu Vorbereitungen für sie getroffen. Fünf Jahre er den Mann, den er in der gemeinsten Weise gesuch bestürmie. Damit ist für mich der Fall nun richten sich diese Rüstungen, die eine kommt, daß die Politik des tschechoslowakischen nach dem Serieg und wir sollen wieder einen beschimpft hat, ein Jahr später mit einem Bitt Militarisierung nicht nur aller staatlichen Ein- Staates, wenn auch Herr Dr. Benesch den Oberſten Kriegsrat bekommen, noch dazu mit- Czernin erledigt. Czernin ist sozusagen der letzte richtungen, sondern auch des ganzen wirtschaft- Neutralen" spielt, wie die Politik feines ten im Friedenszustand. Noch ist außer dem Ausläufer dessen, was in andern Sändern sie lichen Lebens in der Republik bedeuten? Wir zweiten Staates im Stielwasser der franzöſi- inneren Feind" kein anderer" eind" sichtbürgerliche Demokratie ist. Es ist bezeichnend für leben doch im Frieden und von nirgends droht schen Militär- und Machipolitik einher bar, aber vielleicht geht man nicht irre, daß den heutigen Tiefstand der bürgerlichen Klasse, der Republik ernste Gefahr! Zudem hören wir schwimmt, was den Machthabern feineswegs sich vorerst gegen diesen die Rüstungen feh- daß ihre Entwicklung sie dahin gebracht hat, daß täglich Lobgefänge auf die Seleine Entente er- das Recht verleiht, sich als Anwälte des Frieren. Darüber hinaus fann die Kriegsspielerei sie von Männern geführt wird, die in politischen lichsozialen stehen und deren moralische Quali­schallen, welche die kleineren Störenfriede wie dens aufzuspielen. Der Herr Marschall Foch aber sehr leicht eines Tages Ernst werden. Die und sozialen Fragen weit rechts von den Christ Ungarn , so wunderbar in Schach halte! Die hat jüngst die tschechoslowakische Armee inspi- geplante Schaffung des Obersten Kriegsrates täten charakterisiert sind durch das Dokument, das Rüstungen sind gegen niemand gerichtet, so ziert und hat versucht, die Tschechoslowakei für muß der Arbeiterschaft flar machen, was die ich jetzt vorgelesen habe. Die Ausführungen Dr. Vauers machten wird versichert, und dienen nur dem Schuße ein militärisches Bündnis mit Frankreich zu Kapitalisten und Imperialisten in unserem des Staates und des Friedens. Aber so hörte gewinnen. Ob ihm dies formell gelungen Staate bezwecken. Das muß die Wachsamkeit den größten Eindruck auf das Par­Lament. man es auch vor dem Kriege und niemals ist, mag zweifelhaft sein, doch wenn auch kein der Arbeiterklasse doppelt erhöhen!

bilde.

Wiens gebeten haben, sondern die Herren vont hohen Adel, unter ihnen auch der Herr Czernin .